Unterwegs auf Strecke

31. Canitzer Streckenflugwoche 4. – 13. Juni 2026

Der erste Wettbewerb meines Wettbewerbsmarathons stand vor der Tür. Dreieinhalb Wochen Urlaub: zuerst Riesa dann die Deutsche Meisterschaft der Clubklasse auf dem Feuerstein. Ich machte mir bei Beiden keine besonders großen Hoffnungen auf gute Platzierungen (Erfahrungsgemäß verkacke ich kläglich, wenn ich mir einen guten Platz erhoffe), sondern freute mich darauf alte und neue Freunde zu treffen, zu lernen und am wichtigsten: Spaß zu haben.
Außerdem flogen in Riesa Tanja und Sophie in der Standard-15m-Klasse ihren allerersten Wettbewerb mit. Das durfte ich auf keinen Fall verpassen. Eigentlich gehörte ich laut Ausschreibung mit meinem Discus auch in diese Klasse, aber da ich tatsächlich noch nie mit Wasser geflogen bin und zur Zeit meiner Anmeldung mein hinteres Wassersystem nicht richtig schloss, konnte ich Lutz bequatschen als Extrawurst in der Clubklasse mitzufliegen. Mit dem Index, den ein Discus halt so hat umgeben von ASW19, LS1f und Cirrus…ich würde ja sehen, was ich davon habe.

Wir ergatterten uns eine nette Ecke am Campingplatz gegenüber von Sascha, den ich im letzten Jahr in Bayreuth kennengelernt hatte. Selbstverständlich wies ich ihn ordnungsgemäß darauf hin, dass eine Kabeltrommel komplett abzurollen sei.
Im Eröffnungsbriefing wurden die Klassensprecher „gewählt“ und auf den Bilderwettbewerb hingewiesen. Es war erwünscht die lustigsten Fotos des Tages einzureichen und mit schokoladigen Preisen prämiert…doofe Fotos? Das ist genau mein Ding!

4. Juni – Es regnet

Aber zuerst regnete es mal wieder. Typisches Wetter, wenn Sally auf einem Wettbewerb ist. Der Tag wurde am Mittag neutralisiert und wir nutzten die Zeit für Einkäufe und Planungen.

Bisschen ungeil ist das Wetter ja schon
Es spielen sich abendliche Dramen im Wohnwagen ab…

5. Juni – Es regnet nur teilweise – das Wetter war gut, bis es nicht mehr gut war

Es sah fliegbar aus und wir Clubbies bekamen eine 2,5h AAT mit großen Wendekreisen bei Schöna-Kolpien (östlich von Reinsdorf, da saß ich vor Jahren schon mal auf einem Acker) und Peitz.

Wir standen vorne und mein Schlepp hinter der Wilga verlief im Großen und Ganzen ereignislos. Ich kuppelte aus und fuhr den Motor zum vorgeschriebenen Motorlauf aus, als plötzlich etwas in meinem Cockpit laut summte. Eine Wespe? Es klang nach einem größeren Insekt und ich wurde unruhig. Okay, keine Panik! Erstmal Motor anwerfen, dann weiterschauen. Während ich den Turbo anstürzte überlegte ich mir diverse Szenarien, falls es sich wirklich um ein um sich stechendes Tierchen handeln sollte. Allergisch bin ich glücklicherweise nicht, aber schmerzhaft wäre ein Stich trotzdem. Das Summen, welches ich gehört hatte war hinter mir und im Augenwinkel erkannte ich, dass es nach unten geflogen ist, so könnte ich a) nur warten bis mich das Viech in den Hintern sticht, b) hoffen, dass es irgendwann aus seiner Deckung wieder in meinem Sichtbereich auftaucht und ich es ohne weitere Kollateralschäden unschädlich machen konnte oder c) landen. Letzteres schloss ich erstmal aus Geizigkeit aus, einen zweiten F-Schlepp wollte ich verhindern, außerdem lief ja erst einmal der Motor und ich hatte Zeit mich dem Problem in der Luft zu widmen. Während ich Überlegungen anstellte halbwegs unbeschadet aus der Sache rauszukommen, zeigte sich der Übeltäter. Ein hundgewöhnlicher, armseliger Marienkäfer kam in aller Seelenruhe am linken Cockpitrahmen nach vorne gewandert. Erleichtert lachte ich laut auf, schnappte ihn mir und warf ihn aus dem Fenster. Die Mitfluggelegenheit hatte sich der Kamerad verspielt.
Was lernen wir daraus? Vorflugkontrolle beinhaltet auch die Anwesenheit von ungebetenen Fluggästen. Aber nun zum eigentlichen Flug.

Da die Strecke erst nach Norden führte, musste man erst einmal parallel zur Elbe fliegen. Das Gebiet um die Elbe geht nie sonderlich gut und so flog ich die Startlinie auf und ab und überlegte ob ich östlich oder westlich der Elbe entlangfliegen sollte. Die Steigwerte waren nicht so dolle und gegen Nachmittag sollte es überentwickeln. So entschied ich mich für einen zeitigen Abflug auf der Luvseite, da wir Wind aus Westen hatten. Die Basis war nicht sonderlich hoch und es ging in 1200m AGL los. Ich hangelte mich von Wolke zu Wolke und schaffte die Elbquerung zum Glück ohne weitere Probleme. Bei Falkenberg traf ich einen soliden 2m/s Bart (was an diesem Tag echt gut war) und plante meine weitere Taktik. Eine leichte Aufreihung stand nach Nordwesten in den Wendekreis. Zwar war das ED-R70 inaktiv, aber die Kontrollzone Holzdorf mit ihren 2800ft Höhe war trotzdem bei der niedrigen Basis von 1400m (ja ich weiß, Mimimi) ein wenig störend. So plante ich die Wende im Südwesten des Kreises und bog danach nach Westen ab. Es gab einige gutaussehende Wolken auf Kurs, nördlich war ein Loch, südlich begann es schon dicht zu machen. Also viele Optionen hatte ich nicht und versuchte erst einmal in die Richtung der zweiten Tonne zu kommen. In der Zwischenzeit waren auch die größeren Klassen unterwegs, die eine ähnliche Aufgabe hatten. Was meine Wenigkeit anbelangt, verkalkulierte ich mich erst einmal ein wenig. Die ersten beiden angeflogenen Wolken zogen natürlich nicht und so war ich gezwungen einen leichten Umweg nach Südosten zu nehmen, da die nächste Wolke direkt auf Kurs für mich nicht mehr zu erreichen war. Doch ich hatte Glück und diese Wolke zog wieder mit freundlichen 2m/s und ich setzte meine Reise in 1400m über Grund fort. Ich lag gut in der Zeit und war eigentlich ziemlich schnell. Zwar lag die Wende wettertechnisch im Nirgendwo (paar Flusen – Abschirmung – Loch – Abschirmung – Gewitter), aber irgendwie würde ich mich da schon durchkämpfen. Auf jeden Fall musste ich ein wenig in den Sektor einfliegen und nicht nur ankratzen, da ich sonst mit meiner doch gar nicht so schlechten Schnittgeschwindigkeit zu früh ankommen würde (Spoileralarm: NOCH!).

Kein Problem dachte ich mir, da stehen ja noch ein paar Wolken Richtung Wendemittelpunkt, die würde ich mich entlanghangeln und dann umdrehen, wenn die Zeit es vorgibt. Erste Wolke:  1100m AGL – 1m/s…zu wenig, weiter! Zweite Wolke: 980m AGL 1m/s…zu wenig, da stehen ja noch ein paar Wolken, irgendeine wird ja schon noch besser ziehen. Dritte Wolke gar nix, vierte Wolke 900m AGL 0,5m/s. Okay, vielleicht ist das Wetter einfach wirklich beschissen geworden, so blöd kannste dich ja gar nicht anstellen. Der Blick ins Flarm bestätigte meine Vermutung, es taten sich alle schwer! Der 18m Flieger der an mir vorbei Richtung großer Wolke über Cottbus geflogen ist war inzwischen auf 600m über Grund. Okay, das machst du nicht. Also parkte ich erst einmal und überlegte mein weiteres Vorgehen, was nutzt dir ein guter Schnitt, wenn du an der übernächsten Wolke den Motor brauchst. Im Wendesektor war ich inzwischen glücklicherweise und eine Wolke südlich von mir kreiste ein Arcus mit brauchbaren Steigen. Das Wetter muss man sich übrigens inzwischen folgendermaßen vorstellen: Abschirmung, paar Flusen drunter und hier und da ein helles Loch. Die Arcuswolke brachte immerhin 1,5m/s, allerdings war das Steigen in 1150m auch schon wieder weg. Verflixt! Ich musste also weiter. Ich probierte noch eine Wolke im Osten aus, die aber mit 0,5m/s auch nicht wirklich zog und ich entschied mich in 1000m über Grund für den gewagten Sprung nach Süden zum Tagebau bei Welzow. Zwar musste ich zuerst unter einer großen Wolke durch, aber am Süden linste die Sonne durch und beschien die Kante der Grube. Das müsste doch eigentlich funktionieren und vielleicht zieht die Wolke ja auch auf dem Weg dorthin. Und 1000m sollten ja eigentlich dicke reichen um über dem Tagebau noch was zu finden. Tja! Die Wolke ging nicht nach oben, aber dafür ging es darunter abwärts und meine noch so optimistisch angepriesenen 1000m waren schnell futsch. Am Tagebau angekommen hatte ich noch 620m (Anmerkung: meinen Motor fahre ich für gewöhnlich in 350m aus), in 500m hob sich eine Fläche und ich kreiste ein. 0,3m/s … na großartig. Das lief ja wieder super, aber jetzt muss ich erst einmal schauen, wie ich aus der doofen Situation wieder raus komme. Ich erkannte einen kleinen Pulk genau über dem Flugplatz Welzow, der auch gar nicht so schlecht stieg. Mein Endanflugrechner spuckte 250m Ankunftshöhe für Welzow aus, was bedeuten würde dort den Motor drin zu lassen und im Worst-Case auf dem Flugplatz zu landen (womit ich weniger Probleme hatte, dort hatte ich 2024 schon gesessen…sehr freundlich und zu empfehlen), aber es war mir trotzdem zu heiß. 250m waren echt nicht viel, vor allem waren die anderen Flugzeuge ein gutes Stück über mir und ich musste auf meiner Höhe den Bart wohl erst suchen. Während ich Überlegungen und Kalkulationen anstellte erkämpfte ich mir in meinem doch ziemlich armseligen Bart 100m und hatte nun die Höhe um den Sprung zu wagen. Auf halben Weg zum Pulk, genau über der westlichen Kante des Tagebaus hob sich in 550m wieder eine Fläche und das Vario schlug sachte aus. Ich kreiste links herum ein und freute mich über immerhin 1m/s. Dieser hielt mich im Spiel und so konnte ich mir weiteren Handlungsspielraum erkurbeln. In 850m verschwand das Steigen, aber ich hatte inzwischen genug Höhe um den Flugplatzbart zu suchen. Ich flog nach Südosten und auch wieder an der Tagebaukante nur 500m südlich des Punktes von eben, stellte sich mein dicker Discus fast auf den Kopf, das Vario schlug erneut wunderbar aus und ich kreiste ein. Erleichtert erkannte ich 2,5m/s und ich freute mich wie Bolle. Zwar ärgerte ich mich ein wenig, dass ich die Stelle nicht vorher getroffen hatte, aber woher hätte ich wissen sollen, dass genau hier der Bart steht und nicht 500m weiter nördlich? Egal! Ich war wieder im Spiel, mein Schnitt war nicht komplett hinüber, über zu frühe Ankunft bei der AAT musste ich mir keine Sorgen mehr machen und nach Hause sah die Optik auch schon wieder ein bisschen besser aus. In 1300m über Grund sah die Welt schon wieder ganz anders aus und ich machte mich auf den Weg nach Hause. Kurz vor Schwarzheide kreiste ich nochmal 1,8m/s und östlich Elsterwerda standen sogar noch einmal 2,5m/s die mich auf eine komfortable Endanflughöhe brachten.

Trotz meines Absitzers beim Tagebau erreichte ich 72km/h und den 5. Tagesplatz

https://www.weglide.org/flight/1109623

Mit diesem Flug habe ich übrigens die 1000h als PIC nach Scheinerhalt geknackt

6. Juni – Schnell!

Das Wetter sollte gut werden und die Wettbewerbsleitung bastelte uns eine nette Racingtask über 305km, die uns im Großen und Ganzen nach einem kleinen Abstecher nach Nordosten bis hinter Zerbst führen sollte. Mein Flugzeugschlepp war erst einmal ziemlich unterhaltsam, da ich schnell merkte, dass ich keine Fahrtanzeige hatte. Natürlich ging ich währenddessen alle möglichen Ursachen durch und hoffte, dass irgendein Grasbüschel am Doppelring hängen sollte. Im Worst-Case überlegte ich mir, ob ich die 305km einfach ohne Fahrtanzeige fliegen könnte. Aber so weit kam es gar nicht, da ich nach dem Auskuppeln glücklicherweise wieder eine Anzeige hatte. Puh, nochmal Glück gehabt.

Parade der Schleppflugzeuge

Mein Plan war es, nach dem Hauptpulk abzufliegen und die Clubklasse von hinten aufzurollen und im Endanflug noch ein wenig rauszuholen, um meinen hohen Index ein bisschen auszugleichen. Gesagt getan, ich flog 4 Minuten nach den anderen ab und hatte diese an der dritten Wolke sogar wieder eingeholt. Die Basis war mit 1400m über Grund zu Beginn wirklich brauchbar und zur ersten Wende hatte ich zwei 2,5m/s Bärte, die mich gut nach vorne brachte. Glücklicherweise standen auf dem zweiten Schenkel nach Nordwesten einige gute Aufreihungen und ich konnte streckenweise gut schwabbeln (da kommt mir immer die Aussage von Robin bei D-Kaderlehrgang 2023 in den Sinn: „Schwabbeln macht Spaß!“ ja das tat es in diesem Fall).

Ohne größere Probleme ließ ich Reinsdorf hinter mir und flog auf eine Überentwicklung zu. Ich dachte mir „Ab durch die Mitte“ und erhoffte zentral darunter gutes Steigen zu erwischen. Leider zog diese Flatschenwolke im Gegensatz zu den anderen nicht zentral und als ich mich zur Sonnenseite durchgekämpft hatte, hatte ich „nur“ noch 1100m. Da dahinter ein größeres blaues Loch folgte, entschied ich mich erst einmal noch ein wenig die Sonnenkante nach Norden abzufliegen, ich wollte mich nicht damit abfinden hier noch kein Steigen gefunden zu haben. Den Pulk hatte ich zu diesem Zeitpunkt mit konsequenten und schnellen Vorfliegen hinter mir gelassen und hoffte nun auf ordentliches Steigen, um meinen Vorsprung weiter auszubauen. So flog ich die Kante ab, als es einen ordentlichen Schlag gab und meine rechte Fläche nach oben katapultierte. Ich kreiste ein und konnte meinen Augen nicht trauen, als das Vario 4m/s anzeigte. Ich saß jubelnd in meinem Discus und freute mich, dass bis dahin mein Plan aufgegangen ist. Als ich an der Basis in 1800m war stieg der Pulk tief unter mir ein und ich flog ab. Jetzt galt es eine Entscheidung zu treffen: Zwar standen nördlich einige Wolken, was aber ein Umweg gewesen wäre, oder ich könnte den direkten Weg über Zerbst wählen. Über dem Flugplatz stand eine Wolke, die meiner mit dem Hammerbart ziemlich ähnlich sah. Ich pokerte und hoffte, dass diese mir auch ordentliches Steigen bringen würde. Der Flugplatz Zerbst mit seinen Solaranlagen ist sowieso immer ein guter Hotspot und so nahm ich den direkten Weg. Tja, mal hat man Glück, mal hat man Pech, denn es passierte…genau nichts! Nichtmal ein winziger Ausschlag des Varios und auch ein Suchschlenker brachte nichts. Naja, nicht so wild, da vor mir zur Wende immer noch ein paar vielversprechende Wolken standen. Unter der ersten kreiste ich in 1000m ein, aber mehr als 1,5m/s welches nach 200 Höhenmetern auch verschwunden war, konnte ich nicht finden. Über der Wende selbst stand zwar ein Flusen, aber der Einfluss der Elbe war hier schon merklich zu spüren. So nahm ich dort noch einmal 200m mit 1m/s mit und erblickte den Rest der Clubklasse, die ebenso tief waren wie ich. Diese hatten zwar den Umweg nördlich genommen, dieser schien allerdings auch nicht der Kracher gewesen zu sein. Also gewendet und wieder nach Osten, um dann an einer sinnvollen Stelle den Sprung nach Süden über die Elbe zu planen. Kurz vor Zerbst brachten mich 2m/s wieder auf 1600m und ich hatte mir wieder etwas Handlungsspielraum erarbeitet. Bei Coswig wagte ich den Sprung und peilte vielversprechende Wolken im Süden an.

Vor der Elbquerung

Zwar waren die Wolken nahe der Elbe immer etwas hinterlistig und konnten die schönsten Formen haben und trotzdem nicht ziehen, aber mit 1500m war ich hoch, sodass ich auch die übernächste noch erreichen sollte. Doch dieses Mal hatte ich Glück und mit 2m/s ging es wieder auf 1600m, was mich der Endanflughöhe schon ein gutes Stück näherbrachte. Einen bräuchte ich noch, damit ich sicher über die letzte Wende bei Pretzsch nach Hause kommen würde, aber vor mir standen noch einige schöne Wölkchen. Außerdem war ich inzwischen in bester Gesellschaft mit Mathias in der 3J und André in der 8C, was zwar bedeutet, dass die schnellsten der Clubklasse mich eingeholt hatten, aber ich trotzdem noch den zeitlichen Vorsprung des späteren Abfluges hatte. Eine Wolke später ging es mit fast 3m/s auf 2000m und das wäre schon fast der Weg nach Hause. Als Dreiergespann schwabbelten wir eine tolle Linie nach Süden und die Plus-Höhe auf den Zielkreis wurde immer größer. Über dem Elbknick trafen wir noch einmal auf einen 3m/s Bart, den ich mitnahm, auch wenn ich ihn nicht mehr unbedingt brauchte. Aber ein bisschen Sicherheit war ja nie verkehrt und die Höhe könnte ich im Endanflug ja noch in Geschwindigkeit umwandeln, wenn es gut ginge. Also Kurs Riesa und ab nach Hause. Natürlich trug es auf dem Heimweg toll, sodass ich trotz 180km/h Vorfluggeschwindigkeit (ich gehe da vorbildlicherweise nicht über den gelben Strich hinaus) mit reichlich Plus ankommen würde. Nun konnte aber mein kleiner Marschflugkörper zeigen was er kann und ich ließ die ASW19 und LS1f hinter mir. Meine Aufgabengeschwindigkeit wuchs und wuchs und ich schaltete bald auf die Wettbewerbsfrequenz auf der es erstaunlich still war. Ich checkte mein Aufgabenblatt und vergewisserte mich, dass ich keine Wende ausgelassen hatte, denn als ich am Platz ankam war ich tatsächlich die Erste. Eine ganz neue Erfahrung!

Mit fast 98km/h war ich zwar mit Abstand die Schnellste, aber der hohe Indexbrachte mich nur auf den 4. Tagesplatz. Allerdings konnte ich mich damit auf den 3. Gesamtplatz verbessern den ich von nun an hart verteidigen sollte.

https://www.weglide.org/flight/1110535

Badenixen nach erfolgreichem Flug

7. Juni – Aufbauübung

Die Wettbewerbsleitung wollte es nochmal probieren und ließ aufbauen. Aber das Wetterfenster wollte und wollte nicht kommen und als es dann da war, war es zu spät. So wurde nachmittags im Grid neutralisiert

Wrap-Party im Camp

Nachts sollte die Warmfront durchziehen, was sie auch tat Um 2 Uhr wurde ich von starkem Wind geweckt und da ich Trantüte meinen Flieger nicht verzurrt hatte, holte ich das kurzerhand nach.

8. Juni – Ein Dorf namens Streichwitz

Die Rückseite kam und es sollte wieder gut fliegbar werden. Dieses Mal ging es nach Osten zuerst zum Dörfchen Streichwitz. Die Wettbewerbsleitung kündigte ein Fotowettbewerb vom Wendekaff an und so bleiben auch diese viereinhalb Häuser in Erinnerung. Danach nach Süden nach Weißwasser, Westen Doberlug und nach Hause. 296km Racingtask.

Auch an diesem Tag wollte ich einige Minuten nach dem Hauptpulk abfliegen und das Feld von hinten aufräumen. Dieses Mal war der Flugzeugschlepp ereignislos und ich parkte unter einer Wolke über dem Rohrwerk, welches auch den Mittelpunkt der Abfluglinie markierte. Unglücklicherweise sah es auf Kurs gar nicht gut aus, denn es kam erst einmal ein großes blaues Loch. Auch am Platz trocknete es ab und der Flusen unter dem ich parkte brachte auch keine tollen Steigwerte. Zwar baute hin und wieder der ein oder andere Fussel halbwegs auf Kurs auf, aber diese waren recht kurzlebig und es war nicht so recht abzusehen, ob das Wetter besser oder schlechter werden würde. So bekam ich nach Abflugfrei und nachdem die ersten losgeflogen waren doch leichte Torschlusspanik und flog früher los als eigentlich geplant, da ich Angst hatte, dass es ganz abtrocknen würde (blöderweise war genau das Gegenteil der Fall, sodass die hinter mir abgeflogenen mich auch bald wieder eingeholt hatten). So richtig zogen die Flusen auch nicht und ich zwang mich nur das nötigste Steigen mitzunehmen, um meine Geschwindigkeit beizubehalten.

Hinterm Spreewald standen zum Glück wieder einige saftige Wolken und mit 2,5m/s ging es endlich mal auf 1400m. Streichwitz kam näher und zur Wende stand eine tolle Wolkenstraße, die ich entlangschwabbelte und ohne einen weiteren Kreis ankam.

Das sensationelle Dorf Streichwitz

Leider traf ich an der Wende selbst die erste dämliche Entscheidung des Tages. Kurz vor der Wende kreiste Mathias etwas rechts von mir mit guten Steigwerten ein. Ich war aber von der guten Linie so verwöhnt, dass ich mir vornahm erst bei der Wolke über der Wende zu kurbeln. Diese zog natürlich nicht und ich flog volle Möhre in eine Sauf-Linie. Es ging mit 4m/s abwärts, sodass ich auf einmal nur noch 650m unter mir hatte. Verdammt, so war das nicht geplant. Die Wolke vor mir musste nun ziehen, sonst hatte ich ein mittelgroßes Problem. Ich flog nach Süden unter ihr durch und an der Sonnenseite zeigte sich tatsächlich ein wenig Steigen. Ich kreiste ein und nach zwei Kreisen mit nur 1m/s war mir klar, dass ich entweder hier unglaublich viel Zeit verschenken würde, oder mir was einfallen lassen müsste. Das kann ja noch nicht alles an Steigen sein, zumal die Wolke so gut aussah und es so grandios abwärts ging. So flog ich einige Meter gegen den Wind vor und auf einmal wurden aus den 1m/s dann noch 3m/s. Ich war mehr als glücklich, kam ich doch mit einem blauen Auge trotz der dämlichen Entscheidung davon. Jetzt musste ich aber die nächste Entscheidung treffen: flog ich direkten Kurs nach Süden, hatte ich nur wenige einzelne Wolken vor mir. Der leichte Umweg auf der polnischen Seite sah dafür besser aus und ich entschied mich dafür. Es sollte die richtige Entscheidung sein, denn die Polen-Gruppe war doch um einiges schneller als die, die den direkten Weg gewählt hatten. Die Route ging gut und erst hinter Forst bog ich wieder auf die deutsche Seite ab. Blöderweise lag die Wende in einem blauen Loch und die Flusen davor zogen auch nicht mehr richtig, sodass ich die Wende in 1100m nahm und zum nächsten Fussel abbog. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit Mathias unterwegs. Der nächste Flusen zog zwar mit immerhin 1,5m/s, aber in 1200m wurde das Steigen schwächer. Bei der Stadt Spremberg stand die nächste Wolke, die die leichte Ls1f besser erwischte und er stieg mir gnadenlos weg. Da verlor ich die Nerven und machte den nächsten Fehler. 1m/s war mir definitiv zu wenig und südwestlich von mir war das Kraftwerk Schwarze Pumpe, welches auch eindeutig aktiv war. Es würde zwar einen Umweg bedeuten, aber meist gingen die Kraftwerke in der Lausitz immer ziemlich gut, wenn man den Kraftwerksbart gut erwischte mit 3-4m/s. So pokerte ich und bog ab. Leider war der Wettergott an diesem Tag eindeutig ein Kraftwerksgegner und ich fand nur einen lausigen Meter. In der Zwischenzeit war Mathias ein gutes Stück vor mir und der Rest des Pulkes hatte mich eingeholt. Ich war relativ sauer auf mich, aber schüttelte das Gefühl ab und flog weiter. Wieder einmal tief über den Tagebau bei Welzow (zum Glück nicht ganz so tief wie am ersten Wertungstag) und in 900m über Grund hinkte ich der Clubklasse hinterher die zu allem Überfluss auch noch ein gutes Stück höher als ich flog. Hinter Welzow standen zum Glück wieder 2m/s, die mich zwar nicht an den Pulk heranbrachten, aber mich im Spiel hielten. Ich blieb tapfer dahinter und unter einer Wolke südlich von Bronkow erwischte ich in 1200m die Thermik besser, als die sich über mir befindlichen und mit 3m/s war ich fast schon wieder am Pulk dran. Ha! Zwei Bärte brauchte ich noch, um nach Hause zu kommen und in dieser Zeit würde ich alles geben. Ich gab Gas, nahm östlich von Finsterwalde noch einmal 2,5m/s mit und westlich Finsterwalde war ich bis auf 200 Höhenmeter schon wieder am Pulk dran. Dort erkurbelte ich mir mit 2,5m/s mein Plus auf den Zielkreis und gab auf dem Endanflug wieder Gas! Natürlich trug es auch an diesem Tag (es trägt übrigens immer gut, wenn man mit viel Sicherheit anfliegt. Wenn man knapp kalkuliert, hat man natürlich großes Saufen) und ich kam trotz Fliegen am gelben Strich wieder etwas zu hoch an.

Auch an diesem Tag war ich mit fast 94km/h die Schnellste, aber leider reichte es nur für den 8. Tagesplatz. Da aber die Plätze vor mir so nahe beieinander waren, konnte ich gerade so meinen 3. Gesamtplatz verteidigen.

https://www.weglide.org/flight/1114473

Zwischenzeitlich musste Tanjas Vorzelt repariert werden

Wie ich Mathias Schunk kennenlernte

Ich habe ihm angedroht, dass er ein eigenes Kapitel in diesem Beitrag bekommt.
Also genau genommen, hatte ich ihn zu Beginn des Jahres in Slowenien schonmal gesehen, aber richtig kennengelernt hatte ich ihn erst in Riesa. Er kam auf die grandiose Idee mit seinem Quintus per Wandersegelflug vorbei zu kommen. Gesagt getan, als ich montags landete, stand ein Flugzeug mit exorbitanter Spannweite aus dem Hause Schempp-Hirth vorm Camp. Sein Plan war am Donnerstag wieder nach Hause zu fliegen und bis dahin adoptierten wir ihn im Camp. Es war ganz witzig, ein Videodreh hier, zwei Mal Eisessen da, viele blöde Sprüche (ich hätte nie gedacht, dass es einen Menschen gibt, der noch mehr quatscht als ich)

Eisdieb!

…es wurde Dienstag…Regen. Es wurde Mittwoch…Regen (Nicht dass ich mich beschwerte, ich wollte meinen dritten Platz nach Hause mauern)…es kam der Donnerstag…Überraschung…noch mehr Regen. Der arme Schunki war in Riesa gestrandet, ihm gingen langsam die Klamotten und die Sprüche aus. Zwar nahm er es mit Humor, aber von Tag zu Tag merkte man ihm eine leichte Verzweiflung mehr an. Zumal sein Quintus ohne Bezüge dem Dauerregen und Gewittern mit Graupel ausgesetzt war. Mit dem Heimflug am Donnerstag wurde es nichts, Freitag wurde aufgrund von…Überraschung! Regen auch nicht geflogen. Samstag wurde auch wieder beim Briefing neutralisiert (ganz zu meiner Freude) und nun musste ein Plan B her, wie er irgendwie nach Hause käme, wollte er nicht alleine in Riesa sitzen, wenn wir am Sonntag alle nach Hause fahren würden. So kam dann der Plan für Sonntag zustande: Es sollte nur teilweise Regnen, aber thermisch nicht sonderlich viel gehen. Matze nahm ihn per Flugzeugschlepp hinter der Wilga ein Stück nach Süden mit (der wohl erste Wilga-Quintus-Schlepp in der Geschichte), wo er dann in Bayreuth aufs nächste Schleppflugzeug umstieg. Nach einigen Motorläufen kam er dann auch irgendwann in Königsdorf an. Eine eindrucksvolle Demonstration, wie Wandersegelflug nicht laufen sollte. Aber es hat definitiv Spaß gemacht mit dem Gebirgs-Großmeister.

Also eigentlich ist der Quintus ja ein Eigenstarter…

Wie man am Rande durchs Lesen des letzten Kapitels mitbekommen hatte, ich konnte meinen 3. Platz erfolgreich mit nach Hause nehmen. Ich hatte mich selten so über Regen gefreut wie in Riesa. Meine Morgenroutine sah folgendermaßen aus: Aufwachen, Wetter checken, Ganzer Tag Dauerregen, Juhu! So schaffte ich meinen ersten dritten Platz bei einem Wettbewerb und bekam meinen ersten Pokal. Ich war mehr als glücklich!

Danke für die tolle Zeit!

Glückwunsch an Mathias und André
Sehr glücklich und sogar ein bisschen stolz

Noch ein paar Impressionen

Ivo – Der beste Schnitzelbräter aller Zeiten
Als es mal warm war
Große Kinder entdecken Physik
StVO Flugplatz-Style
Danke für die tolle Zeit!

Ein Gedanke zu „31. Canitzer Streckenflugwoche 4. – 13. Juni 2026“

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