Unterwegs auf Strecke

AMF Training 07. Juli – 14.Juli. 2018 Hahnweide

Der Wecker klingelte um 4 Uhr in der Früh. Nachdem alles im Auto verstaut war, ging es auf zur ersten Station in Friedersdorf. Dort wurde der Hänger mit der Ls7 „SW“ angehängt, Fallschirm samt Fallschirmakte eingepackt, sowie Bordbuch und Akkus. Uns standen 700km mit maximal 80 km/h bevor. Nachdem wir zehn Stunden im Schneckentempo über die Autobahnen geschlichen sind (und auch hier haben uns wieder sämtliche Autos, LKWs, Motorroller und Omas mit Rollatoren überholt) kamen wir ziemlich geschafft in Kirchheim an. Bereits auf dem Weg zum Flugplatz wurde mir klar, dass sich die Landschaft hier im Südwesten doch um einiges von meinem Brandenburgischen Flachland unterscheidet. Friedersdorf liegt bekanntermaßen unglaubliche 35m über NN…die Hahnweide auf 350m. Wenige Kilometer Südlich steigt die Alb hinauf und dort befindet sich der sichere Erdboden auf um die 800m über dem Meeresspiegel. Fast käme ich bereits dazu das Ganze als Gebirge zu bezeichnen. Auf jeden Fall hatte ich gewaltigen Respekt vor dieser neuen Umgebung, freute mich aber auch sehr darauf die Gegend zu erkunden.
Rasch war am Abend das Zelt aufgebaut und nach und nach trudelten noch weitere Mädels ein. Mit vereinten Kräften war auch schnell Julias und später Barbaras Zelt aufgebaut und wir verabredeten uns beim Flugplatzeigenen Italiener auf eine Pizza. Da wir alle sehr geschafft waren von der Anreise ging es recht zeitig ins Bett.

dav
Abendstimmung auf dem Flugplatz

 

Samstag 07. Juli 2018

Am Morgen wurde ich bereits eine Stunde vorm Wecker wach und ließ es mir nicht nehmen mit einer morgendlichen Laufrunde die nähere Flugplatzumgebung zu erkunden. Mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Nase und den vom Morgentau nassen Laufschuhen fühlt man sich doch schnell hellwach.

davKurze Fotopause beim Joggen

 

Gefrühstückt wurde anschließend vor dem Zelt. Gegen 10 Uhr trafen wir uns mit Walter und besprachen die Eckpunkte des Luftraumes. Da die Hahnweide in unmittelbarer Nähe des Flughafens Stuttgart liegt, hat sie einen speziellen Segelflugsektor. Diesen flogen wir anschließend mit ihm in seiner Zlin ab. Bereits nach den ersten Metern Höhengewinn war ich fasziniert von dieser fremden Umgebung. Auf vielen Hügeln (in meiner Größenvorstellung waren es Berge) ragen Burgen in die Höhe und in den Tälern tummeln sich kleine Städte. Walter flog jeden einzelnen Eckpunkt ab und erklärte uns die Merkmale. Ich verfolgte dies gespannt auf der ICAO Karte und versuchte mir einen ersten Überblick zu verschaffen. Auf der Schwäbischen Alb selbst besitzt gefühlt jedes Dritte Dorf einen Flugplatz (ganz zu meiner Freude) und es wurde betont, dass es auf dem Flugplatz Laichingen den allerbesten Kuchen gäbe. Nach dem 40-Minütigen Rundflug konnte ich meine Begeisterung kaum bremsen. Zu groß war die Neugierde und Vorfreude diese wunderschöne Umgebung selbst zu erkunden. Abgesehen davon, wollte ich mir in Ruhe den Anflug auf den Flugplatz aus sämtlichen Richtungen anschauen und einprägen. Schnell war die „SW“ zusammengesteckt und Walter organisierte mir einen Windenstart bei seinem Verein. Mit viel Schwung wurde ich in die Lüfte befördert und bereits im Gegenanflug fand ich Steigen und es begann mein anderthalbstündiger Erkundungsflug um den Flugplatz. Diese vielen neuen Eindrücke der unzähligen Hügel und Burgen begeisterten mich. Sogar an diesem thermisch recht schwachen Samstag war um den Flugplatz reges Treiben. Ich konnte es kaum erwarten, dass es am nächsten Tag richtig losging!

davWochenendbetrieb auf der Hahnweide

davKann losgehen!
Sonntag, 8. Juli 2018

Der erste offizielle Flugtag brach an und so wurden beim Briefing um 9:30 Uhr auch die Teams festgelegt. Für mich startete der Lehrgang in einem Vierer Team. Die zwei Ls4 mit Elena und Caro, sowie dem Trainergespannt Walter und Kathrin im Janus. Als Strecke legten wir eine 350km Runde auf der Alb fest.

davDie Ruhe vor dem Start
Der Schlepp mit der Pawnee lief problemlos und so wurde ich direkt in einem wunderbaren Bart über Grabenstetten rausgeworfen. Als sich das Team gefunden hatte, machten wir uns auf den Weg nach Nordosten.
Da dies der erste Teamflug auf der Hahnweide war, mussten wir unseren Rhythmus erst einmal finden. Walter scheuchte uns im Galopp über die Alb und aufgrund der hohen Geländehöhe befanden wir uns die meiste Zeit in Höhen, die ich aufgrund meiner Brandenburgischen Flachland Verwöhnung meist mied. So wurden wir weitergescheucht, wenn wir in einem „schwachen“ Bart (<3m/s) begannen zu kreisen („Ihr habt 1300m über Grund, warum kreist ihr hier“) und das mit einem Affenzahn. Wir wurden angehalten mit mindestens 170km/h vorzufliegen und so machte ich eine ganz wunderbare Erfahrung. Ab einer solch hohen Geschwindigkeit kommen die großartigen Vorflugeigenschaften der Ls7 WL erst richtig zur Geltung. Ich hatte zwar zu diesem Zeitpunkt schon viele Stunden auf dem Flieger, aber meist hielt ich mich an die Sollfahrt, was den Teamflug mit Wilko und seiner Libelle möglich machte. Die meiste Zeit war ich ein gutes Stück über dem restlichen Team und konnte in aller Ruhe die wunderbare Landschaft und den regen Verkehr in der Luft bestaunen.
Selbst an einem mittelguten Tag war hier unten viel mehr Flugbetrieb, als an einem Hammertag in Brandenburg. So kam es vor, dass man keine drei Kreise machen konnte, ohne dass gleich drei bis vier weitere Segler dazustießen.

36863443_1738393676281443_878850501758681088_o.jpgGanz schön was los hier!

36837809_1738393729614771_1959140428603195392_o.jpgViererteam!
Die großartigen Wolkenstraßen führten bis kurz hinter Aalen. Da dahinter blaue Suppe lag, funkte Walter auf der Streckenflugfrequenz mit seinen Kollegen, wie dort denn die Steigwerte sein sollten. Aufgrund der Aussagen entschlossen wir uns umzukehren und unsere Strecke nach Südwesten zu verlängern. Allerdings funktionierte das nur eine gewisse Zeit lang, da ab Laichingen die Steigwerte alles andere als zuverlässig wurden und langsam begann es auch hier abzutrocknen. 50 Kilometer von Grabenstetten entfernt entschieden wir uns für den Heimflug. So kam es schließlich wie es kommen musste. Bekannterweise steigt die 7 bei guter Thermik ebenso gut wie z.B. die Ls4. Aber sobald es zerrissener und ungleichmäßiger wurde (und dazu kam dann noch die geringe Kreisfluggeschwindigkeit), hatte man wirklich Probleme hoch zu kommen. So fiel ich aus dem entscheidenden Bart unten raus und befand mich auf einmal einige hundert Meter tiefer als der Rest des Teams. Der Endanflugrechner gab eine nicht zufriedenstellende Ankunftshöhe an und so blieb mir nichts anderes übrig als in geringer Höhe nach einem besseren Aufwind zu suchen. Erschwerend kam noch der Gegenwind auf dem Heimflug dazu. Freundlicherweise warteten die anderen ein paar Minuten auf mich, sodass ich nach gefühlt ewigen Suchen auch endlich ein brauchbares Steigen (max 1,5km/s) gefunden hatte. Nach Erreichen einer sicheren Höhe machten wir uns dann gemeinsam auf den Heimweg und kamen dann auch ohne weitere Probleme an.

OLC 8.7.
Quelle: Onlinecontest.org

Montag 9. Juli

Der Wetterbericht sah ähnlich aus, wie am Vortag und wir behielten unsere Gruppe bei.
Der Weg sollte uns als erstes nach Südwesten zum Klippeneck führen, dann nach Nordwesten.
Schon der Hinweg war sportlich. Kurz nach dem Ausklinken über Grabenstetten kämpften wir mit anderen Seglern und auch Gleitschirmen über einer Sandgrube. Es war überwiegend blau und die Steigwerte eher naja. Nachdem wir uns nach oben gearbeitet und gesammelt hatten flogen wir los. So bewegten wir uns die meiste Zeit parallel zur Albkante unterhalb von 1000m AGL (meine Wohlfühlarbeitshöhe liegt einige hundert Meter darüber) und des Öfteren war ich kurz davor schon in meinen Außenlandemodus zu fallen. Aber Walter und Kathrin coachten uns ganz wunderbar auch durch diesen nicht einfachen Teil der Strecke. Am berühmten Klippeneck angekommen schafften wir es endlich auf eine Höhe von 2300mNN (Die Alb ist an dieser Stelle ziemlich hoch, sodass netto „nur“ ungefähr 1400m rauskamen) und verwarfen leider auch an diesen Tag unsere eigentlich geplante Strecke. Ursprünglich sollte es von hier nach Norden gehen, jedoch entschied sich unser Trainer doch für einen Abstecher nach Süden, wo in einiger Entfernung wunderschöne Wolken standen. So tippten wir den Bahnhof Tuttlingen als nächsten Wendepunkt in unsere Rechner und los ging es. Von da fing die Strecke an richtig Spaß zu machen. Am Horizont konnte man bereits den Bodensee erblicken (ich war richtig aus dem Häuschen. Als Brandenburgische Flachlandpilotin kommt man eher nicht auf die Idee, jemals den Bodensee aus dem Segler zu sehen) und wir heizten eine wunderbare Wolkenstraße entlang.

09.07.2018_Hahnweide_Teamflug am BodenseeTeamflug mit der LEO am Bodensee
Bis Hayingen brauchten wir nur einen Bart und es ging weiter Richtung Ulm immer an der Donau entlang. Ab hier sah die Optik dann nicht mehr ganz so gut aus. Lokal saß eine dicke Abschirmung über uns, die unsere Arbeitshöhe um ein gutes Stück verringerte und das Vorankommen erschwerte.
Nachdem wir unseren nächsten Wendepunkt dem Flugplatz Donauwörth erreicht hatten, flogen wir wieder Richtung Heimat. Allerdings brach kurze Zeit später die Wolkendecke wieder auf, sodass wir uns dazu entschieden die Strecke wieder ein Stück nach Westen zu verlängern.
So entdeckten wir die wohl großartigste Wolkenstraße in meiner bisherigen Segelfliegerlaufbahn. Gute zehn Minuten heizten wir mit einem Affenzahn unter dieser Bahn entlang ohne ans Kreisen auch nur zu denken. Konstant hob es uns in Richtung Basis. Danke Walter für die Erspähung dieser tollen Linie. Kurz hinter Blaubeuren sammelten wir noch einmal Höhe und flogen nach Hause.
Am Abend hatten wir eine gemütliche Grillrunde geplant. So fanden wir uns vor einem Wohnwagen ein und die Frauen ließen es sich nicht nehmen den Grill selbst anzufeuern. Steffen wurde mit einem Bier auf den Gartenstuhl zwischengeparkt und mit den Worten „Versuch dich zu entspannen, während wir mit dem Feuer spielen“. Nach dem erfolgreichen Essen wurde die Gunst der Stunde genutzt und so konnte man sich endlich über die wirklichen Probleme als Segelfliegerin austauschen. Wie löst man das Toilettenproblem im Flugzeug? Mit viel Humor und hohem Unterhaltungswert wurden die verschiedenen Möglichkeiten ausdiskutiert und paar anwesenden Männer schauten sich verlegen an. Tja so ist das, wenn das eigene Geschlecht in der Minderheit ist 😉

OLC 9.7.
Quelle: Onlinecontest.org

Dienstag 10. Juli 2018

Schon beim Wachwerden hörte man Regentropfen, die auf die Zeltplane fielen. Nachdem wir uns nach dem Frühstück zum Briefing eingefunden hatten (dick eingepackt, da es sich ziemlich abgekühlt hatte) wurde das heutige Wetter besprochen. Schnell war klar, dass es heute nichts werden würde, da es den gesamten Tag nieseln sollte. So konnten wir uns der versprochenen Theorie widmen.
Da in wenigen Wochen die Deutsche Meisterschaft der Frauen in Lachen-Speyerdorf stattfinden sollte, wurde das Hauptaugenmerk auf die Vorbereitung gelegt. Trainer Hanno erklärte uns genau wie sich die Punkte eines Wertungstages zusammensetzen und wie man dies taktisch nutzen kann. Die Mädels, die aus der Region kommen, zeigten uns mithilfe von Google Maps die bekannten Hotspots der Umgebung und welche Regionen man meiden sollte. Auch wurde genau erklärt, wie man sich über dem Pfälzer Wald verhalten sollte und wo es dort landbare Felder gibt. Auch mögliche Wettbewerb Teams wurden besprochen und gebildet.
Am frühen Nachmittag waren wir mit dem Theorieunterricht durch und der Rest des Tages stand zur freien Verfügung. Ich nutzte die Zeit, um (mal wieder) am Flarm der Ls7 herumzubasteln.

 

Mittwoch 11. Juli 2018 „Wetter ist wie Klopapier. Dreilagig!“

Genau so war es auch, als man am Morgen aus dem Zelt gekrochen ist. Die Wettervorhersage, kündigte ein wahrscheinliches Wetterfenster am frühen Nachmittag an und so wurden die Teams neu gemischt. An diesem Tag sollte ich mit der Moni und Hanno fliegen und so setzten wir uns nach dem Briefing erst einmal zusammen, um die Teamorder zu besprechen. Ich war ziemlich aufgeregt, da das Wetter (falls es überhaupt fliegbar werden sollte) alles andere als einfach werden würde. So legten wir uns zwar eine kleine Strecke zurecht, wollten da aber ganz locker an die Sache ran gehen.
Hanno lehrte uns ein Mantra, welches mich noch immer begleitet und ich mir aufsage, wenn ich mal wieder in eine zu negative Einstellung hineinschlittere:
– wir freuen uns
– wir sind entspannt
– wir sind konzentriert
– wir bleiben cool
– wir haben Spaß
– und am Ende gibt es Kuchen
So rüsteten wir gemütlich die Flugzeuge auf und halfen Hanno bei seinem Ventus mit dem schönen Namen „Fuchur“. Als wir im Grid standen sah das Wetter allerdings immernoch nicht besser aus. So hieß es erst einmal warten. Hin und wieder zeigte sich für wenige Minuten die Sonne, allerdings war die Basishöhe noch immer so niedrig, dass an Fliegen auf der Alb noch gar nicht zu denken war.

dav
Warten…

dav
…auf besseres Wetter

Als am Mittag der Wind auffrischte, schlug Walter vor, eine Runde Hangflug an der Teck zu versuchen. Und so kam ich in den Genuss mit dem Janus (der sich übrigens ganz ausgezeichnet fliegen lässt) ein wenig an der Burg entlangzuheizen. Leider reichte auch der Wind nicht ganz aus, sodass es nur bei rund 25 Minuten blieb, bis wir wieder zum Flugplatz zurückkehren mussten. Aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Nach diesem Versuch entschieden wir uns den restlichen Tag zu neutralisieren.

40103480_1816105345176942_92267111677689856_o.jpg

 

Donnerstag 12.07.2018 Nur Geduld!

Dieser Tag sollte wieder fliegbar sein.
Zwar waren lokale Überentwicklungen gemeldet, die jedoch so schienen, als seien sie zu bewältigen. Die Teams wurden beibehalten und bereits beim Einreihen in die Startaufstellung zeigte sich die Sonne. Ich startete als erste aus unserem Team und parkte über Grabenstetten, um auf die anderen beiden zu warten und mir das Wetter genau anzusehen. Die Basis lag ungefähr bei 1600m, was netto eine ungefähre Arbeitshöhe von maximal 1000m versprach. Zum Glück konnte ich mich schon die letzten Flüge an diese Höhe gewöhnen, sodass ich recht entspannt an die Sache ran ging.
Nachdem unser Team sich gefunden hatte, ging es auch schon los Richtung Nordosten. Hanno flog erst einmal vor, um die beste Linie zu finden und wir bekamen unterwegs eine wunderbare Sightseeingtour. Zu jedem zweiten Berg kennt er die Geschichte und so staunten wir über Meteoriteneinschläge, Römerstraßen, berühmten Burgen und Flugplätzen mit großartiger Bewirtung.

dav
Wir flogen meist bis 600m über Grund runter, fanden aber fast immer zuverlässige und schöne Bärte. Nordlich von Hannos Heimatflugplatz Aalen brachte uns ein Aufwind sogar auf 1400m AGL und wir machten uns von dort auf den Heimweg. Einfach sollte es nicht werden, da sich inzwischen der gesamte Himmel zugezogen hat. So flogen wir erst einmal Richtung Bartholomä, wo der letzte blaue Fleck im Himmel zu sehen war. Blöderweise sank es bis dahin unentwegt und ich näherte mich dem Boden. Den Endanflugrechner drehte ich bereits auf den dortigen Flugplatz ein, den ich auch gerade so erreichen könnte und rastete die Frequenz, die ich im Falle eines Falles mit nur einem Knopfdruck aktivieren könnte. Zwar kreisten wir hier und dort ein, jedoch steigt bei den schwachen Bärten die Ls7 bekanntlich recht schlecht, sodass ich auf einmal ein gutes Stück unter den beiden anderen war. Freundlicherweise zog Hanno dann die Klappen und suchte gemeinsam mit mir das Areal ab. An der Kante fanden wir dann ein Zucken des Variometers und gingen in den Kreis. 0,5m/s mehr spukte dieser Aufwind nicht aus und ich wurde schon wieder unruhig. Hanno coachte aber ganz ausgezeichnet und meinte im Funk, dass wir alle Zeit der Welt haben und mit etwas Geduld würde man sicher wieder an Höhe gewinnen. Über Zehn Minuten brauchten wir, um 300m Höhe zu machen, jedoch reichte dies, um erst einmal weiterzufliegen. Auf dem Heimflug flogen wir rechtwinklig über ein Tal und plötzlich huschten zwei Punkte mit einer unglaublichen Geschwindigkeit unter uns durch. Ich traute meinen Augen kaum, als sich herausstellte, dass es sich hierbei um zwei Tornado Jets der Luftwaffe handelte. Das ist mir ja noch nie passiert und dementsprechend hätte ich dann auch am Nachmittag einiges zu erzählen. Aber wir mussten ja erst einmal nach Hause kommen. Mein Endanflugrechner gab die letzten 20 Kilometer dann auch eine brauchbare Ankunftshöhe an, allerdings machten wir zur Sicherheit noch ein paar Kreise, da Moni mit ihrer Ls4 ein gutes Stück unter uns war. Da um die Hahnweide herum das Wetter wieder besser wurde, entschieden wir uns unsere Sightseeing Tour fortzusetzen und parkten einige Minuten an der Burg Neuffen, wo Hanno noch einmal sein enormes Wissen mit uns teilte.

davDie Burg Neuffen

OLC 12.7.
Quelle: Onlinecontest.org

 

Freitag 13. Juli 2018 „Krasser Scheiß!“

Die Vorhersage kündigte einen sehr guten Tag an. Ich sollte heute wieder mit Walter und Kathrin im Janus und Heike in ihrer Ls4 „Y4“ fliegen. Ich staunte nicht schlecht, als die ganzen Teams riesige Strecken planten. So legte auch unser Chef die Route für den heutigen Tag fest. Ausklinkpunkt war wieder Grabenstetten, der erste Wendepunkt Furtwangen liegt im Südwesten im Schwarzwald. Danach geht es nach Norden über Pforzheim und Sinsheim hinweg nach Mosbach. Von dort biegen wir nach Südosten zu unserem 3. Wendepunkt bei Harburg. Ab da geht es wieder nach Hause. Also 501km um Stuttgart herum. Entweder das wird die größte Strecke oder die größte Rückholtour die ich jemals hatte.
Ich war total aus dem Häuschen, sodass auch in Windeseile die Ls7 fertig war. Wir starteten zeitig um 11:30Uhr und flogen auch direkt nach dem Sammeln los. Der Weg bis zum ersten Wendepunkt war eher beschwerlich. Die meiste Zeit flogen wir unter 1000m AGL und hangelten uns von Fetzen zu Fetzen. Es wurde erst besser als wir von der Alb runter waren und uns dem Schwarzwald näherten. Auf dem Weg dorthin trafen wir Julia in ihrer Libelle und Hanno, die uns ein Stück begleiteten. Der Schwarzwald selbst ist sehr Eindrucksvoll. Hügel und Berge mit dichten Wäldern (passt ja zum Name) und darin hier und da mal eine Stadt oder mal ein paar Windräder. Mal wieder was ganz anderes zu Brandenburg. Darüber selbst ging es großartig mit 4m/s Bärten und einer dicken Wolkenstraße direkt nach Norden.

Schwarzwald.jpgSchwabbeln überm Schwarzwald

Zwar flogen wir auch hier nicht allzu hoch, jedoch ging es ganz ausgezeichnet im Geradeausflug. Als wir den Schwarzwald überquert hatten flogen wir wieder im Flachen westlich an Stuttgart vorbei. Unterwegs trafen wir viele andere Flugzeuge, die auch das tolle Wetter nutzten. Bei Pforzheim schloss sich Conny in ihrer Ls8 unserer Strecke an, sodass wir die Gruppen in zwei zweier Gruppen teilten. Ich flog weiter mit Walter und wir setzten unseren Weg nach Mosbach fort. Als wir Stuttgart dann hinter uns hatten überquerten wir das Technikmuseum Sinsheim und ich freute mich total als wir dort einen schönen Aufwind gefunden hatten. Im Nordwesten von dort beginnt dann der Odenwald, den ich bei der Deutschen Meisterschaft noch zu genüge bewundern werden könne. Mosbach selbst war interessant. Kurz davor flogen wir in einen Schauer. Nachdem wir den Wendepunkt passiert hatten flogen wir zu genau dieser Wolke zurück und erwischten einen Wahnsinnsbart mit bis zu 5m/s. Faszinierend!
Auf dem Weg nach Harburg trafen wir Stephano in seiner Diana und Babs in ihrer DG400. Die letzten Kilometer vor dem letzten Wendepunkt verschlechterte sich das Wetter, sodass wir die meiste Zeit unter einer dichten Wolkendecke flogen. Kurz vor Aalen trennte sich dann kurz unser Team und jeder kämpfte für sich selbst. Ich erwischte in 700m einen für die Wettersituation einen brauchbaren Aufwind und der Janus musste sich erst einmal wieder ausbuddeln. Nachdem wir uns bei Heidenheim in eine ordentliche Höhe gekämpft hatten ging es dann auf direktem Wege zum Ziel Grabenstetten. Bis dahin ging es im Geradeausflug ohne Probleme und auch der Heimweg zur Hahnweide war wunderbar. Super glücklich und auch total fertig stieg ich nach der Landung aus dem Flugzeug. Das war nun meine größte Strecke und ich war mehr als stolz.
Am Abend wurde beim Flugplatzitaliener eine Siegespizza gemampft und die Strecke noch einmal ausgewertet. Das war doch mal schön!

OLC 13.7.
Quelle: Onlinecontest.org

 

Samstag 14.Juli 2018

Der letzte Flugtag des Trainings brach an und die Teams wurden neu gemischt. Ich sollte mit Helmut im Ventus und Delia im Discus fliegen. Das Wetter sollte bei weitem nicht mehr so toll wie am Tag zuvor werden. Es waren örtlich Schauer und Überentwicklungen gemeldet. Na was soll ich sagen. Nach dem Zusammenfinden ging es dann geradewegs in genau dieses Gebiet, da wir darauf hofften, dass es wegziehen würde. Zuerst ging es unter einer kleinen Wolkenstraße noch ganz gut, dann aber war auf einmal nichts mehr. Rechts von uns stand ein riesiges Regengebiet und wir flogen geradewegs in die Suppe rein. Der Flug endete recht schnell für mich auf dem Flugplatz Donzdorf nach 80km. Delia hat es leider nicht ganz so weit geschafft und ist kurz davor auf einem Feld gelandet. Auch Helmut hatte es erwischt und musste den Motor anwerfen. Dieser Flugplatz liegt an der Albkante und direkt westlich der Bahn geht es fast senkrecht hinunter (gefühlt). Es war wirklich sehr interessant darüber einzulanden. In Donzdorf selbst wurde ich freundlich empfangen und nachdem mein Rückholer kontaktiert war, gönnte ich mir mein Stück Außenlandekuchen.

davDas obligatorische Außenlande-Selfie

20 Minuten nach meiner Landung war der Himmel wieder blau mit wunderhübschen Cumulanten. Naja…zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, aber das gehört nun mal dazu. Ein paar Minuten später war Steffen dann da und schnell war die (bereits gewaschene) Ls7 abgerüstet. Nach einer Dreiviertelstunde Fahrzeit waren wir auch wieder auf der Hahnweide und nachdem der Flieger reisefertig gemacht wurde, startete dann auch der Abschlussabend mit allen Teilnehmern wieder beim Italiener (die Pizza ist aber auch echt gut dort). Bereits am Abend verabschiedeten wir uns von unseren neu gewonnenen Freunden. Manche würde ich ja in einer Woche wieder in Lachen-Speyerdorf auf der DM sehen, aber man erlebt bei so einer Woche gemeinsamen Fliegen ja schon einiges zusammen. Das gefällt mir so sehr am Teamfliegen, dass man tolle Erinnerungen miteinander teilt.

OLC 14.7.
Quelle: Onlinecontest.org

 

Am nächsten Morgen klingelte in aller frühe der Wecker. Das Zelt musste abgebaut und das Auto beladen werden. Die Ls7 „SW“ fuhren wir schonmal nach Lachen, da wir uns so zweimal 700km mit Anhänger sparen würden. Leider standen wir hier und da mal im Stau, sodass wir das WM Finale nur im Radio mitanhören konnten.

IMG-20180813-WA0000
Teilnehmer des Lehrgangs

Diese Streckenflugwoche war der Wahnsinn! Das Fliegen in dieser neuen wunderbaren Umgebung hat mir großen Spaß und Lust auf mehr gemacht. Es war wirklich erfrischend, eine andere Landschaft fliegerisch zu erkunden. Ich habe wunderbare Leute kennengelernt und wir hatten unglaublich viel Spaß gehabt. Es war klasse sich einmal mit anderen Mädels austauschen zu können (Segelfliegen ist ja eher ein Männersport). Außerdem war diese Trainingswoche eine optimale Vorbereitung für die Deutsche Meisterschaft.
Dieses Training des AMF kann ich jeder Segelfliegerin wärmstens empfehlen. Die großartigen Trainer machen ihre Sache wirklich ganz ausgezeichnet.

Vielen Dank an Walter für die Organisation
Dem Flugplatz Hahnweide für seine Gastfreundschaft
Dem AMF und den Mädels für die schöne Zeit
Dem LSC Interflug für das Bereitstellen der wunderbaren Ls7 „SW“
Meinem Männe Steffen einfach für alles. Du bist der Wind unter meinen Flügeln (Kitschalarm!)

Ich würde mich wirklich freuen, wenn diese Trainingswoche auch 2019 wieder stattfindet. Ich wäre auf jeden Fall dabei!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s