Unterwegs auf Strecke

Teamflug Lehrgang Finsterwalde

Zu der Zeit, als Wilko und ich die „Anfänger“- Streckenflugwoche in Friedersdorf organisiert hatten (welche aufgrund von schlechtem Wetter und Wilga Ausfall leider nicht stattgefunden hatte) stießen wir auf den Teamflug Lehrgang in Finsterwalde. Zwar stand in der Ausschreibung „für Fortgeschrittene“, aber unter der Premisse in der Saison noch genug Erfahrung zu sammeln, willigte der Lehrgangsleiter Ulf ein. Leider musste Wilko eine Woche vorher absagen, sodass ich alleine dort aufschlagen würde…

 

Anreise. Mittwoch 14.Juni

Nachdem ich mir einen Feierabend um 12 Uhr gegönnt hatte, düste ich noch einmal in den örtlichen Supermarkt, da ich beim gestrigen Großeinkauf glorreicherweise an alles bis auf Stilles Wasser gedacht hatte. Ich wollte auf alles vorbereitet sein, da nun anderthalb Wochen Streckenflug anstanden. Meine neuste Errungenschaft mein Trinksack mit Schlauch, der sich bereits in Lüsse bewährt hatte musste ja mit irgendwas gefüllt werden. Vorher kam ich während des Fliegens im Einsitzer irgendwie nie dazu etwas zu trinken, aber mit dem Schlauch, der unter den Gurt festgeklemmt wurde, funktionierte das wunderbar. Aber nun nochmal zum Lehrgang.
Steffen und ich trafen uns mit zwei Autos in Friedersdorf. Wir luden das Flugzeug-Equipment ins Auto, hingen den Hänger der „SW“ an und los ging es.
Anderthalb Stunden später kamen wir in Finsterwalde an und wurden sogleich zum Eröffnungsbriefing geschickt. Danach gab es Abendessen (großes Kompliment an die Küchencrew die uns vorzüglich bewirteten…ich bleibe dabei, dass es schier unmöglich ist auf einem Flugplatz abzunehmen :D) mit Vorstellungsrunde. Ein paar Leute kannte ich schon und nun sollte ich auch Gesichter zu den Namen bekommen, die immer wieder in Erzählungen und Berichten fielen.
Nach dem Abendessen wurde das Zelt in Rekordtempo aufgebaut und es ging erneut in den Schulungsraum zum Vortrag über den Flugplatz, die Luftraumsituation (es waren auch viele Piloten von entfernten Flugplätzen da), das Wetter etc. In der Untergehenden Sonne zogen wir noch einmal den Rumpf unserer Ls7 aus dem Hänger und ich übte nochmal das Hochladen der Wegpunkte und Aufgaben. In Lüsse nahm mir das freundlicherweise Steffen ab. Das Hochladen funktionierte aber ohne Probleme und der Lehrgang konnte beginnen!

 

Tag 1. Donnerstag 15. Juni

Das Frühstück war um 8 Uhr angesetzt und als ich den Gemeinschaftsraum betrat war ich sehr überrascht. Ein gesamtes Büffet stand zur Verfügung. Jochen stand auch schon in der Küche und bereitete seine berühmten Smoothies zu.

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Nachdem wir königlich gespeist hatten wurde das Briefing auf 9 Uhr angesetzt. Dort erörtere Ulf uns detailreich das Wetter anhand von Karten, mit denen ich nichts anfangen konnte. Ich muss gestehen, dass mein persönliches Wetterbriefing aus den „bunten Bildchen“ (Ein von Ulf geprägter Begriff) von Topmeteo bestand. Wenn ich es genau wissen wollte, schrieb ich Peter an, ob er mir einen Screenshot vom DWD schicken könnte. Ulf hingegen analysierte ganz genau Hochdruck und Tiefdruckeinflüsse, Feuchtigkeit und was noch alles dazu gehört, sodass das Wetterbriefing eine gute halbe Stunde andauerte. Zum Ende hin öffnete er nun auch die Seite mit den bunten Bildchen und nun erkannte auch ich, dass es ein ganz guter Tag werden sollte.
Dann kamen die Streckenvorschläge anhand sich auch die Teams bilden sollten. Ich wählte erst einmal die kleine Runde. Eine AAT Aufgabe um die 200km in bekannten Terrain (was im Norden von Finsterwalde liegt, liegt etwa im Süden von Friedersdorf). Nun wurde es spannend. Da es ein Lehrgang speziell für den Teamflug sein sollte, war die Bildung eben dieser ein nicht unerheblicher Aspekt. Nach einigen Hin und Her bildete sich ein Dreier-Team mit Ulf und Chrysanthi.  Zum einen war ich froh mit bekannten Piloten zu fliegen (viele Namen der anderen Lehrgangsteilnehmer hatte man zwar schonmal gehört, aber nur Chrysanthi kannte ich persönlich und mit Ulf hatte ich ja schon bei der Anmeldung korrespondiert), zum anderen war ich mit der Ls7 der einzige 15m Flieger neben zwei 18m Seglern, von denen der Shark bekannterweise einen Motor hatte. Abgesehen davon flog Ulf geschätzt länger als ich überhaupt existiere und Chrysanthi hatte auch um einiges mehr Erfahrung als ich. Ulf versprach aber auf mich zu warten (was er auch tat, dazu später aber mehr) und nun legte sich auch die Anspannung ein wenig. Startbereitschaft wurde auf 12:30 Uhr festgelegt und nun ging es ans Aufrüsten und vorbereiten. Die Ls7 „SW“ war wie immer schnell zusammengesteckt und auch abgeklebt (seit dem Lüsse Cup klebe ich nun auch Winglets und Höhenleitwerk ab…das kann der entscheidende Unterschied sein). Als nächste Herausforderung stand nun das Programmieren vom Lx7007 an. In Lüsse übernahm das freundlicherweise Steffen, damit ich mich nur aufs Fliegen konzentrieren konnte. Zum Glück hatte ich mir aber zu Hause eine kleine Anleitung gebastelt und mithilfe dieser war auch diese Herausforderung schnell geschafft. Wir starteten heute in Richtung Südosten, in Finsterwalde bedeutet dies bergab. Also Flächenrad angebaut, Flieger an die Anhängerkupplung und rauf auf den „Hügel“.

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Unser Team sollte als letztes Starten und so hatte ich auch noch in Startaufstellung genügend Zeit mich vorzubereiten. Kurz bevor es los ging trat unser Team nochmal zusammen und besprach den Ablauf. Vor dem Abfliegen wollten wir uns nochmal die Außenlandemöglichkeiten in Platznähe anschauen, da der Platz von drei Seiten vom Wald umgeben war. An der Ostseite lag die Stadt Finsterwalde. In ausreichender Höhe sicher kein Problem, aber falls der Endanflug doch etwas knapper ausfallen sollte, ist es besser zu wissen wo (vor allem um die Zeit, wo die meisten Felder sehr hoch standen) man landen kann.

IMG_20170615_131922.jpgSowas von bereit!

Der Start hinter der Platzeigenen Wilga verlief problemlos. Auch wenn es einen Punkt im Steigflug  (kurz nachdem man über die Bäume fliegt) gab, an dem ich mir überlegte, wo ich denn einschlagen würde, wenn jetzt das Seil reißen würde. Für eine Kehrtkurve würden die paar Meter über den Baumwipfeln nicht reichen und zum nächsten Feld würde es auch recht eng werden. Aber zum Glück erreichten wir ohne Probleme die Ausklinkhöhe und bei einem kräftigen Ausschlag des Varios, kuppelte ich aus. Allerdings (und das gebe ich ganz offen zu) habe ich mich zu gut deutsch wieder etwas doof angestellt und das vermeintliche Steigen erwieß sich nur als Pups. So musste ich erst einmal durch kräftiges Sinken fliegen, um zur nächsten Wolke zu gelangen. Beim Zentrieren tat ich mir erst einmal schwer, aber je mehr Höhe ich gewann, desto ruhiger wurde es. Zwischenzeitlich wechselten wir auf unsere Teamflug-Frequenz und flogen in 1500m Höhe Richtung Reinsdorf ab. Ulf flog mit seiner schönen Asw28 erst einmal vor, die Shark hinter ihm und ich (mal wieder ein gutes Stück- ) dahinter. Auf halben Weg verlor ich dann mein Team und flog auf Kurslinie unter den Wolken weiter. Wieso sind eigentlich immer alle schneller als ich? Den von Ulf angegebenen MC Wert hatte ich eingestellt und hielt mich an die ausgerechnete Sollfahrt. Kurz vor Reinsdorf funkte man mich dann an, dass sie wieder Höhe tanken würden und auf mich warteten. Nun sah ich auch die zwei Segler ein gutes Stück vor mir kreisen. Nun gab ich nochmal Gas und war kurze Zeit später wieder bei meinem Team. Die verlorene Höhe hatte ich schnell wieder gewonnen und wir flogen gemeinsam weiter Richtung Wendepunkt hinter Reinsdorf. Aufgrund der guten Wolken flogen wir diesen Kreis ganz aus und bogen Richtung zweiten Wendepunkt ab. Dieser lag bei Hütte aber schon beim Abfliegen sahen wir, dass die Wolkenstraße auf halben Weg endete und dahinter ein großes blaues Loch lag. Südlich von Brandt endete dann unser Weg unter den Wolken und wir holten zum Sprung aus und hofften, dass sich unterwegs noch der ein oder andere Bart im Blauen finden lassen würde. Da wir aber durch ein größeres Sinkgebiet flogen und sich unser Vorhaben im oberen Höhenband zu fliegen gerade in Luft auflöste, entschieden wir uns den zweiten Wendepunkt sein zu lassen und die Strecke vielleicht noch ein wenig in den Süden zu verlängern. Jetzt musste aber erst einmal Höhe getankt werden. Mit knapp 1000m gab es nicht allzuviel Reserve und wir schwärmten aus. Erfahrungsgemäß steht meist genau über der Cargo Lifter Halle etwas (Was mich auch bereits im Lüsse Cup gerettet hatte) und nach einigen Suchen fand ich den ersehnten Aufwind auch. Mit guten Steigwerten kämpften wir uns zurück auf komfortable 1800m und flogen Richtung letzten Wendepunkt im Südosten. Der Weg dahin war recht unproblematisch. Ulf stieg mir natürlich beim Kreisen davon, zog aber freundlicherweise die Klappen und wartete auf mich. Aber auch im Süden sah es blau aus und beim Einfliegen in den letzten Wendekreis mussten wir erkennen, dass kein größeres Ausdehnen der Strecke möglich war. Zumindest nicht ohne Risiko. Es gibt im Gebiet östlich von Finsterwalde zwar einen Haufen Flugplätze, allerdings auch viele Tagebauten und Seen, die nicht zu unterschätzen sind. So schraubten wir uns noch einmal auf 1700m und begannen mit dem Endanflug. Mein Rechner zeigte mir 200m über Grund an. Aber auf dem Heimweg sollte sich ja noch etwas finden lassen. Denkste! Wir flogen im Blauen die wenigen verbliebenen Fetzen an, die aber alle nichts brachten und das Sinken dazwischen war gewaltig. Das LX zeigte noch 20km zum Flugplatz an, aber die errechnete Ankunftshöhe schwand stetig. Die anderen beiden waren schon weiter (Mit 18m hat man da auch mehr Reserve) und ich schaltete nervös zwischen Karte und Rechner umher. Im Funk fragte Ulf wie es denn aussieht. Als ich meinte es würde knapp werden, entgegnete er, dass ich zur Not in Schacksdorf (ein paar Kilometer Südlich von Finsterwalde Heinrichsruh gelegen und im Endanflug frei) landen könnte. Das war zwar auch mein Plan B, aber kampflos gebe ich mich nicht geschlagen! Auf halben Weg zum Flugplatz standen einige Windräder, die sicher (hoffentlich) den ein oder anderen Bart auslösen würden (hoffte ich). Also flog ich dahin und beobachtete mein Vario ganz genau. Egal wie gering das Steigen wäre, ich würde es mitnehmen. Jeden Pups…
Und da war er…der ersehnte Pups. Mit einem zerrissenen halben Meter kämpfte ich mich Meter für Meter nach oben. Ich traute mich fast gar nicht zu zentrieren in der Angst ihn zu verlieren. In der Zwischenzeit fragte Ulf nochmal nach, wie es aussieht und ich konnte erleichtert zurückfunken, dass es gut aussah. Als mein Rechner endlich 600m über dem Platz anzeigte (lieber zuviel als zu wenig) flog ich nach Hause. 10km vor Ankunft schaltete ich auf die Platzfrequenz um und meldete meinen Endanflug. Wie es nun so ist, kam ich in fast 600m auch an (wieso nicht gleich so?) und begrüßte erleichtert mit Winken den Flugplatz. Ohne Hast glitt ich die Höhe ab und meldete lange Landung Richtung Halle. Bergab landen…ganz großer Spaß. Nachdem ich zur Seite ausgerollt bin und begann den Flieger zu putzen kam auch der Rest meines Teams angeschwebt, die die Strecke noch ein wenig nach Westen ausgedehnt hatten. Ich war froh den Platz erreicht zu haben und freute mich umso mehr auf mein wohlverdientes Feierabendbier.

Strecke 15.06..jpg(Quelle: onlinecontest.org)

Nach dem Abendessen (suuuuper lecker) setzte sich unser Team nochmal zusammen und wir besprachen den Flug. Ich nahm mir vor, am nächsten Tag einfach einen Ticken schneller zu fliegen, um die anderen nicht zu verlieren, aber ansonsten gab es nichts zu meckern.
Nachts schlug das Wetter um und starker Regen hielt mich in meinem Zelt wach. Dazu stürmte es noch und ich bemerkte, dass ich vielleicht nicht gerade den sichersten Platz für mein Zelt gewählt hatte. Die Äste des Kirschbaumes knarrten verdächtig und so entschied ich mich mit Schlafsack, Decke und Kissen in den Gemeinschaftsraum umzuziehen. Ich konnte mir wesentlich Besseres vorstellen, als von einem herniederfallenden Ast erschlagen zu werden. So stellte ich mir im Trockenen ein paar Stühle zusammen und machte es mir so gut es ging bequem.  Gegen 4 Uhr wachte ich wieder auf und da der Sturm nachgelassen hatte, wanderte ich zurück ins Zelt. Soviel zum Thema Abenteuer.

 

Freitag 16. Juni.

Das Wetter blieb durchwachsen. Es regnete immernoch und der Wind war alles andere als angenehm. So wurde im Briefing nach dem Frühstück beschlossen heute nicht zu fliegen. Aus diesem Grund und entgegen meiner Gewohnheit trank ich auch den ein oder anderen Kaffee (nach dieser aufregenden Nacht war ich mehr Zombie als Sally). Um die Zeit sinnvoll zu nutzen wurden Vorträge gehalten. Im Vorfeld musste jeder ein Thema ausarbeiten und einen Vortrag vorbereiten. Alle waren sehr interessant und die Teilnehmer lauschten wissenshungrig den Rednern. Gegen Mittag war die erste Runde vorbei.

IMG_20170617_183725.jpgFlugplatzkater Felix
Jeder ging seine Wege. Jochen bastelte mit einigen anderen an seinem Funkgerät herum und ich machte es mir am Kaffeetisch bequem. Juliane und Steffi strickten und ich erfreute mich an einem sehr netten Gespräch. Später kam noch Mathias dazu und so bewegten wir uns so gut wie nicht vom Fleck. Mittags gab es Kaffee und sehr leckeren Kuchen und die „Kaffeerunde“ nahm wieder den Betrieb auf. So verging der Tag recht unspektakulär. Hin und wieder schaute man aufs Wetter, doch großartige Besserung war auch für den nächsten Tag nicht in Sicht.
Auch in dieser Nacht stürmte und regnete es wieder. Dieses Mal zog ich aber in ein freies Zimmer in der Baracke um.

 

Samstag 17. Juni.

Der Morgen blieb trocken und ein wenig zeigte sich auch die Sonne.
Während des Frühstücks traf auch Steffen (der die Woche leider arbeiten musste) ein und danach ging es wieder zum Briefing. Zwar sah es nach „irgendwie fliegbar“ aus, aber beim Blick aus dem Fenster erkannte man schon, dass das nur ein Krampf wäre. Es war immernoch sehr windig und am Horizont zeigten sich wieder dunkle Wolken. So entschied man sich auch heute gegen Fliegen.
Ich nahm wieder meinen Platz am Kaffeetisch ein und die Stunden verstrichen mit netten Gesprächen und Fliegergeschichten. Andreas reservierte gegen den Lagerkoller eine Bahn auf der örtlichen Bowlinganlage und gegen Nachmittag brach ein Großteil der Truppe dahin auf. Ich bestellte mir den ein oder anderen Cocktail (Long Island Ice Tea in einem großen Bierglas serviert…zwar nicht üblich, aber nach diesem Glas ging es mir richtig gut) und wir bowlten wie die Verrückten und hatten viel Spaß. Da in den meisten Fällen ein letzter Kegel (oder wie das heißt) stehen bliebt, wir nannten ihn „Den letzten Mohikaner“ , waren wir der festen Überzeugung dass die Bahn schief sei. Auf jeden Fall hatten wir viel Spaß und es war eine willkommene Abwechslung, um der schlechten Laune des Gegroundet Seins vorzubeugen. Gegen Abend kam dann endlich auch wieder die Sonne raus und es wurde gegrillt. Die Würstchen vom Metzger waren super und nach dem Essen packte ich dann auch die Gitarre aus. So ging ein schöner Abend in geselliger Runde zu Ende.

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Sonntag 18. Juni

Heute schien es wieder fliegbar zu sein. Nach dem Frühstück konnten die flughungrigen Piloten das Briefing kaum abwarten und klebten gespannt an Ulfs Lippen, als er das Wetter analysierte. Weiträumig gute Steigwerte. Die Teams blieben erst einmal wie am vorherigen Flugtag und wir entschieden uns auch heute wieder für eine kleinere Runde. Wieder eine AAT Aufgabe, die Rautenförmig über bekanntem Gebiet lag. Auch heute galt es im oberen Höhenband (wenn möglich) zu fliegen und nur „Beste Bärte“ anzunehmen, um die Schnittgeschwindigkeit zu erhöhen.

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Da der Wind gedreht hatte starteten wir bergauf, was sehr spannend war. Die Wilga nahm dicht über dem Boden ordentlich Fahrt und Schwung auf, um kurz vor dem Wald nach oben zu ziehen. Über den Bäumen war es dann sehr bockig, sodass ich ordentlich in der leichten Ls7 durchgeschüttelt wurde. Auch dieses Mal kuppelte ich an der falschen Stelle aus und musste wieder auf die Suche gehen. Mithilfe der anderen wurde dann ein ordentlicher Bart gefunden. Zwar war am heutigen Tag die Basis nicht besonders hoch, sodass in etwas mehr als 1200m schon Schluss war.
Als wir drei auf Abflughöhe waren ging es auch schon los. Wie zuletzt lag das erste Wendegebiet Richtung Reinsdorf und dieses erreichten wir auch recht zügig. Die Steigwerte bis dahin waren klasse und zufrieden bedankte ich mich bei den schönen Cumuluswölkchen für die „besten Bärte“.

Finsterwalde_18.06.2017_1.jpg

Ab besagten Wendepunkt war es aber wieder schwieriger. Die Bärte waren auf einmal sehr zerrissen und so mussten wir uns hin und wieder aufteilen, um brauchbares Steigen zu finden. So mussten wir auf dem Weg zum zweiten Wendegebiet hinter Cottbus auch weniger gute Bärte annehmen und den ein oder anderen Umweg fliegen. Aber auch diesen WP schafften wir gemeinsam. Ja was soll ich sagen…auch den Wendepunkt danach erreichten wir ohne größere Mühen (je südlicher man kam, desto besser wurde es wieder) und schafften es auch stressfrei zum Flugplatz. Alles in Allem recht unspektakulär, weswegen der Bericht für diesen Flugtag auch etwas kürzer ausfällt.

Strecke 18.06..jpg
(Quelle: onlinecontest.org)
Montag 19. Juni.

Das Wetter versprach klasse zu werden. Die Teams bildeten sich anhand der gewählten Strecken. Fast Alle wählten den Weg nach Nordwesten und wollten das Jojo fliegen. Da ich persönlich aber lieber Dreiecke fliege (O-Ton Peter) wollte ich eine etwas abgewandelte Version des vorgeschlagenen Dreieckes nach Osten wählen. Axel wollte mit seinem Speed Astir mitkommen und wir bastelten noch ein wenig an der Strecke rum, um ein 300er FAI hinzubekommen. Zwar lag der erste Wendepunkt bei Klix im Blauen, aber auch da wurden gute Steigwerte versprochen. Gegen Norden sollten dann wieder Wolken kommen. Also hatten wir Klix- Hütte- Elster und nach Hause herausgesucht. Bisschen mehr als 300km.
Vor dem Start besprachen wir noch einige Taktiken. Wir würden zur Not Verkürzen und waren uns einig lieber auf einem Flugplatz zu landen, als auf Krampf 10km weiter weg auf einem Acker einzuschlagen. Also ohne Risiko.
Zwischenzeitlich ist die Testzeit meines SeeYou abgelaufen, aber Jochen bot mir freundlicherweise an seinen Rechner zu benutzen (danke nochmal). Nach kurzem Telefonat mit Peter hatte ich auch die genauen Größen der Sektoen, damit es FAI-tauglich war und es konnte losgehen.
Startrichtung war wieder nach Westen also Bergauf. Nach dem Ausklinken trafen wir uns auf unserer Quatsch-Frequenz und fanden gemeinsam einen guten Bart in dem wir uns nach oben schraubten. Dieser brachte uns auf etwas mehr als 1400m und wir flogen los. Der gesamte erste Schenkel lag im Blauen, aber das sollte uns nicht abschrecken.
Blöderweise gab es anscheinend in diesem blauen Feld so gut wie keine Thermik, geschweigedenn eine gute Linie. So schnell es eben nach oben ging, ging es nun nach unten. Über ein paar Windrädern kurz vor Senftenberg gewannen wir zwar wieder an Höhe und flogen weiter, doch auch dieser Abschnitt war von starkem Sinken geprägt. Südlich der Stadt fand Axel minimales Steigen und biss sich fest. Mir ging das aber zu langsam und so schlug ich vor, dass er im Bart bleibt und ich über einer nahegelegenen Grube nach besserem Steigen suchen würde. Gesagt getan. Tja wie soll ich es ausdrücken…Scheiß Idee. Das bekannte starke Sinken um den Aufwind herum fand ich, aber nicht den Aufwind. Nach ein oder zwei Suchkreisen war meine gesamte Höhe verflogen und fluchend erkannte ich, dass ich es wohl mit der Höhe nicht zu ihm schaffen würde. Ich hatte Glück im Unglück, denn genau neben besagter Grube lag der UL-Flugplatz Kleinkoschen, sodass ich wenigstens nicht auf einem Feld landen musste. In 500m begann dann meine Suche in Flugplatznähe. Und ich suchte wie eine Verrückte. Nach nicht mal 30km aus reiner Blödheit zu landen wollte ich nicht, vor allem weil mein Teampartner langsam aber stetig an Höhe gewann. Der Höhenmesser drehte immer weiter rückwärts und vor lauter Suchen kam ich nicht einmal dazu die Frequenz zu wechseln. In 250m gab ich mich dann geschlagen und flog zur gedachten Position. Gerade als ich das Fahrwerk ausfahren wollte (an der Nordöstlichen Waldkante) schlug das Vario minimal aus. Da das der erste Hauch von Steigen seit der Trennung vom Teampartner war, kreiste ich mutig ein und biss mich fest. Es war nicht mehr als ein positiver Nuller, aber immerhin war es kein Sinken. Vielleicht entwickelt sich daraus ja noch etwas. Nach einigen Kreisen mal mit +0,1, mal mit -0,3 mal mit +0,5 entschied ich mich vorsichtig zu zentrieren. Es wurde nur geringfügig besser und so blieb ich an Ort und Stelle und versuchte so wenig Ruderausschläge wie möglich zu machen. Unendlich langsam gewann ich Meter für Meter (denn genau in dieser Größenordnung spielte sich das Ganze ab). Ich weiß nicht ob es nur der umgelenkte Wind der Waldkante oder ein thermischer Aufwind war, aber es reichte aus, um in fast 25 Minuten wieder auf 1200m zu kommen. Axel wartete unterdessen unter der gefühlt einzigen Wolke ein paar Kilometer südlich von mir. Als ich diese erreicht hatte und dort schönes, angenehmes Steigen über einem Solarfeld fand, entspannte ich mich langsam wieder. Die letzten Minuten waren sehr aufregend. In 1600m flogen wir beide ab wieder ins Blaue Richtung Klix. Auch die nächsten Kilometer waren spannend. Tragende Linien suchten wir vergebens und der Sprung über das Kraftwerk Schwarze Pumpe und einem großen Wald zu den nächsten Wolken schien uns zu gewagt. Mir reichte die Aufregung erst einmal und so beschlossen wir Klix auszulassen und nach Norden zu fliegen. Als wir endlich die Wolken östlich von Cottbus erreicht hatten, war es quasi wie Urlaub. Ohne viel Kreisen folgten wir den Wolken Richtung Eisenhüttenstadt und ich kam endlich dazu einen Apfel zu essen (in der Ls7 passen drei Äpfel genau zwischen den Fahrwerkshebel auf der rechten Seite und der angenähten Seitentasche an der Bordwand. Ein paar Müsliriegel habe ich immer in der linken Beintasche und der Trinkbeutel lässt sich auch ganz wunderbar in die Öffnung neben dem Sitz, die eigentlich für die Sauerstofflasche vorgesehen ist). So erreichten wir nach recht kurzer Zeit Eisenhüttenstadt und bogen nach Westen ab. Aber in Richtung letzter Wendepunkt lichteten sich die Wolken und man erkannte wieder größere blaue Gebiete. So hielten wir uns längere Zeit unter einem Fetzen mit schwachen Steigen südlich von Beeskow auf, um soviel Höhe wie möglich zu tanken und den Sprung zu wagen. Viele der Fetzen auf dem Weg nach Brandt zogen so gut wie nicht und wir konnten uns immer nur wenige Hundert Meter nach oben arbeiten. Dieser Abschnitt war sehr mühselig.
Dazu kam noch, dass es an diesem Tag sehr heiß war und die Aufregung über Kleinkoschen forderte nun ihren Tribut. Mein Kreislauf löste sich immer weiter auf (passend zu der Wolke unter der wir gerade kämpften) und ich hatte wirklich Mühe mich zu konzentrieren. In der Hoffnung, dass es besser werden würde, aß ich meine restlichen Äpfel und noch einen Müsliriegel. Das Fenster öffnete ich ein gutes Stück und hielt die Hand raus, um frische Luft ins Cockpit zu lenken. Es half nur wenig und ich informierte Axel, dass es mir nicht so gut ginge und er bitte nun vorfliegen solle. Wenn es wirklich nicht mehr gehen sollte, würde ich landen. Sicherheit geht vor und da wäre mir sicher auch niemand böse. Den absoluten (gesundheitlichen) Tiefpunkt erreichte ich kurz vor Brandt. Ich entschied mich aber es noch bis Reinsdorf zu versuchen und im Notfall dort zu landen.
Nachdem ich meinen Wasservorrat fast leergetrunken hatte und auch den letzten Müsliriegel gegessen hatte, verbesserte sich glücklicherweise mein Zustand wieder. Auf halben Weg kreisten wir uns in einem wunderbar ruhigen Bart zusammen mit einer DG auf 1900m und diese Minuten der Entspannung halfen mir, wieder halbwegs auf den Damm zu kommen. In guter Höhe erreichten wir Reinsdorf, doch die letzte Wolke saß ungefähr über Oehna. Im Westen konnte man ganz klar den Warmlufteinfluss erkennen. Es war blau und diesig. So beschlossen wir auch Elster sein zu lassen und wendeten unter genau dieser letzten Wolke über Oehna. Nun begannen wir mit dem Rückflug nach Finsterwalde. Als wir über Holzdorf waren, funkte uns die Bodencrew an, wo wir sind und wie es aussieht. Der Endanflugrechner zeigte eine sehr angenehme Zahl an, trotzdem sammelten wir auf halber Strecke noch ein zweihundert Meter und kamen in ausreichender Höhe am Flugplatz an.

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Beim Auslesen des Fluges wurde es spannend. Wir haben zwar gut verkürzt, aber hofften trotzdem die 300er Marke geknackt zu haben. Dieses Jahr gurke ich irgendwie immer knapp darunter herum. Die magische Grenze quasi. Und siehe da…304km! Ich freute mich wie Bolle und hüpfte um den Flieger herum. Die Kreislaufprobleme waren vergessen, das Ausbuddeln war vergessen. Endlich!

Strecke 19.06.(Quelle: onlinecontest.org)

Dienstag 20. Juni

Zum Frühstück wurde ich mit einem Präsent überrascht. Man überreichte mir feierlich eine kleine Aufmerksamkeit. Ein Croissant mit Teelicht. Quasi das Thermikhörnchen anlässlich meines ersten 300ers (die 420km im letzten Jahr zählen nicht, da bin ich ja nur 5 einhalb Stunden dem armen Wilko hinterher geflogen :D). Dementsprechend motiviert und optimistisch ging es dann auch zum Briefing.
Das Wetter sollte schlechter werden als am gestrigen Tag und Ulf wollte am Boden bleiben. Er ist außengelandet und erst spät abends wieder am Flugplatz angekommen. An die Tafel schrieb er den Spruch „Kämpferherz halt dich wacker“. Die Teams sollten heute auch wieder die gleichen sein und Axel und ich waren uns einig, dass wir erneut die deklarierten 300 versuchen wollen. Wir nahmen eine vorgeschlagene Strecke und legten den letzten Wendepunkt etwas nach Norden (Cottbus Nord) um es FAI-konform zu machen. Wenn schon denn schon.
Also Riesa – Lüsse – Cottbus Nord. 317km…sollten drin sein. Als wir das Briefing verließen beobachteten wir ganz genau die Wolkenausrichtungen. Noch lag der erste Wendepunkt im Blauen und wir überlegten kurz die Strecke umzudrehen. Aber das wäre uns zu stressig geworden und wir wollten es einfach so probieren. Kämpferherz halt dich wacker…tschakka. Rein ins Flugzeug und los geht es. Das erste Mal schaffte ich es mich auch wirklich in der Thermik rauszuschmeißen und geriet in den wohl schönsten Bart des Tages. In Windeseile war ich auf 1900m und  fragte Axel wo er sich befände. Seine Wilga (wir wurden die Tage immer von zweien geschleppt) warf ihn irgendwo ganz anders raus und er musste sich wieder zurück zum Platz kämpfen. Als wir wieder zusammen waren schlug er vor loszufliegen. Den Höhenunterschied wollte er unterwegs wieder aufholen und glücklicherweise quellten in Richtung Riesa inzwischen wunderschöne Wolken. So flogen wir los nach Südwesten. Der Weg zum ersten Wendepunkt verlief unproblematisch, sodass wir größtenteils im Geradeausflug die ersten 40km schnell zurücklegten. Zwei der Sharks (Jochen und Mathias) begleiteten uns das Stück. Nachdem wir Riesa hinter uns gelassen und noch einmal auf 1900m geschraubt hatten, klebten wir unter einer wunderbaren Aneinanderreihung von Wolken. Die nächsten 40km schafften wir ganz ohne einen Kreis und machten gut Geschwindigkeit. Da wir wieder recht spät losgeflogen waren sah ich hin und wieder auf meine Uhr und rechnete im Kopf die ungefähren Ankuftszeiten aus. 300km sind doch ein gutes Stück.
Ab gut der Hälfte des zweiten Schenkels wurden die Wolken großflächiger, sodass wir uns des öfteren aufteilten, um das beste Steigen zu erwischen. Und dann passierte es ungefähr auf der Höhe von Torgau. Ich erwischte an der östlichen Seite der Wolke den Bart und stieg stetig, Axel erwischte auf der Westseite nur das Sinken und verlor so innerhalb kürzester Zeit viel Höhe. Als ich kreisend nach unten sah, war er schon mehrere hundert Meter unter mir. Ich funkte ihn an, wie es denn aussieht und versuchte so gut wie es in meiner Höhe möglich war, ihm zu helfen. Da wir aber nicht zu vernachlässigbaren Wind aus Westen hatten, war der Versatz des Thermikschlauches ziemlich groß und ich konnte nur Mutmaßungen anstellen, wo sich denn der Aufwind in seiner Höhe befinden konnte. Als ich fast schon in der Wolke verschwand, meldete er Steigen und erleichtert zog ich die Klappen, um nicht in die Wolke zu geraten. Nach einigen Minuten hatte er meine Höhe wieder erreicht und wir nahmen wieder Kurs auf Lüsse. Zwischenzeitlich kam ein einzelner Shark in geringer Höhe unter unserer Wolke an und kämpfte gegen das Absaufen. In Lüsse angekommen mussten wir feststellen, dass hier die Basis wesentlich tiefer war, als im Süden. Die Wolken sahen auch zerrissener aus und der Warmlufteinfluss war deutlich zu erkennen. Unter der großen breitgelaufenen Wolke westlich des Flugplatzes suchten wir vergebens brauchbares Steigen und so entschieden wir uns weiterzufliegen. Nächstes Ziel: Cottbus Nord. Auf diesem Schenkel hatten wir Rückenwind und ich war optimistisch, dass wir diesen Abschnitt schneller als den letzten zurücklegen würden. Aber nun mussten wir erkennen, dass im gesamten nördlichen Abschnitt die Basis tiefer lag und auch das Steigen zerrupfter war, sodass man sich nach dem Einkreisen Richtung stärkstes Steigen vorkämpfen musste. Aber zum Glück waren wir ja zu zweit und so behielten wir uns unsere Taktik bei, dass jeder eine Seite der Wolke abfliegen würde. Nach Norden hin wurde es blauer und wir mussten einen ziemlichen Umweg nach Süden nehmen, sodass wir quasi schon im Endanflug nach Finsterwalde waren (zumindest da, wo wir am gestrigen Tag den Endanflug begonnen hatten). Über Luckau galt es nun zu entscheiden wie es weitergehen sollte. Entweder nach Finsterwalde, welches wie erwähnt in verführerischer Nähe war, oder weiter nach Cottbus. Zum letzten Wendepunkt waren es noch gute 35km und auch in diese Richtung war die Optik alles andere als optimal. Nur noch einzelne zerrissene Wolken und dazwischen große blaue Passagen. Aber wir sagten uns „Wir haben es soweit geschafft, dann versuchen wir den letzten Wendepunkt auch noch mitzunehmen“. Zwischen Cottbus und Finsterwalde befindet sich der kreisrunde Flugplatz Bronkow, den wir für den Notfall anfliegen wollten. Auch südlich von Cottbus liegt Neuhausen, wo man auch landen kann. Mit diesem Wissen entschieden wir uns für den Sprung zur nächsten Wolke, etwas nördlich eines gefluteten Tagebaus. Die Wolke hielt was sie versprach und nach kurzem Zentrieren kreisten wir uns nach oben auf 2000m. Nach Cottbus schafften wir es nun dicke und machten uns auf den Weg. In 1300m kamen wir dann an. Jetzt galt es (für den erneuten Sprung durchs Blaue zurück zu der Wolke von eben) noch einmal Höhe zu tanken. Wir schwärmten aus. Anscheinend reflektierten die Solaranlagen auf der Bahn des alten Militärflugplatzes die Sonne so gut, dass wir kurze Zeit später genau darüber den letzten großen Bart des Tages fanden. Dieser katapultierte uns noch einmal über die 2000m Grenze und wir begannen mit dem Rückweg nach Cottbus. Der Wind hatte aufgefrischt und richtete sich nun direkt auf unsere Nase, sodass wir nur langsam vorwärts kamen. Den MC Wert hatten wir auf 0m/s zurückgedreht und flogen genau nach Sollfahrt, um so wenig Höhe wie nur möglich zu verlieren. Der Endanflugrechner zeigte nur ein paar Hundert Meter an und so peilten wir erst einmal Bronkow an. Lieber sicher auf einem Flugplatz landen, das hatten wir ja besprochen. Besagte Wolke von eben fing zwar schon an sich aufzulösen, aber wir konnten mit Mühe noch zweihundert Meter dazugewinnen. Allerdings versetzte uns der auffrischende Wind beim Kreisen wieder nach Osten. So entschieden wir uns weiterzufliegen. Hätte es Hintergrundmusik gegeben, dann wäre es sicher die Indiana Jones Titelmelodie gewesen, denn man fühlte sich ja ein wenig Heldenhaft. Aber zurück zu Strecke.
So flogen wir nach Sollfahrt zurück Richtung Finsterwalde und ich versuchte so wenige Ruderausschläge zu machen wie möglich, da ich (seit Gräbendorf) lieber mit dem Worst Case rechne. Glücklicherweise verloren wir über die nächsten Kilometer nicht übermäßig an Höhe und freuten uns über eine gute Linie. Irgendwann als etwas südlicher von uns die Windräder (vom ersten Flugtag) lagen erinnerte ich mich an den Spruch einer unserer Fluglehrer „Juhu, hier war ich schon tiefer“. Hochmotiviert funkten wir die 10km Meldung nach Finsterwalde und Axel gab Gas. Ich hielt mich weiterhin an meine Sollfahrt und ließ noch einmal die Strecke revuepassieren. In 1000m (mal wieder viel zu hoch) kam ich am Flugplatz an und fing an die Höhe gemütlich abzufliegen.
Nach der Landung gab es erst einmal ein High-Five von Axel und der Flieger wurde geputzt. Ich konnte es kaum erwarten den Flug auszulesen und zu schauen, ob die Deklaration geklappt hat. Ich und die Technik…

IMG_20170620_173358.jpgNach der Landung…Groggy aber glücklich
Der Flieger war schnell sauber geschrubbt und nachdem er in der Halle verstaut war, schmiss ich den Laptop an und lud den Flug ins OLC hoch. Wenige Minuten später konnte ich ihn mir ansehen und schaltete ungeduldig auf DMST. Und da stand es. Groß und fett (in Klammern) „Angemeldet“. BÄM! GESCHAFFT! Der Flug mit dem 312km Dreieck gab fast 500 Punkte und brachte mir Platz zwei in der Frauenwertung von Berlin. Ziel erreicht! Das Feierabendbier hatte ich mir (wir uns) verdient!

Strecke 20.06. DMST(Quelle: onlinecontest.org)

 

Mittwoch 21. Juni

Was soll ich sagen…nach drei Tagen am Stück fliegen und immer um die 5 Stunden in der Luft zu sein, das schlaucht ganz schön. So überlegte ich mir den heutigen Tag auszusetzen. Das Wetterbriefing kündigte zerrissene Blauthermik mit einer Arbeitshöhe um die 1200m an. Dazu kam noch stärkerer Wind und Böen. Das war mir dann doch zu heiß und das Außenlandungs-Risiko zu groß. Da Axel auch am Boden blieb, bzw seinen Helfer Thomas fliegen ließ, entschied ich mich auch am Boden zu bleiben. Einige Mutige wagten dann doch den Versuch und es fanden sich neue Teams zusammen.
Ich war heute am Start die „Stöckchenbeauftragte“. Das heißt ich bin mit dem Haken fürs Schleppseil durch die Gegend gerannt und habe beim Starten geholfen. Dass dieser Tag nicht die optimalen Flugbedingungen brachte, war schnell klar. Die Piloten hatten Mühe überhaupt etwas in Platznähe zu finden, sodass Chrysanthi die Düse anwerfen musste und Jonathan nach einer Landung einen zweiten Versuch brauchte.
An diesem Tag besuchten uns Gille und Hans aus Reinsdorf, um von Finsterwalde aus zu starten.
Gille kannte ich schon aus Lüsse bzw. Reinsdorf, Hans kannte ich bis jetzt nur aus Geschichten, da er früher auch in Friedersdorf geflogen ist. Als ich ihm das Tor öffnete, damit er mit seinem Hänger auf den Platz fahren konnte, begrüßte er mich „Ach du musst die Sally sein, ich verfolge deine Flüge im OLC!“. Das hat mich schon ein wenig stolz gemacht J
Nachdem alle Piloten in der Luft blieben, servierte Juliane frischen Eiskaffee (Bei der Hitze sehr erfrischend). Danach fuhr ich nach Hause, da ich den folgenden Tag sowieso zu Hause verbringen würde (Depeche Mode Konzert in Berlin).

 

Freitag 23. Juni

Etwas müde und zerknautscht kam ich wieder in Finsterwalde an. Man begrüßte mich freundlich und fragte wie denn das Konzert gewesen sei und ob es geregnet hätte. Am Donnerstag ist im gesamten Berlin und Brandenburg Gebiet viel Regen gefallen, sowie ein Gewitter Mittags und am Abend. Und ja es hatte geregnet, wir standen zwei Stunden im strömenden Regen und waren bis auf die Knochen durchnässt. War aber trotzdem ein tolles Konzert.
Dementsprechend erleichtert war ich auch, als der heutige Flugtag aufgrund des starken Windes gecancelt wurde. So hatte man genug Zeit, um in aller Ruhe die Flieger abzurüsten. Da die „SW“ ganz vorn in der Halle stand, rüsteten wir sie als erstes ab, was aufgrund der Böen nicht ganz so einfach war. Aber mit den starken Männern an meiner Seite gelang auch dieser Kraftakt.
Den Nachmittag verbrachte man mit den restlichen Vorträgen, darunter auch meiner „Wie ich mir meinen Weg als Leistungsfliegerin vorstelle“. Da ich mit meiner begrenzten Erfahrung den Profis wohl nicht viel vom Streckenfliegen o.Ä. erzählen konnte, schlug Ulf mir dieses Thema vor. Kurz bevor ich den Vortrag hielt, rechnete ich meine Zeiten und Kilometer zusammen und stellte fest, dass ich den größten Teil meines Jahresziels bereits erreicht hatte. 2000 Punkte im OLC, 2000km und von den 60 Flugstunden fehlten auch nur noch 9h. Das Flugwesen, es entwickelt sich!
Vor dem abendlichen Abschlussgrillen gab es noch eine schöne Danksagungsrunde, in welcher dem FSV Otto Lilienthal für seine Gastfreundlichkeit, Ulf für seinen Einsatz als großartiger Lehrgangsleiter und der Küchencrew Juliane und Steffi für die hervorragende Bewirtung gedankt wurde. Die Teilnehmer haben alle zusammengelegt und überreichten kleine Präsente.
Danach wurde der Grill angeworfen und ich bereitete wie versprochen meine Mojitos vor.
Nachdem die Mojito- Ressourcen aufgebraucht waren, war die Stimmung sehr ausgelassen. Das Essen war wie gewohnt sehr gut und ich nahm mir vor, nach diesem Lehrgang erst einmal wieder zu fasten. Als die Sonne langsam unterging packte ich noch einmal die Gitarre aus und wir sangen gemeinsam einige Lieder. Ulf gab seine abgewandelte Version von „Über den Wolken“ zum Besten und wir hatten viel Spaß. Da einige am morgigen Tag noch eine lange Heimreise vor sich hatten, wurde es nicht allzu spät.

 

Samstag 24. Juni

Der Tag der Abreise. Da das Wetter ein wenig besser werden sollte als am gestrigen Tag, schoben noch einige Piloten ihre Flieger an den Start und versuchten noch einmal ihr Glück von Finsterwalde aus. Nachdem diese in der Luft waren, baute ich mein Zelt ab und packte alles soweit ins Auto.
Dann stand der Abschied an und das ein oder andere Tränchen konnte ich mir nicht verkneifen. Man wächst doch zu einem guten Team zusammen, wenn man 10 Tage zusammen fliegt (bzw. die Zeit auf dem Flugplatz verbringt).

 

Es war eine tolle und unvergessliche Zeit in Finsterwalde. Ich habe viel gelernt und sehr nette Leute kennengelernt, mit denen ich gern in Kontakt bleibe (den ein oder anderen trifft man ja in Reinsdorf J). Ich habe meinen Horizont und meine Komfortzone um ein gutes Stück erweitert.
So danke ich dem FSV Otto Lilienthal für die Gastfreundlichkeit und für die Benutzung ihrer wunderschönen Anlage.
Ulf danke ich für seinen sehr strukturierten und lehrreichen Lehrgang, seine Geduld und die Freundlichkeit, die Klappen zu ziehen und auf mich zu warten.
Juliane und Steffi danke ich für das vorzügliche Essen. Was soll ich sagen, ich habe auf diesem Flugplatz besser gespeist als zu Hause.
Den anderen Teilnehmern danke ich für ihr offenes Ohr und ihre guten Tipps für eine junge Segelfliegerin wie mich. Gerne bin ich nächsten Jahr wieder dabei!

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