Allgemein

Außenlandungen kulinarisch betrachtet

Da momentan noch lange nicht an Fliegen zu denken ist und der „widerliche nicht Fluganteil des Lebens“ überhandnimmt, habe ich die Zeit genutzt, um endlich diesen Beitrag (der sicher schon ein Jahr halbfertig auf dem Rechner lag. Inzwischen sind auch ein paar Anekdoten dazu gekommen) fertig zu schreiben.

 

Seit es das Segelfliegen gibt, finden sich in wiederkehrenden Abständen Piloten samt Maschinen auf diversen möglichen und unmöglichen Feldern und Flugplätzen wieder.
So auch meine Wenigkeit. Meist habe ich mich wieder zu irgendeinem Zeitpunkt ziemlich dämlich angestellt, hin und wieder war ich einfach zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.
Da ich ein Feldmuffel bin, versuche ich (nicht gerade auf Wettbewerben) meine Routen so zu legen, damit ich wenigstens auf dem nächsten Flugplatz ankomme. Für mich gibt es nichts Schlimmeres als am Arsch der Welt auf irgendeinem Acker zu sitzen und stundenlang auf meine Rückholmannschaft zu warten und mich zu langweilen. Meist gibt es bekannterweise dort kein mobiles Internet, sodass ich genügend Zeit habe über manche dämliche Entscheidung nachzudenken, die zu diesem Feld geführt haben. Natürlich ist Rekapitulation wichtig und richtig, aber drei Stunden alleine irgendwo herumgammeln finde ich doch recht ungeil. Zum Glück ist mir das bis jetzt nur einmal passiert und ansonsten bin ich immer irgendwo hinunter, wo wenigstens der ein oder andere Anwohner geschaut hat, ob es mir gut geht („Flugzeugabsturz?“ und wenn ich dann verneine kommt „War der Wind alle?“) und ich danach auf wenigstens ein kühles Außenlandebierchen eingeladen wurde.
Im Folgenden möchte ich gerne meine bisherigen Außenlandungen dahingehend analysieren, wo ich die beste Verpflegung bekommen hatte. Also los!

Germanische Gastfreundlichkeit

Fangen wir mit meiner ersten Außenlandung nach Lizenzerhalt an. Es war das Jahr 2016 und ich hatte wie bereits erwähnt frisch meine Lizenz. Nachdem ich am Tag zuvor meine erste Strecke im Einsitzer erfolgreich absolviert hatte (Meine Lizenzstrecke hatte ich Jahr zuvor aufgrund von Mangel an Flugzeugen im Puchacz mit Jörn gemacht) wollte ich sonntags auch losdüsen. Es war der 1. Mai und am Tag der Arbeit wollte ich nochmal das schöne Wetter ausnutzen. So preschte ich nach dem Hochschrauben los Richtung Süden. Es kam wie es kommen musste. Nachdem ich Wolke A passiert hatte und auf dem halben Weg zu Wolke B war stellte ich fest, dass Wolke B doch etwas weiter weg ist als ich dachte. Ein paar Minuten später lag ich auf meinem ersten Acker glorreiche 20 Kilometer vom Flugplatz entfernt. Nun ja. Zum Glück blieb alles heile und bis auf ein ziemlich angekratztes Ego (ich hörte im Funk, dass sich die Leute am Platz über herrlichste Steigwerte freuten) hatte ich die Landung auch gut überstanden.
Da ich natürlich MITTEN auf dem Feld stand und dieses so weich war, dass ich erst einmal das Fahrwerk freibuddeln musste, um dessen Vollständigkeit zu überprüfen, machte ich mich los um einen Bauern mit Traktor oder Ähnlichem zu finden. Außerdem musste ich erst einmal herausfinden wo ich überhaupt war.
Direkt neben meinem Feld fand ich eine Germanische Siedlung. Das heißt da spielen Leute am Wochenende Germanen. Also die Germanen, die den Römern damals auf den Deckel gehauen hatten oder so. Auf jeden Fall hatte diese Larpgemeinschaft glücklicherweise an diesem Sonntag Tag der offenen Tür. Nachdem ich mich vorgestellt hatte „Hi, wo bin ich hier eigentlich“ und sich herausgestellt hatte, dass ich in Klein Köris gelandet war (liegt oh Wunder direkt neben Groß Köris. Kennt man vielleicht von der Autobahnabfahrt) wurde ich doch gleich eingeladen mich hinzusetzen und etwas zu essen. Schnell hatte ich meine Rückholcrew informiert und da diese eine gute halbe bis dreiviertel Stunde zu meinem Acker brauchen würden, entschloss ich mich die Einladung anzunehmen. Bei diesen freundlichen Menschen bekam ich die allerbeste Gulaschsuppe, die ich jemals gegessen hatte. Aufgrund meiner teils ungarischen Abstammung habe ich die genetische Lizenz, um Gulaschsuppe bewerten zu können. Mit frisch aufgebrühtem Tee, spülte ich die kulinarische Köstlichkeit (ich mag Alliterationen…und gebe an dieser Stelle zu, dass ich hin und wieder Schwiegertochter gesucht schaue) hinunter.
Noch immer erzähle ich die Geschichte meiner ersten Außenlandung gerne und schwärme bis heute von der Suppe. Wer diese nette Truppe besuchen möchte:
www.germanischesiedlung.de

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=4955990

1_Klein Köris

Wo ist mein Fahrwerk?

 

Meine erste Begegnung mit Reinsdorf

Über einen Monat später, beschließen Wilko und ich gemeinsam eine größere Strecke. Er im Acro und ich mit der Ls7. Es war ein Hammertag und zuerst flogen wir nach Polen und anschließend Richtung Westen. Ein gutes Stück hinter Dessau drehten wir und verfolgten die Sandachse nochmal nach Osten. Leider war irgendwann das gute Wetter zu Ende und so mussten wir nach über 5 Stunden (meine Silber C Strecke war damit geschafft) in Reinsdorf landen. Übrigens entstand dort auch die Legende einer Pilotin, die aus dem noch rollenden Flieger ins Gebüsch gesprungen ist. Naja, wenn man eben schon seit Polen für kleine Kampfpiloten muss…
Wir riefen unsere Crews an (Wilkos Eltern holten ihn ab, Steffen und Marko sammelten mich auf) und befreiten die Flieger vom Tape. Glücklicherweise war es zwar schon früher Abend, aber die flugplatzeigene Gaststätte hatte noch auf. Wir belagerten einen Tisch auf der Terrasse und bestellten etwas zu Essen. Das Schnitzel mit Pommes war ausgesprochen lecker und zusammen mit einer kühlen Limo ließ es sich so auf angenehme Weise auf die Hänger warten.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=5016486

2_Reinsdorf

Ls7WL und Acro…Dreamteam

3_Reinsdorf Schnitzel

 

Irgendwo im Nirgendwo

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017. Es war mal wieder die verflixte zweite Strecke des Frühjahres. Falsche Linie auf dem Heimflug gewählt und 5km vorm Flugplatz auf dem Acker eingeschlagen. Was soll ich sagen…es war (mal wieder) Mitten auf einem Feld. Wenn man von einer Ecke zur anderen eine Diagonale ziehen würde, dort wo diese sich kreuzen stand ich. Blöderweise war einige Minuten bevor ich landete, der Bocian neben dem Flugplatz gelandet und so musste ich mich erst einmal gedulden. Nachdem ich anhand des Ortsschildes herausgefunden hatte, dass ich auf einem Acker, neben dem Dörfchen Gräbendorf gelandet bin, musste ich feststellen, dass es in besagten Dorf am Sonntagmittag NICHTS gibt. Nada! Die einzige Einkaufsmöglichkeit – ein winziger Bäcker – hatte natürlich schon zu. Fazit:
Gräbendorf ist kulinarisch nicht zu empfehlen. Der Acker war aber ok.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=5659829

dav

Nicht zu empfehlen…war öde

Abstecher nach Reinsdorf

Es war der zweite Wertungstag des Lüsse Cups, welcher über Christi Himmelfahrt stattfand. Da dies mein erster Wettbewerb war, ging ich relativ planlos an die Sache ran. Eine kurze Zusammenfassung des Fluges:
Blauthermik, alles doof, musste sowieso (mal wieder) ganz dringend für kleine Kampfpiloten, bin in Reinsdorf gelandet. Nach dem Ausrollen und dem Anruf bei meiner Bodencrew machte ich mich auf den Weg, etwas Essbares zu finden. So schnell man zwar in der Luft von Lüsse geflogen ist, desto länger dauert es mit Auto und Hänger und ich musste nun die Wartezeit überbrücken. Zwar bot man mir an, mich erneut mit der Winde hochschießen zu lassen, aber der Wertungstag war eh hinüber und sowieso war alles doof. Was hilft da am besten? Richtig! KUCHEN!
Zwar macht wie bereits oben erwähnt die Reinsdorfer Küche ein gutes Schnitzel, aber der Streuselkuchen ist überragend. Auch in der abenteuerlichen Kombination mit einem kühlen Radler (Für einen Kaffee war es mir doch etwas zu warm) schmeckte er vorzüglich und ich ließ mir bis zur Ankunft meiner Crew noch ein wenig die sommerliche Sonne auf die Nase scheinen.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=5763190

dav

Brand in Brandt

Ich glaube jeder Berlin-Brandenburgische Segelflieger macht irgendwann die Erfahrung am Tropical Islands zu landen. Die ausladende Asphaltbahn ist äußerst einladend und falls es mit dem letzten Bart am Abend doch nichts werden sollte, kann man dort sicher landen.
So fehlten auch Wilko und mir nach einer Runde um Berlin der letzte Aufwind und wir mussten uns auf den letzten 20 Kilometern doch geschlagen geben. Dumm gelaufen.
Nach der Landung und der Kontaktaufnahme mit den Rückholern machten wir uns auf die Suche nach einem Außenlandebier und einer Kleinigkeit zu essen. Wir standen direkt am Tropical Islands, da muss es ja irgendwas geben…
Denkste! Ohne Eintritt läuft da nix an der Cargo Lifter. Durstig schlurften wir nach dem anstrengenden Flug zurück zu den Seglern, vorbei an den Campingwägen der Besucher. Dort versuchten wir unser Glück und zogen wie die Zeugen Jehovas von Tür zu Tür. Niemand hatte ein kühles Bierchen für uns, aber immerhin konnten wir uns eine Flasche Mineralwasser erschnorren.

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dav

 

Jo…gudd…dann halt ned

Die Saison fing schleppend an. So richtig wollte das Wetter nicht mitspielen und den gesamten April verbrachte ich gefühlt mit Platzrunden. Als es endlich ein wenig Thermik geben sollte, hatten Wilko und ich eine kleine Tour zum Warm werden geplant. Allerdings war das Wetter eher mühsam. Zerrupfte Blauthermik und eine Basis um 800m. Es ging nach Osten und wir hangelten uns an der Autobahn entlang. Hier und da fand man mühsames Steigen über den Raststätten, aber so richtig schick war das nicht. So entschieden wir uns es mit einer anderen Strategie zu probieren und hielten Kurs auf Felder mit Windkraftanlagen. Feld Nummer eins funktionierte quasi nicht und es blieb uns nichts übrig, als zum nächsten zu fliegen. Ich suchte am Ost- Wilko am Westende. Es kam wie es kommen musste. Wilko meldete einen Nullschieber und kreiste ein. Da ich nur noch knapp 200m hoch war, entschied ich mich gegen den Versuch ihn zu erreichen. Ich flog noch einmal die Ecken auf meiner Seite des Feldes ab, aber dann musste ich mich geschlagen geben und landen.
Gesagt getan, hübscher Acker. Was danach geschah, erzählen wir immer wieder gern:
Ich war ausgerollt und meldete per Funk, dass alles in Ordnung sei. Wilko antwortete „Hör mal…mein Vario *piepiepiepiep*“. Anscheinend löste mein Aufschlag seinen Bart erst richtig aus und so kreiste er munter über mir. Ich schickte ihm einige Flüche per Funk und dass er sich gefälligst aus Gründen der Kameradschaft neben mich auf den Acker setzen solle (was natürlich nur ein Scherz war). Er hingegen drohte mir, mich mit seinen Pinkelbeuteln zu bewerfen (was sicher kein Scherz war!). Seitdem schuldet er mir ein Bier! Mindestens eins!
Als er weiterflog, befreite ich die Ls7 von Tape und machte sie so gut es ging abrüstfertig. Mein Rückholer war bereits kontaktiert und nun hieß es warten. Aus der nahe Gelegenen Siedlung kamen Schaulustige anmarschiert und stellten die Üblichen Fragen. Nachdem ich diese aufgeklärt hatte, luden Sie mich zu sich in den Garten zu einem Kaffee und einem Eis ein. Ich freute mich über das Angebot und trabte hinterher. Man bot mir auch den Pool an, aber dafür war es mir dann doch noch etwas zu frisch. Als ich am Kaffeetisch saß, marschierte nach und nach die ganzen Nachbarn ein. Anscheinend war ich als gestrandete Pilotin die absolute Attraktion.

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dav

dav

Erfrischend

 

Endanflug über die Klippe

Es war der letzte Flugtag des AMF Trainingslagers auf der Hahnweide und es waren örtliche Schauer gemeldet. Wir flogen im Dreierteam Richtung Osten, wurden aber bereits nach relativ kurzer Zeit runtergespült. Der Trainer warf den Motor, meine Kumpeline landete auf einem Acker, aber ich bog rechtzeitig zum nächstbesten Flugplatz ab. Ich meldete mich im Funk an und versuchte nochmal mein Glück in Flugplatznähe. Die Luft war erst einmal tot und ich gab rechtzeitig auf. Ich meldete Queranflug und drehte in die vierte Kurve zum Endteil an. Der Flugplatz Donzdorf liegt genau an der Kante der Schwäbischen Alb und wenige Meter vor der Bahnschwelle geht es gefühlt senkrecht um einige Hundert Meter hinunter. Meine Wenigkeit als Brandenburgische Flachland Fliegerin, war ziemlich beeindruckt von der Aussicht auf diesem Endanflug und hatte ziemlichen Respekt vor der Klippe. Dementsprechend kam ich auch etwas höher rein, was aber nicht weiter schlimm war, da die Landebahn leer war. Ich rollte nach rechts raus und kontaktierte meine Crew. Da auf dem Flugplatz reger Betrieb war, organisierte ich mir einen Eimer Wasser samt Schwamm und putzte schonmal den Flieger (so unglaublich dreckig war sie um Glück nach dieser kurzen Strecke nicht).
Um die Wartezeit zu überbrücken kehrte ich in das hiesige Flugplatzrestaurant ein. Dort gab es einen richtig leckeren selbstgebackenen Obstkuchen. Sehr lecker! Der macht fast schon Ullas Kuchen in Reinsdorf Konkurrenz.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=6650002

dav

 

 

Die beste Außenlandung die ich je hatte!

Jeder Segelflieger hat wohl diese eine Außenlandung gehabt, von der er auch noch Jahre später schwärmt. Sei es das Abenteuer gewesen dorthin zu kommen, das Abenteuer wieder nach Hause zu kommen, die Leute, die Bewirtung…bei dieser war es alles!
Dazu hole ich ein bisschen weiter aus.
Es war die Deutsche Meisterschaft der Frauen in Lachen-Speyerdorf. Der zweite Wertungstag und bereits seit Tagen waren es fast 40°C. Wir waren schon ordentlich gar, als es los ging. Die erste Wende (die quasi auch am weitesten vom Heimatflugplatz entfernt war) war der Flugplatz Kitzingen. Aber unsere lustige Mädelstruppe musste erst einmal einen gigantischen Umweg südlich des Odenwaldes nehmen, da ein direkter Kurs uns durch ein großes Gewitter geschickt hätte. Wir verloren ziemlich viel Zeit und durften uns keine weiter Verzögerung erlauben, da noch ein gutes Stück Strecke vor uns lag. Unterwegs verloren wir gut die Hälfte unserer Mitflieger an das alles andere als einfache Wetter.
Je näher wir der Wende kamen, desto klarer wurde: Darüber stand ein weiterer großer Schauer, der gar nicht daran dachte sich wegzubewegen. Wir teilten uns auf, Elena und ich versuchten unser Glück über Süden. Es kam wie es kommen musste, je näher wir der Wende kamen, desto mehr prasselte der Regen auf uns nieder. Den Flugplatz erreichten wir in genau 200m Höhe und damit war klar, dass wir hier landen würden. Flugplatzfrequenz geschaltet, Blindmeldung abgegeben und rauf auf die schicke große Asphaltbahn (es handelte sich um einen alten Militärflugplatz). Lustigerweise landeten unabhängig noch Petra und Jana wenige Augenblicke nach uns. Wir sahen es mit Humor und kontaktierten unsere Rückholer („WO SEID IHR?…DAS IST JA IN BAYERN!“ Ja…Kitzingen liegt hinter Würzburg und es waren pro Strecke über 200km Fahrt). Jana stiefelte los, um auszukundschaften, ob es Leute auf dem Flugplatz gab, die uns Richtung Ausgang führen konnten.
Nach einigen Minuten kam eine lustige Truppe samt Ford Ranger zu uns gebraust und überraschte uns mit kühlen Getränken und Wassermelonenstückchen. Genau das richtige bei dem Wetter! Man lud uns ein die Wartezeit bei ihnen im „Objekt“ (wie sagt eigentlich der Wessi dazu?) zu verbringen. So schwangen wir uns auf die Ladefläche des Pickups und Elena und ich hatten erstmal einen Riesenspaß auf diese Weise dort entlangzudüsen.
Im Hauptquartier angekommen versorgte man uns königlich! Das größte Glas Radler, welches ich je gesehen habe wurde aufgetischt und es gab Eis mit selbstgemachter Karamellsoße.
Da sich inzwischen der Schauer verzogen hatte und die Sonne uns wieder erbarmungslos briet, bot man uns an mal kurz unter Gartendusche zu springen.
Ich tat das sogleich mit all meinen Klamotten. Hach war das erfrischend!
Als ich aber dann so pudelnass und tropfend zu den anderen zurückkam, fiel mir ein gewaltiger Denkfehler auf. Ich hatte keine Wechselklamotten dabei! Und da wir bekannterweise ziemlich lange gebraucht hatten, um bis nach Kitzingen zu kommen, würde auch bald die Sonne untergehen. So kam es also, dass ich mir ein geborgtes Handtuch um die Hüften schlang und halt im Bikini (den ich drunter hatte…renn mal tagelang bei solch einer Affenhitze auf dem Flugplatz herum…da lässt man eben die Hüllen fallen, um zu überleben) an der Tafel saß. Die anderen störte es nicht und meine Hose und Shirt konnten in der Restsonne trocknen.
Der Verein, bei dem wir gelandet waren, erwies sich als sehr gastfreundlich und wir hatten einen großen Spaß. Bald wurde auch der Grill angeworfen.
Pünktlich als das Abendessen fertig war, trudelte auch die Kolonne der Rückholer ein.
Steffen wunderte sich zwar ein wenig, warum ich ihn in ein Handtuch gehüllt begrüßte, aber als ich ihn aufklärte, musste er laut lachen. Ja ich hatte schon grandiosere Ideen. Seitdem habe ich immer Wechselklamotten und Handtuch im Kofferraum. Man lernt ja dazu!
Im Nachhinein will ich mich bei unseren neuen Freunden des LSC Kitzingen bedanken, die uns so herzlich aufgenommen und versorgt haben.

www.lsc-kitzingen.de

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=6719544

 

Weiter als gedacht

Es war der erste Wertungstag in Klix und das Wetter hätte nicht unpraktischer sein können. Wolken gab es zu Hauf, ja…allerdings nur Cirren. Eine dicke Suppe stand über der Oberlausitz, aber die Wettbewerbsleitung wollte uns trotzdem losschicken.
Da Feigheit vor dem Feind (in diesem Fall das Wetter) keine Option war, versuchte ich mein Glück und war gespannt wie weit ich kommen würde. Zweimal konnte ich mich vor der drohenden Außenlandung drücken. Beim dritten Mal war der Tag leider schon zu weit vorangeschritten und da war nichts mehr zu machen. In der toten Luft konnte ich mich immerhin von Polen wieder nach Deutschland mogeln und suchte mir einen hübschen frisch gepflügten Acker bei Forst. Da ich mich unterwegs mit einer Ls1d zusammengeschlossen hatte, hatte ich wenigstens Gesellschaft. Nachdem Gerd und ich unsere Rückholer kontaktiert hatten, zog er los, um uns etwas gegen die trockenen Kehlen zu organisieren. Kaum war er verschwunden, tauchte von der anderen Feldseite einer der Bewohner der angrenzenden Häuser auf. Nachdem die üblichen Fragen (war der Wind alle etc.) beantwortet waren, bot er meinen Kameraden und mir die lokale Bierspezialitäten an. Ja, so kann man es auch aushalten! Wenige Minuten später kam auch Gerd wieder mit kühlen Getränken. So konnten wir uns mit den Erfrischungen und netten Gesprächen die Zeit bis zum Eintreffen der Crew überbrücken.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7110335

17_Forst

 

Geisterstadt aber immerhin mit Empfang
Der nächste Wettbewerb, das nächste bekloppte Wetter. Wir starteten von Reinsdorf Richtung Westen und am Anfang war noch alles ganz gut. Die Schauer waren noch ziemlich lokal und mit ein wenig Geschick konnte man sie noch umfliegen. Und dann kam aber die Wende! Dass nicht alle Wenden gut sind weiß man spätestens, wenn man beim LSC Interflug fliegt (Es gibt übrigens zwei Orte bei denen die DDR nie geendet hat. Friedersdorf ist der eine und beim andern grüßt man sich in Zeiten von Corona mit dem Gruß der Jungpioniere. Seid bereit!), oder wenn man den Kurs Richtung Wende Nummer zwei setzt und dann vor einer schwarzen Wand steht. Ich nahm mit dem letzten Bart Anlauf und versuchte so gut es eben möglich war unter der fetten Wolke hindurchzugleiten, um dahinter nochmal Anschluss zu finden. Gesagt getan…leider wurde aber aus Teil zwei meines tollen Plans nichts. So suchte ich mir ein schönes Feld direkt an einer Straße. Daneben lag ein kleines Dorf und von oben erkannte ich eine Ansammlung von Autos neben einem größeren Gebäude. Ich dachte mir, dass es sich wohl um eine Gaststätte handeln würde und so freute ich mich immerhin auf ein Getränk und eine Kleinigkeit zu essen.
Acker war abgeerntet und auch hier wieder besser zu landen, als zu Hause. Nach dem Ausrollen begann das übliche Prozedere von neuem. Steffen kontaktieren, Landemeldung beim Wettbewerb abgeben (inzwischen war so ziemlich alles außengelandet oder mit Hilfsmotor unterwegs, was an diesem Tag losgeschickt wurde), Tape abziehen und Ruder schon einmal abklemmen. Nachdem der Flieger soweit vorbereitet war, entschied ich mich die Lokalität aufzusuchen.
Blöderweise entpuppte sich die vermeintliche Gaststätte als Autohaus und das kleine Dörfchen als (fast) Geisterstadt. Immerhin gab es (im Gegensatz zu Reinsdorf) hier mobiles Internet.
Da ich mich aber so sehr auf eine Erfrischung gefreut hatte, klingelte ich mich kurzerhand durch die nicht verlassenen Häuser. Beim zweiten Haus wurde ich fündig und der etwas verwirrte Bewohner („Wie sie sind hier GELANDET?“) versorgte mich bereitwillig mit einem kühlen Bierchen aus dem Keller. So trottete ich zurück zu meinem Feld, krümelte mich neben mein Flugzeug und wartete auf meinen Rückholer.

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7388080

18_Wittenberg

19_Wittenberg Wolke
Mal gewinnt man, mal verliert man

Es war ein herrlicher Tag. Schon beim Befahren des Vereinsgeländes blubberte es am Himmel. Wilko und ich konnten es kaum erwartet und überlegten uns schnell eine schicke Strecke. 460km Dreieck. Nach Westen, nach Südosten, Nordosten nach Polen und wieder heim. Wenn das so klappen würde, könnte es in der Punkteliste ganz schön klingeln. Spoileralarm: Wenn es geklappt hätte, würde diese Anekdote wohl keinen Platz in diesem Beitrag finden. Der kritische Punkt war wohl bei Boxberg, da zuerst Wilko den Bart verpasste und während ich auf ihn wartete, bin ich ziemlich abgesoffen. Das hat uns wertvolle Zeit gekostet, die uns auf dem Heimweg gefehlt hatte. In Polen war das Wetter dann schon fast zu Ende und wir hangelten uns mit Mühe und Not von Bärtchen zu Bärtchen. Über Frankfurt zeigte mein Endanflugrechner zartes Plus an und vielleicht…ja ganz vielleicht hätte ich es auf direktem Weg über das langgezogene Waldstück parallel zur A12 heimgeschafft (Umkehrthermik und so). Da aber Wilko ein gutes Stück unter mir war und er mit seiner Libelle nicht so gut gleitet wie ich in der ASW19, wollten wir eine kleine fluffige Wolke am Helenesee (da war übrigens gerade das Festival) ansteuern. Sigurd teilte uns über Funk mit, dass genau diese Wolke ihm vor wenigen Minuten noch mit ordentlichen Steigen die Endanflughöhe beschafft hatte. Hochmotiviert sausten wir also dorthin. Merke: Scheiß Idee! Es kam genau Nichts!
Nach einigen Suchkreisen verlagerten wir unseren Kampf über ein nahegelegenes Feld. Eigentlich sah es dort vielversprechend aus. Windräder, Solaranlagen und ein Bauer, der gerade das Feld aberntet. Könnte ja funktionieren. Oder auch nicht!
Wilko landete rasch und ich hielt mich noch ca. 20 Minuten in einem positiven Nuller. Kampflos wollte ich mich nicht geschlagen geben und Peter (der mit Simon im Nimbus unterwegs war) sprach mir im Funk Mut zu. Aber auch das half nichts. Zwar hatte ich wieder etwas Höhe gewonnen, aber ich wollte mein sicheres und laut Wilko großartig zu landendes Feld nicht aufgeben. Zumal in Richtung Friedersdorf auch erst einmal ein Waldstück folgte. Wenige Minuten später stand ich dann auch auf besagtem Feld. Daneben lag ein großer Kuhstall und von der angrenzenden Wiese starrten uns einige Kühe ziemlich verwirrt an. Der Bauer war so freundlich und zog mein tapferes Fliegerlein neben Wilkos Libelle zur Straße. Unsere Crews waren bereits unterwegs und wir blödelten währenddessen herum. Das war übrigens noch ein Grund, weswegen ich mich gegen das Weiterfliegen entschied. Zu zweit ist es doch immer schöner als alleine. Den WTF-Moment des Tages kam übrigens nicht in der Luft sondern am Boden. Während wir so warteten, scheuchte der besagte Bauer ein riesiges Wildschwein mit dem Traktor quer übers Feld. Ich wusste gar nicht, dass die Viecher so schnell rennen können. Und wer sich jetzt fragt, wo das essen bleibt. Nein, wir haben NICHT die Kuh gegessen! Und auch nicht das Wildschwein! Wilko und ich haben unsere fleißigen Helfer anschließend zu einer Pizza eingeladen. Die Aufmerksamkeit in der Pizzaria galt ganz uns. So oft sieht man ja zwei riesige seltsam aussehende Anhänger mit noch seltsam aussehenden und leicht verstaubten Leuten nicht. Die Pizzen waren aber super 😊

https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7450362

Acker

Wilko ist schon gelandet

Acker Ausgerollt

Ich dann auch

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Abendstimmung

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Deswegen hat man immer ein Schleppseil dabei!

Vielen Dank an all meine Rückholer, die mich (meist) ohne zu murren von jedem Acker/Flugplatz/Feld aufgesammelt haben!

Außerdem danke ich meinen Sponsoren LX NAV und EISENSCHMIDT PILOTENBEDARF für die Unterstützung auf all meinen Abenteuern.

Ein zusätzliches riesiges Dankeschön gehen an den LSC Interflug für das Bereitstellen der Vereinsflugzeuge und dem Angelika Machinek Förderverein für die „VS“ im letzten Jahr.

Grüße gehen raus an:

  • Meinen Kameraden Janki, der mir immer mit Rat und Tat und Kühlflüssigkeit zur Seite steht
  • Andreas, mit dessen Hilfe ich dieses Jahr wenigstens einmal in die Luft gekommen bin. Deine CT rockt!
  • Meine anderen wunderbaren Kollegen! Ich habe viel zu viele großartige Leute auf der Arbeit kennengelernt, um sie alle aufzuzählen. Conny du wirst natürlich wie immer erwähnt!
  • Wilko meinen verrückten Teamflugkumpel

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