Unterwegs auf Strecke

Die erste Strecke mit meinem Förderflugzeug „VS“ 07.04.2019

In dieser Saison hat mir der großartige Angelika Machinek Förderverein (www.am-foerderverein.de) für Frauensegelflug die wunderschöne ASW19 „VS“ zur Verfügung gestellt. Das ist eine große Ehre für mich! Zwar hatte ich den Zuschlag für die Saison 2019 schon im letzten Jahr, aber nun endlich diesen tollen Flieger zu fliegen ist der Wahnsinn und macht mich unglaublich stolz!
Außerdem werde ich diese Saison von LX NAV mit der Bereitstellung eines Nano Loggers unterstützt. Auch an dieser Stelle ein riesengroßes DANKESCHÖN!

Elena (man erinnere sich an die Deutsche Meisterschaft 2018) und ich teilen uns den Flieger. Über das Osterwochenende sind wir beide beim Wettbewerb in Brandenburg, bei dem sie mit der „VS“ mitfliegt und ich mit meiner geliebten „SW“ (hoffentlich wird sie nicht eifersüchtig) die Wettbewerbssaison eröffne. Die Woche drauf folgt dann der berühmte Wettbewerb in Klix und im Juli die Berliner Meisterschaft, bei denen ich mit der ASW19 antreten werde. Also musste ich trainieren und mich mit „Vicky“ anfreunden…
Direkt am Anfliegen-Tag durfte ich das herrliche Fliegerchen endlich ausprobieren und war sofort von den Flugeigenschaften begeistert. So konnte ich das kommende Wochenende kaum erwarten und die Wettervorhersagen versprachen gutes Wetter…

dav

Der Samstag versprach gegen Mittag gute Blauthermik. Nach einem Schuss gegen 12 Uhr, der nach 19 Minuten Kampf in 400m vorüber war, entschied ich mich erst einmal die Essensration zu futtern und noch ein wenig zu warten. Ohne Mampf kein Kampf! Eine gute Stunde später versuchte ich es nochmal und siehe da…ging gut. Zwei Stunden blieb ich oben und fetzte durch unsere Zone. Die 4500ft Höhenfreigabe waren sehr angenehm und so konnte ich die ersten zarten OLC Pünktchen einfliegen.

06.04.2019_Puchacz

Zusammen mit dem Puchacz über Friedersdorf. Heiko hat da gerade seine 30 Minuten Thermik erflogen. Gut gemacht Schweini!

06.04.2019_Asw

Zusammen mit der ASW15 bWL „GB“ im Aufwind

Übrigens hatte ich den gesamten Flug einen mittelschweren Ohrwurm. Steffen und ich waren am Abend zuvor im Falco Musical und so brüllte es die ganze Zeit „Jeeeeeaaaanyyyyyy“ in meinem Gehirn. Nunja…

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Das war der erste Flug mit der „VS“. Nach einem unglaublich langen Winter der erste Thermikflug. Dass ich mehr als glücklich war, muss ich wohl nicht erwähnen…das sieht man 🙂
Abends wurde nach dem Grillen zusammen die erste Hälfte von „Das Boot“ geschaut. Leider direkt vom Tisch aus, obwohl ich ein so schönes Lagerfeuerchen gemacht hatte.

Der Sonntag begann für mich recht früh, da ich mir angewöhnen möchte am Sonntagmorgen eine kleine Runde laufen zu gehen. Mit den ersten morgendlichen Sonnenstrahlen auf der Nase und beflügelnder Musik (natürlich eine Falco Playlist) in den Ohren genoss ich die 7km um den Flugplatz.
Nach einer (zwangsweise) eiskalten Dusche begann dann der Flugtag. Da wir im Westen aufbauen mussten, nutzte ich die Gelegenheit und ging die Landebahn ab, um sie auf mögliche Schäden zu untersuchen. Ärgerlicherweise hatten sich die Wildschweine wieder ganz schön ausgetobt, sodass wir die nächsten Stunden erst einmal damit beschäftigt waren die Löcher zuzubuddeln. Ja das ist eben Friedersdorf. Irgendetwas ist immer. Wenn die schönsten Wölkchen am Himmel stehen muss man erst einmal den Flugbetrieb retten. Dementsprechend spät ging es dann auch für mich los.

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Wenn die Landebahn SO aussieht heißt es erst einmal Buddeln. Mal wieder…
Meine Sympathie für Schwarzwild ist  an den letzten beiden Wochenenden dezent gesunken…

Da das Nano3 (welches als Flarmanzeige und Logger dient) mich blöderweise beim Einstellen am Donnerstag im Stich gelassen hatte musste ich etwas improvisieren. Die FlarmEagle Box hat leider einen Anschluss zu wenig, sodass ich auf den Lx7007 verzichten musste, um dafür ein normales Flarm Display anzuschließen. Glücklicherweise hatte ich ja noch meinen Oudie, auf dem ich eine kleine Strecke deklarierte.

Nachdem ich meinen Flieger beladen hatte, ging es endlich los.
Nach dem Windenstart traf ich direkt einen Bart und nachdem ich kurz unter den 3500ft (Höhenfreigabe) aufgehört hatte zu kurbeln, ging es dann los. Ich flog gegen den Wind nach Osten, da sich ein gutes Stück einzelne Wölkchen gebildet hatten. Zwar verwarf ich damit meine geplante Strecke (deren erster Wendepunkt bei Oehna im Südwesten liegen sollte), aber der Süden war blau und mir sowieso nicht geheuer. Außerdem wollte ich einfach nur das schöne Wetter genießen und Spaß haben. Für großartige Heldentaten war ich sowieso zu spät gestartet.
Also ging es los Richtung Osten. Ich sprang von Wolke zu Wolke und traf auch meist sicher den Aufwind. Ein schönes Erlebnis hatte ich in 600m Höhe, als mir ein großer Vogel geholfen hatte den Bart richtig zu zentrieren. Vielen Dank mein gefiederter Freund!

07.04.2019_Steigwerte

Traumhafte Steigwerte
Blöderweise war an diesem Tag mein Oudie recht bockig. Nachdem ich ihm das dritte Mal gesagt hatte, dass es mich mit Luftraumwarnungen (es weiß ja nicht, dass wir eine Höhenfreigabe haben) nicht nerven soll, dachte es sich wohl „Dann mach deinen Scheiß doch alleine!“ und ich war auf einmal ohne Lufträume. Zum Glück hatte ich wie immer eine aktuelle Karte dabei und mithilfe der Lage (die mir der Rechner ja noch anzeigte) konnte ich mir ungefähr herleiten, wo die Zone endet. So erkannte ich Pfaffendorf am Boden und wusste, dass ich es aus dem kritischen Bereich geschafft habe, wenn ich die Wolke anfliege, die genau darüber liegt. Gesagt getan! Diese Wolke brachte mich auf 1250m und ich hüpfte munter zur Nächsten, die mich schon auf angenehme 1900m hob. Bei Eisenhüttenstadt bog ich etwas nach Süden ab und klinkte mich unter einer Wolkenstraße parallel zur Oder ein. Bei der letzten Wolke, vor einem größeren blauen Feld kurz vor Krosno wendete ich und machte einen großen Hüpfer zur südlicheren Wolkenstraße um dieser wieder nach Westen zu folgen. Die erste Wolke, die ich anpeilte löste sich leider auf halben Weg bereits auf, aber die obligatorische Gubenwolke zog mich zuverlässig mit 2-3m/s nach oben.  Nun setzte ich die Segel Richtung Westen. Mein Plan war mit Rückenwind bis Reinsdorf zu fliegen, dort zu wenden, um wieder etwas gegen den Wind vorzufliegen, um dann von Südosten wieder mit Rückenwind in die Zone einzutauchen. So jedenfalls die Theorie.
Ich folgte also der Wolkenstraße nach Westen, die unter anderem über Cottbus führte. Kurz dahinter fand ich ein 3m/s Wölkchen und schaffte mich bis kurz unter die Wolkenunterseite. Während ich so munter vor mich hin kreiste, klinkten sich zwei weitere Flugzeuge im Bart ein. Schon beim ersten Blick dachte ich mir „die kennste doch“. Nach ein zwei Kreisen konnte ich die Kennung erkennen und stellte fest, dass es sich um Fritzi im Duo „FM“ und Martin in seiner ASW20 „BC“ handelte. Beide Brandenburger kenne ich vom Lehrgang in Finsterwalde und freute mich sehr, das erste Mal dieses Jahr bekannte „Gesichter“ unterwegs zu treffen. Beide setzten den Weg in meine angestrebte Richtung fort und ich entschied mich, den beiden zu folgen. Zwar konnte ich mit der ASW19 nicht ganz Schritt halten, aber ich blieb dran. Knüppel nach vorn und im Delfinflug die Wolkenstraße entlang. Gute 30km ging es sensationell vorwärts und ohne zu kreisen machten wir gut Geschwindigkeit. Kurz vor Brand endete leider diese schöne Wolkenstraße und Richtung Reinsdorf sah es kurz und knapp…sau blau aus. Der Endanflugrechner spukte zwar knapp hundert Meter Ankunftshöhe aus, aber bis zum angestrebten Flugplatz waren es noch gute 40km. Ich schaltete auf die Brandenburgfrequenz in der Hoffnung die Beiden dort anzutreffen, aber anscheinend hatten sie die Frequenz gewechselt und mir konnte leider niemand weiterhelfen. Da die nächsten beiden Wolken nicht mehr als Fetzen waren und mit 0,5m/s kein zufriedenstellendes Steigen brachten, bog ich nach Norden Richtung Friedersdorf ab und unsere Wege trennten uns. In Brand mit knapp 800m angekommen hatte ich nun zwei Optionen. Es versuchen bis zum nächst größeren Fetzen weit hinter Märkisch Buchholz zu schaffen, wobei die dortigen Außenlandemöglichkeiten nicht wirklich zufriedenstellend waren. Oder den Fetzen über Tropical Islands anpeilen. Wenn der nicht ziehen sollte, brauchte ich es gar nicht weiter bis nach Norden zu versuchen und könnte in Brand landen. So zumindest der Plan. Als ich die Landebahn überflog musste ich erkennen, dass gut die Hälfte davon mit Sandhaufen bedeckt war. Beim Versuch vor zwei Jahren Berlin zu umrunden, sind Wilko und ich dort eingeschlagen und man warnte uns vor, dass die Bahn wegen Bauarbeiten wohl nicht mehr lange landbar sein sollte. Ein kleines Stück war frei, aber dann kamen schon die Betonklötze die das Ende des Parkplatzes markierten. Da es sich um eine Asphaltbahn handelte, würde man auch ziemlich lange ausrollen. Zur Not könnte man auch von der Bahn runter rollen, aber da hatte ich keine Ahnung, ob die Seiten nicht auch irgendwie begrenzt sind. Also alles mehr als suboptimal. Dementsprechend war meine Motivation ziemlich hoch die Landung dort zu vermeiden. Dummerweise trocknete auch dieser Wolkenfetzen erwartungsgemäß schnell ab und in 500m flog ich nochmal ein Stück nach Westen, um den nächsten (und allerletzten Fetzen weit und breit) zu probieren. Bei 400m AGL schlug das Vario mit zarten 0,5m/s aus und ich kreiste erst einmal ein. Unendlich langsam ging es nach oben und verzweifelt versuchte ich den Aufwind zu zentrieren. Vergebens! Ich wurde in 700m wieder ausgespukt. Die Wolke war noch da, aber ich fand das Steigen einfach nicht. So versuchte ich einen letzten Anlauf und flog erneut ein wenig nach Osten zur Halle. Und nix passierte. Kein Steigen! Aber es ging doch mit 3m/s runter…irgendwo musste dieser verdammte Bart doch stehen. Hinter mir der Fetzen, vor mir die Halle und ich hatte Gegenwind. Nach Adam Riese müsste ich doch genau in den Thermikschlauch einfliegen. 580m. Als ich in meiner Verzweiflung fast schon überlegte Friedersdorf anzufunken, dass Steffen schonmal den Hänger fertig machen sollte, sah ich ihn. Neben mir kreiste ein gefiederter Freund und stieg merklich. Ok, der Vogel wiegt nur einen Bruchteil von meinem Vogel, aber der Kumpel wird schon wissen, wo das beste Steigen stehen würde. Also nichts wie hin! Das Vario schlug mit 1,5-2 m/s aus und ich schwang mich zu meinem Retter in den Kreis. Nach den ersten hundert Metern (und das Steigen blieb konstant) begann ich mich zu entspannen und irgendwann wagte ich sogar einen Funkspruch in die Heimat, ob denn unsere Höhenfreigabe noch aktiv sein würde. Den SKP erreichte ich leider nicht, aber unser Bocian gab mir Auskunft. In 1500m hörte ich auf zu kreisen und machte mich auf den Heimweg. Halbwegs auf Kurs standen noch zwei Fetzen und ich entschied mich für diesen kleinen Umweg. Knüppel nach vorn und los ging es. Aber da gab es ja noch das Problem mit meinem streikenden Navi. Laut Karte liegt die 3500ft Grenze bei Märkisch Buchholz und die Stadt erkenne ich inzwischen aus sämtlichen Himmelsrichtungen. Ich versuchte meine Geschwindigkeit so einzuteilen, dass ich kurz davor die Höhengrenze unterschritt. So raste ich mit 180km/h nach Norden und ich hoffte vielleicht doch noch ein bisschen Zeit gut zu machen, hatte ich doch in Brand gute 25 Minuten gelassen. Allerdings ging es zusätlich zu meinem geschwindigkeitsbedingten Eigensinken noch mächtig nach unten und der Endanflugrechner drehte langsam rückwärts. Als er die 200m Marke (ohne Sicherheitshöhe) unterschritt und ich trotzdem noch 15km vor mir hatte, entschied ich mich noch einmal 150m Höhe zu tanken, nur um ganz sicher zu gehen. Wenn man von Süden zu unserem Flugplatz fliegt gibt es kurz davor keine Landemöglichkeiten (das Blossiner Feld sieht zwar landbar aus, ist aber ganzjährig hoch bewachsen) und die 2m/s nahm ich dankend an. Als ich eine bequeme Endanflughöhe für die restlichen Kilometerchen erreicht hatte, ging es nun endgültig nach Hause. Natürlich kam ich wieder viel zu hoch an, aber ich könnte wetten, dass es ganz anders ausgegangen wäre, hätte ich nicht noch die paar Angstkreise gemacht. Murphy lässt grüßen. Außerdem stehe ich ja nach einem anstrengenden Flug auf eine ordentliche Landeeinteilung und Brand hatte mich sowieso ziemlich geschafft. Jenny, die heute die Flugleitung übernahm, begrüßte mich mit einem freundlichen „Wilkommen zu Hause“ und nachdem ich gelandet und samt Flieger wieder am Start war, erkundigte ich mich nach dem Flugtag. Anscheinend lag Friedersdorf wieder genau im Loch vom Wolziger See und das Thermikfliegen am Platz  war wieder mehr als mühselig gewesen.

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Geschafft aber glücklich! Was für ein wunderbares Fliegerchen ❤

Obwohl ich wildschweinbedingt erst viel zu spät starten konnte, hatte ich den Flugtag so gut es ging ausgenutzt. Gefühlt lag mein Absacker in Brand schon an der abendlichen Kotzgrenze und ein Abstecher nach Reinsdorf hätte mit Sicherheit mit einer Rückholtour geendet.
Mit einer Strecke von 226km und einer Geschwindigkeit von 74 km/h bin ich erstmal zufrieden. Es wären bestimmt ein paar mehr drin gewesen, aber für die erste Strecke des Jahres mit einem noch recht unbekannten Flugzeug, ist das ein guter Anfang, der mich motiviert auf diesen Start aufzubauen.

Über Ostern geht es dann mit der Ls7 wieder nach Brandenburg. Ich bin gespannt.

An dieser Stelle noch einmal ein großes Danke an meine lieben Freunde:

– Frank Borrmann aus Eggersdorf. Du hast mir das Wochenende gerettet! http://www.franx.aero
– Ingo für die Klärung der Ls7-Fragen
– Sebastian, der auf Arbeit ganz tapfer meine Launen erträgt
– Thomas für die Bereitstellung von Notfallzigaretten
– Steffen für einfach alles! Ohne dich wäre ich nichts!
– dem AMF für das Vertrauen und die Bereitstellung der VS
– LXNAV für das Sponsoring in der Saison 2019 mit dem Nano

Und viele Grüße und gute Laune schicke ich an mein Lieblingsbüro im Prüfstand im Raum 103 😉

07.04.2019

Quelle: onlinecontest.org

 

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