Unterwegs auf Strecke

Berliner Meisterschaft 2019: Teil 2

Unter den ersten fünf Wettbewerbstagen, gab es bislang nur einen Wertungstag. Dementsprechend heiß waren alle aufs Fliegen und aßen auch brav immer die Tellerchen leer (was bei dem großartigen Abendessen von Ulla und ihrer Crew nicht wirklich schwer war). Aufgrund der widrigen Wettebedingungen hatten wir aber viel Zeit die Piloten und deren Helfer, sowie die Reinsdorfer Flugplatzbesatzung kennenzulernen. Auf jeden Fall hatten wir viel Spaß! Und irgendwann konnten wir sogar auch wieder starten…

Mittwoch 17.07.2019, 2. Wertungstag

Es sah fliegbar aus! Man konnte es gar nicht so recht glauben, als man aus dem Zelt kletterte und von der Sonne begrüßt wurde. So war auch Klaus beim Briefing sehr zuversichtlich und teilte mit bester Laune die Aufgaben des heutigen Flugtages aus. Die Clubklasse sollte eine RT von 238km und den Wenden bei Stale und Fünfeichen fliegen.

BM Reinsdorf_2WT_UL

Mein erster F-Schlepp hinter einem UL
Die zu Beginn noch niedrige Basis machte einem ganz schön zu schaffen, denn höher als 1000m kam man erst einmal nicht. Zwar war ich durch das Fliegen in Friedersdorf recht abgehärtet, aber entspannt ist es trotzdem nicht. So kam es, dass ich zwar die ersten Bärte nach dem Abflug gut traf, aber bei einem größeren blauen Loch bei Cottbus auf einmal ganz schön in die Röhre schauen musste. Die letzten beiden Fetzen, die ich anflog zogen nicht und so fand ich mich auf einmal in 570m wieder. UPS! Als ich mich auf Kurs schon mal nach einem Notfallfeld umsah, zuckte glücklicherweise das Vario kaum merklich. Ich kreiste ein und kämpfte mich mit 0,5m/s wieder nach oben. Zwar wurde der Bart je mehr Höhe ich gewann immer „Stärker“ (sagenhafte 1m/s) und ich war dankbar noch einmal eine Chance zu bekommen, jedoch war mir klar, dass mich dieses Ausbuddelmanöver extrem viel Zeit gekostet hatte. Meine Stimmung war erst einmal etwas angeschlagen und ich setzte meinen Weg fort. Im Funk hörte ich von den anderen Piloten, dass sie bereits ein gutes Stück weiter waren als ich. Na klasse! Zwar nahm ich mir vor, mich davon nicht allzu sehr demotivieren zu lassen, aber es nagte doch an mir.
Glücklicherweise hob sich hinter Cottbus die Basis ein wenig, sodass ich die erste Wende mit 1500m nehmen konnte. Allerdings waren auch hier die Bärte nicht so richtig schön. Ich kreiste bei Steigen ein, und die Hälfte des Kreises bewegte sich das Variometer abwärts. Nach unzähligen Versuchen des Zentrierens nahm ich das Ganze einfach so hin und gab mich mit mittelprächtigen Bärten zufrieden.

BM Reinsdorf_2WT_Muggibutzi

Muggibutzi in Aktion! Wat für ne Kurbelei…
Nun kam es aber, dass auf der polnischen Oderseite ein wurstähnlicher Flatschen am Himmel stand. Eine Wurst, welche sich von Wende eins bis Wende zwei erstreckte und so entschied ich mich, mich daran zu orientieren. Zwar bedeutete das einen Umweg, aber ich erhoffte mir einen guten Geradeausflug. Das Ganze funktionierte so  mittelprächtig und ich war froh, als die zweite Wende näher kam. Kurz vor Fünfeichen (wo der Flatschen gigantische Ausmaße annahm) zog ich meinen Bart des Tages, welche mich mit über 2m/s (was für diesen Tag echt viel war) auf 1600m brachte. Im Funk hörte ich, dass die ersten bereits Tropical Islands passierten. Bis dahin war es noch ein gutes Stück von meiner Position aus. Als ich meinen Weg fortsetzte, erkannte ich kurz vor dem Schwielochsee zwei kreisende Flugzeuge. Ich dachte mir, da ja anscheinend an diesem Wertungstag jeder die Bärte besser trifft als ich, könnte es einen Versuch wert sein. Als ich näher kam erkannte ich, dass es sich um den versprengten Ronny in der LL handelte. Ich erreichte ihn im Funk und er erklärte mir, dass leider seine gesamte Navigation ausgefallen sei und er nun ein wenig orientierungslos durch die Gegend flog. Da er für gewöhnlich in Neuruppin beheimatet ist, ist für ihn (im Gegensatz zu mir, die die Gegend nur zu gut kennt) das südliche Brandenburg Neuland. Wir beschlossen den Rest des Weges gemeinsam zu fliegen und fächerten uns auf. Brand lag inzwischen im Blauen und wir peilten eine große Wolke davor an. Nachdem der erste Versuch keine Resultate brachte (außer, dass der Höhenmesser sich langsam den 800m näherte), teilten wir uns auf. Ronny sollte die südliche Seite, ich die Nordseite der Wolke absuchen. Kurz vor dem Ende des Cumulanten, hob sich ganz leicht eine Fläche. Ich kreiste ein bevor das Vario überhaupt richtig ausschlagen konnte (Als ich zuletzt mit Janki im Motorflugzeug unterwegs war, meinte er ich müsste viiiieeeeel sachter fliegen. Tja das hilft vielleicht mit Motor, aber mit dem Segler, da muss man halt schnell sein) und als die Trägheit des Gerätes meinem  Kampfkreis endlich nachkam, zeigte es 1,5m/s integriertes Steigen an. Nicht der Renner, aber in dieser Höhe nahmen wir den Aufwind dankbar an. Da es in Reinsdorfer Richtung überwiegend blau war, entschieden wir uns auf Nummer sicher zu gehen und den Bart bis oben auszukurbeln. Leider war dies nur bis 1500m möglich, da die Thermik abrupt nachließ und dann unauffindbar war. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch gute 50km vor uns. Den MC entsprechend niedrig gestellt (wieder auf 0m/s, wobei ich ja nun gelernt habe, dass das eigentlich totaler Quatsch ist), setzten wir unseren Weg fort. Blöderweise sank es hinter der Wolke mächtig gewaltig, sodass man auf einmal nur noch 1150m auf der Uhr hatte. Ich funkte Ronny an, dass das laut meinem Endanflugrechner recht eng werden könnte (selbst für ihn, der mit der LS4 ein besseres Flugzeug flog) und wir unterwegs noch ein wenig Höhe tanken sollten.

BM_17.07.2019_TeamflugLL

Teamflug mit der LS4 „LL“

Glücklicherweise stolperten wir auf halben Weg nach Reinsdorf über den nächsten Bart. Die Steigwerte waren zwar auch nicht der Brüller, aber für die letzten 300m für den Endanflug zu tanken reichte es. Danach ging es sehr entspannt nach Hause. Wir fanden eine gute Linie und flogen zusammen zurück.
Diesen 2. Wertungstag schloss ich mit dem dritten Platz und 71,7km/h ab.

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Geschafft!

OLC 17.07.

Quelle: onlinecontest.org

 

Donnerstag 18.07.2019, 3. Wertungstag „Einfach mal den Funk leise drehen“

Dieser heutige Tag versprach richtig gutes Wetter und bereits am frühen Morgen wurde eine Nachricht herumgeschickt, dass Startbereitschaft für 12 Uhr festgelegt wurde.
Beim morgendlichen Briefing gab es dann auch eine entsprechende Aufgabe. 323km RT mit den Wenden Müllrose, Grabowiec und Jüterbog.

Reinsdorf_Daumen hoch

Bereit!
Der F-Schlepp schmiss mich wunderbar in der Thermik raus und ich freute mich sehr, dass ich sofort mit 2m/s auf entspannte 1700m steigen konnte.
Zwar verlor ich den Rest der Klasse (bei sagenhaften vier Mitfliegern auch nicht sonderlich schwer), aber das hielt mich nicht auf beim Startschuss loszuheizen. Die Basis war inzwischen auf 2000m gestiegen und ich entschied mich für eine etwas südlichere Wolkenstraße nach Osten. Die andere im Norden wäre unter dem ersten Luftraumdeckel von Berlin und ich wollte unter der Basis kleben und so ordentlich Geschwindigkeit machen. So war auf jeden Fall der Plan. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich fand keine ordentliche Linie und mit den ersten Kilometern ging es dermaßen schnell nach unten, sodass ich auf einmal nur noch 1250m unter mir hatte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Südlich des Tropical Islands trat ich mitten unter einer dunklen Wolke endlich wieder ordentliches Steigen los. Es ging mit über 3m/s nach oben und ich wiegte mich wieder in Sicherheit. Zwei Segler der Offenen Klasse stiegen ein kleines Stück unter mir in den Bart ein. Wahrscheinlich kamen diese beiden aus Stendal, wo gerade die DM der 20m und offenen Klasse, sowie die Vor-WM der 18m Klasse stattfand. Die beiden großen (ich kam mir in der ASW19 winzig vor) flogen ein kleines Stück Richtung südliche Kante der Wolke und kreisten erneut ein. Wenn denen die 3m/s nicht reichten musste dort ja ein richtiger Kracher stehen. Ich flog hinterher und BÄM…beide Varios bis zum Anschlag. Das fing nun an richtig Spaß zu machen (noch!) und ich setzte meine Strecke fort. Ein Stück folgte ich den beiden und bog bei der nächstbesten Möglichkeit nach Norden ab. So sensationell wie es nach oben ging, ging es nun auch wieder nach unten. Innerhalb kürzester Zeit verlor ich fast 500m Höhe und ich wägte meine Optionen ab. Zwar stand auf dem Weg zur ersten Wende keine vernünftige Straße, aber ein paar Wolken. Da musste es ja irgendwo hochgehen. Hier und da machte ich ein paar Kreise oder entweder war das Steigen nicht so gut, dass es sich lohnte weiter zu kreisen, oder schlicht und ergreifend war nach ein zwei Runden der Aufwind weg und nicht mehr auffindbar. Dahinter ging es natürlich wieder abwärts. Den nächsten brauchbaren Bart fand ich erst wieder hinter dem Schwielochsee mit 2m/s. Nach oben hin wurde er aber immer schwächer, sodass ich mich zwang in 1650m weiter zu fliegen, obwohl die Basis noch gute 500m höher war. Die nächste Wolke sieht besser aus, sagte ich mir und flog auf Kurs weiter. Gleiches Spiel wie eben. Grandioses Sinken und danach…naja. Immerhin mit 2,5m/s. Allerdings wieder nur bis 1700m. Ich funkte auf die Wettbewerbsfrequenz, ob bei den anderen die Bärte genauso bescheuert waren wie bei mir. Ich bekam die Antwort von bestgelaunten Clubklassepiloten, dass sie bis jetzt nur Hammerbärte getroffen hatten und das ja ein so toller Tag sein. Na klasse! Das wollte ich jetzt nicht hören. Ein wenig angesäuert nahm ich die erste Wende und schwang mich auf die polnische Oderseite. Dort ging das Spiel auf die gleiche Art und Weise weiter. Zwischen den Bärten ging es mit -3-5m/s abwärts und wenn es dann stieg, nur mäßig. Zwar schlug erst das Vario mit 3-4m/s aus, aber nach einem halben Kreis, ging es dann auf 1m/s oder weniger zurück. Je mehr ich versuchte zu zentrieren, desto schlimmer wurde es. Ich probierte jede Ecke der Wolke, aber ich fand das versprochene Steigen (immerhin ging es ja sagenhaft abwärts) nicht. So war ich gezwungen immer ein gutes Stück unter der Basis das Kreisen zu beenden, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Die meiste Zeit bewegte ich mich zwischen 1100m und 1500m. Beim Durchzappen auf den anderen Frequenzen traf ich auf Wilko. Er sei gerade bei Finsterwalde und habe 500km geplant.
Kurz vor der zweiten Wende konnte ich mich zwar wieder auf 1900m kämpfen, aber beim Sprung zur nächsten Wolke ging es erneut rapide Abwärts. Wende genommen und weiter. Bloß nicht unnötig Zeit verlieren. Inzwischen muss ich gestehen, dass meine Laune im Keller und die bisherige Strecke mehr als mühselig war. Den Funk hatte ich leise gedreht und so war ich mit dem Piepen (oder überwiegend MÖÖÖÖÖP) des Varios, dem Rauschen des Fahrtwindes und meinem Gefluche alleine. Mit Mühe hielt ich meine Aufgabengeschwindigkeit auf über 80km/h.
Nach der zweiten Wende kurz vor Guben kam mir René in seiner Ls7 entgegen, drehte auf meiner Höhe drei Kreise und flog weiter nach Osten. Ich dachte mir nur „Der arme Kerl, meine Rückholstrecke wird jetzt zum Glück immer kürzer und er muss erst noch nach Polen). Apropos Rückholstrecke: Mein Höhenmesser näherte sich mal wieder den 1100m und ich sah, dass sich auf Kurs eine Abschirmung bildete. Na geil! Aber bevor ich mir Sorgen um die Abschirmung machen würde, müsste ich erst wieder etwas Höhe machen. Natürlich stand bei Guben wieder die obligatorische Gubenwolke und genau die peilte ich an. Erst zögerlich schlug das Vario aus, aber ich kreiste ein. 1m/s…das war natürlich zu wenig. Nach zwei Kreisen entschied ich mich ein wenig gegen den Wind vorzufliegen. Und siehe da…es stieg. Und wie es stieg! Mit (für diesen Tag) unglaublichen 3m/s ging es nach oben. Und der Bart war sogar rund. Endlich kam ich dazu meine Wendestulle zu essen und die Muggibutzis zu nutzen.

BM Reinsdorf_3WT_ordentlicher Bart

Einer der wenigen ordentlichen Bärte

In 2100m Höhe war der Aufwind kurz unter der Wolke zu Ende und mit neu gewonnenem Mut, flog ich weiter. Ich hatte zwei Möglichkeiten: Variante 1 war direkt auf Kurs bleiben, durch die Abschirmung gleiten und die paar Wolken die da standen mitnehmen, oder Variante 2 einen größeren Umweg über den Süden nehmen, wo zwar keine Abschirmung war, allerdings auch keine weiteren Cumulanten. So entschied ich mich für die erstere und machte mich auf den Weg. Natürlich ging es ebenso schnell wie es nach oben ging, wieder abwärts und kurz vor Cottbus Drewitz war ich wieder auf 1500m. Na danke auch!
Und von Steigen keine Spur. Auf halben Weg nach Brand war ich bereits wieder auf meinen wohl bekannten 1150m und Mitten unter der Suppe. Ich peilte einen Fetzen etwas nordwestlich von mir an. Dieser zog mich glücklicherweise nach oben. Zwar nur mit rund 1m/s, aber ich wollte mir wenigstens ein wenig mehr Spielraum erkämpfen und so nahm ich den Bart bis 1600m mit. So schlurfte ich weiter (ja, ich denke Schlurfen ist an dieser Stelle der richtige Begriff) und überlegte meine weitere Taktik. Langsam standen südwestlich meiner Position kurz hinter der Abschirmung wieder erste Wolken. Und wenn ich mich nicht irrte, wurde genau unter einer dieser Fetzen gerade ein Feld abgeerntet. Ein Versuch war es wert. Ich nahm Anlauf und setzte Kurs auf besagte Wolke. Natürlich sank es auch hier wieder weltmeisterlich und die Wolke begann sich vor meinen Augen wieder aufzulösen. „Ach komm schon“ brüllte ich in den Himmel, während ich weiter auf die Stelle zuflog, wo gerade noch ein kleines Wölkchen stand. Vielleicht hatte ich ja doch Glück und erwischte noch ein wenig Steigen. Ich horchte auf das Vario und fühlte das Flugzeug, ob sich nicht doch eine Fläche hob. Und das tat es sogar! Zuerst zeigte das Vario nur 0,5m/s an, aber ich entschied noch für ein paar Kreise drin zu bleiben. Und langsam, ganz langsam wurde das Steigen besser. Erst nur 1m/s, dann 1,5m/s. Über mir bildete sich gerade wieder eine frische Wolke und dankbar nahm ich das Steigen bis 1750m mit. Nun setzte ich Kurs Richtung Jüterbog. Unterwegs bildeten sich auch gerade wieder frische Wolken und ich war sogar wieder recht optimistisch. Südlich von Luckenwalde nahm ich noch einen Angstbart mit, da ich ja inzwischen wusste, wie schnell man an diesem Tag seine Höhe verlieren konnte. Aber das war eigentlich gar nicht nötig gewesen. Jüterbog passierte ich in 1000m und so musste ich noch einmal im Endanflug ganz schön Gas geben, damit ich mit der überschüssigen Höhe vielleicht doch noch den ein oder anderen km/h in der Aufgabengeschwindigkeit gutmachen konnte.
Da die Segelfluglandebahn gerade voll besetzt war, funkte ich den Flugplatz an, ob ich auch auf der Motorbahn landen könne. Ich bekam die Erlaubnis und so hatte ich quasi eine ganze Landebahn für mich alleine. Kurz vor dem ersten Taxiway kam ich zum Stehen und Steffen holte mich ab.
Meine Laune war trotz geschaffter Strecke im Keller und ich malte mir schon den letzten Tagesplatz aus. Nach dem was ich im Funk gehört hatte, müssen die anderen ja alle mit Sicherheit viel schneller als ich gewesen sein. Zwar hatte ich so gut es ging echt Gas gegeben, aber das hat wirklich Nerven gekostet. Während Steffen (der beste Helfer von allen!) den Flieger putzte, schnappte ich mir ein Bier (was ich ganz dringend nötig hatte) und ging zum Glashaus, um meinen Flug hochzuladen.
Was soll ich sagen…trotz allem, konnte ich mir den 2. Tagesplatz mit einer Geschwindigkeit von 79,5km/h erkämpfen. Was habe ich daraus gelernt? Öfter einfach mal den Funk leise drehen und sich nicht von anderen beeinflussen lassen! Übrigens stand ich inzwischen in der Gesamtwertung auch auf Platz 2.

OLC 18.07.

Quelle: onlinecontest.org

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Fort Knox in Abendbeleuchtung

Freitag 19.07.2019

Beim allmorgendlichen Briefing um 10 Uhr, wurde mal wieder neutralisiert. Immerhin bereits am Morgen, sodass der Tag noch anderweitig genutzt werden konnte. Steffen, Ronny und ich fuhren nach Wittenberg, um uns dort ein wenig von der Kultur berieseln zu lassen (ich bin zwar schon oft drüber geflogen, war aber nie selbst in der Stadt. Mein Acker einige Kilometer nördlich davon zählt nicht).

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Sightseeing in Wittenberg

Spontan machten wir eine interessante Führung durch die Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther die 95 Thesen geschlagen hatte. Auch kletterten wir auf den dazugehörigen Turm, von dem man eine ganz wunderbare Aussicht über die Stadt hat. Anschließend gönnten wir uns in einer Eisdiele noch eine Leckerei und dann ging es auch schon wieder nach Reinsdorf.
Die Wetteraussichten für den nächsten Tag waren zuversichtlich…

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Entdeckt bei meinem Hängernachbarn Eggert

Samstag 20.07.2019 4. Wertungstag „Vincent, die Blauthermik und ich“

Bei herrlichstem Sonnenschein und bester Laune, wurde die heutige Strecke bekannt gegeben. Es sollte zwar überwiegend blau werden, aber die Vorhersage versprach trotzdem gute Steigwerte. Da an diesem Abend die Abschlussveranstaltung stattfinden sollte, wurden die Aufgaben entsprechend gewählt, dass im keiner Falle einer Außenlandung eine übermäßig lange Rückholtour zu befürchten hatte. So sollte die Clubklasse wieder eine RT mit 157km und den Wenden bei Bronkow, Brand und wieder Jüterbog abfliegen.
Als das Grid aufgebaut war, nutzten wir die Gelegenheit für ein Gruppenfoto und Stefan machte noch ein paar schöne Aufnahmen mit der Drohne.

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Die Teilnehmer der Berliner Meisterschaft 2019 und ihre Helfer
Der F-Schlepp hinter der Wilga war wieder große Klasse und ich schaffte es direkt im Steigen auszuklinken. Übergangslos ging es dann auf 1100m und mithilfe der anderen Segler war es auch kein Problem sich oben zu halten. Nachdem der Abflug des letzten Wertungstages freigegeben wurde, flog ich in 1400m los. Mit mir flogen Vincent in der „AA“ und Alex in der „AT“ zusammen ab. Vincent erwischte ich im Funk und wir beschlossen die Strecke gemeinsam zu fliegen. Im blauen bietet sich sowas ja immer an. Einige Kilometer hinter der Abfluglinie bei Dahme waren wir zwar bis auf 800m abgeglitten, jedoch bildete sich über dem Waldrand ein Fetzen (hier und da standen Fetzen, mehr waren es aber tatsächlich nicht) und wir peilten diesen an. Mit herrlichen 2,5m/s ging es auf angenehme 1700m und wir setzten unsere Reise nach Bronkow fort. Was soll ich sagen? Ich mag irgendwie solches Bastelwetter und wir kamen gut voran. Wir flogen meist bis 1100m runter, fanden aber immer relativ schnell neue Steigmöglichkeiten. Alex hatten wir nach dem dritten Bart verloren, der einen See nördlich abflog. Wir wählten die direkte Route, was sich als bessere Wahl herausstellte, da er kurze Zeit später ein gutes Stück unter uns war. So hangelten wir uns von Aufwind zu Aufwind. Immer wenn das Steigen nachließ flogen wir weiter. Bei Bronkow waren wir zwar erneut bis auf 880m hinabgelitten, jedoch gab es genügend Bojen um den Flugplatz herum, wo reger Flugbetrieb herrschte. Aber es war gar nicht nötig einen dieser Segler anzupeilen, da nördlich des Platzes wieder 1,5m/s standen, welche wir soweit es ging auskurbelten. In 1450m setzten wir unsere Segel Richtung Brand. Vincent flog ein Stück links vor mir. Wir passierten das große Windkraftanlagen Feld nördlich des Flugplatzes und er kreiste ein, gab aber direkt per Funk durch, dass es sich nicht lohnen würde. So flog ich über die Ostseite der Anlage. Auf einmal gab es einen Rums und ich war froh mich gut angeschnallt zu haben, sonst wäre ich wohl gegen die Haube gedonnert. Beide Varios standen auf Anschlag und als ich versuchte rechts einzukreisen, merkte ich den Widerstand der aufsteigenden Luft unter den Flächen. Integriert spukte meine Gerätschaft knapp 3m/s aus und ich informierte Vincent im Funk. Da er allerdings bereits ein gutes Stück vor mir war, vermied er es umzukehren und nahm Kurs auf die nächste Windkraftanlage südlich von Brand. Ich nahm den Bart dankend mit und flog in 1750m weiter. Ich sah Vincent vor mir tief kreisen und erkundigte mich nach seiner Lage. Er meinte, es stiege eher schlecht als recht, aber dass er sich bald wieder anschließen würde. Ich gab durch, dass ich schon mal zur Cargo Lifter vorfliegen würde, um dort weiterzusuchen. Gesagt getan. Ich überflog die Halle in 1080m und sah, wie sich die Besucher unter mir in der Außenanlage aufhielten. Am heutigen Tag war es ziemlich warm und ohne Wolken war ich auch schon gut gar in meinem Cockpit. Aber ich ermahnte mich noch einmal zur Konzentration, denn ich hatte ja noch gute 60km vor mir. Und erst einmal musste ich wieder an Höhe gewinnen. Also flog ich die Anlage ab und nach ein wenig Suchen, fand ich auch den Aufwind, der nördlich der Halle stand. Es ging mit knapp 2m/s nach oben und ich gab Vincent meine Position durch.

BM Reinsdorf_4WT_TropicalIslands

Kurbeln über Tropical Islands

Als er unter mir einstieg, wechselte ich kurz die Frequenz nach Friedersdorf und ließ ein paar Grüße dort. Ich wartete ein paar Kreise und nachdem wir fast gleiche Höhe hatten, flogen wir weiter. Ich wollte das Sägewerk nicht weit westlich anpeilen, da dies im Blauen auch immer eine recht gute Adresse für Steigen war. Auf halben Weg dahin, fluchte auf einmal mein Mitflieger wie ein Rohrspatz im Funk und teilte mir mit, dass er noch einmal umkehren musste, da er die Wende nicht ganz getroffen hatte. Ich flog schon mal weiter und suchte das Sägewerk ab und…nix. Es tat sich gar nix. Es ging zwar ganz schön runter, aber ich fand nichts Brauchbares. Hier und da machte ich zwar ein paar Suchkreise, aber 0,5m/s waren mir dann doch zu wenig und so flog ich genervt weiter. Durch die Suchaktion hatte ich doch einiges an Höhe verbraten. Zwar hatte ich 1200m auf dem Höhenmesser, aber das würde nicht reichen, zumal ich ja noch einen Umweg über Jüterbog fliegen musste. Immerhin hatten Vincent und ich die gleiche Höhe, als er wieder da war und wir flogen weiter. Ein paar Kilometer hinter dem Werk, stand dann zum Glück der nächste Aufwind, der uns fast auf 1700m Höhe brachte. Jetzt sollte es ja eigentlich dicke reichen! Vincent, der das bessere Flugzeug mit der Ls4 hatte, flog vor und ich verlor ihn aufgrund der tiefstehenden Sonne aus den Augen. Zwar sank es rund um Jüterbog ganz schön, aber zum Glück hatte ich ja meine Höhenreserve mit eingeplant.
Ich kam trotzdem entspannt wieder in Reinsdorf an und war zufrieden mit meiner Leistung und konnte die Wertung gar nicht abwarten. Zu gespannt war ich, ob ich meinen 2. Platz verteidigen konnte. Ich lud meinen Flug hoch und Steffen und ich putzten die tapfere Vicky gründlich (das hatte sie sich auch mehr als verdient) und rüsteten sie ab. Mit 68,5km/h konnte ich mir den zweiten Tagesplatz sichern und meinen 2. Platz in der Gesamtwertung verteidigen. Berliner Vizemeisterin. Klingt doch eigentlich ganz gut.

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Den zweiten Platz erkämpft! Mein erster Pokal im Streckensegelflug 🙂
Vor der Siegerehrung gab es noch ein leckeres Buffet und bald waren auch die beiden Außenlander wieder da (Martin hatte es leider nicht bis auf den Flugplatz geschafft und musste im Zielkreis landen, Eggert stand auf dem Flugplatz Altes Lager). Zwar schüttete es am Abend gewaltig, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Als sich die Runde langsam auflöste fiel mir ein, dass ja eigentlich noch meine Versprochenen Mojitos fällig waren. So kam es, dass Steffen und ich in Ronnys Vorzelt auf dem Boden saßen und ich bei strömenden Regen die versprochenen Cocktails mixte. Das war ein Spaß!

Gesamtwertung.jpg

Quelle: strepla.de

Die Berliner Meisterschaft war trotz mäßigem Wetter ein voller Erfolg. Die vier Wertungstage hatten trotz allem viel Spaß gemacht. Zwar war die Organisation zu Beginn des Wettbewerbs noch ein wenig chaotisch, aber das spielte sich Tag für Tag besser ein.
Vielen Dank an René und Klaus für die Planung und den Reinsdorfern für die Durchführung.
Ein großer Dank geht natürlich auch an Ulla und ihre Crew für die tolle Verköstigung (auch wenn ich gar nicht dazu gekommen bin ein Stück vom Kuchen, von dem ich immer so schwärme, zu futtern).
Zwar war das Teilnehmerfeld sehr übersichtlich, aber die Stimmung war trotzdem ganz große Klasse. Es wurde nicht gegeneinander geflogen, sondern miteinander!
Ein weiterer Dank geht an Stefan Henning, sowie Gilbrecht Gens für die tollen Filmaufnahmen.
Ein ebenso großer Dank geht an den AMF für die Bereitstellung der „VS“ und LXNav für den Nano Logger (der Vincent wirklich aus der Patsche geholfen hat).
Und natürlich kommt das Wichtigste zum Schluss:
Steffen für alles. Dass er tapfer zu sämtlichen Wettbewerben mitfährt, mich von jedem Acker aufsammelt und einfach so unglaublich toll ist! Hinter (fast) jeder großen Segelfliegerin, steht ein Mann, der auf dem Flugplatz wartet und im Fall der Fälle den Hänger anhängt.

 

Viele Grüße gehen an:

  • Meine liebe Kollegin Conny, die meine Beiträge von hinten nach vorne liest
  • Den Rest meiner Kollegen im Kalibrierlabor
  • das Gute-Laune-Büro 103 im Prüfstand, die zwei Wochen auf die Gute-Laune-Fee verzichten mussten
  • besonders an Janki, der mir wieder die Daumen gedrückt hatte

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