Unterwegs auf Strecke

Streckenflug 30.04.2017: Die Geschichte von ganz komischen Wetter und einer (erfolgreichen) Außenlandung

Nachdem das Frühlingslager wettertechnisch keine weiteren Streckenflüge möglich machte, war ich fest entschlossen an diesem Wochenende wieder loszufliegen. Die Wetterdienste änderten zwar fast stündlich ihre Meinung, jedoch versprach der Sonntag gut zu werden.
Schon während des Briefings quellten die ersten Cumuluswolken am Himmel.
Leider zog es sich bis zum Start ungewollt lange hin. Ein Akkukabel hatte sich gelöst und nun musste erst einmal rumgetauscht werden, um einen Ersatz ranzubekommen (da an diesem Tag alles was irgendwie fliegbar war, mit an den Start genommen wurde, war ein wenig Überzeugungsarbeit zu leisten). Als die Ls7 „SW“ endlich fertig war, schloss ich mich noch einmal mit Ingo kurz, wie er denn heute seine Route legen würde. Der Wind kam straff aus Südosten und die Wolkenstraßen reihten sich dementsprechend auch. Also bis Hütte rausfliegen, dann Richtung Südwesten, von dort den zweiten Schenkel nach Südosten (in der Mittagsthermik mit Gegenwind). Mit Rückenwind zurück nach Hütte und dann gemütlich nach Hause. So war jedenfalls der Plan.
Aber erstens kommt es anders und zweitens als wie man denkt.
Die Höhenfreigabe betrug an diesem Tag komfortable 4000ft. Jedoch zeigte sich direkt nach dem Start (ca 12 Uhr), dass das Wetter nicht ohne war. Aufgrund des starken Windes war die Thermik sehr zerissen. Mit 800m Höhe machte ich mich auf den Weg nach Osten und wollten die nächste Wolke nutzen, um mich noch einmal hochzuschrauben, bevor ich den Gleitpfad des Flugplatzes verlassen würde. Also ab zur nächsten Wolke, Vario schlägt aus, rein…ein zwei Kreise ging es mit 2-3m/s Steigen nach oben und dann…nichts…aus dem Steigen wurde schlagartig Sinken und es war auch nicht mehr zu finden. Also ab zur nächsten Wolke. Steigen. Rein. Ein paar Kreise. Steigen weg. So flog ich zur nächsten Wolke. Gleiches Spiel. Etwas genervt entschied ich mich nochmal zum Platz zurückzufliegen (in 600m nördlich von Storkow, wollte ich keine Strecke starten) um in „sicherer“ Umgebung noch einmal Höhe zu tanken. Auf halben Weg aus der Zone außenzulanden, war mir zu riskant, vor allem da dann der Tag verschenkt war. Am Flugplatz fand ich nach einigem Suchen endlich einen halbwegs konstanten Aufwind, der mich nach oben beförderte.
Und los ging es! In sicherer Höhe hangelte ich mich von Wolke zu Wolke und so ging das auch ohne nennenswerte Höhenverluste bis Beeskow. Paulchen, der seine Lizenzstrecke nach Hütte und zurück fliegen wollte, begleitete mich in der Ls4 einige Kilometer. Und auf einmal: BLAU! Alles Blau! Innerhalb von Minuten haben sich die vielversprechenden Wolken in Luft aufgelöst und im Umkreis von bestimmt 10 Kilometern gab es keinen Anschein auf Besserung. So kreiste ich unter der letzten mir verbliebenen Wolke, um noch ein paar Meter zu gewinnen und meinen nächsten Schritt zu überlegen. Der einzige nicht blaue Weg führte direkt über das ED-R von Storkow zurück zum Platz. Nach Norden hin sah es auch nicht besser aus und eigentlich wollte ich da auch nicht hin. Richtung Osten (also mit Gegenwind) zeigten sich zwar prächtige Wolken am Horizont, aber die waren bestimmt hinter der Oder und der Sprung war mir zu gewagt. Näher schien die sich von Westen nach Osten ziehende Wolkenstraße im Süden, aber selbst bis dahin war es ein gutes Stück. Dazwischen hing zwar noch der ein oder andere Fetzen, aber diese schienen sich auch schon aufzulösen. Nach Abwägung meiner Möglichkeiten entschloss ich den Sprung nach Süden. Die Wolke auf dem Weg gewährte mir freundlicherweise noch ein wenig Höhengewinn und so schaffte ich es zum Ziel. Bis auf diese Wolkenstraße unter der ich hing, gab es weit und breit nichts. Jetzt folgte die nächste zu treffende Entscheidung: Nach Westen (Rückenwind) oder nach Osten (Gegenwind). Da ich mit meinem Rückflug zum Flugplatz schon einige Zeit verloren hatte, entschied ich mich erstmal nach Osten Richtung Cottbus zu fliegen. Direkt unter der Basis ging das auch ganz wunderbar und so näherte ich mich dem Kraftwerk Jenschwalde. Aber wie sollte es an diesem Tag auch anders sein, löste sich der Rest der Straße vor meinen Augen auf. Also kurz vor Cottbus drehte ich und flog zurück Richtung Brand. Mit Rückenwind machte ich Kilometer und traf auch den ein oder anderen guten Bart. Da mein heutiges Ziel eine Verbesserung meiner Geschwindigkeit war, flog ich konsequenter als bisher. Wenn die Thermik nach ein bis zwei Kreisen nicht zentrierbar war, flog ich weiter (natürlich in ausreichender Höhe). Viele Bärte zeigten sich gleich: die ersten Kreise waren im Steigen, danach gab es nur noch Sinken und das Steigen war auch nicht mehr zu finden. Ich schob dies auf den starken Wind. Das Lx7007 meldete 33km/h aus 100Grad. Über Brandt kam mir Ingo mit seinem Discus entgegen und nach einem kurzen Blick auf die Uhr setzte ich meinen Weg nach Westen fort immer der Wolkenstraße folgend.

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Als diese auch zu Ende war, wendete ich und erkannte, dass von der Straße, die mich hierher brachte nur noch zwei drei dicke Wolken übrig geblieben waren. Eine davon katapultierte mich mit phänomenalen Steigen auf 1600m. Aber schon von weitem sah ich, dass Nördlich und Östlich von Brand wieder alles blau war. Ich hatte zwei Möglichkeiten:
1. Mit Seitenwind nach Norden Richtung Platz im Blauen
2. Mit Gegenwind nach Osten, ebenfalls im Blauen und dann mit Rückenwind nach Hause. Allerdings müsste ich etwas mehr ausholen, da genau im Südosten des Platzes besagtes ED-R saß.
Ich entschied mich für Variante 1. Also nochmal kurz vor Brand etwas Höhe getankt und ab nach Norden ins Blaue. Sollte reichen, sagte mir mein Endanflugrechner.
Mir wurden zu Beginn des Heimfluges 500m Ankunftshöhe angezeigt. Vario umgeschaltet auf Sollfahrt und ab nach Hause. Ich fragte am Platz an, ob die Höhenfreigabe noch gilt (positiv) und Sigurd funkte mich aus seinem Cirrus an, dass er ungefähr 5km nördlich meines Standortes sei. Ich suchte den Horizont ab, fand ihn aber nicht. Auch er sah mich nicht. Also musste ich alleine nach Hause.
Blöderweise hatte ich eine echt bescheidene Linie erwischt und so schwand meine angezeigte Ankunftshöhe stetig. Es gab unterwegs auch keinen Hauch von Steigen, sodass ich gezwungen war einfach geradeaus weiter zu fliegen und zu hoffen, es könnte reichen. So überflog ich mein erstes Außenlandefeld aus dem letzten Jahr und lotete meine Möglichkeiten aus. Errechnete Ankunftshöhe 200m (GND). Zwischen meiner Position und dem Flugplatz erstreckte sich ein großes Waldgebiet. In ausreichender Höhe wäre das sicher kein Problem gewesen, aber in 500m sah die Sache ganz anders aus. Das war mir einfach zu gefährlich. Ein wenig nördlich von mir gab es einige vielversprechende Felder und ich ging das Prozedere durch. Checkte nochmal den Wind und sah mir den Bewuchs an. In einer Waldschneise fand ich einen geeigneten Acker und der Endanflug war auch frei. Nach vergeblichen Suchen, ob in „Platznähe“ nicht doch noch der rettende Aufwind stand, gab ich auf und flog wie gewohnt in 200m Höhe die gedachte Position an. Ich funkte noch einmal, dass ich es nicht bis nach Hause schaffen werde. Fahrwerk raus. Dritte Kurve, vierte Kurve, Endanflug. Sanft setzte ich auf und der weiche Boden bremste mich schnell ab. Nachdem ich ausgerollt war, stieg ich aus und begutachtete den Flieger. Alles heil geblieben. Nachdem ich anhand des Ortsschildes meinen Standort ausfindig machen konnte (Gräbendorf – wird nichtmal bei Google Maps angezeigt) rief ich zu Hause an, um meine Rückholmannschaft zu bestellen. Blöderweise ist keine 5 Minuten vor mir der Bocian hinterm Wäldchen (im Endanflug gibt es ein kleines Waldstück. Wenn der Wind straff aus Osten kommt, hat man dahinter ein starkes Lee) außengelandet und man müsse ihn in Einzelteilen zurückbringen, da der Anhänger noch in der Reperatur sei. Nachdem ich feststellen musste, dass es in diesem Dorf NICHTS gibt (außer einen Bäcker, der aber Sonntags nur bis 10 Uhr geöffnet hat), setzte ich mich zurück in den Flieger und wartete.

Außenlandung Gräbendorf _1

Irgendwann kam meine Mannschaft an und wir hatten das Glück, dass der Boden nicht zu weich war, um mit dem Auto auf das Feld zu fahren. Schnell war die Ls7 an die Straße gezogen und genauso schnell war sie auch wieder abgerüstet. Für die Anwohner war das natürlich ein Highlight.
Deckel zu und ab nach Hause (war ja nicht allzu weit).

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Wieder am Platz angekommen horchte ich mich bei den anderen Streckenfliegern um, ob ihre Erfahrungen am heutigen Tag sich mit den meinen deckten. Sie bestätigten die Beobachtungen um das Wetter und ich war erst einmal froh, dass es nicht nur mir so ging.
Am Rande: Meine Geschwindigkeit konnte ich auf 70 km/h verbessern 🙂Strecke 30.04.2017
Quelle: Onlinecontest.org

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