Ich glaube dieser Beitrag benötigt ein Vorwort. Die Wochen nach Bayreuth waren sehr ereignisreich. Bayreuth lief überraschend gut, sodass ich mich auf meine Hauptquali auf dem Feuerstein sehr freute und gewisse Hoffnungen auf eine gute Platzierung hatte. Mir blieben ein paar Wochen inklusive dem tollen Mini-Fluglager in Zwickau, sowie der Woche in Laucha. Leider entschied sich der Turbo in Zwickau dafür erst einmal zu stänkern. Zuerst riss das Steuerseil für die Motorklappen, woraufhin ich leider thermisch besten Tag canceln musste. Zum Glück haben mich Jasmin und Sebi super bei der Reparatur unterstützt, sodass nach einigen Stunden Tüftelei (die Seillänge muss genau stimmen, sonst öffnen sich die Klappen zu spät und man semmelt die Auspuffkante in die Klappenecke…ups) es mit den Motorklappen endlich wieder klappte (ganz schlechter Wortwitz!). Leider war das nicht das einzige Problem mit dem Brumm. Trotz tatkräftiger Hilfe von Arbeitskollege Rudi, lief der Motor nicht richtig. Erst nachdem ich relativ entnervt direkt von Laucha aus den Flieger zu Veit (Vielen Dank Veit, dass du mir aus der Klemme geholfen hast) und er ihn dann zu Schempp-Hirth gebracht hat, konnte das Problem behoben werden. Das ILEC war es!
Also fuhren Steffen und ich am Mittwoch den 30. Juli mit zwei Autos und Wohnwagen runter auf dem berühmten Feuerstein und steckten das Camp ab. Am Donnerstag ging es dann früh nach Nabern um Spocky von Schempp-Hirth abzuholen. Ich hätte zwar noch Vicky als Backup gehabt, aber auf dem kleinen dicken Discus war ich nach ungefähr 250h gut eingeflogen. Und es sollte sich herausstellen, dass ein Brumm Gold wert ist. Dazu aber später mehr. Am Freitag reisten dann auch die Letzten an und wir freuten uns über ein Wiedersehen. Vor allem, da es der erste große Wettbewerb für meine drei Mädels war. Sabine war mit dem Vereins-Discus am Start, während ihre neue LS1f im Anhänger auf die Papiere wartete. Jasmin hatte natürlich ihr DGchen dabei. Walter zauberte und vermittelte Anna eine schöne LS1d. Mit dabei war natürlich Moritz mit der LS3 inklusive Wiebke als Helferin. Außerdem freute ich mich sehr darüber Nicole wieder zu sehen.
Direkt im Camp neben uns campte Robin und wir lernten Arnaud kennen.
Außerdem war Jürgen in der Wettbewerbsleitung und Liam für den Wettbewerbsblog zuständig. Alles in allem sollte es ein Wettbewerb mit vielen Freunden werden.
Samstag 02. August – 1. Wertungstag
Es sollte fliegbar werden und nachdem sich die Wolkendecke gehoben hatte (bei der morgendlichen Laufrunde lag der Feuerstein noch mitten drin) ging es zu einer kurzen und knackigen 1:30h AAT zuerst nach Norden und dann in den Westen und heim ins Grid. Zwar mussten wir ein wenig warten, hatten aber viel Spaß und nutzten die Zeit für ein AMF-Gruppenbild.


Irgendwann ging es dann auch los und Moritz und ich fanden uns schnell und beschlossen die Aufgabe im Team zu versuchen. Das Wetter am Platz konnte man als durchaus schwierig bezeichnen. Eine Basis um die 800m, wenn man den Sprung zur großen dicken Wolke im Norden schaffte. Der war nicht einfach und es gab einige Wiederlander. Hinter der Wolke sah es auch nicht viel besser aus. Eine Abschirmung hing über dem Weg zum ersten Wendesektor und Wolken sahen auch nicht sonderlich gut aus. Wir zögerten nicht lange mit dem Abflug und wagten den Sprung nach Norden zur nächsten Wolke. Wir flogen in sagenhaften 1000m über Grund ab und kamen in 650m an. Wenn ich dieses Jahr eines gelernt habe, dann tief fliegen und so blieb ich relativ entspannt. Die Wolke zog mehr schlecht als recht mit 1-1,5m/s, verschaffte uns aber immerhin wieder 350m um zur nächsten zu gelangen. Da spielte sich ungefähr das Gleiche ab, nur mit der Perspektive mit einem weiteren mutigen Sprung Anschluss an die Wolkenstraße nach Nordwesten zu bekommen. Wir waren schon dicke im ersten AAT-Kreis drin und so hieß es mutig nochmal bis 580m runter zu fliegen, um mit 2m/s auf 1600m MSL (1150m AGL) endlich an die Basis zu gelangen. Der Pulk, der uns begleitete, hatte die gleiche Idee und so gab es lustiges Geschwabbel, um die besten Linien zu finden. Es ging gar nicht mal so schlecht, aber wir konnten uns nicht gegenüber den älteren Clubklasse-Flugzeugen absetzen. So entschieden wir uns die Wolkenstraße ein bisschen zu verlängern und damit länger zu fliegen, als die anderen schon wendeten. Die Wolkenstraße zog gut und der gemeinsame Teamflug klappte ausgezeichnet. Der Rückweg war mit Rückenwind ein großer Spaß und ich kam ausnahmsweise mal nicht viel zu hoch am Zielkreis an. Mit 40m drüber war der Endanflug super kalkuliert.
Tatsächlich war ich mit 84,84km/h die Viertschnellste, allerdings tat der hohe Index mal wieder sehr weh und so erreichte ich den 9. Tagesplatz. Ich war trotzdem zufrieden und freute mich schon auf den nächsten Flugtag, um wieder alles zu geben.
https://www.weglide.org/flight/662763
Sonntag 03. August – Besuch in Hersbruck



Erst einmal spielte das Wetter aber nicht so richtig mit. Bzw. nicht ordentlich genug für eine ganze Klasse. So wurde zum Glück direkt beim Briefing neutralisiert und so musste ein Alternativprogramm her. Irgendjemand schnappte auf, dass in Hersbruck das alljährliche Eselrennen stattfindet und so war schnell klar, dass wir das unbedingt mit einem Besuch unserer Hersbrucker Freunde kombinieren wollten. Das Wetter dort war zwar auch nicht wirklich besser, aber wurde genutzt, damit Annas Nicht-Flieger-Helferin Jassi (die aber ganz großartige Kuchen backt) das erste Mal in einem Segelflugzeug fliegen konnte. Unser Sebi nahm die Herausforderung an und drehte eine Runde mit der danach begeisterten Fußgängerin. Wir haben danach schonmal Vereine in ihrer Nähe rausgesucht. Ich nutzte die Gelegenheit und löste meinen versprochenen Flug mit Amir ein. Tatsächlich bin ich noch nie in Hersbruck geflogen, obwohl ich immer mal wieder dort zu Gast war. Amir kämpfte tapfere 23 Minuten am Hang, bevor er mir eine seiner berühmten Anflüge demonstrierte. Vielen Dank für die spontane Mitfluggelegenheit! Anschließend besuchten wir das Eselrennen, welches praktischerweise direkt auf dem Sportplatz neben dem Flugplatz stattfand. Es war unglaublich witzig und ich glaube ich habe mein neues Seelentier gefunden.
Montag 04. August – Sightseeing in Bamberg


Auch dieser Tag wurde früh gecancelt und so nutzten wir die Zeit, um uns Bamberg anzuschauen. Zuerst ging es zum Dom und nach einem kleinen Zwischenstopp in einer Eisdiele am Rathaus spazierten wir an der Regnitz entlang. Am Abend trafen wir uns noch mit allen beim Asiaten und schmiedeten Pläne für die Flüge auf dem kommenden Klippeneck-Lehrgang.

Dienstag 05. August – Alternativprogramm die Dritte
Das Wetter war auch an diesem Tag nicht fliegbar, jedoch erfreuten wir uns am Vormittag an bestem Wetter. Die Wettbewerbsleitung hatte ein Einsehen und neutralisierte auch diesen Tag zeitig. Eine kleine Gruppe hochmotivierter Wanderer wollten den Sonnenschein beim 10km langen Planetenwanderweg genießen. Anna und ich packten dabei sämtliche Wanderlieder aus und sangen laut, schief, aber mit Begeisterung.

Mittwoch 06. August 2025 – Es auf die harte Tour lernen
Das Wetter sollte wirklich gut werden und so stand der erste 1000 Punkte Tag an. Die Wettbewerbsleitung zauberte eine 354km RT einmal um den Thüringer Wald.
Zwei Stunden nach meinem Start entschieden wir uns für den Abflug, immerhin ging es nun auf 1100m über Grund. Die ersten Pulks flogen einige Minuten vor uns ab und so war unser Plan, diese von hinten aufzurollen, um die hohen Indexe irgendwie wieder rauszufliegen.

Es ging zuerst nach Norden und kurz vor dem Flugplatz Neukenroth machte der Kurs einen Knick nach Nordwesten direkt an der Thüringer Waldkante entlang. Durch mutiges und konsequentes Vorfliegen holten wir die ersten Pulks bis dahin wieder ein und dementsprechend hoch war auch die Schnittgeschwindigkeit. Es kostete mich zwar einiges an Nerven grundsätzlich irgendwo zwischen 600 und 900m herumzugurken, aber irgendwie klappte es dann doch. Da der Thüringer Wald nicht gut ging, verteilten sich die Routen der einzelnen Piloten munter auf Kursrichtung. Moritz hatte mich in der Zwischenzeit schon abgehängt (Die LS3 steigt halt einfach besser als mein schwerer Turbo-Discus, gerade bei schwächeren Bärten) aber ich kämpfte mich an der Kante Richtung nächster Wende bei Wernshausen. Auf halber Strecke hatte ich meine Mädels auch eingeholt und flog weiterhin mutig voraus. Schwächeres Steigen wurde nur geradeaus mitgenommen und zeitig weitergeflogen. Dieser konsequente Flugstil bot zwar ein hohes Risiko sich zu verbasteln, aber laut Aussagen der Bodencrew lag ich indexkorrigiert sogar relativ weit vorn.

Dann kam die Wende und eine folgenreiche Idee.
Also die Wende war am Südwestlichen Zipfel des Thüringer Waldes. Die Nächste wäre der Inselsberg knapp 17km in NNW Richtung. Die südliche Wende nahm ich in knapp 950m über Grund. Die letzten Bärte waren nicht der Brüller, aber da hin und wieder immer mal wieder ein Hammer dabei war, flog ich konsequent weiter und ließ das Schwache Steigen liegen.
Auf meinem Rechner sah ich, dass die vor mir fliegenden Piloten die nächste Wende sehr tief (teilweise unter 400m) nahmen und die Steigwerte dort nicht besser waren. So überlegte ich mir, dass ich doch irgendwas anders machen müsste, um schneller zu sein als die anderen.
Während die anderen an der Westseite des Waldes am Hang flogen und dort die Wolken nicht ganz so nah beieinander standen, sah ich einen anderen Weg.
Etwas nach Nordosten bog eine Art breites Tal mit mehreren Dörfern in den Wald ab. Dort standen einige gut zu erreichenden Wolken und meine beiden Rechner zeigten Südwind an, welcher theoretisch wunderbar auf die Hänge im Norden wehen sollte. Außerdem knallte die Mittagssonne aus Süden genau drauf und so könnte ich mir vorstellen, dass die Wolken über den Hügeln doch eigentlich gut gehen müssten. Man muss halt mit dem hohen Index auch mal etwas anderes als die anderen versuchen, sonst ist man leider chancenlos gegen die Flugzeuge mit den geringeren Indexen, die einfach nur mitschwimmen müssen. Also bog ich ab!
Und natürlich ging es erst einmal sensationell abwärts, sodass aus meinen 900m über Grund ganz schnell 500m wurden, bevor ich auch nur annährend eine der Wolken erreichte. Verdammte Axt! Über einem Dorf fand ich ruppige 0,5m/s Steigen und biss mich erst einmal daran fest. Ich schimpfte wie ein Rohrspatz und tobte in meinem Cockpit, während ich mich mühevoll ausbuddelte. Warum ging es so dermaßen abwärts? Tja, während ich Kreis um Kreis um jeden Höhenmeter kämpfte, entschieden sich beide Windanzeiger auf Westwind um. Ja okay, höchstwahrscheinlich bin ich volle Möhre ins Lee der westlichen Hangkante geflogen. Ich würde es tatsächlich nicht mal als Dummheit, sondern eher als Pech deklarieren, war nämlich der vermeintliche Südwind ein Entscheidungsgrund für meinen Abstecher. Nach 5 Minuten hatte ich mir grandiose 200 Höhenmeter erkämpft und flog mutig nach Norden Richtung der schönen Wolken, allerdings auch gegen ansteigendes Gelände. Natürlich ging es auch dieses Mal grandios nach unten und da ich tatsächlich keine Lust auf irgendwelche Hangflugeinlagen hatte, machte ich bald auf dem Absatz kehrt und flog wieder ins flachere Terrain, nur um dann in 500m über Grund wieder einen winzigen Thermikpups mitnehmen zu müssen. Leider war ich auch wirklich alternativlos. Raus aus meinem Kessel käme ich nicht mehr und erst Recht nicht über die Berge Richtung Wende, war ich doch tiefer als der Thüringer Wald um mich herum. Den Inselsberg konnte ich nur von unten anhand seiner Antenne erahnen. Zum Glück lagen unter mir einige schöne Felder, sodass ich im Fall der Fälle gute Außenlandemöglichkeiten hatte. Also: Sicherheitstechnisch gut, fliegerisch ein bisschen doof.
Zehn Minuten später hatte ich wieder 200 Höhenmeter mehr, aber es reichte immer noch nicht sicher über die Berge (Mein Rechner sagte mir 100m Ankunft über dem Inselsberg, gewisse waghalsige Piloten würden das Risiko eingehen, ich aber nicht). Da leider mein winziges Thermikbärtchen noch schwächer wurde, flog ich die nächste Wolke ein kleines Stück nordwestlich von mir mit dem Mut der Verzweiflung an. Da kam ich tatsächlich in 600m an und fand wieder einen halben Meter, an dem ich mich erneut festbiss. Nach weiteren endlosen Minuten hatte ich wieder 200m mehr und wagte einen kleinen Verbesserungsversuch nach Norden. Und ENDLICH wurde aus dem halben doch ein ganzer Meter. Irgendwann hatte ich die 1000m über Grund (1460m MSL) und wagte den Sprung zur Wende. In 350m überflog ich den Inselsberg und war heilfroh endlich aus diesem vermaledeiten Tal raus zu sein, konnte ich es mir 50 Minuten lang doch aus relativ ungeilen Höhen ganz genau anschauen.



Jetzt ging es aber darum wieder umzuschalten, nicht aufzugeben und umso mehr zu kämpfen. Dass mein Schnitt inzwischen unter aller Kanone sein würde, war klar. Aber nun ging es um das bloße Rumkommen. Ich musste Gas geben, um die Strecke noch irgendwie zu schaffen. Zugegeben: meine Laune war in der Zwischenzeit relativ im Eimer, aber ich habe noch nie kampflos aufgegeben und das wäre ganz sicher nicht der Tag, an dem ich damit beginnen würde! Also Knüppel nach vorn und Tschakka! Die nächste Wolke hinter der Wende zog zwar auch nicht sensationell gut, aber immerhin ging es mit anderthalb Meterchen auf fast 1200m über Grund (1550m MSL), sodass ich mich das erste Mal innerhalb der letzten Stunde ein kleines bisschen entspannen konnte, stand ich doch in meiner Rettungsaktion permanent unter Hochspannung. Am Flugplatz Crawinkel entdeckte ich Anna in der LS1d und ich arbeitete mich Bärtchen für Bärtchen weiter. Dort standen immerhin anderthalb bis zwei Meter und mit 300m Höhengewinn ging es zuerst ein paar Kilometerchen nach Osten zur nächsten Wende bei Rudolstadt, wo mein Verein gerade Fliegerlager hatte. Dort stand auch der erste richtig gute Bart seit Stunden und mit durchschnittlich 2,5m/s machte ich fast 1000m gut.

In 1700m über Grund (2150m MSL) ging es weiter, aber als die nächsten Wölkchen alle nicht zogen bog ich nach Südosten ab. Die letzte Wende war der Ochsenkopf, den ich schon vom Wettbewerb in Bayreuth gut kannte. Leider war schon abzusehen, dass das Wetter bald zu Ende sein würde, es trocknete von Süden ab und Richtung Ochsenkopf standen nur noch vereinzelte Fusseln. Ich erkannte, dass meine Chancen die Aufgabe zu schaffen minütlich schwanden, doch gab ich nicht auf, hatte ich mich doch so lange aus diesem bekloppten Tal herausgekämpft. Mein Plan war es die einzelnen Fusseln auf Kurs anzufliegen und glücklicherweise zogen die Fussel mit durchschnittlich anderthalb Meter gar nicht mal so schlecht und kurz vor Tit…ähhh…Titschendorf (Grüße gehen an dieser Stelle an Sebi und Jasmin) kam ich sogar wieder auf 1400m über Grund (2000m MSL) raus. Ich hatte eine minimale Hoffnung, die Aufgabe noch zu schaffen, auch wenn die Zeit gegen mich lief und so blieb mir nichts weiter übrig, als Knüppel nach vorn und zu hoffen, dass die Fussel mich weiterhin nicht enttäuschen würden. Ich hatte meine Schnittgeschwindigkeit der letzten Stunde tapfer wieder auf 90km/h prügeln können und noch um die 70km vor mir. Jetzt begann aber der mutige Sprung über Hof. Selbst wenn ich da drüber kommen würde, brauchte ich genügend Höhe um die letzte Wende am Ochsenkopf zu erreichen, hatte dieser mit 1024m eine beachtliche Höhe. Auf Kurs stand genau über der Mitte des Sektors ein zartes Fusselchen, welches ich ansteuerte. Und tatsächlich hatte ich noch einmal Glück! In 900m über Grund (1500m MSL) zog dieses unscheinbare Fusselchen doch tatsächlich noch mit 1,5-2m/s. Meine Hoffnung wuchs und mit 500m Höhengewinn ging es weiter. Kurz hinter dem Flugplatz Zell-Haidberg pinselte mir ein lokales Flugzeug den nächsten Bart in 800m über Grund an. Das solide Meterchen lutschte ich bis oben aus, denn nun kam es auf jeden Höhenmeter an, um mich irgendwie Richtung Endanflughöhe zu kämpfen. Auch hier machte ich 500 Höhenmeter gut und mit 1900m MSL sollte nun locker über den Ochsenkopf drüber kommen. Nach der Wende waren es noch 50km bis zum Feuerstein und mir fehlten noch um die 400m, um eine Chance zu haben. Allerdings war es nun auf dem Heimweg komplett blau ohne auch nur den Hauch eines Flusens, Dunstkappe oder eines anderen Zeichens aktiver Thermik. Vor mir entdeckte ich Leonie mit der Libelle „AW“ die irgendwo im Nirgendwo um die Endanflughöhe kämpfte. Aufgrund mangelnder Alternativen flog ich zu ihr. Ein Viertel Meterchen stand dort. Zwar arbeitete der Westwind mit 10km/h gegen mich, aber ich biss mich fest und hoffte, dass das Steigen doch irgendwie besser werden würde. Pustekuchen! Zehn Minuten später mit sagenhaften 100m Höhengewinn entschied ich mich zum Weiterflug. Zwar bin ich gerade was schwaches Steigen angeht sehr hartnäckig, aber die benötigte Höhe wurde immer größer, da mich der Wind immer verwehte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als auf Kurs weiterzufliegen und zu hoffen, dass irgendwo noch ein Bärtchen stehen würde. Den Flugplatz Bayreuth überflog ich in 850m AGL und mir fehlten immer noch die 400m, um nach Hause zu kommen. Meine Hoffnung lag darin, dass die Stadt am Abend noch einmal auslösen würde. Dedümm! Dahinter machte ich über einer Industrieanlage in 650m über Grund einige Suchkreise, aber mehr als leichtes Sinken, war nicht zu finden. Ich flog weiter, hatte ich auch fast keine Hoffnung mehr, dass da was käme. Würde es aber irgendwo noch blubbern, ich würde mich festbeißen und kämpfen, das war klar. Als ich unter 500m über Grund sank, entschied ich mich gegen einen Weiterflug ins unlandbare Gelände, da ich beim Gebrauch des Motors grundsätzlich ein Außenlandefeld unter mir haben wollte (da ich ja nun leider weiß, dass so ein Turbo auch mal bockig sein kann). Neben einem Dörfchen hatte ich einen frisch abgeernteten Acker ausgemacht und suchte um diesen herum noch einige Bodenmerkmale ab. Vergeblich! So gab ich mich nun doch geschlagen, fuhr den Motor aus und knatterte wirklich sehr niedergeschlagen nach Hause (Leonie landete in Bayreuth).
Ich war wirklich schlecht gelaunt, hatte mir diese eine Entscheidung den Tag komplett zerhagelt. Was ich noch nicht wusste, es hatte mir auch die gesamte Wettbewerbsplatzierung versaut.
Dumm gelaufen! Ich war wirklich ein wenig geknickt, aber meine Freunde heiterten mich dann doch wieder auf.
Mit Christian habe ich mich auch lange unterhalten und gemeinsam arbeiteten wir einige Aspekte des Fluges aus, die gut liefen. Ich war davor schnell, danach war ich auch schnell, ich habe vor allem nicht aufgegeben (auch wenn ich zugegebenermaßen in meinem Talkessel kurz davor war einfach den Motor anzuwerfen und nach Hause zu brummen) und bis zuletzt alles gegeben und gekämpft.
Die große Frage ist natürlich immer noch, warum dieser Abstecher nicht funktionierte.
War es der dortige Westwind (Lee?), feuchtes Gelände (es hatte ja die vorigen Tage teilweise ordentlich geregnet) oder ein anderer Grund? Vielleicht hat ja einer der Leser eine Idee, damit ich aus der Situation wenigstens lernen kann.
Immerhin war ich nicht Letzte, aber der 19. Tagesplatz kostete mich 7 Plätze in der Gesamtwertung.
Übrigens hat die Wettbewerbsleitung auch mitgelitten. Beim nächsten Briefing wurden die besten Kommentare der Bodenbesatzung, die gespannt das Rennen in der Briefinghalle verfolgten, an die Leinwand geworfen. Wer mit „Da wird sie aber ganz schön schimpfen im Cockpit“ wohl genau gemeint war…
https://www.weglide.org/flight/667571
Donnerstag 07. August 2025 – Warmluftgeblubber
Eigentlich hätte ich nach der gestrigen Schlappe wenigstens einen Tag Pause zum Verdauen gebraucht, aber das Wetter sollte wieder fliegbar werden und so sah ich den Tag als Chance, wenigstens ein bisschen Kosmetik zu betreiben, was die Platzierung anging. Zwar war das Wetter bei weitem zu schlecht für einen 1000 Punkte Tag, aber mit einer 1:45h AAT nach Osten, gab es immerhin die Möglichkeit wieder ein bisschen was gut zu machen. Klar war: gerade bei dem schwachen Wetter im Blauen, musste ich mir was einfallen lassen. Dem sicheren Pulk zu folgen würde mit dem hohen Index wieder nichts großartig bringen, sodass meine Taktik folgende war: Als eine der Letzten abfliegen und irgendwie die Clubklasse von hinten aufrollen. Auch war klar, dass es ein klassischer Wettbewerbs Blauthermik-Warmluftgeblubber-Tag war, bei dem man nicht zu spät abfliegen sollte.
Ein sinnvoller Abflug war nicht allzu einfach, war die Thermik um die Linie unter aller Kanone. Nur mit Mühe erreichte ich eine ordentliche Höhe an der richtigen Stelle zum Starten der Aufgabe und flog gemeinsam mit Tim in der ASW20 „NN“ und Stefan in der ASW24 „GT1“ ab. Da wir einen ähnlich hohen Index hatten, erschien mir das als gar keine so schlechte Idee.
Also los!
In 1100m flogen wir ab und in 700m traf einer den nächsten Bart. Zum Glück wurden die Steigwerte ein bisschen besser und im Dreierteam funktionierte das Vorfliegen und gemeinsame Suchen wirklich gut (so gut, dass wir Abends unsere Teamfrequenzen miteinander teilten). Südlich Bayreuth ging es mit über 2m/s auf 1300m AGL (1800m MSL). Am Hesserberg ging es sogar noch 200m höher und da der Aufgabenschnitt auf gute 85km/h stand, war ich hoch motiviert und es fing auch an Spaß zu machen. Kurz danach trennte ich mich von meiner Gruppe, da ich mich dazu entschied einen anderthalb Meter Bart sicherheitshalber mitzunehmen, da die ersten Pulks mir relativ tief aus der ersten Wende wieder entgegen kamen. Es trug zwischen den Bärten auch gut, sodass ich mich entschied die erste Wende bis zur Mitte auszufliegen. Die anderen Beiden kratzten diese nur an, um anscheinend die zweite Wende in Bayreuth weiter auszufliegen. Ich erkannte am Mittelpunkt des AAT-Kreises Robin, der sich (sehr) tief ausbuddelte. Kurz vor ihm erarbeitete ich mir mit anderthalb Metern wieder einige Höhenmeter und wendete in 1150m AGL (1700m MSL). Also erst einmal wieder nach Westen und dann schauen wie gut es läuft und dementsprechend die letzte Wende ausfliegen. Zwischenzeitlich kam eine Nachricht von Wolli rein mit „Gib Gas!“. Entsprechend angespornt legte ich noch eine Schippe drauf. Tja, leider funktionierten meine nächsten Ideen im Blauen nicht sonderlich gut. Die angeflogene Solaranlage zog nicht, genauso wenig wie das Feld, welches gerade abgeerntet wurde. Ich erkannte ein Stückchen vor mir wieder den Hesserberg (Ein Hügel mit dichtem Wald und einem freien Dorf auf der Spitze) und hoffte, dass dieser auf dem Rückweg genauso gut ziehen müsste wie auf dem Hinweg. Wenn nicht…naja, dann ist halt doof. Also flog ich mutig gegen das ansteigende Gelände und meine Höhenmeter verringerten sich noch zusätzlich, da es ganz schön runter ging. Aber ich hatte noch einmal richtiges Glück! In 550m über Grund traf ich den 2,5m/s Hammer und jubelte in meinem kleinen dicken Discus. Mit 1080m über Grund (1780m MSL, allerdings war ich ja auch über einer Anhöhe) hatte ich wieder etwas Spielraum. Ich sah, dass Nicole noch auf dem Hinweg zur Wende war und als ich sah, dass sie ziemlich tief war, wartete ich kurz, um ihr den Bart anzupinseln (Karma und so). Ein kleines Stückchen weiter, nahm ich noch einmal anderthalb Meter bis an die Basis mit kalkulierte die restliche Strecke. Wenn ich den letzten Sektor nur ankratzen würde, fehlten mir noch ca. 400m, um nach Hause zu kommen. Da die letzte Thermik gar nicht so übel war, deklarierte ich meine Chancen als gar nicht mal so übel und mit 1400m über Grund hatte ich auch einiges an Reichweite zum Suchen. Also los!
Ich flog über den Flugplatz Speichersdorf in der Hoffnung, dass dort irgendwo eine Boje auftauchen würde, aber nichts geschah. Das Vario stand konstant auf leichtem Sinken, aber ich machte mir noch nicht sonderliche Sorgen. Erst als ich die ersten 500 Höhenmeter abgeglitten war, ohne dass auch nur der Hauch von Steigen aufzufinden war, dämmerte es mir, dass das mutige Fliegen im ersten Sektor vielleicht die falsche Entscheidung war. Die Höhe schwand stetig und als ich langsam unruhig wurde, erkannte ich vor einer Hügelkette mit Windkraftanlagen Arnaud in niedriger Höhe kämpfen. Aufgrund mangelnder Alternativen flog ich zu ihm und hoffte, dass wir gemeinsam den Bart finden könnten. 5 Minuten kämpfte ich in einem Nuller, bis dieser dann für kurze Zeit minimal besser wurde und ich sogar 100m gutmachen konnte. Auf einmal war aber auch dieses Steigen weg und ich entschied mich in 700m über Grund für den Weiterflug über die Hügel. Da wir auch an diesem Tag wieder Westwind hatten, hoffte ich beim Überflug irgendwo am Hang etwas Steigen zu finden. Pustekuchen! Ich überflog die Ecke mit 500m und sah auf den Feldern vor mir schon einige Clubklasse-Flugzeuge. Na das machte ja Mut! Meine letzte Idee auf den südlicheren Hügeln ein Steinbruch anzufliegen, funktionierte leider auch nicht, sodass ich kurze Zeit später über zwei gelandeten Flugzeugen (es stellte sich heraus, dass eins davon unsere Anna war) den Brumm anwarf. So knatterte ich nach Hause, aber ließ es mir nicht nehmen den ein oder anderen Schlenker über die halbe Clubklasse zu machen, die sich auf den letzten 20 Kilometern auf diversen Feldern verteilt hatte. Anscheinend war ich nicht die Einzige, die der ausgeknipste Thermikschalter überrascht hatte. Den Spaß gönnte ich mir, wenn ich schon den höchsten Index mit dem schwersten Flugzeug dank des Brumms hatte.



Von 26 Piloten schafften nur 8 die Aufgabe. Ich landete auf Tagesplatz 12 und konnte immerhin 2 Plätze in der Gesamtwertung wieder gut machen.
https://www.weglide.org/flight/668985
Freitag 08.August 2025 – Es regnet im Endanflug
Meine Motivation hielt sich in Grenzen, die Brauchbarkeit des Wetters allerdings auch.
Es war schwer ein fliegbares Wetterfenster zu finden, in welchem man eine ganze Klasse fliegen lassen kann, verging doch einiges an Zeit alleine mit dem Schleppen und der Wartezeit bis zur Öffnung des Abflugfensters. Nunja, das Wetterfenster war leider um einiges kleiner als erhofft, der Schnupperer lag bald darauf auf dem Acker. Immerhin konnte ich mich eine gute Stunde in Platznähe halten, aber es zog sich immer weiter zu und selbst die angeflogenen hellen Flecken brachten kein Steigen. Als ich mich entschied zur Sicherheit wieder zum Platz zurückzufliegen, fing es auch zum allem Überfluss noch an zu regnen. Da ich im Rechner sah, dass einige Piloten noch ein gutes Stück vom Platz entfernt und um einiges niedriger waren als meine Wenigkeit, dachte ich mir, dass ein Hinweis auf der Wettbewerbsfrequenz doch nett wäre, dass es auf dem Rückweg nass werden könnte. Also funkte ich „Es regnet im Endanflug, kalkuliert das bitte ein“.
Aufgrund des Regens konnte ich auch nicht den Motor anwerfen und landete. Allerdings wurde kurz nach meiner Landung auch der Tag neutralisiert.
Ich wurde am nächsten Tag beim Briefing offiziell als „Bricklayer of the day“ gekürt und seitdem ist „Es regnet im Endanflug“ bei uns der Running Gag…und dabei wollte ich eigentlich nur nett sein…


Samstag 09. August 2025 – Nullwetter
Weniger Regen, aber auch um einiges stabiler. Die Vorhersagedienste waren wenig optimistisch, aber unsere Wettbewerbsleitung wollte es trotzdem versuchen.
Kurze Zusammenfassung:
1h und 4 Minuten Flugzeit, zwei Motorläufe und sage und schreibe 70m Höhengewinn später wurde zum Glück auch dieser Tag neutralisiert.


Das war also der Qualiwettbewerb auf dem Feuerstein. Es reichte immerhin für den 14. Platz von 26 für mich. Ich hatte mir viel vorgenommen und hoch gepokert, aber diese eine unglückliche Entscheidung am Thüringer Wald hat mich die gesamte Platzierung gekostet. Es ist wichtig, dass ich daraus lerne und vor allem auch wie ich damit umgehe. Zum Glück habe ich tolle Freunde und Trainer die mich in den darauffolgenden Wochen wieder aufbauen und mir meinen Optimismus zurückgeben konnten.
Trotzdem hat es viel Spaß gemacht mit neuen und alten Freunden auf dem Feuerstein. Ich konnte auch viel über mich und die Wettbewerbsfliegerei lernen, weiß auch jetzt was ich mehr trainieren muss und auch die Gespräche mit Christian haben mir gute Anhaltspunkte für mentales Training gegeben. Auch wenn ich immer noch geknickt bin, werde ich nicht aufgeben.
Was mich aber sehr freut ist der tolle zweite Platz für Moritz, der grandios geflogen ist. Auch meine Mädels haben für ihren ersten großen Wettbewerb super abgeschnitten: Sabine Platz 17, Jasmin Platz 22 und Anna Platz 25. Nicole als alter Hase was die Wettbewerbsfliegerei angeht hat mich mit dem 11. Platz gnadenlos platt gemacht. Super gemacht!
Wir sehen uns nächstes Jahr auf der DMF…hoffentlich weit weg vom Inselsberg.

Titelbild von Lucky
Ich habe mich sehr amusiert bei deinen Beschreibungen, du hast eine tolle Schriftart…. viel Glück im nächsten Jahr
Jutta Sturm aus Colmar
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