Unterwegs auf Strecke

Deutsche Meisterschaft der Frauen 2024 in Lachen-Speyerdorf

Ich und das Rheintal. Das Rheintal und ich. Eine interessante Beziehung habe ich zu diesem Stückchen Pfalz, man könnte es auch ganz klassisch als „es ist kompliziert“ bezeichnen.
Bereits zum vierten Mal verschlägt es mich in die Gegend und nachdem ich 2018 meine erste Deutsche Meisterschaft der Frauen in Lachen-Speyerdorf geflogen bin ( https://team-sally.com/2018/11/21/deutsche-meisterschaft-der-frauen-2018-teil-1/) bei Hitze, aber super Wetter, freute ich mich dann doch wieder auf den Wettbewerb dort.

Am Samstagmorgen (27.7.) ging es in aller Frühe Richtung Pfalz. Zwar sollte am Mittwoch erst der erste Wertungstag sein, aber ich wollte bei entsprechendem Wetter die Trainingstage nutzen.
Nach einer staufreien Hinfahrt wurde fix das Camp abgesteckt (wieder neben unseren Lieblingsnachbarn), da die Freunde erst nach und nach in den nächsten Tagen anreisen sollten.
Anmeldung und Wägung planten wir für den Sonntag, allerdings sollte das Wetter unverändert bleiben. Um die 30°C, blau und stabil.

Die Schlange zum Wiegen

Also blieb ich am Boden und nach einem Besuch beim guten alten Decathlon in Neustadt war unser Camp auch um einen Pool (Planschbecken) erweitert worden. Die am besten investierten 15€ des Jahres, denn nicht nur meine Wenigkeit genoss die Abkühlung, sondern auch das Bier konnte endlich ein wenig gekühlt werden.

Danke an Rolf für das Ausleihen der Kanister
Irgendwann war der Pool auch befüllt


In den nächsten Tagen füllte sich unser Camp und ich lernte neue Freunde kennen.
Kurzerhand wurde Norbert samt Frau von uns adoptiert und Esther kam Abends zum Absacker vorbei.

Leider fielen die ersten beiden möglichen Wertungstage aus. Am 1. August regnete es fast den ganzen Tag und ich hoffte auf eine Verbesserung der Flugbedingungen in den darauffolgenden Tagen. Immerhin wurde bereits am Morgen neutralisiert, sodass man den Tag noch sinnvoll nutzen konnte. Wir fuhren zusammen mit Jonas (LS8-18 „ZK“ in der 18m-Klasse) und Olena (unsere Ukrainische Freundin, die in Brandenburg fliegt. Discus b „B8“) ins Technikmuseum Speyer.

Selbst im Urlaub muss ich alle Triebwerke inspizieren
Reisegruppe Technikmuseum Speyer

Freitag 2. August – 1. Wertungstag – Von den Profis lernen

Es sollte fliegbar werden! Wir starteten als erste Klasse von der 26 mit einer doch recht kreativen Aufgabe. Die Wettbewerbsleitung hat sich nämlich ein AAT-Pentagramm ausgedacht, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug. Man müsste nur unterwegs darauf achten nicht aus Versehen den Thermik-Dämon zu beschwören.

AAT-Pentagramm…wir haben herzlich gelacht


Nach einem unspektakulären Schlepp kam erst einmal die Ernüchterung:
Zwar sah die Optik ganz brauchbar aus, aber durch die hohe Feuchtigkeit des gestrigen Regentages war die Basis noch extrem niedrig. Mit maximal 900m über Grund flog ich vor der Abfluglinie auf und ab und überlegte mir einer Taktik (da ich meine Turbo-Anlassprozedur in spätestens 350m-400m über Grund beginnen muss, ist mein Spielraum nicht allzu hoch). Der Plan war, dass ich keinen Plan hatte. Glücklicherweise traf ich kurze Zeit später auf die beiden LS7 und schloss mich Caro und Dani an. Ich wollte mal sehen wie die beiden Mädels aus der Nationalmannschaft mit dem Wetter umgehen, wie lange sie warten und wo sie die Abfluglinie überfliegen. Eigentlich war mein Plan nach dem Losfliegen mich von den beiden zu trennen und mein eigenes Ding zu machen, dazu aber später mehr. Die Schwedin Karin im Discus b „1X“ hatte die gleiche Idee und so waren wir zu viert unterwegs.
Es hatte den Anschein, als würden sie den Abflug noch ein wenig hinauszögern, da sich zwar die Basis heben, allerdings auch die nicht wirklich zuverlässig ziehenden Wolken abtrocknen sollten. Interessant, abwarten und von den Profis lernen. Ein weiterer interessanter Aspekt war der zweite Abflug. Nachdem wir nach gut einer Stunde des Wartens bei geöffneter Abfluglinie (inzwischen war die Basis auf sensationelle 950m AGL angestiegen) endlich abgeflogen sind lief es erst einmal nicht so gut. Die ersten paar angeflogenen Wolken zogen nicht und ratz fatz fand man sich in 550m nördlich Herrenteich wieder. Dort musste sich erst einmal mit 0,5-1m/s ausgegraben werden, sodass die bisherige Schnittgeschwindigkeit unter aller Kanone war. Als man wieder auf einer Höhe mit etwas mehr Aktionsspielraum war, wurde der taktische Rückzug zurück zur Startlinie gemacht. Über Speyer stand dann der erste gute Bart des Tages, der die Reisegruppe mit fast 2m/s auf endlich mal 1100m AGL beförderte. An dieser Stelle verloren wir die „1X“, die aufgrund ihrer niedrigeren Höhe keinen Anschluss unter uns bekam. Also nochmal zurück zur Abfluglinie und den zweiten Versuch starten.
Dieses Mal wurde eine andere Route gewählt. Beim ersten Abflug ging es auf direkten Weg Richtung Nordosten, dieses Mal entschied man sich für den östlichen Weg, um erst einmal an die Odenwaldkante zu gelangen. Ich hoffte, dass auf dem Rückweg die Speyer-Wolke an der gleichen Stelle wieder ziehen würde, wurde aber leider enttäuscht. Leider kam nach der Speyer-Wolke die Ernüchterung: Durch das Startlinien-Gepokere hatte es schon ordentlich abgetrocknet und ich konnte mich nicht absetzen. So blieb ich weiter bei den beiden LS7 und versuchte so gut es möglich war mitzuhalten, bis mich wohl mein schwerer Flieger wieder rauswerfen würde. Egal, ich war gespannt was ich noch alles an diesem Tag von den Beiden lernen konnte.
Also die erste Idee, war schon einmal ziemlich cool. Da das Rheintal allem Anschein nach nicht wirklich funktionierte (ach was), ging es an die Odenwaldkante, obwohl es einen kleinen Umweg bedeutete in der Hoffnung, dass diese etwas zuverlässiger Ablösen würde. Der zweite Vorteil daran war, dass man nicht über die Kontrollzone Mannheim drüber müsste. Mit 610m Höhe normalerweise kein Problem, allerdings bei der niedrigen Basis könnte man sich da ganz schnell durch eine Luftraumverletzung aussortieren. Der Weg am Odenwald nach Norden funktionierte tatsächlich auch ganz gut. Zwar wurden keine Hammerbärte gefunden, aber immerhin zuverlässig 1-1,5m/s, wodurch man relativ entspannt den Weg nach Norden in die erste Wende bei Mörlenbach antreten konnte. Auch die Basis stieg hier an, sodass man am Königsstuhl schon gute 1280m MSL (was dort 990m AGL entsprechen) hatte. Im ersten Wendesektor ging es sogar noch einmal 100m höher. Caro und Dani flogen die Wende eine Wolke weiter aus, ich blieb in einem runden 1,5m/s Aufwind um den beiden auf dem Rückflug diesen anzupinseln (damit ich wenigstens ein kleines bisschen beitragen konnte. Hatte ich ein schlechtes Gewissen? Ja!)
Eine weitere lehrreiche Erfahrung war das Ausfliegen der AAT-Kreise. Die Mindestdauer waren an diesem Tag 2h und die Mindeststrecke 129km. Der erste wurde also nur angekratzt. Danach ging es nach Süden zum zweiten Kreis bei Bruchsal. Dieses Mal ging es nicht den gleichen Weg an der Kante zurück, sondern auf direktem Weg zu den nächsten Wolken an der Wende (glaubt mir, wenn Kreuz und quer irgendwelche Wendesektoren verteilt sind…es ist ab und an ein bisschen verwirrend). Direkt in der AAT-Tonne ging es mit 1,5m/s endlich auf 1200m AGL und nun setzte man Segel nach Nordwesten zum dritten Sektor um Grünstadt. Die beiden Mädels fanden im Blauen (es hatte wirklich erstaunlich abgetrocknet, hätte ich nicht gedacht, dass das so schnell geht nach den ganzen Regenmassen des gestrigen Tages) eine echt gute Linie, sodass es erst wieder an der dritten Wende notwendig war zu kreisen. Hier gab es wieder drei kleinere Wolken in Reihe, und an der Letzten ging es mit guten 2m/s wieder auf 1250m AGL. In der Zwischenzeit hatte sich Olena uns angeschlossen und auch dieser Wendesektor wurde nur angekratzt. Nun ging es zur letzten Wende wieder nach Südosten. Leider trug es auf dem Rückweg nicht ganz so gut, sodass man unter ein paar undefinierten Fusseln hier und da ein paar Kreise machen musste. Über der Sprungzone von Walldorf (die an diesem Tag inaktiv war), standen die letzten Wolken, die man als solche hätte bezeichnen können. Ich entschied mich an dieser Stelle von den Anderen abzusetzen, da diese in die letzte Wende weiter einfliegen wollten. Die Optik war nicht so gut und bis auf ein paar Fetzen, gab es keine Anlaufstellen. So ging ich auf Nummer sicher, kratzte die Wende nur an und flog wieder zurück zu den Wolken, von denen ich hergekommen bin. Ich hatte Glück und fand 1,5m/s. Dort kreiste ich mich auf 1300m AGL, was eigentlich für den Rückweg reichen sollte. Höher ging es leider nicht und so machte ich mich auf den Heimweg. Ich hatte 100m plus auf den Zielkreis und schwabbelte zurück nach Lachen-Speyerdorf. Die Anderen (die um einiges tiefer als ich abflogen) wählten einen kleinen Umweg über Süden, da dort noch ein paar Fetzen standen. Bei mir sah es erst ganz gut aus, aber als ich Speyer hinter mir gelassen hatte, erwischte ich leider eine dermaßen schlechte Linie mit exorbitantem Sinken, sodass aus meinen 100m Plus plötzlich 50m Minus wurden. Shit! Für einen direkten Endanflug auf den Flugplatz würde es zwar reichen, allerdings kosten 100m zu tief in den Zielkreis richtig Punkte. Ein kleines Stück südlich von mir flog Olena, die anscheinend mit der gleichen Problematik zu kämpfen hatte. Es waren noch einige Kilometer, aber keine Wolken mehr in Sicht und so setzte ich alles auf eine Karte und machte einen kleinen Schlenker nach Norden an eine Waldkante. In der Zwischenzeit war ich auf 550m AGL gesunken, als sich kaum merklich die linke Fläche hob. Das Vario zeigte 0,3m/s Steigen an und ich kreiste ein. Nach ein wenig Zentrieren konnte ich den Thermikpups auf 0,5m/s verbessern und ich überschlug grob was punktetechnisch mehr schmerzte. In 0,5m/s noch 100m erkämpfen und den Schnitt noch verschlechtern oder tief (ziemlich tief) in den Zielkreis. Ach egal, jetzt hatte ich die Chance bekommen und dann ziehe ich das auch durch. So erarbeitete ich mir mühselig 100m innerhalb von 5 Minuten (Autsch!), Olena hatte sich zwischenzeitlich auch zu mir gesellt, und flog dann endgültig nach Hause.

Trotz des Absackers auf dem Endanflug konnte ich mir mit sagenhaften 68km/h den 9. Tagesplatz sichern. Es war interessant und sehr lehrreich mit den beiden Mädels aus der Nationalmannschaft zu fliegen. Gerade was den Abflug und die Routenplanung bei schwachem und abtrocknendem Wetter angeht, konnte ich einiges an Wissen mitnehmen.

https://www.weglide.org/flight/453769

Samstag 3. August

Am Samstag den 3. August wurde das Grid aufgebaut. Das Wetter war schwach und sehr windig und nachdem die Startbereitschaft mehrmals verschoben wurde, wurde gegen 14:15 Uhr ein Thermikschnüffler aus der 18m Klasse hochgeschickt. Da das Wetterfenster nur klein war und die Uhrzeit schon vorangeschritten war, wurden nur die beiden großen Klassen losgeschickt, die Clubklasse wurde noch am Boden neutralisiert. So verbrachten wir den Nachmittag mit Einkäufen und am Abend fand bereits das Bergfest statt.

Wenn aus Blödsinn Traditionen werden. Mit Nadine wieder an der Wursttheke


Der darauffolgende Sonntag wurde aufgrund von anhaltendem Regen (endlich mal eine kleine Abkühlung bei über 30°C) schon morgens neutralisiert. Steffen und ich besuchten meine Familie im Saarland. Wenn man schon einmal in der Gegend ist, sollte man sich ja mal blicken lassen.

Nicoles Eimer Vario – er ist so toll!

Montag 5. August – 2. Wertungstag – Aus Fehlern lernen…die Sache mit dem Kopf

Das war einer der mental interessantesten Flüge meiner Fliegerkarriere und zeigt, was es doch ausmacht, wenn man sich von einer (vermeintlich) schlechten Phase des Fluges zu sehr beeinflussen lässt. Aber mal von Anfang an.
Das Wetter sollte so lala werden, niedrige Basis, teilweise sollte es gegen Nachmittag abtrocknen, aber auch Wolkenstraßen waren möglich. Die Wettbewerbsleitung bastelte uns wieder eine 3h AAT mit den Wenden am Dönerberg (15km), Mosbach-Lohrbach (30km) und Hofstetten (18km). Grob gesagt erst ein Stückchen nach Norden, dann nach Osten über den Odenwald oder Kraichgau und die letzte Wende lag über dem Pfälzer Wald. Mein Plan war die erste Wende bis ungefähr zur Hälfte auszufliegen, die zweite je nach Optik weit auszufliegen und die dritte flexibel zu nehmen je nach Zeit. Nach dem Ausklinken war das Wetter wirklich zäh und ich eierte mehr oder weniger in 600m über Grund herum. Die ersten Pulks bildeten sich am Pfälzer Wald und da dort die Wolken besser aussahen, wagte ich den Sprung nach Neustadt. Dort ging es dann endlich mit 1-1,5m/s auf 1200m MSL, was über meinem „Lieblingsmittelgebirge“ (Ironie aus. Ich kann den Pfälzer Wald nicht leiden und das beruht wohl auf Gegenseitigkeit) an der Stelle 850m über Grund entsprachen. Mir war das Ganze nicht geheuer und so flog ich mit dem ersten Pulk nach Norden, als die Startlinie eröffnet wurde. Es ging also in 500-700m über Grund an der ersten Gräte nach Norden und wir sprangen von Wolke zu Wolke. Ich musste an den Spruch von Peter denken „Geil ists nur wenn‘s geil ist“…und es war nicht geil. Der Schnitt betrug an der Nordkante sagenhafte 50km/h, aber ich war froh mich langsam ins wieder abflachende Gelände vorgekämpft zu haben.

Auf dem Weg zur ersten Wende

Östlich vom Donnersberg wendete meine Gruppe und flog die Linie erst einmal zurück. Ich erkannte östlich von mir eine gutaussehende Aufreihung die direkt zum Odenwald zeigte. Ich entschied mich für die kleine Wolkenstraße, wollte diese bis zum Ende fliegen und dann nach Südosten abbiegen. Tja, zwischen Theorie und Praxis liegen bekanntlich öfter mal Welten, vor allem wenn es um meine Ideen unterwegs geht. Wie man sich vielleicht nun denken kann, zog die Wolkenstraße absolut gar nicht und ich fand mich schnell in 750m zwischen Grünstadt und Worms wieder. Toll! Meine Laune war relativ im Eimer und nun musste ein Plan B her. Südlich von mir standen noch ein paar Fusseln, die ich erreichen konnte. Ich wäre dann im direkten Endanflug für Worms und hätte immerhin einen Flugplatz in Reichweite. Glücklicherweise kam es nicht dazu und das Wölkchen zog in 600m mit immerhin 1m/s, was mich zwar enorm viel Zeit kostete, aber immerhin im Spiel hielt. Während ich mich also wieder nach oben kämpfte, packte ich das Handy aus und schaute auf OGN, wo denn die anderen Pilotinnen steckten. Diese waren alle schon weit hinter Mannheim und meinte Motivation sank weiterhin. Mein Aufgabenschnitt war immer noch unter aller Kanone und ich machte mir große Vorwürfe wegen meiner bekloppten Entscheidung nach der Wende. Leider wurde das Steigen in 950m noch schwächer und ich wagte den Weiterflug nach Südosten. Über der Kontrollzone standen wieder schöne Wolken, aber wenn ich Pech hatte musste ich kurz davor abbiegen oder gar von oben reinfallen. Aber an dieser Stelle hatte ich tatsächlich Glück: knapp davor stieg ich in 750m wieder in einen soliden Meter ein und nach 250m Höhengewinn wagte ich den Sprung zur nächsten Wolke, die bereits in der CTR von Mannheim stand. Diese ging schon mit 2m/s und nun konnte ich Anschluss unter einer wundervollen Wolkenstraße, die nach Südosten verlief, bekommen. Was soll ich sagen? Im Nachhinein betrachtet lief es ab da wirklich super. In 1200m rastete ich unter der Wolkenstraße ein und schwabbelte diese auf einer wirklich guten Linie Richtung Hockenheim. Sie trug grandios, sodass ich nur 100 Höhenmeter verloren hatte. Jetzt musste ich mich entscheiden, ob ich direkt nach Osten über den Odenwald in die Wende einfliegen wollte, oder nach Südosten in den Kraichgau. Auch wenn man über den Kraichgau (aka Kriechgau) nichts Gutes hört, entschied ich mich für die zweite Idee, da anscheinend die Basis über dem Odenwald noch ein Stück tiefer war und ich keine Lust darauf hatte so tief da herumzugurken. So sprang ich durch ein kleines blaues Loch, aber fand zuverlässig an der nächsten Wolke nördlich von Walldorf schöne 2m/s.

Blick in den Odenwald

 Ab hier wird’s nun interessant. Ich stelle mich ja öfter mal … sagen wir ein bisschen doof an. Das ist mir bekannt und die mich sehr ausbremsende Entscheidung an der ersten Wende lag mir noch schwer in der Erinnerung. Was ich absolut nicht merkte war, dass ich mich ausnahmsweise mal nicht doof anstellte. Liebe Leute: Ich habe noch nie eine Wolkenstraße so gut erwischt. Es lief einfach richtig richtig gut. Ich schwabbelte ganz gemütlich unter der Wolkenstraße nach Südosten, ohne großartig Höhe zu verlieren. Zwar befand ich mich durchschnittlich auf 1000m über Grund (großartig höher ging es sowieso nicht), sodass ich nicht dolle vorheizen wollte, aber auch in gemütlichem Tempo machte ich einiges an Aufgabengeschwindigkeit gut, ohne dass ich es merkte. Nördlich vor Heilbronn musste ich das erste Mal wieder Höhe erkreisen, aber mit 1,5-2m/s war das verschmerzbar.

Technikmuseum Sinsheim

Jetzt musste aber eine Entscheidung getroffen werden. Ich war bereits am südlichen Ende des Wendekreises und um ihn weiter auszufliegen, hätte ich eine Kurve (ich schreibe einfach mal Pisskurve) nach Nordosten fliegen müssen, außerdem endete die Wolkenstraße an dieser Stelle, sodass ich ein Stück zu den nächsten Wolken hätte springen müssen (mit 1200m AGL ist der Aktionsradius doch recht beschränkt). Außerdem hatte ich die Heilbronner Ecke in nicht guter Erinnerung und war schon das ein oder andere Mal hier gnadenlos abgesoffen. Ich hatte an der Stelle 90km bis nach Lachen-Speyerdorf, wenn ich die letzte Wende nur ankratzen würde und noch ungefähr 1h15Minuten Aufgabenzeit übrig. An der Stelle zeigten mir Windanzeiger in LX und Oudie 15km/h Gegenwind auf dem Nachhauseweg an, was grob kalkuliert eigentlich ganz gut zeitlich hinhauen sollte. Zur Not könnte ich ja noch den letzten Sektor ein wenig ausfliegen, wenn ich aus einem unerfindlichen Grund zu schnell sein sollte (ich und zu schnell…als ob sowas passieren könnte). Also wendete ich…Tja…
WER HÄTTE GEDACHT, DASS ICH AUF DEM LETZTEN BEKLOPPTEN SCHENKEL 97km/h SCHNITT SCHAFFEN WÜRDE…VERDAMMTE AXT! VER***** OBERMIST*****…KLOIDT ZE DI PENUSSEN
Ok, also jetzt mal im Detail. Besagte Wolkenstraße die mich nach Heilbronn gebracht hatte, zog auf dem Rückweg immer noch absurd gut und die 15km/h Gegenwind waren wohl auch nur ein lokales Phänomen. Ich musste erst wieder vor Hockenheim ein paar Meterchen erkreisen, da die Straße nun endete und vor mir nur noch ein paar einzelne Fusseln standen. Da merkte ich das erste Mal, dass ich doch eventuell ein bisschen zu schnell war. Naja, ich würde sicher eine schlechte Linie erwischen und mich irgendwo noch ausbuddeln müssen. Ansonsten überlegte ich mir als Plan B, dass ich unterwegs einfach noch irgendwo Höhe machen wollte, um den letzten Sektor zu erfliegen.

Der Weg zurück durchs Rheintal

Ich erwischte gegen jede Erwartung meinerseits eine ganz gute Linie, allerdings zogen die einzelnen Fusseln auch nicht so, dass es sich gelohnt hätte einzukreisen. Je näher ich dem Pfälzer Wald kam, desto größer wurde die Differenz aus errechneter Ankunftszeit und verbleibender Aufgabenzeit. Zwar standen über dem Wald noch einige Wolken, aber erst an der zweiten Gräte. Die letzte für mich zu erreichende Wolke (um nicht mit dem One-Way-Ticket einfliegen zu müssen) stand über Neustadt. Ach die wird schon sicher irgendwie ziehen, dachte ich mir. Spoileralarm: Tat sie nicht! Zumindest nicht da wo ich war. Ich suchte ein wenig, konnte aber nur Höhe verbraten, sodass mir die Möglichkeiten ausgingen. Mir blieb nichts weiter übrig als irgendwie knapp über dem Hambacher Schloss die letzte Wende anzukratzen und direkt zum Flugplatz zu fliegen. Es war absurd! Ich wendete in 190m über dem Hang (die Pfälzer Eichhörnchen zeigten mir bereits den Vogel) und bog zurück ins Tal ab. Der Zielkreis lag so nah an meiner Wende, dass ich dort zwar in 550m AGL ankam, aber keine Chance hatte noch irgendein Steigen zu ersuchen, um die letzte Wende doch noch auszufliegen. So kam es, dass ich fantastische 20 Minuten zu früh ankam, was meinen Aufgabenschnitt von 78km/h auf 69km/h und den 10. Tagesplatz verringerte. Das Ganze kostete mir in der Tagesplatzierung drei Plätze (und wahrscheinlich auch in der Gesamtplatzierung am Ende einen Platz). Ich war schlecht gelaunt! Ich war richtig richtig schlecht gelaunt und ich war natürlich frustriert ohne Ende!
Ich verbrachte den Rest des Abends schmollend neben Spocky. Zum Glück hatten Nicole (die sich zu mir gesellt hatte), Veit (per WhatsApp) und Rainer (mein Emotional-Support-Rainer am Telefon) ein offenes Ohr für mich und bauten mich wieder auf. Im Nachhinein kann ich daraus wichtige Dinge lernen:
Man sollte sich nicht zu sehr von Stellen auf einer Strecke beeinflussen lassen, die vielleicht nicht so gut gelaufen sind. Ich war noch zu sehr in meiner gedanklichen Negativspirale von der Aktion bei Worms, sodass ich gar nicht richtig gemerkt hatte, wieviel Geschwindigkeit ich unter der super Wolkenstraße gut gemacht hatte.

https://www.weglide.org/flight/456314


Ich habe die Erlaubnis meiner Trainer bekommen ein bisschen frustriert zu sein, aber es kommt ein neuer Tag und dann wird weiter gekämpft! Und das habe ich gemacht…

Pfälzer Wald Edelkitsch

Mittwoch 7. August – 3. Wertungstag – Mein Dickkopf, der Donnersberg, Bad Dürkheim und ich


Das Wetter war schwach angesagt, es gab nur ein kurzes Wetterfenster und wir Clubbis mussten ins Grid. Da uns ein Wertungstag gegenüber den großen Klassen fehlte, waren wir die Opferklasse (wie es Rolf bezeichnete). Natürlich wurde der Start wieder einige Male nach hinten verschoben, aber irgendwann wurden wir doch losgeschickt. Das Fernsehen war da (vom DAeC gab es einen Livestream) und über den Tag verteilt gab es interessante Interviews und Einblicke in den Wettbewerb. An diesem Tag wäre wohl eine AAT sinnvoller gewesen, aber wir bekamen eine Racing Task mit 145km und den Wenden Kirchheimbolanden, Waldgrehweiler, Grünstadt und Landau. Das Wetter machte bereits nach dem Ausklinken einen nicht überzeugenden Eindruck. Es ging mit knapp einem Meter zwar auf 1200m über Grund, allerdings versetzte der starke Wind einen gewaltig nach Nordosten. Da wir östlich am Donnersberg vorbeimussten, könnte man dort wohl ein ordentliches Lee erwarten. Aber eins nach dem Anderen, denn SO WEIT waren wir ja noch gar nicht. Bereits kurz nach der Freigabe der Startlinie flog ich gemeinsam mit den Mädels aus unserem Camp Lena und Elena nach Norden. Mühevoll kämpften wir uns von Wolke zu Wolke nach Norden, ohne das eine überzeugend zog. Vor Grünstadt machten wir einen Schlenker nach Westen an eine Hügelkette, wo auch einige Wolken standen. Aber auch diese Wolken gingen überhaupt nicht. Wir teilten uns auf und suchten verzweifelt in 600m nach brauchbarem Steigen, allerdings konnte man sich nur gerade so halten. Es half alles nichts, wir mussten weiter. Das Gelände stieg an und unsere Höhe schwand, da traf ich eine Entscheidung: Ich bin ein Segelflugzeug! Ich würde schon bald unter die Motoranlasshöhe sinken, aber ich würde kämpfen bis das Rad rollte. Der Motor bleibt drin und wenn ich auch auf einem Acker lande, ich würde heldenhaft und mit wehenden Fahnen untergehen. Als ich am Hungerberg unter die 400m Grenze sank, sprach ich zu meinem treuen Discus „Spocky, wir ziehen das jetzt durch!“ und erblickte auf einem schönen frisch abgeernteten Feld Esther in ihrer LS4.

Querab des Dönerbergs kreisten wir vorsichtig in 300m links herum ein. Es war zum Schreien. Die leichten LS4en stiegen, mein schwerer Discus inklusiven meiner schweren Wenigkeit…wir stiegen nicht. Irgendwo müsste ja sicher besseres Steigen zu finden sein, also suchte und suchte ich, kreiste mich aber nur langsam aber stetig abwärts. Verdammt! Ich hatte mir bereits einen Acker ausgesucht, aber wollte nicht aufgeben. Ich zentrierte und suchte in der Hoffnung, dass aus den -0,2m/s doch irgendwo +0,2m/s werden würden. Ulrike war inzwischen auf gleicher Höhe bei mir angekommen und gemeinsam kämpften wir in 220m über Grund ums Überleben. Ich brüllte den Thermikgott an „Gib mir eine Chance!“, da erkannte ich 50m weiter einen kreisenden Vogel. Ich switchte auf die Wettbewerbsfrequenz und erwischte Ulrike dort auch. So wagte ich den Sprung zum Vogel und tatsächlich: aus -0,2m/s wurden +0,2m/s. Da hatte ich meine Chance und ich biss mich an diesem Hauch von Steigen fest. Zuerst tat sich nicht viel. Ein paar Kreise stieg es kaum merklich, ein paar Kreise lang sank es ebenso. Aber immerhin konnte ich erst einmal meine sensationelle Höhe von knapp 200m halten. Wenn ich eine Sache von mir behaupten kann, dann dass ich verdammt hartnäckig sein kann. Und nach fast 5 Minuten im Nullschieber (der uns aufgrund des starken Windes schon ordentlich nach Osten hin versetzt hatte), stieg es endlich. Nicht viel, man merkte es kaum, wenn man nicht die Höhenmesseranzeige beobachtete, aber es stieg. Nach weiteren 5 Minuten wurden aus dem positiven Nuller endlich einmal 0,5m/s und ich war immerhin wieder in 400m über Grund. Jetzt könnte ich ja theoretisch wieder den Turbo anwerfen, aber das Letzte was ich an diesem Tag noch machen wollte, wäre mich dem Wetter zu beugen. Nach 20 Minuten Kampf waren wir endlich bei knapp 1000m über Grund und zusammen mit Ulrike ging es nach Westen zur Wende.

Ich hatte so ein leichtes Déjà-vu…welch herrliche Telefonkabel
Weiter geht’s zur zweiten Wende

Aufgrund des nun starken Gegenwindes schwand unsere mühsam erkämpfte Höhe ziemlich schnell und wir kamen in 500m über die Flanke des Donnersbergs. Es ging mal wieder sensationell abwärts und kurze Zeit später waren wir bereits unter die Gipfelhöhe gesunken. Ulrike flog rechts, ich 400m links versetzt und wir blieben in Funkkontakt. In 390m über Grund kreiste sie ein und nachdem ich die Umgebung ein wenig abgesucht hatte, war wohl der (erneut) positive Nuller bei ihr die beste Option. Unter uns begann die Olympische Disziplin des Clubklasse-Weitwurfs und die gefühlt halbe Klasse verteilte sich auf den Feldern hinter dem Donnersberg (ich hatte mir auch schon ein Feld ausgesucht, welches groß war und wo wenigstens bereits ein paar Mädels standen. Ich mag Gesellschaft bei meinen Außenlandungen).

Clubklasse Fly-In

Der positive Nuller wurde zwar ein wenig stärker, ging aber nicht über 0,5m/s und mit dem Wind, der uns von der nächsten Wende wieder wegtrieb, machten wir keinen sinnvollen Höhengewinn. So flogen wir weiter und teilten uns wieder auf. Als nächstes war in 600m immerhin ein halber Meter Steigen zu finden und so hangelten wir uns in 500-600m Höhe zur zweiten Wende bei Waldgrehweiler. Ulrike hatte den letzten Bart mit ihrer LS4 besser erwischt (der schwere Discus bT steigt einfach schlecht bei so schwacher Thermik und starkem Wind) und war ein Stück über und vor mir. Ich wendete in 550m und hoffte nun mit Rückenwind wenigstens noch ein bisschen mehr Suchspielraum zu haben. Ich hatte Glück und danke Ulrike immer noch für diesen Bart. Sie fand tatsächlich die ersehnten 2m/s. Ich kreiste ein und atmete auf und nach den ersten Metern sicheren Höhengewinns begann ich mich endlich ein wenig zu entspannen. Zwischen dem tiefen Ausbuddeln und dem ersten guten Bart des Tages war eine gute Stunde Kampf in quasi Nullwetter in durchschnittlich 500m vergangen. Ich freute mich, denn ich war wieder im Spiel! Kurze Zeit später war ich in sagenhaften 1100m über Grund und setzte meine Reise zur nächsten Wende bei Grünstadt fort. Auf der Ostseite des Donnersbergs trocknete es leider schon gewaltig ab (zugegeben: die ganzen Wolken auf der anderen Seite, die alle nicht zogen waren auch nicht toll) und so überlegte ich mein weiteres Vorgehen. Ulrike bog nach der Wende zu den Fetzen am Pfälzer Wald ab, aber ich entschied mich für den Weg über die Talfussel. Ich wollte mich im flacheren Gelände aufhalten, zumal ich an dieser Stelle nur noch 700m über Grund hoch war. Meine Höhe sank stetig und ein paar Kilometer östlich vom Flugplatz Bad Dürkheim stand der letzte für mich erreichbare Fetzen. Dort kreiste ein Stück unter mir Ulrike, die anscheinend mit ihrer Route ebenfalls kein Glück hatte und ich wollte es noch einmal dort versuchen. Also glitt ich noch einmal unter die 400m Grenze und kreiste ein. Es als Steigen zu bezeichnen wäre sehr optimistisch gewesen. Ich konnte gerade so meine Höhe halten, aber der Wind trieb mich immer weiter vom Flugplatz weg. Ulrike gab sich geschlagen und landete in Bad Dürkheim, ich kämpfte 10 Minuten in der Hoffnung, dass der Bart doch irgendwann kommen würde. Ich zentrierte vorsichtig nach hier und da, es müsste doch irgendwo Steigen zu finden sein. Aber nein, der Wind blies mich immer nur weiter und unbarmherzig vom Flugplatz weg. Von meiner Position aus, konnte ich erkennen, dass in Bad Dürkheim quasi ein Clubklasse Fly-In stattfand und so setzte ich alles auf eine Karte. Ich wollte noch einmal die Umgebung des Flugplatzes absuchen. Mein LX sagte mir, dass mir nur noch einmal Basishöhe fehlte, um die Aufgabe zu schaffen. Ich hatte Blut geleckt und flog zum Gewerbegebiet, suchte die Stadt ab…vergebens! So landete ich kurze Zeit später ebenfalls auf dem Flugplatz Bad Dürkheim.

Clubklasse Fly-In in Bad Dürkheim
Mit Elena machen Außenlandungen immer Spaß


Ich habe alles gegeben! Ich wäre sogar auf den Acker gegangen! Ich habe gekämpft und leider doch verloren. Und bei aller Tragik der Situation: auch noch umsonst! Leider sind keine 25% der Klasse über die 100km gekommen (ich war mit 99,5km schon verdammt nach dran) und somit wurde der Tag nicht gewertet.

https://www.weglide.org/flight/459012

Donnerstag 8. August – 4. Wertungstag – Wenn sich zwei UL-Piloten als Glücksbringer erweisen

Obwohl der vergangene Tag nicht gewertet wurde, überraschte die Wettbewerbsleitung die ersten drei der Clubklasse trotzdem mit einer „Tagessiegerehrung“ und einer Flasche des lokalen Weins. Da ich mich heldenhaft auf den 3. Platz gekämpft hatte, wurde mir diese Ehre auch endlich zu Teil. Es wurde sogar noch besser! Ich wurde vom Fernsehen interviewt, wo ich ein wenig über den gestrigen Tag erzählen sollte. Welch ein Morgen!

Ein bisschen stolz war ich ja

Und zu meiner großen Freude kündigten sich meine beiden UL-Freunde Ulli Und Pilot Frank an. Ich zeigte ihnen das Grid und sie bewunderten meinen schönen Discus. Und bevor sich Ulli großartig wehren konnte, saß er bereits im Flieger und durfte probesitzen. An diesem Tag starteten wir sogar fast pünktlich und da sich die Wettervorhersage als ganz gut herausstellte, durften wir wieder eine RT mit 283km fliegen.

Pilot Frank und Ulli


Das Wetter als gut zu beschreiben wäre zwar übertrieben gewesen, aber immerhin
zogen die Wolken zuverlässig mit durchschnittlich 1m/s. Da die erste Wende der
allseits beliebte Donnersberg (Zitat Frank: „Zur Traumabewältigung dürft ihr wieder zum Donnersberg fliegen“ – wir freuten uns waaaaaahnsinnig) war, war es sinnvoll die Abfluglinie weit im Westen über dem Pfälzer Wald zu nehmen. Das war der kürzeste Weg nach Norden und die Optik in die Richtung sah auch
vielversprechend aus. Zwar bedeutete das den langen Weg über den Wald zu nehmen,
aber mit fast 1600m MSL und damit 1100m AGL Arbeitshöhen, wäre das wohl zu bewältigen. Ich klinkte mich wieder ins Team von Elena und Lena ein und bald ging es dann auch schon los. Auch die 18m Klasse hatte den Donnersberg als
erste Wende und so flog ein Kunststoff-Schwarm nach Norden. Die nächsten Bärte zogen tatsächlich ganz ordentlich mit 2m/s und kurz bevor wir durch den Einflugsektor von Ramstein kamen, flog eine 747 der Airforce vor uns vorbei.
Das veranlasste mich dann doch einmal Kontakt mit der berühmten Airbase aufzunehmen (die Wettbewerbsleitung hatte uns freundlicherweise Kärtchen ausgeteilt wie und wo man sich melden müsste) um mitzuteilen, dass nun ein paar
Segelflugzeuge den Anflugsektor kreuzen würden. Ganz geheuer war mir das
trotzdem nicht, und ich sah zu, dass ich da raus käme.

Der Pfälzer Wald – groß und grün
Donnersberg voraus!

Dieses Mal hatte der Donnersberg Erbarmen mit uns und drum herum gab es zuverlässiges und ordentliches Steigen, sodass ich ihn mir tatsächlich mit 700m Sicherheitsabstand (1300m MSL) ansehen konnte. Als nächstes ging es nach Süden zum Pfalzklinikum (was ja anscheinend die Pfälzer Variante der Schwarzwaldklinik ist). Auch dieser Schenkel war direkt über dem Mittelgebirge gut zu bewältigen, auch wenn es ein wenig kniffliger wurde das beste Steigen unter den Wolken zu erwischen. Dort wendeten wir in 1500m MSL und nun ging es erst nach Nordosten, die nächste Wende war Amorbach im Odenwald. Leider wählten wir eine Route unter einer Abschirmung, die wir so anfangs gar nicht auf dem Schirm hatten und der Weg durchs Rheintal war zäh und mühsam. Erst bei Walldorf hatten wir die Abschirmung passiert und ab dann wurde das Wetter wieder ein wenig besser. Südlich vom Flugplatz fand Lena in 700m AGL einen runden 2m Bart, der uns wieder auf 1300m AGL (1400m MSL) brachte. Das war zwar nicht die super Höhe, aber so hatte man immerhin eine Chance in den Odenwald einzusteigen. Wir wählten den südlichen Einstieg, um nicht gleich das hohe Gelände vor der Nase zu haben, auch sahen die Wolken hier am besten aus. Anfang ging es auch noch ganz ordentlich, südlich vom Flugplatz Rothenberg hatten wir durch einen 1,5m/s Bart eine erst einmal angenehme Arbeitshöhe von 1200m. Allerdings wurde das Wetter schlechter, je nördlicher wir kamen. Zuerst mussten wir erneut unter einer Überentwicklung durch, dann überraschte uns ein blaues Loch um die Wende herum. Wir hangelten uns von Bart zu Bart und 15 Kilometer von der Wende entfernt schafften wir es noch einmal mit 2m/s an die Wolkenunterseite. Allerdings war das Gelände hier so hoch, dass von 1600m MSL nur knappe 1100m AGL übrig blieben. Der Sprung würde also spannend werden. So klatschten wir die Wende ab und bogen 45° zur Kursrichtung nach Süden ab zu den nächsten Wolken. Der direkte Weg zur nächsten Wende bei Worms lag im Blauen und wir mussten wohl oder übel den Umweg in Kauf nehmen. Leider waren die nächsten erreichbaren Wolken auch wieder an der Kante der Überentwicklung, sodass wir uns mit mehr oder weniger sinnvollem Steigen in mehr oder weniger sinnvoller Höhe aus dem Odenwald herauskämpfen mussten. In der Zwischenzeit hatte sich lustigerweise fast die gesamte Clubklasse zu einem großen Pulk zusammengefunden und es war ein ganz ordentliches Herumgewusel in allen möglichen Höhen. Leider hatten es die tieferen Flugzeuge wirklich schwer, sodass nach und nach auch die ersten Außenlandemeldungen eintrafen. Ich war heilfroh, endlich die Odenwaldkante im Rücken zu haben und 10km westlich von Worms traf unser Pulk den lang ersehnten und gut gehenden Endanflugbart.

Odenwaldkante
Endlich wieder im flacheren Gelände

Da ich bei den letzten schwächeren Bärten leider immer mehr Höhe zu meinen Mädels verloren hatte, bildeten sich nun zwei Gruppen. Die erste Gruppe mit Elena, Lena und Ulrike flog voraus, Esther und ich (ein gutes Stück unter den anderen) brauchten ein wenig länger, um die Endanflughöhe zu erreichen. Aber auch wir waren irgendwann auf 1400m über Grund und so ging es endlich nach Hause.

Endanflug mit Esther


Mit 71km/h hatte ich den 8. Tagesplatz und tatsächlich auch 2 Plätze in der Gesamtwertung gut gemacht. Meine beiden UL-Jungs haben mir anscheinend Glück gebracht!

https://www.weglide.org/flight/459741

Freitag 9. August – 5. Und letzter Wertungstag – Suboptimal

Ich war leicht angeschlagen und hatte auch entsprechend schlecht geschlafen. Anscheinend war der abendliche Besuch beim Asiaten doch keine so schlaue Idee und so richtig fit war ich an diesem letzten Wertungstag nicht. Aufgeben war trotzdem keine Option und so gab es vor dem Briefing noch eine ausgiebige Tee- und trockenes Brötchen-Kur (bei wieder über 30°C riiiiichtig gut).
So wirklich überzeugt waren wir alle nicht vom Wetter und so zauberte sich die Wettbewerbsleitung eine AAT (die nach reichlicher Verzögerung auf anderthalb Stunden gesetzt wurde) mit 101 bis 335km. Ja wir waren alle ein wenig ausgelaugt, außer die Karo…die hatte wirklich Bock (dazu später mehr). Nach Verzögerung und Warten und Klassen umswitchen (es war sehr windig und zuerst wurden die großen Klassen zum Schnüffeln losgeschickt) ging es dann irgendwann auch los.
Anfangs war das Wetter noch ganz passabel, es ging vor Abflugfrei mit 1-1,5m/s auf um die 1600m, auch wenn der starke Westwind alles ein bisschen zerrissen hat und der Windversatz enorm war. Ich flog wieder mit den beiden Lenas ab, aber auch trotz des Rückenwindes war der Weg zum Odenwald spannend. Zwar waren wir ratz fatz dort, allerdings zogen die meisten der angeflogenen Wolken nicht so wirklich. Kurz hinter der Zone bei Herrenteich ging es mit 1,2m/s von 800m auf 1300m, was aber vorerst das letzte gute Steigen bleiben sollte. Der Odenwald stand komplett unter einer Abschattung und auch die Kante löste trotz des eigentlich gut daraufstehenden Windes nicht wirklich ab. Es kam erneut wie es kommen musste. Die LS4en stiegen mir alle gnadenlos weg, während ich in 500m über der Kante mit einem Nullschieber kämpfte. Ich suchte, zentrierte, verlagerte und fluchte was das Zeug hielt, fand aber einfach nicht das gute Steigen, was die Mädels über mir hatten. Bald flogen diese gute 600m über mir weiter nach Süden, ich hangelte mich an der Kante entlang irgendwie doch eine Ablösung die von unten heraus gut ging zu erwischen. Vergebens! Ich suchte hier, ich suchte dort, hatte ich für ein zwei Kreise ordentliches Steigen, war es danach verschwunden und nicht mehr auffindbar. Es war wirklich ermüdend. Erst wieder östlich von Walldorf, fand ich 1,2m/s, mit denen ich auch endlich wieder etwas Höhe machen konnte und erarbeitete mir 500m, nur dass gleich darauf diese wieder wie weggeblasen waren, durch das starke Sinken, welches mich dahinter erwartete. Ja ich habe sehr viel, sehr oft und sehr unjugendfrei geflucht. Nördlich von Malsch fand ich erst wieder 1m/s (über die ich mich sehr freute an diesem Tag) und wendete in 1200m über Grund. Jetzt folgte eine lange Strecke unter dem sich inzwischen gebildeten Abschirmungsflatschen über dem Rheintal. Dazu kam noch der starke Gegenwind von 25km/h. So blieb mir nichts anders übrig als auf die Gleitleistung von Spocky zu vertrauen und zu hoffen, die Sonne wieder in einer sinnvollen Höhe zu erreichen. Ich verlor bei dem Sprung fast 700m und kurz vor Ludwigshafen-Dannstadt schien mir endlich wieder die Sonne auf die Nase. Ich suchte an der Waldkante eines Feldes und fand immerhin einen halben Meter. Zwar machte ich bei dem starken Wind Verlust, aber in 550m AGL war mir das egal, die Hauptsache es schenkte mir wieder etwas Handlungsspielraum. Leider ging diese Thermikblase nur bis 750m AGL und so kämpfte ich mich wieder zum nächsten Flugplatz vor. Wenn es irgendwie gehen würde und ich eine realistische Chance haben würde, bliebe auch heute der Motor drin, auch wenn ich mir dann Dannstadt vom Boden anschauen müsste. Aber soweit kam es gar nicht mehr. Ich fand zwar ein Viertelmeterchen und kreiste ein, aber der starke Wind blies mich über die Kontrollzone hinweg. Zwar war ich knapp darüber, aber je weiter ich mich mit dem Wind hineinversetzen lassen würde, desto schwieriger wurde es wieder rauszukommen, ohne von oben in die Kontrollzone hineinzufallen. Das erkannte ich bald und sah zu, dass ich das rauskomme (keine 20m trennten mich an der Kante von der virtuellen Außenlandung). Ich war noch 550m über Grund und traf eine weitere Entscheidung: Aufgrund der Hoffnungslosigkeit der Situation und der Einschätzung des Wetters (und zur Vermeidung einer Ehekrise…), würde ich an diesem Tag doch den Motor nutzen. Also suchte ich noch im Bereich des Flugplatzes, aber nicht einmal der Hauch von Thermik war zu finden. So musste es dann doch kurze Zeit später die Macht der zwei Zündkerzen richten und ich knatterte wieder Richtung Heimat.
Auch dieser Tag wurde zum Clubklasseweitwurf, auch wenn er wenigstens gewertet wurde. Von 16 gestarteten Pilotinnen haben 3 die Aufgabe geschafft. Ich schaffte es zwar mit 86km nur auf Platz 12, konnte aber Platz 8 in der Gesamtwertung halten, da es ohnehin so wenig Punkte für den Tag gab (selbst wenn ich den 1. gemacht hätte, hätte es wohl keinen Unterschied mehr in der Gesamtwertung gemacht). Eines muss aber noch erwähnt werden:
Karo hat es geschafft bei diesem schwierigen Wetter den Tagessieg zu erkämpfen! Wirklich großen Respekt!

https://www.weglide.org/flight/459012

Das war also die Deutsche Meisterschaft der Frauen 2024 in Lachen-Speyerdorf.
Das Wetter war absolut nicht einfach, aber trotzdem wurde das Beste daraus gemacht.
Trotz des nicht einfachen Wetters (welches nicht wirklich Discus bt kompatibel war) konnte ich mir den 8. Platz erkämpfen auf den ich auch sehr stolz bin.
Ein großes Lob an dieser Stelle an die Wettbewerbsleitung die mit Umsicht und viel Fingerspitzengefühl die Strecken gewählt hatten.
Wir Mädels hatten unglaublich viel Spaß, zusammen gelacht, geweint (manchmal auch Lachtränen, wenn ich an Nicole und meinen geplanten Pöbelwettbewerb denke), wir hatten tolle Nachbarn mit Mirja und Björn und den Engelhardts. Auch habe ich wieder viele neue Freunde kennengelernt. Mit Esther war es immer sehr witzig im Grid und Norbert hatte mich kurzerhand für den Zeitraum des Wettbewerbs adoptiert (so wie wir ihn).
Das Rheintal war wieder ein Genuss und langsam wird es neben dem Klippeneck auch zu meiner fliegerischen Heimat, fernab meiner fliegerischen Heimat. Ich freue mich aufs nächste Mal! Wir sehen uns wieder!


Und weil es so schön war, hier noch ein paar Impressionen

Camphund Jet…der mir in Slowenien die Wendebrötchen geklaut hat
Abkühlung im Bach mit Astrid und Jet
Auf der Suche nach dem Gurt. Wer muss hier auch an Day of the Tentacle denken?
Abends wurde der Flugplatz als Landeplatz für die Kameraden des statischen Auftriebs genutzt
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer (die 18m Klasse war mit allgemeiner Quali)
Beitragsbild von Christoph

2 Gedanken zu „Deutsche Meisterschaft der Frauen 2024 in Lachen-Speyerdorf“

  1. Sally, das ist echt win geiler Blog! Finds auch mega geil, dass ich erwähnt werde (auch wenn es um Absacker, Außenlandung und Mauern ging haha)

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