Zu allererst muss ich beschreiben, wie ich diesen Bericht gerade schreibe.
Ich sitze bei meinen Freunden in Hersbruck (dazu später mehr), die mir freundlicherweise eine Übernachtungsmöglichkeit boten, da der Weg von Berlin nach Slowenien lächerliche 1100km sind.
Auf dem Hinweg sind das Disketten-Geschwader beim weltbesten Jürgen untergekommen, auf dem Rückweg konnte ich die Fahrt in Hersbruck halbieren. Tamino ist durchgefahren nach Berlin, ich brauche eine Pause, denn dieser Lehrgang beinhaltete ganze vier Premieren für mich.
Es ist nicht nur das erste Mal, dass ich einen Berg aus dem Segelflugzeug von nahem sehe, oder das erste Mal mit Spocky (Vickys neuer Bruder, ein wunderschöner Discus bt WL) auf Strecke, Fliegen im Ausland, sondern auch meine längste Autofahrt alleine und dazu noch mit Anhänger. Ich bin einfach platt nach guten 500km Fahrt. Also an dieser Stelle vielen Dank an alle meine Nürnberger Freunde.
Also wie kommt eine Flachlandtirolerin wie ich auf die Idee, sich gewaltig aus der Komfortzone hinauszuwagen und sich ins Gebirge zu trauen?
Eigentlich ist die Caro schuld, die mich seit Jahren überzeugen will, es mal im Gebirge zu versuchen. Nachdem letztes Jahr der Streckenfluglehrgang vom AMF auf dem Klippeneck so großartig war und ich viele neue Freunde kennengelernt habe, hat es dieses Mal mit der Überzeugungsarbeit funktioniert. Mal ganz abgesehen davon, ist sicher eine minimale Kenntnis davon, wie das mit Hängen funktioniert, sowieso nicht verkehrt (da ich ja aus unbekannten Gründen andauernd im Rheintal fliege). Wie dem auch sei: ich wollte in das erste große Abenteuer der Saison 2024 starten und habe kurzerhand Tamino mitgeschliffen, der freundlicherweise als Trainee aufgenommen wurde, auch wenn er nicht dem weiblichen Geschlecht angehört (Zitat Walter auf schwäbisch: „Dem ziehen wir einfach eine Perücke auf!“).
Die Vorbereitung war für uns beide spannend, denn unsere neu erworbenen Disketten, mussten gebirgstauglich gemacht werden, zusätzlich du den allerlei Wehwehchen die sowieso an den Flugzeugen aufgetreten waren. Also bekamen sie schicke rote Signalstreifen, Haubenblitzer (vielen Dank an Sotecc für den Support!) und in Spocky musste noch eine Halterung für die Sauerstoffflasche eingebaut werden. Das Equipment für die Sauerstoffanlage an sich, konnten wir uns von Familie Engelhardt ausborgen. Auch an dieser Stelle vielen Dank!
So machten wir uns am Donnerstag den 4. April auf den Weg nach Süden. Jürgen (der uns im Vorfeld schon über Teams eine Theorieeinheit verpasst hatte) erklärte uns am Abend noch einmal, auf was alles zu achten sei. Tamino und er verstanden sich auf Anhieb und schmiedeten schon Pläne, ich beschränkte mich aufs stille Zuhören und wundern (ich schwankte leicht zwischen Respekt, Vorfreude und Panik). Am Freitag ging es dann in aller früh los zur zweiten Etappe. Südlich von Nürnberg sammelten wir Tanja samt ihrer ASW20 auf, inklusive zweier Anhalter. So hatte ich bis Salzburg nette Gesellschaft und konnte mein Englisch wieder ein wenig aufbessern. Wir kamen super durch und erreichten am frühen Nachmittag den Flugplatz Lesce-Bled in Slowenien.



Samstag 6. April
Einweisungsflug im Duo mit Veit – ich war tapfer!
Nun wurde es ernst! Nachdem noch einmal Alles theoretisch beim Briefing durchgesprochen wurde, wurden die ersten Gruppen eingeteilt. Tamino und Tanja bekamen einen kurzen Einweisungsflug und versuchten sich danach einsitzig am Hang, ich hatte das Glück heute bei Veit im Duo Discus eingeteilt zu werden (vielleicht habe ich auch einfach nur am panischsten geschaut). Das Wetter war so lala, aber es sollte ausreichen, um die ersten Erfahrungen zu sammeln. Also ging es los!
Der Schlepp war wirklich interessant, wenn man im Schleppzug rechtwinklig auf den Berg zufliegt, gaaaaanz knapp davor abdreht, um dann am Seil zusammen am Hang entlangzuschrubbern. Ausgeklingt wurde in ca. 1700m MSL (AGL Angaben machen im Gebirge absolut keinen Sinn because of reasons). Also los am Stol Ost mit gefühlt 20 anderen Seglern, die an diesem Tag ihr Glück versuchen wollten.
Für eine Pilotin, deren Heimatflugplatz auf gnadenlosen 35m MSL (was ich immer wieder betone) liegt und für die schon der Schwarzwald ein gigantisches Gebirge ist, war das eine seeeeeehr interessante Erfahrung. An dieser Stelle ein großes Lob an Veit, der mit einer unglaublichen Ruhe versucht hat, mir die Grundlagen beizubringen. Fahrt, an den Hang kuscheln, Nase raus und wer die rechte Fläche am Berg hat, hat Vorfahrt.

Nachdem wir uns mit den ersten Achtern langsam runtergekurbelt haben (was nicht an mir lag, sondern schlicht und ergreifend am Wetter), gab es die zweite Lektion. Thermikkreisen am Hang. DAS ist noch gruseliger als Achtern! Der Boden ist nah, der Berg ist nah, alles ist nah! Sally „Sicher, dass das passt??????“ Veit „Ja Sally, das passt locker!“. Spoileralarm: es passte locker, aber wenn auf einmal die Wand auf einen zukommt, rutschte mir wirklich das Herz in die Hose. Nach unzähligen Kreisen und Achten mit denen wir den Höhenverlust immerhin verlangsamen konnte, wechselten wir an den tieferen Hausberg, der aber auch nicht der Brüller war. Als die Höhe zu reduziert für den Hangflug war, wechselten wir in die Platzrunde. Veit schrieb seiner Frau, dass sie schonmal mit dem Auto vorfahren soll, um uns von der Landebahn aufzusammeln. Da hat er aber die Rechnung ohne „Telefonkabel-Sally“ gemacht!“ In 400m über Platzhöhe, fand ich nämlich etwas, was einem Flachlandthermikpups am nächsten kam und kreiste ein. Ich war wieder in meinem Element. Ich biss mich in einem positiven Nuller fest und so konnten wir den Flug um ganze 16 Minuten verlängern. Leider war auch dieser Thermikpups irgendwann vorbei und wir mussten uns endgültig nach 1h26m geschlagen geben.
Fazit: Es ist gruselig, aber macht sicher großen Spaß, wenn das Wetter passt!

https://www.weglide.org/flight/372665
Sonntag 7. April
Noch einmal im Duo mit Veit – dieses Mal sogar mit ein bisschen Wetter
Eigentlich war die Wettervorhersage noch schlechter als am Tag zuvor und ich hatte erneut das Vergnügen zu Veit im Duo eingeteilt zu werden. Bei uns im Team war Tamino in seinem Discus (die kleine PG), der um einiges taffer war als ich und sich wieder einsitzig ins Geschehen wagte.
Der Schlepper warf uns in 1600m am Begu heraus und die Ostseite zog mit dem dazugehörigen Wind wirklich gut. Wir achterten uns langsam aber stetig nach oben und auf Veits Hinweis, dass wohl die Waldschneise unter uns der auslösende Punkt sei, ging mir dann auch das erste Mal ein Licht mit dem Aha-Effekt auf. Diese Schneise würde ich mir merken! Als wir nach unzähligen Touren den Hang rauf und runter endlich über den Grat blicken konnten, war ich überwältigt von der Aussicht! Es ist wirklich atemberaubend, wenn man den Gipfel überblicken kann und auch die nächste dahinterliegende Bergkette sieht. Ich war begeistert und teilte dies lautstark meinem Trainer mit, der sich mit mir freute. In 2200m MSL ging es dann weiter zum nächsten Berg in Westen – dem Stol (weil dieser langgezogen ist, wird er in verschiedene Sektionen unterteilt, in diesem Fall waren wir am Stol-Ost).


Wir flogen die Südseite der Länge nach ab, aber nach der ersten Runde schien es, als würde nur die Ostseite gehen. Also nochmal zurück und die verbratene Höhe zurückerkämpfen. Was erneut bedeutete: Achtern! Veit überließ mir das Steuer ganz alleine (zuvor war er zur Sicherheit immer mit drin) und teilte mir nach ein paar Runden mit, dass ich die letzten Runden ganz alleine geflogen bin. Wir lebten noch und ich war happy, denn mir half es wirklich die verschiedenen Schritte laut vorzusprechen (wie beim Kunstflug). Als wir erneut Gratniveau erreicht hatten, ging es über den Kahlkogel weiter nach Westen. Leider trug in diesem Fall der Hang nicht, sodass wir erst einmal den sicheren Rückweg antreten mussten. Also nochmal zum Stol und an der gleichen Stelle hochkämpfen wie zuvor. Dieses Mal erreichten wir die komfortable Höhe von 2400m und dieses Mal sollte uns der Sprung gelingen. Über dem Mount-Eisele fanden wir einen angenehmen 2m/s Bart und sprangen über den Wurzenpass über das Gailtal zum Dobratsch. Was für ein gewaltiger Berg, wie er mit seinen 2100m den Beginn der nächsten Bergkette markiert!

An der westlichen Seite kreisten wir uns direkt neben dem Sendemast auf 2600m und setzten unsere Reise nach Westen fort. Aufgrund der vorangeschrittenen Uhrzeit und der Tatsache, dass der Trainer uns Gebirgsneulinge nicht überfordern wollte (nach fast 3 Stunden war ich schon ziemlich abgekämpft), sammelten wir dort noch einmal ein paar Meter, bis wir auf 2700m waren und begannen den Flug nach Hause. Also gewendet und zurück am Dobratsch. Die Westseite bescherte uns dieses Mal leider nicht mehr einen so guten Bart, aber 2400m sollten für den Heimweg über den Wurzenpass dicke reichen. Als wir das Tal nach Bled erreicht hatten ging es noch einmal zu Übungszwecken an den Hang. Dieser trug uns ganz gut bis zurück zum Stol. Ich wäre ja gerne noch die Appalachen entlang geflogen, aber mein Trainer musste mich bremsen und legte mit mir noch eine kleine Sightseeingtour im Umkreis von Lesce ein.

Nach der Landung musste ich den guten Veit erst einmal knuddeln, was für ein toller Flug mit vielen tollen Eindrücken und Erlebnissen. Das Briefing wurde ins Flugplatzrestaurant verlegt, und bei einem leckeren Stück Kuchen gab es die Auswertung des Fluges. Fazit: Er würde mich ohne Bedenken am nächsten Tag im Einsitzer starten lassen!
https://www.weglide.org/flight/373234
Montag 8. April
Der Dobratsch – Mein Schicksalsberg
Die Gruppen wurden neu gemischt!
Ich hatte das Vergnügen mit Christina als Trainerin zu fliegen. Ich kenne sie noch von der DMF2018 und wusste, dass sie richtig richtig gut mit ihrer LS1f umgehen kann. Also war ich in den besten Händen. Nichtsdestotrotz hatte ich mächtig Respekt davor, das erste Mal alleine am Hang mein neues Wissen anzuwenden. Um nicht zu sagen: ich war richtig richtig nervös! Also holte ich mir von Rainer einen Vorflugknuddler ab (was wir auch an den kommenden Tagen beibehielten!) und dann war die Nervosität schon gar nicht mehr so schlimm!

Nach dem Flugzeugschlepp fand ich mich wieder am Begu wieder und auch heute zog die Ostseite mit der gemerkten Schneise sehr gut. Ich sagte mir wieder laut die Abläufe vor und nach ein paar Runden mit Höhengewinn, war ich sehr erfreut, dass ich es anscheinend auch alleine hinbekäme. Ja, es fing sogar an richtig Spaß zu machen. Als ich das erste Mal ganz alleine den Gipfel überblicken konnte, war ich wirklich sehr stolz auf mich (was echt selten vorkommt). In der Zwischenzeit konnte meine Trainerin (die einen Schlepp nach mir bekam) auch zu mir aufschließen und in 2100m ging es am Hang entlang nach Westen. Nach ein paar nicht wirklich gewinnbringenden Einkreisversuchen, pinselten uns Tanja und Veit im Duo die Thermik am Mount-Eisele an. In 2400m flogen wir weiter über die Karawanken nach Westen in die karnischen Alpen (danke an Veit und Caro für das im Nachhinein erklären).

So richtig der Brüller waren diese aber leider nicht. Zwar konnten wir uns unterwegs auf fast 2800m kämpfen, allerdings war das auch erstmal das letzte Steigen, dass wir dort fanden. Christina (die ein wenig tiefer war als ich, aufgrund des schlechteren Flugzeuges), bog zeitig zurück ins Gailtal ab, ich fischte mir an einem Berg (absolut keine Ahnung wie der hieß) noch einen unvorstellbar ruppigen Bart. 5m/s auf der einen Seite ging es nach oben, 5m/s auf der anderen Seite nach unten, sodass wir über das Gailtal in die Gailtaler Alpen nach Norden abbogen. Ab da war irgendwie der Wurm drin. Auch der Dobratsch brachte uns trotz hartnäckigem Fliegen am Hang keinen ordentlichen Höhengewinn, sodass wir in 2100m den Sprung über das Tal wagten, um den Wurzenpass zu überqueren. Tja, leider ging es unterwegs sensationell abwärts und die erste erreichbare Bergebene brachte leider kein Steigen, sodass ein weiteres Überqueren nicht möglich war. Also nochmal zurück an den Dobratsch und einen neuen Versuch starten. Wieder mühselig auf 2100m gekämpft (in der Zwischenzeit waren meine Ressourcen mehr als erschöpft) und auf zum zweiten Versuch. Dieses Mal sank es im Tal noch mehr, sodass ich kurz vor dem Pass umkehrte, da mir das einfach zu nah an den Hindernissen war, Christina flog ein wenig weiter hinein, um dort nach dem Ticket nach Hause zu suchen. Sie meldete leider nur weiteres Sinken und flog zurück ins Tal, um von dort nach Nötsch abzubiegen und sicher auf einem Flugplatz zu landen. Ich war zwischenzeitlich auf 600m AGL über dem Tal gesunken und suchte eigentlich nur nach einem sinnvollen Stückchen Himmel, an dem es nicht übermäßig sank, um den Turbo anzuwerfen (wofür hat man denn das Ding?). Ich fand tatsächlich eine ruhige Luftmasse über einer Industrieanlage und kurz bevor ich mit der Motor-Anlass-Prozedur beginnen konnte, hob sich die rechte Fläche. Instinktiv kreiste ich ein und beobachtete gespannt das Vario. Minimal ging es hinauf, nur damit es auf der anderen Seite wieder hinunter geht. Nach ein paar Kreisen erkannte ich, dass ich stieg, wenn auch kaum merklich. Der berühmte Sally’sche positive Nuller, an dem ich mich wieder festbeißen konnte. In der Zwischenzeit ist Christina sicher in Nötsch gelandet und ich biss mich noch immer hartnäckig in diesem Thermikpups fest. Ganz ehrlich: ich würde lieber 3h darin meine Endanflughöhe erkämpfen, als noch einmal an den Hang zu fliegen. Kurz: ich war fertig! Nach fast 20 Minuten konnte ich einen sagenhaften Höhengewinn von 300m verzeichnen, aber der Thermikpups ließ nach.

Sämtliche Flugzeuge flogen einige hundert Meter über mich hinweg und auch der Hilferuf von wegen „Gibt’s hier noch nen Trainer, der mich aufsammeln könnte?“ blieb vergeblich. Ich war also alleine auf weiter Flur und hatte keine andere Wahl, als mich noch ein drittes Mal an den Dobratsch zu wagen. Ich stieg in 1700m am Hang ein, und musste mindestens noch 500m erkämpfen, um sicher über den Pass zu kommen. Ich versuchte es an der Ostseite, da zog es Richtung Parkplatz, aber ich war viel zu tief, um ans normale Kreisen zu denken. Also arbeitete ich mich an der Südseite entlang nach Westen. Mal stieg es, mal sank es. Ich flog die Kuhle aus und kaum, dass ich mich über ein wenig Höhengewinn gefreut hatte, verlor ich diese wieder nach dem Wenden. Ich flog den Berg hoch und runter, hoch und runter und noch mehr hoch und runter. Es ging zu wie in einem französischen Bordell nur mit weniger Happy End und weniger Spaß. Beziehungsweise der Dobratsch hatte mit Sicherheit Spaß und hätte er lachen können, ja er hätte mich wohl ausgelacht, wie ich mit dem Mut der Verzweiflung um jeden Höhenmeter kämpfend mich an seinen Hang kuschelte. Nach gefühlten 20 mal hin und her hatte ich mir die wichtigen Meterchen erarbeitet, um auf die Westseite zu springen. Dort schien die Abendsonne auf den Hang und es ging minimal besser, auch wenn ich jedes Mal die Luft anhielt, wenn ich den kleinen Grat überquerte (es war alles safe, aber gruselig ist es trotzdem). Nachdem ich 20 Minuten geackert hatte mit großen Achten, kleinen Achten, mit Höhen und Tiefen (kam ich in der einen Runde noch über den Ausläufer, war ich auf dem Rückweg wieder so gesunken, dass ich außen rum fliegen musste), war ich endlich auf 2000m gestiegen und konnte nun die Westseite gänzlich abfliegen. Da ging es endlich mit einem zähen Meterchen nach oben. Nach 30 Minuten, war ich endlich auf 2200m und wagte ein drittes Mal den Sprung über den Pass. Dieses Mal musste es klappen, denn es war schon nach 17 Uhr und viel Zeit bliebe mir nicht mehr. So nahm ich all meinen Mut für die Talquerung zusammen und peilte die tiefste Stelle im Pass an. Dieses Mal hatte ich Glück, denn es sank nicht so stark, sodass ich mit genügend Reserve über die Berge hinwegfliegen konnte. Lustigerweise kam genau in diesem Moment Christina per Flugzeugschlepp aus Nötsch auch zum Pass, sodass wir doch wieder als Team die letzten Kilometer nach Hause fliegen konnten.

Nach der Landung war ich mehr als glücklich den Heimweg ohne Motorhilfe geschafft zu haben, trotzdem hat das ganz schön Nerven gekostet, schließlich war es ja mein erster Alleinflug in den Alpen. Das Feierabendbier hatte ich mir mehr als verdient! Aber die anerkennenden Schulterklopfer der Trainer haben die ganzen Mühen wieder wett gemacht. Ich hatte mich durchgebissen und wieder bewiesen: ich bin nicht schnell, aber verdammt hartnäckig!
https://www.weglide.org/flight/373672
Dienstag 9. April
Sally schüttelt ein weiteres Mal ihre Trainerin ab
Auch an diesem Tag war die Wettervorhersage noch pessimistischer als zuvor, aber wie wir schon gelernt hatten, hat das nicht sonderlich viel zu bedeuten. Da es am Boden fast 30°C hatte (ich frage mich wirklich warum ich vier Sätze Thermounterwäsche eingepackt habe, aber keine kurze Hose), entschied ich mich für einen Flug im Shirt. Ich durfte wieder mit Christina zusammen fliegen und auch heute war der Einstieg am Begu sehr angenehm. Langsam bekam ich ein Gefühl für den Hang und war relativ schnell über dem Gipfel. Christina funkte vom Stol, dass dort ein kleines Wellchen steht und dieser heute „Ein Berg für Doofe sei“. Also sprang ich einen Berg weiter und meine Trainerin gabelte mich in gleicher Höhe auf. Ein ganz wunderbares Timing, denn tatsächlich stolperte ich in die erste Welle meines Lebens. Es ist unglaublich, wie ruhig es auf einmal ist, wenn man den Einstieg geschafft hat. Mit 2m/s ging es über dem Grat auf 2700m und ich war richtig richtig glücklich, ein tolles Erlebnis. Wir flogen weiter zu den Kogels, aber der Rotor spülte uns geschwind wieder nach unten. Am Kahlkogel, zupfte es am Variozeiger, jedoch war das Steigen nicht zentrierbar, aber wir waren zu tief, um sinnvoll weiterzufliegen. Glücklicherweise pinselte die nächste Gruppe wieder am Mount-Eisele die Thermik an und dort schafften wir es ohne große Mühen auf 2750m und flogen weiter.


Durch meine bessere Gleitzahl (der Discus bt WL ist halt auch ohne Wasser sackschwer) kam ich am nächsten Bart 200m über der LS1f an, ich bekam die Thermikblase ab, meine Trainerin fiel unten raus. Wir querten das Tal, aber die Höhendifferenz vergrößerte sich noch mehr, sodass ich am Dobratsch 500m höher ankam. Ich fand an der Westseite Steigen und konnte mich neben der Flanke nach oben kreisen (mein Hersbrucker Kumpel Amir, der gerade mit Vereinskollegen in Nötsch fliegt, pinselte mir diesen schön an). Ich sah, dass gerade die Gruppe DG1000 Elisabeth/Abi und Tamino nördlich des Dobratschs in meine Richtung flogen und fragte meine Trainerin, ob es ok sei, wenn ich mich bei diesem Team dranhängen würde. Ich bekam die Bestätigung und gab auf der Quasselfrequenz mein Vorhaben durch. Freundlicherweise wurde ich direkt in der Luft „adoptiert“. Diese flogen über die Gailtaler Alpen nach Westen und ich fädelte mich hinter den beiden Flugzeugen ein. Unser Guide fand eine tolle Linie nach Westen und es machte mir wieder großen Spaß am Hang (ich war ja schließlich nicht alleine). An einem Berg mit Plateau und Wand im Norden machten wir einige zähe Höhenmeter. Nach ein paar Runden waren wir über dem Plateauniveau und konnten uns näher an die Wand kuscheln. Als wir auf 2000m waren, wagte Tamino den Sprung ins Tal, um eine Wolke auszutesten. Blöderweise war diese sehr kurzlebig und löste sich kurz vor seiner Ankunft in Wohlgefallen auf. So blieb ihm nichts weiter übrig, als sich 400m niedriger wieder zu uns an den Berg zu gesellen. Wir parkten auf 2200m und warteten, bis er auf 200m aufgeschlossen hat und uns zum Weiterfliegen motivierte. Er wollte die restliche Höhendifferenz auf dem Heimweg am Hang sammeln, was ihm auf eindrucksvolle Weise auch gelang, denn wieder am Dobratsch angekommen, war er wieder auf unserem Höhenniveau. Hut ab!

Also ging es in 2100m wieder über das Tal zu meinem berüchtigten Wurzenpass. Aber heute hatte ich mehr Glück, denn die Luftmasse trug uns gut hinüber.
An dieser Stelle begann ich mächtig zu frieren, denn wie bereits erwähnt hatte ich blauäugig wie ich bin keinen Pulli an und die Abschirmung verhinderte weitere Sonneneinstrahlung. So entschied ich mich am Frauenkogel trotz meiner exorbitanten Höhe für den direkten Weg zurück zum Flugplatz. Die anderen heizten noch einmal die Appalachen hoch und runter, ich war mit der heutigen Strecke zufrieden.

Da am nächsten Tag die Front durchziehen sollte, wurde ein Pausentag für den Mittwoch geplant. Den Abend verbrachten wir bei den örtlichen Segelfliegern und nach dem ein oder anderen Getränk gab es die heiß ersehnte Weltpremiere (ich glaube es wurden insgesamt 9 Weltpremieren) vom Fahrwerkssong. Gegen 23 Uhr ging es zurück zum Hotel und als wir auf dem Zimmer waren und uns noch unterhielten, klopfte es auf einmal an der Tür. Wir dachten schon, es wäre jemand zum Beschweren, dass wir zu laut seien. Weit gefehlt! Es stand Ralf vor der Tür mit der Frage „Geht noch was?“. Ja, ging es! Bei einem Absacker wurde sich bis morgens um 3 Uhr über Windsysteme, Dittel-Geräte und Monsterspinnen unterhalten. Super witzig, klasse Typ der Ralf!
https://www.weglide.org/flight/373871
Mittwoch 10. April
Pausentag
Da der Wecker wie gewohnt um 0630 ins Zimmer marschierte, war die Nacht relativ kurz.
Zum Glück war das Wetter wirklich bescheiden und so wurde das alternative Tagesprogramm geplant. Einige wollten zu LZ um sich die neuste FES-Technologie anzuschauen, mich wollten meine Freunde aus Nötsch besuchen. Um die Mittagszeit kamen Amir, Niggo, Sebi, Thomas mit Steffi und Jasmin im Gepäck am Flugplatz an und wir freuten uns sehr über das Wiedersehen. Schnell wurde noch einmal der Avgas-Kanister nachgefüllt und wir begaben uns in die Flugplatzkneipe für einen kleinen Mittagssnack. Der Schokikuchen machte mich wieder halbwegs fit und wir quatschten uns zwei Stunden fest, es war herrlich! Da muss man erst nach Slowenien fahren, um die Freunde wieder zu sehen.

Als Nachmittagsprogramm wollten wir am See spazieren und hoch zur Burg Bled wandern. Nach zig Höhenmetern hatten wir diese auch endlich erreicht, aber blöderweise uns nicht vorher über die Eintrittspreise informiert. 17€ war uns dann doch zuviel, sodass wenigstens der Ausblick für ein Gruppenfoto genutzt wurde (Amir, der auf bestem Fränkisch auf norwegische Hockeymädels einredete, wir sind fast von der Mauer gekippt vor Lachen). Anschließend ging es noch in einen Biergarten, wo die herrlichen Gespräche und Rumblödeleien weitergeführt wurden. Danke für diesen tollen Nachmittag!
Donnerstag 11. April
Viel erhofft, wenig bekommen!
Nach der Front erwarteten wir eine neue Luftmasse, sodass wir hochmotiviert bereits früh die Flugzeuge ins Grid stellten. Allerdings war der Tag wirklich zäh! Die paar, die als Schnupperer gestartet waren, hielten sich mit Mühe und Not irgendwie am Hang und das DG1000 Team setzte eine Wette mit Walter ob es ging oder nicht. Heldenhaft haben diese sich mehrere Stunden am Hausberg festgebissen. Derweil warteten wir weiterhin am Boden und packten uns auf eine Picknikdecke in die Sonne. Nach einigen Stunden war uns das auch zu langweilig, sodass wir zum Kuchenessen übergingen.

Das Wetter wollte sich lokal immernoch nicht entwickeln, aber am Triglav standen ein paar Wölkchen.

Ralf und Beate starteten als erste per Eigenstart und wir verfolgten gespannt deren Flug auf OGN. Irgendwie ging es dort und dann wollte auch das nächste Duo per Eigenstart die dortigen Berge ausprobieren. Jürgen und Margit knatterten hinterher und berichteten Abends von einer netten Sightseeingtour am Triglav. Wir un(ter)motorisierten nutzen den warmen Nachmittag für ein ausgiebiges Wellnessprogramm der Flugzeuge. Spocky war wieder blitzeblank eingewachst und endlich konnte ich wieder etwas durch meine Haube erkennen.

Freitag 12. April
Ein Flug mit allen vorstellbaren Gefühlslagen
Ich war mir sicher: heute würde es wieder klappen! Zwar hatte sich die Wettervorhersage nicht sonderlich geändert, aber ich war so fluggeil, das musste doch Flugwetter werden (abgesehen davon, freute ich mich, wieder mit meinem Lieblingstrainer zu fliegen. Ob er das auch so sah, bleibt ein Rätsel). Erschwerend kam dazu, dass eine Gleitschirmmeisterschaft am nächstgelegenen Berg stattfand und mit, ich sage mal, Flugeinschränkungen zu rechnen sei. Also war der Plan: schnell hoch und schnell weg, bevor die Teebeutel-Front aufziehen würde. Tja, das war leichter gesagt als getan.

Ich wurde wieder an den Begu geschleppt, aber nach ein zwei vergeblichen Runden, wollte ich mein Glück am Stol versuchen. Dort sammelte mich auch mein Trainer auf, aber auch im Team ging es nicht wirklich aufwärts, eher hatten wir merkliche Mühe die Höhe überhaupt zu halten. Da uns nun auch die Gleitschirme (die mal mehr mal weniger gut sichtbar und mit Flarm ausgestattet waren) entgegenkamen, entschieden wir uns das Weite zu suchen. Jürgen hatte mehr Glück am Begu als ich und ich entschied mich für den sicheren Rückweg, da mir die Höhe schwand und ich mich mit meiner mangelnden Erfahrung nicht zu weit und zu tief ins Gelände manövrieren wollte. Also flog ich zurück ins Tal und warf den Turbo an, der auch direkt lief (hatte ich ja inzwischen genug geübt). Leider war mir der Weg zum Hausberg abgeschnitten, da mir die Gleitschirm-Polonaise den Weg abschnitt und mir blieb nichts anderes übrig, als mich kreisend am einzigen Eckchen, an dem es nicht exorbitant sank, nach oben zu brummen, was leider zu Missverständnissen mit den anderen Piloten führte, die dachten ich hätte Thermik gefunden. Jürgen flog zum Kahlkogel weiter und als ich 1800m erreicht hatte, fuhr ich den Motor ein und nutzte ein freies Fenster, um ihm zu folgen. Es kam wie es kommen musste: der Offene-Klasse-Flieger kam über dem Gipfel unter einer Wolke an und kreiste ein, ich verballerte auf dem Weg dahin wichtige Höhe und kam 400m tiefer an. Nachdem ich den Hang abgesucht hatte, wollte ich meinen Trainer nicht länger warten lassen und entschied mich ein zweites Mal dafür, den Motor anzuwerfen. Einige Minuten und Begegnungen mit den berühmten Bremsklappen später, waren wir wieder gleichauf und setzten unsere Reise nach Westen fort. Am Mittagskogel gab es dann endlich ordentliche Thermik und 2 Meter Steigen brachten uns in 2500m. Inzwischen hatte sich Margit mit der DG800 auf unserer Frequenz eingefunden und berichtete, dass ihr Teamkompanion aufgrund von Motorlosigkeit wieder in Lesce landen musste. Wir wollten uns gemeinsam am Dobratsch treffen und den restlichen Tag zusammen fliegen. Klang prinzipiell nach einer guten Idee, allerdings ist es doch ein wenig problematisch als Clubklasseflugzeug mit einer offenen Klasse und einer 18m Klasse mitzuhalten. Da nahm das Unglück seinen Lauf. Die beiden großen Flugzeuge kamen am Dobratsch über dem Gipfel an und kreisten unter der dort stehenden Wolke ein, ich war 200m tiefer (Discus 1:41, DG800 1:50, ASH31 1:56…ich bin winzig).

Während also die beiden gutes Steigen fanden, fand ich nichts wirklich Erwähnenswertes. Da ich den guten Amir in seiner ASW19 „TT“ traf, entschied ich mich ihm zum nächsten Berg zu folgen. Wir hatten die gleiche Höhe und ich hoffte, dass er einen Plan hätte. Weit gefehlt! Unter der nächsten Wolke konnten wir uns in einem Talkessel auch nur mehr schlecht als recht halten und mussten interessante Manöver fliegen, um uns und dem Berg auszuweichen. Meine Teamkameraden flogen zur nächsten Wolke weiter und ich hoffte dort endlich die Möglichkeit zu bekommen Anschluss zu finden (In der Zwischenzeit hatte ich 600m Höhenunterschied zu den beiden und war auf 1600m gesunken). Gleiches Spiel wie eben, oben fanden beide ordentliches Steigen direkt unter der Wolke, ich fiel unten aus der Thermikblase heraus. Was dann folgte war ein psychologisches Drama. Ich hatte das Gefühl „Ballast“ zu sein und beide auszubremsen (was ich ja zugegebenermaßen irgendwie auch tat) und steigerte mich irgendwie in diesen Gedanken hinein. Ich war fertig mit der Welt und meine Konzentration sank, was sich nicht gerade positiv an meine Effizienz auswirkte. Aber ich wollte die beiden nun mal wirklich nicht aufhalten und versicherte im Funk, dass es vollkommen ok für mich sei, wenn sie ohne mich weiterfliegen würden, ich könnte mich ja irgendwie nach Hause kämpfen. Beide versicherten mir, dass sie warten würden und so wagte ich mich zum nächsten Berg (Spitzegel) in der Hoffnung, dass mir dieser ein wenig Steigen bringen würde. Tatsächlich ging es das erste Mal nicht runter, sondern nach oben, wenn auch kaum merklich. Die beiden Großen hatten gewendet und flogen wieder in meine Richtung, während ich mich langsam aber stetig nach oben achterte. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich wieder in einer Höhe, in der ich das Steigen unter der Wolke im Kreis mitnehmen konnte und endlich stieg ich mit einem unglaublichen Meter (yay!). Zwischen dem Sprung über das Gailtal in dem wir uns verloren hatten, bis zu dem Moment, als wir wieder gleichauf waren sind 40 Minuten vergangen und ich war ziemlich abgekämpft. An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an Margit und Jürgen, dass ihr auf mich gewartet habt.
Wir hatten von den Gailtaler Alpen erst einmal genug und beschlossen über das Tal zu springen und unser Glück über den Karnischen Alpen zu suchen.


Hinter der Italienischen Grenze, fanden wir den (zumindest für mich) Bart des Tages mit fast 3m/s, der uns auf 3000m katapultierte. Endlich macht der teure Einbau der Sauerstofflaschenhalterung Sinn! Mit der Kanüle in der Nase genoss ich meinen ersten Ausflug über die 3000m Grenze und wir setzten die Reise nach Süden fort.

Jürgen versprach uns nun eine schöne Sightseeingtour, die wir auch bekamen. Wir sprangen von Wolke zu Wolke und da nun die Gleitentfernungen nicht mehr ganz so groß waren, musste Jürgen auch nicht allzu häufig die Klappen ziehen, was er aber bereitwillig tat, da nun keine Berge mehr im Weg waren. Bei größeren Gleitstrecken wurde immer nach meiner Höhe gefragt, um sicher zu gehen, dass ich mit dem schwächeren Flugzeug einen noch sicheren Handlungsspielraum behielt. Erst nach einer langen Gleitstrecke (ich genoss die Aussicht sehr) kam ich im Gegensatz zu meinen Begleitern am Mangart unter Hanghöhe an. Nach zwei Suchkreisen flog ich zur nächsten Wolke und fand dort gute 2m/s, wodurch ich bald wieder auf gleicher Höhe war. Leider waren wir wieder im tieferen Luftraum, sodass wir trotz der tollen Steigwerte den Weg nach Hause fortsetzen mussten. Zurück am Mittagskogel machten wir noch einmal 200m und es ging weiter nach Osten. Der Plan war noch einmal die Appalachen entlangzudüsen. Leider mögen mich diese anscheinend nicht, sodass es kein Steigen mehr am Hang gab. Ich bog zeitig ab, um sicher links um den Dob herum zu kommen, da ich die Gleitwege im hügeligen Gelände noch nicht so gut einschätzen kann und ich bei diesem Flug erstmal genug Action hatte. Jürgen verlängerte noch ein Stück nach Osten und Margit umflog den Dob auf der anderen Seite.

Nach der Landung war ich vollkommen fertig und happy zugleich. Mir stand mal wieder mein Kopf im Weg, umso froher bin ich, dass meine beiden Mitflieger mich wieder aufgefangen und eingesammelt haben, sonst wäre mir wohl einer der schönsten Flüge meines Fliegerlebens entgangen. Ich hätte es beiden wirklich nicht verübelt (wirklich nicht!) wenn sie ohne mich weitergeflogen wären, umso mehr freut es mich dass sie mich nicht im Stich gelassen haben.
https://www.weglide.org/flight/374719

Samstag 13. April
Von Sauerstoffschläuchen und Schneegrenzen
Der letzte Flugtag des Lehrgangs stand an. Einige waren bereits abgereist und ich nutzte die Zeit bis zum Briefing, um wenigstens ein bisschen Klarschiff im Anhänger zu machen. Auch an diesem Tag durfte ich wieder mit Jürgen fliegen und ich freute mich auf den abschließenden Flug.

Der Schleppbetrieb lief wirklich schleppend (höhö) und so musste mein Trainer 40 Minuten in der Luft totschlagen, bis ich auch endlich an der Reihe war.

Als ich endlich die Haube schloss, bemerkte ich, dass diese noch schwergängiger war als sonst. Allerdings hatten wir am Boden 30°C, sodass ich das auf die Wärmeausdehnung schob. Immerhin war an diesem Tag der Einstieg am Berg um einiges einfacher und innerhalb weniger Runden, war ich über dem Begu Gipfel, wo man mich auch direkt aufsammelte. Dieses Mal wollten wir zuerst in die Appalachen, die mich auch an diesem Tag nicht mochten, sodass ich nach einem Hin-und-her nur Höhe verbraten hatte und sogar einen kleinen Umweg in Kauf nehmen musste, da der direkte Weg am Hang durch ein Plateau für mich nicht mehr machbar war. Zum Glück zog auch auf dem Rückweg der Begu wieder zuverlässig. Unterwegs fiel mir auf, dass es in meinem Cockpit um einiges lauter war als sonst. Ich versuchte die Quelle auszumachen und gleich darauf wurde mir auch klar, weshalb meine Haube so schlecht schloss: der verdammte Sauerstoffschlauch war eingeklemmt! Alles ziehen half nichts und ich wollte nicht unbedingt die Haube öffnen. Also wurde die Problemlösung auf später vertagt, so hoch wird es ja sicher nicht gehen, dass ich Sauerstoff brauchen würde.
Am Stol-West war der Offene-Klasse-Flieger mal wieder 120m über mir.

Er kreiste unter der Wolke, ich achterte mich nach oben. Aber ausnahmsweise ging es tatsächlich mit 1,5m/s am Hang, sodass mein Trainer nicht übermäßig lange auf mich warten musste (auch an dieser Stelle viele Grüße an Jürgens Bremsklappen). In 2500m flogen wir weiter über den Grat und auch heute zog der Mount-Eisele mit 2m/s (bester Berg! Der Name ist Programm!). Heute ersparte mir Jürgen freundlicherweise den Dobratsch und weiter ging es über die Karnischen Alpen nach Westen.
Allerdings befanden wir uns trotz der „frühen“ Uhrzeit von 14 Uhr bereits auf 2800m Höhe, also musste eine Lösung für mein Sauerstoffproblem her. Selbstverständlich gab ich mir nicht die Blöße und teilte meinem Trainer mein Dilemma mit…nein…ich improvisierte auf Sally Art! Klar war, dass sich der Schlauch keinen Millimeter aus dem Haubenrahmen bewegte, also musste ich diesen irgendwie kappen. Mir fiel ein, dass ich mein Tapetaschenmesser noch in der Seitentasche und aus reiner Faulheit nicht zurück in den Anhänger gepackt hatte (das wohnt ab sofort im Flugzeug!). Ich fingerte in der linken Seitentasche und konnte es ganz hinten ertasten. Blöderweise war es so weit hinten, dass ich nicht richtig greifen konnte. Also musste ich irgendwas finden, mit dem ich es nach vorne friemeln konnte. Ich muss erwähnen, dass dies alles stattfand, während ich irgendwie versuchte dieser ASH31 hinterherzufliegen. Ich schaute in der rechten Seitentasche und fand einen Kugelschreiber. Alles klar! Mithilfe des Kugelschreibers popelte ich das Taschenmesser soweit nach vorn, dass ich es mit Verrenkungen, die bei normalen Menschen einen Bandscheibenvorfall hervorgerufen hätten, greifen konnte. Das war schonmal geschafft. Schnell war der Schlauch gekappt und das erste Hindernis zum Sauerstofferhalt beseitigt. Jetzt galt nur noch irgendwie das Problem zu lösen, wie der Sauerstoff mit diesem Schlauch irgendwie den Weg in meinen Atmungsapparat finden könnte. Ich probierte es direkt im Mund, aber das war suboptimal, da der Unterdruck nur in kleinen Sauerstoffstößen regelt, eigentlich ist es ja für eine Nasenkanüle gedacht. Aber zum Glück bin ich im richtigen Leben auch Druckmesstante und weiß, dass alles mit Dichtungen steht und fällt. Also fischte ich aus meiner Seitentasche mein Taschentuchpäckchen (Zum Glück bin ich ein Cockpitmessi und habe immer alles Mögliche dabei), rupfte mir ein Ende ab umwickelte den Schlauch und steckte die Konstruktion ins Nasenloch. Es war echt unbequem, sah unvorstellbar dämlich aus, aber erfüllte auf eine semigeile Art und Weise seinen Zweck. Ich betone nochmal, dass das Ganze stattfand, während ich meinem Trainer hinterherflog, der langsam ein wenig ungehalten wurde, weil ich offensichtlich so unkonzentriert hinterhereierte. Alles klar, das Problem war erst einmal gelöst. Gerade rechtzeitig, denn südlich von Nötsch ging es schon auf 2900m und wir sprangen im oberen Höhenband von Wolke zu Wolke auf der Suche nach tragenden Linien an der Schneegrenze, welche gar nicht so einfach zu finden sind, wenn man halt einfach nicht senkrecht nach unten schauen kann. Ich habe sehr oft den freundlichen Hinweis im Funk bekommen, dass sich DA nicht die Schneegrenze befindet.



Zu Beginn des Lesachtals wechselten wir die Seiten und sprangen auf die Bergkette im Norden. Dort knackten wir auch die 3000m Grenze und ich steckte mir erneut meine Schlauchkonstruktion in die Nase. Ich musste mich halb intubieren, da das Ganze sich immer wieder selbstständig machte. Hätte ich noch Tape in der Seitentasche gehabt, hätte ich es mir wohl festgeklebt. Jürgen merkte an, dass das Lesachtal unlandbar sei, auch wenn es nicht so aussieht. Gut zu wissen!


Mit Blick auf den Großglockner wendeten wir im Pustertal und bogen auf die gleiche Route wie beim Hinweg. Kurze Zeit später erreichten wir unsere höchste Höhe des Tages: 3300m…irre! Nachdem wir auch das Lesachtal wieder gequert hatten ging es in die Karnischen Alpen, wo wir wieder von Wolke zu Wolke sprangen. Freundlicherweise fragte ein Trainer bei größeren Sprüngen immer nach meiner Höhe und machte mit mir Ausweichkurven, wenn es doch etwas knapper werden könnte. Nach einem vergeblichen Suchen über unlandbarem Gelände (ich war mal wieder 200m unter der 31) flog Jürgen schon mal vor, um uns ein wenig Steigen zu suchen, um unsere Reise fortzusetzen und peilte einen Fetzen an. Ich flog hinterher und fand ein gutes Stück hinter ihm solide 2m/s. Das „Prima“ im Funk machte jede Schimpfe zuvor (als Ausrede habe ich nach wie vor meine Schlaucheskalation) wieder wett. Kurz vor Nötsch ging es noch ein letztes Mal auf über 3000m (in der Zwischenzeit hatte ich schon das Nasenloch gewechselt, da es doch maximal unbequem zu tragen war). Auf dem Heimweg ging es noch ein letztes Mal über die Karawanken zu den Appalachen, die auch dieses Mal anscheinend entschieden etwas gegen mich hatten. So musste ich wieder den Schleichweg östlich vom Dob nehmen, um sicher in Lesce anzukommen.
https://www.weglide.org/flight/375358

Das war also der AMF Gebirgsfluglehrgang 2024 in Slowenien. Was eher mit einer Schnapsidee begonnen hat, entwickelte sich zu einem großen Abenteuer mit neuen Herausforderungen und einem Katapultstart hinaus aus meiner Komfortzone mit vielen neuen Eindrücken und vor allem tollen Menschen.
Ein großer Dank geht raus an:
- Den AMF für die tolle Unterstützung des Frauensegelflugs
- The one and only Walter Eisele, der das alles wieder grandios und charmant gemanaged hat
- Alle Helfer für die reibungslosen Abläufe am Boden
- Den ALC Lesce
- Natürlich auch an Jürgen, der mich schon wieder tapfer in der Luft ertragen hat und mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht
- Rainer für die Vorflugknuddler, der mich auch immer unterstützt und aufbaut
- Ralf für die Spinnensichtung
- Captain Veit fürs Soweit-coachen-dass-ich-überlebe
- Den LSG Hersbruck und vor allem der Mona für die Übernachtungsmöglichkeit
- Tamino für den technischen Support
- Familie Engelhardt für die Bereitstellung des Sauerstoffequipments
- Und natürlich allen anderen die ich leider hier vergessen habe
Ich freue mich euch alle spätestens auf dem Klippeneck wieder zu sehen.
Und den Alpen verspreche ich, dass ich wiederkommen werde!
spannende Erzählung ! Erinnert mich an meine ersten Flüge im Gebirge. Waren fast die schönesten weil alles so neu war. Dir merkt man ja die Begeisterung auch richtig an.
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Vielen Dank für das tolle Feedback 🙂
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