Das Jubiläums Hexentreffen fand in Siegen statt. Ausrichter war der SFC Betzdorf-Kirchen und das Team um Ingrid Blecher, Conny Theis und Simone Ermert vom SFC Betzdorf-Kirchen und Anette Weidler vom Luftsportverband Rheinland-Pfalz haben ein ganz tolles Hexentreffen organisiert. Vielen Dank dafür!
Es war gar nicht so einfach nach Siegen zu kommen. Plan A durchkreuzte die Deutsche Bahn bereits zu Beginn der Woche (früher hatten Züge nur Verspätung, heute fallen sie Tage vorher schon ganz aus), sodass Plan B her musste. Zum Glück hatte ich am Freitagmorgen am Bahnhof Königs Wusterhausen eine Eingebung und checkte die Verbindung. Tja, auch diese Verbindung gab es nicht mehr, sodass Plan C ausgetüftelt werden musste. Am Bahnhof Südkreuz hatte der ICE nach Frankfurt am Main (muss ich ja als Flug-Ossi dazu schreiben, welches Frankfurt gemeint ist) bereits 20 Minuten Verspätung, bevor er überhaupt losgefahren ist und das machte mir nicht gerade Mut, irgendwann anzukommen.
Zum Glück boten mir die Fliegerfreundinnen an, mich im Notfall im FFM aufzugabeln und mit nach Siegen zu nehmen. Aber dieses Mal hatte ich mehr Glück und erwischte dank eleganter Humpel-Renn-Einlage den Anschluss RE nach Siegen. Dort stieg auch bald die Betty hinzu, die ich bis dato nur vom Schreiben kannte und wir verstanden uns auf Anhieb und tauschten Fliegergeschichten aus. Die Motor-Segelflug-Völkerverständigung funktionierte einwandfrei.

Kurz nach der Ankunft folgte die BAFF-Sitzung, wo viele interessante Aktionen besprochen wurden. Unter anderem technische Lehrgänge für Frauen und Fliegerlager mit organisierter Kinderbetreuung. Leider hören viele Mütter (und auch Väter) mit dem Fliegen auf, wenn der Nachwuchs da ist, da sich keine adäquate Betreuung auf dem Flugplatz findet. Ich bin auf die Resonanz gespannt und ob das Projekt ein Vorbild sein kann, wie man Familie und Fliegerei künftig unter einen Hut bringen kann.
Im Anschluss folgte die Nachtwächter-Stadtführung, zu der Beate und ich erst einmal zu spät kamen, da wir vor der falschen Kirche als Treffpunkt standen. Naja, fast hätten wir uns dort heimlich unter die Orchesterprobe gemischt, aber zum Glück konnte man uns mit dem Hinweis der richtigen Kirche weiterhelfen.
Die Führung selbst war sehr interessant, wenn man auch irgendwann ziemlich verfroren war.
Unser Nachtwächter erzählte die interessante Geschichte von Siegen mit unterhaltsamen Anekdoten. Gudrun wurde kurzerhand zur „Hellen-Leuchte“ befördert und Anna und meine Wenigkeit als „Zankweiber“ in den mobilen Pranger gesteckt…ganz zur Erheiterung der Anwesenden.

Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es dann am Samstag in die Siegerlandhalle, die praktischerweise fußläufig zu erreichen war.
Nach Eröffnungsworten des Siegener Bürgermeisters Tristan Vitt (der sogleich zu einem Flug eingeladen wurde, wie mir berichtet wurde), wurden auch in diesem Jahr großartige Frauen der Fliegerei geehrt.

DAeC Präsident Claus Cordes ehrte zusammen mit VDP-Präsidentin Heike Käferle die legendäre Pilotin (anders kann ich es nicht ausdrücken) Ingrid Blecher, die mehrere Rekorde aufgestellt hatte. Von Volker Engelmann (Präsident Aeroclub NRW) wurde sie auch mit der goldenen Ehrenplakette ausgezeichnet.
Ingrid Hopman wurde mit der goldenen Hexe geehrt – der Auszeichnung des DAeC für außerordentliche Verdienste für die Frauenförderung, die die damalige Vizepräsidentin Isolde Wördehoff 1997 ins Leben gerufen hatte.
Guadalupe Gozalo Aguete bekam für ihre Leistungen im Frauenluftsport den Agathe Gerdes Preis des Aeroclub NRW.
Bald darauf begannen auch die interessanten Vorträge.
- Zuerst berichtete Sybille Krummacher aus der Arbeit des BAFF
- Paula Winterstein erzählte aus ihren Erfahrungen als Gastfluglehrerin in Australien und den dazugehörigen Herausforderungen und Eindrücken. Da bekommt man doch Lust dem kalten deutschen Winter zu entfliehen.
- Die beiden Akaflieg-Frauen Emily Eberhardt und Michelle Gotfried erklärten ihre Aufgabe in der Flugleistungsvermessung der Idaflieg als erster weiblichen Messverband.
- Axel Schumacher stellte Strategien zur Verringerung des Außenlanderisikos bei Streckenflügen vor.
- Tino Janke referierte darüber, wie wichtig Checklisten in der Fliegerei sind.
- Als Abschluss-Highlight sprach Rosi Ulrich auf sehr unterhaltsame Weise die Problematik für Frauen beim kleinen Geschäft im Flugzeug an. Das ist leider ein sehr unterschätztes Thema, womit man sich als Streckenfliegerin früher oder später wirklich auseinandersetzen muss.
Nach den interessanten Vorträgen folgte die interne Sitzung des AMF. Hier wurde die Förder-LS8 neu vergeben und über die zukünftigen Pläne diskutiert. Auch in diesem Jahr gibt es wieder zwei Lehrgänge in Slowenien Lesce-Bled, sowie Neresheim, an denen ich natürlich sehr gerne wieder teilnehmen werde.

Im Anschluss gab es ein sehr leckeres Abendessen und der Abend wurde in geselliger Runde und auf der Tanzfläche (ich mehr oder weniger einbeinig wegen meines kaputten Sprunggelenks. Hat wohl ziemlich witzig ausgesehen, aber ich hatte wieder ganz großen Spaß) ausgeklungen.

Es war wieder ein tolles und inspirierendes Hexentreffen, mit alten und neuen Freunden, viel neuem Wissen und ganz wunderbaren Ideen. Wenn man so in die Runde schaut, macht es mich sehr stolz inmitten dieser tollen Frauen und Teil der Gemeinschaft zu sein.
Freundschaften, die über Jahrzehnte Bestand haben und ich hoffe, dass meine Mädels und ich auch in 20 Jahren gemeinsam durch die Gegend ziehen und gemeinsam Abenteuer erleben.
Das nächste Hexentreffen 2027 findet (ganz zu meiner Freude) in Dessau statt.
