Es war endlich wieder soweit! Nachdem ich seit Wochen meinem Umfeld mit meiner Vorfreude auf den Keks ging, begann die neue Flugsaison mit dem ersten Highlight im Gebirge.
Am Freitag den 4. April ging es auch schon um 5 Uhr in der Frühe los. Da wir den Anhänger wieder bei Janki parken durften (danke dafür), sparten wir uns eine gute Stunde Fahrt und kamen auf dem Weg nach Süden ohne größere Verkehrseinschränkungen gut durch. Da dieses Mal Steffen mitkam, konnten wir uns mit dem Fahren abwechseln und fuhren die fast 1000km durch. Gegen 16:30 Uhr rollten wir bei bestem Wetter auf den Flugplatz Lesce. Die ersten Einweisungsflüge wurden bereits auf dem Janus und dem Duo Discus BW1 durchgeführt und hoch motiviert, rüsteten wir noch Spocky auf.


Samstag 5. April – Das Querruder ist kein Kuhschwanz!
Aber erst einmal blieb Spocky am Boden, denn ich wollte den freien Doppelsitzerplatz in der BW1 bei Abi nutzen, um meine Fähigkeiten im Gebirge mit Trainer aufzufrischen, bevor es in den Einsitzer gehen sollte. Die Trainingsleitung hat Tamino unserer Gruppe zugewiesen, der sich schon waaaaahnsinnig auf die zwei Saarländer im Funk freute.
Das Wetter prognostizierte Wind aus Norden, sodass wir uns wohl mit Leebärten aus dem Tal kämpfen mussten.



Und los ging es! Der Flugzeugschlepp an den Hang lief gut und wir kuppelten in 1400m MSL am Stol Ost aus. Leider ging die Flanke nicht sonderlich gut, sodass wir uns über dem kleinen Hügel erst einmal ausgraben mussten. Da es durch die Leethermik sehr ruppig war und ich mich erst einmal wieder mit den Bergen anfreunden musste, übernahm Abi freundlicherweise das Auskurbeln des Bartes, sodass ich die ersten Eindrücke in Ruhe verarbeiten konnte. Nachdem Abi uns in 2100m gekämpft hatte sprangen wir an die Westseite des Berges, wo ich das Steuer übernahm und uns mit 2700m auf eine gute Ausgangshöhe kurbelte, um den Sprung zum nächsten Berg sicher wagen zu können. So hüpften wir auf der bekannten Route von Berg zu Berg und am Wuzernpass wagten wir den Sprung zu meinem „Lieblingsberg“ dem Dobratsch nach Norden. Dort erkurbelten wir uns mit einer etwas fragwürdigen Route nochmal ein wenig Höhe, um auf die nördliche Bergkette des Gailtals zu springen. Leider war nach wie vor die Thermik durch die Leeeinwirkung sehr ruppig und schwer zu zentrieren. Da ich relativ selten Duo fliege und eher den agilen Discus gewöhnt bin, ist meine Ruderführung entsprechend. Ich korrigiere zu sehr das Querruder und stütze zu wenig mit dem Seitenruder. Dies führte zu so manchen Rüffel seitens meines Trainers. Es schallte regelmäßig von hinten „jetzt lass doch mal locker“ oder auch die legendäre Aussage „Das Querruder ist kein Kuhschwanz!“, worauf Abi von hinten demonstrativ mit dem Knüppel wackelte. Letztere Aussage ist übrigens seitdem ein Running Gag bei uns. Das Problem im Duo habe ich übrigens auch bei anderen Trainern. Ich habe so manche von hinten gefilmte Videos von Veit bekommen, die zeigen wie oft ich im Querruder korrigiere, was aber gar nicht nötig ist und nur unnötig Energie (sowohl Flugzeug-, als auch Sally-Energie) kostete.

So kämpften wir uns nach Westen und trafen unterwegs die anderen Gruppen, die Ahnliches geplant hatten. Das Wetter blieb weiterhin schwierig. Wenn man den Bart zufällig gut getroffen hatte, ging es sensationell nach oben, im Randbereich schüttelte es einen herrlich durch und spülte einen im Sinken regelrecht vom Himmel. Zum Glück war die Basis relativ hoch, sodass wir immer sicher über die Bergspitzen kamen und kurz hinter dem Gailbergsattel (wo der Blick nach Norden ins Drautal Richtung Lienz geht) erreichten wir die bisher höchste Höhe in einem Segelflugzeug für mich. 3500m MSL. Wir flogen noch ein Stück nach Westen und wendeten südlich vom Spitzkofel, dann ging es wieder in den Osten. In der Zwischenzeit hatte sich Susanne mit dem Arcus unserer Gruppe angeschlossen. Zuerst flogen wir die gleiche Route ein kleines Stück zurück, bis wir am Gailbergsattel auf die südliche Bergkette des Gailtales sprangen. Dort hatten sich in der Zwischenzeit ein paar Wölkchen gebildet, welche wir auf dem Heimweg nutzen wollten. Die Idee funktionierte ganz ausgezeichnet, denn wir fanden an der nördlichen Gräte einen Bart, der uns wieder auf entspannte 3300m MSL brachte. Abi lotste mich auf eine tolle Linie, sodass wir ohne Höhenverlust einige Kilometer gut machten.

Südöstlich von Nötsch schafften wir es noch einmal auf 3500m MSL, die wir eigentlich gar nicht gebraucht hätten (aber 3m/s lässt man ja nicht einfach so stehen). So bogen wir noch einmal ein Stück nach Westen ab, um die Höhe abzugleiten und wieder in „unser“ Tal hineinzugleiten. Vom Nordwind motiviert, war Abi gar nicht mehr zu bremsen und wollte mit mir noch einmal einen Ausflug zum Triglav machen. Also erarbeiteten wir uns unterwegs noch einmal 600 Höhenmeter und bogen Richtung Triglav Nationalpark nach Süden ab. Ich entschied mich für die Schlucht, die etwas breiter war. Da dies mein erster Flug im Gebirge seit einem Jahr war, war mir die enge östlichere Nachbarschlucht noch ein wenig zu suspekt. So flogen wir noch ein paar Runden an der Nordflanke des Triglav, da wir aber nicht höher kamen, entschieden wir uns doch irgendwann für den Heimflug. Was für ein toller und interessanter erster Flugtag!

https://www.weglide.org/flight/539247
Sonntag 6. April – Zuviel Wind, ab nach Nötsch, um Freunde zu besuchen
Die Überschrift sagt schon eigentlich alles. Es war ziemlich starker Nordwind angesagt, der zu heftigen Turbulenzen in unserem Tal führen sollte (waren wir doch im Lee der Karawanken). Nachdem die Trainer sich beratschlagt hatten, wurde der Tag für einsitzige Trainingsflüge gecancelt.
Die Profis flogen trotzdem und wir entschieden uns für einen Ausflug nach Nötsch, um die restlichen Hersbrucker (Sebi hatten wir ja inzwischen erfolgreich in den AMF adoptiert) dort zu besuchen. In Nötsch selbst starteten die meisten aufgrund des starken Nordwindes auch nicht. Ein erfahrener Local verkalkulierte sich und landete kurz nach dem Schlepp 30km vom Platz entfernt. Nein, sowas brauchte ich wirklich nicht und ich freute mich darauf meine Freunde wieder zu sehen. Sebi machte uns mit grandiosen Burgern glücklich und so wurde dieser freie Flugtag doch noch optimal genutzt.

Montag 7. April – Übung macht den Meister
Der Wind hatte etwas nachgelassen und wir wollten es wieder probieren. Allerdings hatte er nur nachgelassen, kam aber noch immer als ordentliches Lüftchen aus Norden, sodass wir wieder mit ruppigen Leebärten zu rechnen hatten.
An diesem Tag wollte ich es einsitzig im Discus probieren und durfte mit dem Reiselfinger-Duo-Team Rainer und Sabine und Silvia fliegen.



Ich kuppelte westlich des Dobs aus und warf erst einmal den Turbo an, damit dieser nach der langen Autofahrt ordentlich durchgespült wird und damit erfahrungsgemäß beim nächsten Mal besser anspringen würde (was sich bald später als richtige Entscheidung herausstellen sollte). Ich sah ein paar andere Segler tief an der Südseite des Stols kreisen und sah im LX, dass das Steigen eher mau war. Um mir das tiefe Rumkrebsen zu vermeiden knatterte ich mit meinem Turbo an ihnen vorbei und stieg oben in den Bart ein (was mir Jasmin immer noch vorhält, das wäre ja gemogelt!). In 1800m fuhr ich den höchst praktischen Motor ein und achterte mich am Stol-Ost nach oben. Das erste Mal wieder einsitzig am Hang fliegen funktioniere erstaunlich gut und ich fühlte mich auch sicher. Der Duo war in der Zwischenzeit schon nach Westen vorgeflogen und nachdem ich mich auf 2500m MSL gekämpft hatte, wollte ich die beiden wieder einholen. Ich fand eine halbwegs gute Linie Richtung Frauenkogel (der inzwischen auch einen anderen Namen bei uns hat, den ich allerdings aus Altersfreigabegründen an dieser Stelle nicht weiter ausführe).

Am Mittagskogel sammelte mich mein Team ein und es ging ein Stück weiter nach Westen. Allerdings verloren wir ziemlich an Höhe, sodass wir zur Querrippe ins Tal flogen, um dort einen von der Sonne ausgelösten Bart zu erwischen. Da machte ich einen großen Fehler. Ich wählte eine sehr schlechte Route (im Nachhinein betrachtet macht das Sinken dort Sinn, nur für mich als Flachlandpilotin ist es noch schwer im Flug die Zusammenhänge im Gebirge zu erkennen), sodass ich 200m unter dem Duo einkreiste. Tja, wo dieser noch stieg, sank ich und auf der Suche nach einem brauchbaren Steigen auf meiner Höhe verbastelte ich mich komplett. So knapp über die Kanten wollte ich nicht fliegen und ich warf im Tal meinen Motor an und bog nach Osten ab. Dies brachte mir bei Debriefing Abends einen berechtigten liebevollen Anschiss ein: Rainer sagte mir ich solle den Motor in Richtung Westen des Tals anwerfen, aus irgendeinem mir nicht mehr nachvollziehbaren Grund bog ich nach Osten ab. Die konstruktive Kritik seitens des Trainers war mehr als angebracht, befanden sich die landbaren Felder, falls der Motor nicht käme, westlich von uns. Ist ja zum Glück alles noch einmal gut gegangen und das würde mir nicht mehr passieren, meine Lektion hatte ich gelernt. Aber nun wieder zurück zum eigentlichen Flug. Mithilfe der Kraft der zwei Kerzen wurschtelte ich mich wieder nach oben und wir flogen noch ein Stück weiter nach Westen zum Wurzenpass.

Da aber leider die Uhrzeit schon ziemlich vorangeschritten war und die Abschirmung uns eingeholt hatte, traten wir den Heimweg an. Der Weg zurück nach Lesce war unkritisch und als wir wieder zu Hause angekommen waren, entschied ich noch ein wenig am leeren Stol Hangflug zu üben. Dieser trug nämlich auch am Abend ganz gut und ich wollte meine Fähigkeiten in aller Ruhe verbessern. Morgens war doch immer ein wenig mehr los. Ich flog noch eine gute halbe Stunde hin und her, übte das Wenden und tastete mich an den Berg. Ich hatte noch einmal richtig viel Spaß und nach einem Ausflug in die Appalachen (die mich mal wieder auskotzten) ging ich auch zur Landung.
https://www.weglide.org/flight/541656
8. April – Mehr Tal als Berg
Die Vorhersage war etwas pessimistischer als am Tag zuvor. Es sollte ein relativ kleines Wetterfenster geben, bis die Wolken überentwickeln sollten (sagt der Temp…der Temp…die EKG-Linien…der Endgegner). Die Gruppen wurden neu gemischt und das Puppenkommando aka Jasmin und meine Wenigkeit durften zusammen mit Veit fliegen. Nach dem gemütlichen Briefing bei Kaffee und heißer Schokolade ging es bald los!

Lokal sah es am Platz gar nicht schlecht soooo aus, es standen hohe Wolken über dem Tal und auch der Schlepp ging eher unter diese Wolken, als an den Berg. Ich kuppelte in 1200m MSL (ca. 700m über Grund) unter einer Wolke östlich des Platzes aus und mit 2-3m/s ging es auf 2700m MSL. Jasmin kam von der Nachbarwolke zu mir und Veit sammelte uns kurze Zeit später auch ein. Der Plan war, uns über die Nordseite nach Westen vorzukämpfen. Zwischen Plan und Realität liegen bekanntlich (vor allem beim Segelfliegen) ab und an Welten. Wir erwischten eine grandios sinkende Linie und bogen bald wieder nach Süden zurück ins Tal.

Jasmin mit dem schwächsten Flugzeug der Gruppe (DG100) musste sich darauf erst einmal wieder am Platz ausgraben, Veit und ich wollten auf die Südseite des Tals, da dort ein paar schöne Wolken standen. Es begann schon lokal überzuentwickeln und es war nicht einfach die noch saftigen Wolken zu erkennen. Es war wirklich schwierig. Wir konnten immer nur ein paar hundert Meter gut machen, aber die Wolken zogen nicht bis in eine Höhe, um sicher nach Westen zu fliegen. Naja, ein Tag Kurbeltraining ist ja auch nicht schlecht.
Irgendwann machte es über der Westseite des Tals wieder ein wenig auf, und wir sprangen über eine etwas andere Route als sonst Richtung Triglav Nationalpark.

Dort erkannten wir, dass es wenige Kilometer weiter auch schon nicht mehr schön aussah und Veit beschloss den taktischen Rückzug. Auf dem Heimweg trafen wir den Bart des Tages mit 4m/s (den restlichen Tag konnten wir von Steigwerten über 1,5m/s nur träumen). Zurück am Platz sprangen wir noch einmal auf die nordöstlichen Wolken, da sich dort die Bewölkung wieder ein wenig geöffnet hatte. Nach ein paar Bergen erwischte ich einen Bart leider nicht richtig, sodass ich mich nicht weiter ins hohe Gebirge traute. So bog ich nach Norden ab und probierte erneut mein Glück bei den Appalachen…die mich auch an diesem Tag zur baldigen Umkehr Richtung Tal zwangen. Ich verstehe die nicht…
https://www.weglide.org/flight/542240
9. April – Und wieder das Tal erkunden
Auch an diesem Tag war die Wetterprognose nicht sonderlich optimistisch. Unsere Gruppe blieb gleich und es gab wieder ein gemütliches Teambriefing bei einer heißen Schokolade.

Der Flugzeugschlepp war sehr abenteuerlich. Es war ruppig und der Schlepper meinte, es wäre eine gute Idee mit mir in aktiver Thermik 45° Kampfkreise zu machen. Das Schleppseil machte hinter mir einen Bogen innerhalb von Sekundenbruchteilen entschied ich mich für das sichere Auskuppeln. Zwar war ich erst 400m über dem ansteigenden Gelände, aber mein Anflugrechner kalkulierte eine Ankunftshöhe von ebenfalls 400m auf Lesce. Ich kam also mit ziemlicher Sicherheit wieder auf dem Flugplatz an und fuhr den Turbo aus. Zum Glück kam dieser direkt und ich knatterte unter eine Wolke zwischen Flugplatz und Dob. Auch Jasmin war dabei und Veit sammelte uns etwas südlich des Begus ein. Leider erwischte Jasmin mit ihrer leichten DG100 eine schlechtere Linie als wir und bog zum Stol ab, um sich dort hochzuachtern. Wir flogen nach Osten Richtung Appalachen und wollten sie auf dem Rückweg einsammeln. Die Abschirmung kam von Westen und so hatten wir im hohen Gelände noch gute Wölkchen, die auch noch gut und zuverlässig zogen. Durch den Nordwind trugen die Appalachen ganz gut und an deren Ende sprangen wir einen Berg weiter nach Süden. Das Steigen war mit maximal 1m/s nicht der Brüller, aber nach einigen Sicherheitsmetern flogen wir einen Bogen, um wieder in unser Tal zu kommen. Knapp am Luftraum von Ljubljana vorbei switchten wir wieder auf die Südseite unserer bekannten Berge und suchten in ruppiger Leethermik sinnvolles Steigen.

Südlich des Stols fanden wir tatsächlich auch 2,5m/s und in 2400m MSL sprangen wir über das Tal nach Süden, da dort hier und da noch die Sonne durchkam. Am Bleder See, fanden wir hier und da noch ein paar Thermikpupse, aber es reichte nicht für einen sicheren Rausflug. Nach anderthalb Stunden Talrumgeeiere reichte es Veit und er ging zur Landung. Ich wollte eigentlich auch nur noch meine Höhe abfliegen, als ich in der westlichen Bahnverlängerung in 1000m AGL einen soliden 1,5m/s Bart eintrat. Ich dachte mir: wäre ja eigentlich schade drum, einmal hochkreisen kannste dich ja noch einmal. In der Zwischenzeit war auch die Walter-Gruppe bei mir in der Nähe und nach einem Blick auf die Teamliste, switchte ich auf deren Frequenz. Ich wurde noch fix in die Gruppe adoptiert (Walter: „Ich werde auch mit 4 Frauen fertig!“).

Es war noch ein wenig Kurbeltraining angesagt und Walter inspizierte nacheinander die Stellung unserer Ruder beim Kreisen. Ich bekam ein Lob und war happy (weil wir ja wissen: das Querruder ist kein Kuhschwanz). In knapp 2000m MSL (was im Tal ca. 1500m über Grund entsprach) sprangen wir noch einmal auf die nördlichere Hügelkette und flogen nach Westen. Ich war aber nicht ganz so mutig wie die Anderen und bog etwas zeitiger um, da mir diese flach ansteigenden Hügel noch immer nicht geheuer sind. Kurze Zeit später befahl auch Walter den taktischen Rückzug. Da ich ein Stückchen vor den Anderen war, versuchte ich meiner Gruppe noch ein bisschen Thermik zu erschnüffeln und flog ein kleines Tal an, welches in Windrichtung lag. Die linke Fläche hob sich leicht und ich kreiste ein. Es war zwar nicht der Brüller, aber mit durchschnittlich fast 1m Steigen, konnten wir den Flug noch ein wenig verlängern. Ich freue mich über ein weiteres Lob von Walter und nach 500m Höhengewinn flogen wir noch einmal den Stol entlang. Nun war aber leider das Wetter wirklich zu Ende und bald darauf landeten wir.
https://www.weglide.org/flight/542695
10. April – Den Hang entlang – Eine Liebeserklärung an die Berge
Die Teams wurden neu gemischt! Das Disketten-Geschwader hatte die Ehre mit dem Hangflug-Großmeister Ralf zu fliegen. Er ist der einzige Trainer mit dem mir das Zusammenfliegen bisher verwehrt blieb.

Ich freute mich wie ein Keks, denn auch das Wetter versprach beste Bedingungen. Strammer Wind genau aus Norden. Nach einem kurzen Teambriefing war klar, dass wir die Nordseite der Berge probieren wollen. Aber erst einmal mussten wir nach den ersten abenteuerlichen Starts die Flugplatzseite wechseln. Im Tal hatte der Wind in der Zwischenzeit auf Westwind gedreht und das Umbauen dauerte leider seine Zeit.

Der Schlepp war spannend und unten heraus sehr bockig. Auch machte sich das Lee bemerkbar und es ging im Schleppverband teilweise ganz schön abwärts. Aber zum Glück bin ich was den Flugzeugschlepp angeht schon ziemlich routiniert, sodass das auch gut zu bewältigen war. Dafür gingen aber die Wolken um den Flugplatz herum sehr gut und bald waren Tamino und ich oben, wo uns auch Ralf einsammelte. Wir flogen in 2700m MSL östlich am Dob vorbei und sprangen auf direktem Weg auf die Nordseite der Appalachen. Dort fädelten wir uns hinter Ralf ein und es ging nach Osten. Es war wirklich ungewohnt so „nah“ am Hang entlangzuheizen. Es ging wie die Sau und ohne einen Kreis zu machen kamen wir kurze Zeit später schon am Ende der Gebirgskette an.

Also Umkehren und den gleichen Weg nach Westen. Bisher schlug ich mich ganz gut, auch wenn ich die letzte der Gruppe war und meist auch die Tiefste. Aber Ralf erkundigte sich immer nach meiner Höhe und wartete auf mich. Die Linie trug auch auf den Rückweg ganz sensationell und nach der Frage des Trainers „Wo beginnt eigentlich beim Discus der gelbe Geschwindigkeitsbereich?“ gaben wir richtig Gas! Ja leider beginnt das beim Discus schon bei 180km/h. Dass ich die Wörter „leider“, „Schon“ im Zusammenhang mit Geschwindigkeit schreibe, lässt schon erahnen wie viel Spaß wir hatten. Ralf zeigte uns die beste Linie und so brezelten wir auf der Nordseite des Begu, Stol und des Kahlkogels entlang. Zwar waren wir nur knapp über Grathöhe, aber das machte nichts, da der Hang genau senkrecht zum Wind stand und es einfach sensationell trug.

Wir flogen schön die Konturen lang und nun erkannte ich wie sehr Hangfliegen Spaß machen konnte. Am Mittagskogel wendeten wir und es ging erneut nach Osten. Seit dem Einstieg auf die Nordseite der Berge hatten wir seit einer guten halben Stunde keinen einzigen Kreis gemacht. Und so würde es auch weitergehen. Mit einem irren Tempo flogen wir kurz vor dem gelben Strich am Hang entlang und ich hatte wirklich den Spaß meines Lebens, was ich auch fröhlich im Funk mitteilte. Tamino freute sich auch und Ralf freute sich, dass wir uns freuten. Wir wendeten im Osten wieder an der gleichen Stelle und Ralf zeigte uns einen alternativen Weg hinter dem Begu entlang. Auch diese Runde trug uns problemlos und es ging im genauso brachialen, sowie kreislosen Heizen wieder die Kette Richtung Westen. Das kleine Einfliegen am Nordhang war erfolgreich und so zeigte uns unser Trainer eine andere Route. Statt wie vorher östlich des Kahlkogels nach Südwesten der Hauptkante zu folgen, bogen wir nach Nordosten auf die etwas tieferen nördlicheren Berge ab. Direkt nördlich von uns war das große Tal mit dem breiten Abschnitt der Drau. Hier war es schwerer dem Relief zu folgen, aber Ralf coachte uns auch dort einwandfrei durch. Mich ermahnte er mit der Order „Dranbleiben Sally!“ zum nicht Nachlassen und ich hielt gut mit. Er zeigte uns den Flugplatz Ferlach von oben. Die Sprünge von zwischen den Bergen wurden größer und so mussten wir das erste Mal wieder ein wenig an Höhe gewinnen (nach fast anderthalb Stunden Heizen). Am Hochobir machten wir drei Achter und mit 400m Höhengewinn (Die Flanke des Berges ging super und dadurch, dass wir nur drei Flugzeuge waren, konnten wir uns gut absprechen und behinderten uns beim Wenden nicht gegenseitig). So sprangen wir zum letzten Berg im Osten und überlegten uns das weitere Vorgehen. Der experimentelle Sprung unter die nächste Wolke über dem Tal war nicht besonders spektakulär, sodass wir uns wieder zurück an den Berg begaben. In der Zwischenzeit trudelte von Jürgen ein Foto aus der Welle in die Whatsapp Gruppe ein. Das wäre ja auch noch ein Highlight, aber den Hang mit einer absurden Geschwindigkeit entlangbrezeln ist auch richtig richtig cool.

Dieses Mal wendeten wir nicht hinter dem Mittagskogel, sondern flogen weiter Richtung Westen. Wir wollten auf die Nordseite der südlichen Bergkette des Gailtals springen, um die Strecke nach Westen zu verlängern. Südlich des Dobratsches fanden wir über dem Tal Steigen und wir vermuteten, dass dies ein kleines Wellchen sei. Ich hoffte ja insgeheim, dass wir diese mitnehmen würden, aber Ralf meinte nur „Wellen sind langweilig“ und so flogen wir in 2400m MSL weiter. Wir wollten erst ein paar Berge im Norden mitnehmen und dann das Tal queren, für einen guten Einstieg im Süden. Nunja, es ging leider erst einmal nur Abwärts. Als wir nach Süden sprangen, sah ich den Reiselfingen-Duo gute 700m unter uns und ich dachte mir nur „Au Backe!“, das ist kein gutes Zeichen für die Ecke. Wir flogen eine Wolke über dem Tal an, aber auch alles Ausschwärmen und Auffächern half nichts, es ging nur abwärts. In 1700m MSL (Das Tal ist ungefähr 500m hoch) suchten wir die Nordseite der Südkette ab, aber das krasse Steigen war wie ausgeknipst. Wir sanken nur noch mehr. Ich merkte über einem Plateau mit ein paar Almhütten, wie sich meine linke Fläche ein wenig hob und ich kreiste ein. Dort waren es 200m über Grund und auf der einen Seite ragte der Berg über mich. Immer mit dem Sicherheitsabstand zum Gelänge im Auge, machte ich mühevoll 150m gut. Tamino und Ralf waren auch nicht sonderlich höher, aber immerhin konnten wir uns etwas nach oben kämpfen. Das Wölkchen über uns löste sich auf, genauso wie das Meterchen Steigen. So flogen wir ein etwas westlicheres Wölkchen an, welches sich am gleichen Berg gebildet hat. Das brachte uns mit 1,5m/s immerhin auf 2000m MSL zurück. Wir hatten den Westen gründlich satt (Dinge, die man auch in Friedersdorf hört) und wollten wieder zu unseren wohlbekannten östlichen Bergen. Am Wurzenpass erkurbelten wir uns wieder ein paar Sicherheitsmeter, damit der Einstieg nicht ganz so spannend werden würde, aber diese Angstkreise waren eigentlich überflüssig. Kaum am Nordhang ging es wieder wie bekloppt. Na dann, wieder nach Osten und Spaß haben. Die Schenkel für die Streckenwertung hatten wir in der Zwischenzeit sowieso aufgebraucht. Also Knüppel nach vorn und heizen. Auch dieses Mal ging es wieder ohne einen Kreis bis zum Ende der Appalachen. Da es erst 17:30 Uhr war, entschieden wir uns noch einmal für einen Ausflug nach Westen über die altbekannte Route. Tamino flog vor, Ralf passte ein Stück weit dahinter auf mich auf. Der Nordwind hatte zwar etwas nachgelassen, war aber immer noch ausreichend stark, um uns mit den bekannten Fliegen am gelben Strich die Kette entlang zu tragen. In der Zwischenzeit hatte auch ich ein gutes Gefühl für die Route entwickelt (bekannterweise brauche ich bei sowas immer etwas länger) und freute mich einfach nur, wie schön das Leben doch sein kann. Wir wagten wieder einen Sprung zum Dobratsch und erwischten auf seiner Südseite etwas, was auch als Welle (oder Wellchen) zu identifizieren war. Mit einem halben Meter bis Meter Steigen kreisten wir uns nach oben („Vielleicht sind wir bis Sunset oben!“) und aufgrund der schon etwas späteren Stunde, vertagten wir meinen ersten Wellenflug auf ein anderes Mal und bogen wieder auf unsere geliebte Bergkette ab. Tamino flog ein Stück weit vor uns und fragte, ob denn der Grintovec noch gut gehen könnte. Ralf antwortete in schönstem Schwäbisch (oder ist das schon Badensisch?) „Keine Ahnung, musst du probieren!“ und nach kurzer Stille im Funk „Komm Sally, das probieren wir auch!“.

Nach kurzer Kalkulation wann denn wirklich Sonnenuntergang sei, hatten wir noch ein wenig Zeit und ich schrieb eine Nachricht an Steffen, dass wir es wohl nicht pünktlich zum Abendessen schaffen würden.
Also flogen wir wieder bis zum Ende der Appalachen und ich war einfach nur Glücklich und hatte Spaß. Die Abendsonne tauchte die Berge in die tollsten Farben und (Vorsicht, jetzt wird es kitschig) ich dachte mir, dass ich in diesem Augenblick an keinem Platz der Welt lieber wäre, als ich 2800m (wir haben seit dem Wurzenpass ohne einen Kreis nur am Hang 700m Höhengewinn gemacht) über schneebedeckten Bergspitzen.

Der Sprung zum 2560m hohen Grintovec gelang mühelos und nach dessen Erkundung mussten wir nun wirklich Richtung Flugplatz gleiten. Wir landeten um 19:20 Uhr, Sonnenuntergang war um ca. 19:30 Uhr. Ein paar Mädels inklusive Steffen und Sebi warteten am Platz auf uns und halfen uns die Flugzeuge fix für die Nacht bereit zu machen.

Man sagte mir, dass ich selten so sehr gestrahlt habe wie nach diesem Flug. Zum Abendessen im Vereinsheim der örtlichen Segelflieger kamen wir zwar ein wenig zu spät, aber ich für den spaßigsten Flug meines Lebens, hat es sich gelohnt. Mit kulinarischen Köstlichkeiten der Gegend ging dieser tolle Tag zu Ende.
Ja es war nicht der größte, oder heldenhafteste Flug für mich. Aber das erste Mal richtig am Hang entlangheizen, hat diesen Tag für mich unvergesslich gemacht. Danke an Ralf und Tamino für die tolle Erfahrung.
Was ich nicht wusste: der nächste Tag brachte eine weitere neue Erfahrung…
https://www.weglide.org/flight/543477
11. April – Die Welt von oben
Die Teamdurchmischung ging weiter und ich durfte mit Jürgen (auch wenn ich keinen Ventus habe) und Johanna in der LS8 18m FES zusammen fliegen.

Es ging wieder die gewohnte Startrichtung 14 und nach einem bisschen herumgeeiere nach dem Auskuppeln flog ich zum Begu und achterte mich langsam nach oben. Jürgen wartete geduldig auf uns Mädels und kurz darauf ging es in 2700m MSL los! Wir hatten an diesem Tag Wind aus Nordwesten und wollten die Nordflanke der Berge nutzen wie am Tag zuvor. Nur die Nordseite funktionierte irgendwie nicht. Wir flogen weiter immer in der Hoffnung, dass es nach der nächsten Querrippe endlich besser gehen würde. Aber das tat es nicht. Bei langen Gleitstrecken ist mein Discus gegen eine LS8 mit 18m leider chancenlos, gegen die ASH31 sowieso.
Es ging streckenweise sensationell abwärts und hat man mal eingekreist und freute man sich immerhin über sinnvolles Steigen, war das ein paar Kreise später leider wieder verschwunden. Die Höhendifferenz tat ihr übriges. Kamen die beiden großen Flugzeuge noch über eine Rippe, musste ich außen herum fliegen, was zur Folge hatte, dass ich irgendwann relativ alleine auf weiter Flur war, Jürgen und Johanna waren ein Stück hinter und über mir. Ich versuchte mein gesamtes am Tag zuvor gewonnenes Wissen anzuwenden und kuschelte mich mutig an die Hänge, aber es ging einfach gar nichts. Es trug maximal für ein kleines Stück, bevor es wieder abwärts ging. Und von vielfältigen und ideenreichen Flüchen meiner Wenigkeit begleitet flog ich tapfer weiter. Irgendwann würde ja sicher etwas kommen…Tja…
Kurz hinterm Wurzenpass war ich auf 1300m MSL gesunken. Knapp 500m über einem kleinen Plateau. Ich suchte einmal den Hang ab und kalkulierte meine Möglichkeiten. Auf Nötsch hatte ich eine Ankunftshöhe von 400m, was im Gebirge nicht viel ist. Zwar war der Weg über das Tal dorthin leicht absteigend, aber unlandbar. So entschied ich mich, nach Abwägung meiner Optionen für die Kraft der zwei Kerzen.
Ich war sauer, ich war stinkig! Schon wieder ein Motorlauf! Meine Laune war im Keller!
In der Zwischenzeit waren Jürgen und Johanna auch bei meiner Position. Johanna flog ein Stück über mir den Hang entlang (einer dieser ekligen flachen Hänge mit vielen Bäumen. Die steilen Kahlen sind einfacher) und laut LX stieg sie (was ich in diesem Augenblick nicht wusste: sie hatte den FES an). Ich also Motor aus und nix wie hin zu ihr. Sie stieg, ich sank.
Ich war relativ schlecht gelaunt, als ich das zweite Mal innerhalb weniger Minuten den Motor ausfuhr. Ich brummte mich hoch und fand über der Passstraße sinnvolles Steigen und machte dort, nachdem ich den Motor wieder eingefahren hatte) 600m gut. Jürgen und Johanna waren zwar ein Stück über mir, aber wir flogen auf mein Okay hin weiter nach Westen. Wir hielten uns weiterhin an der Nordseite der Berge und flogen das Gailtal Richtung Westen.

Dadurch, dass ich ein Stück niedriger als die beiden anderen war, musste ich oft Umwege fliegen, um den beiden hinterherzukommen. Die ruppigen Bärte waren schwer zu finden und ich hatte meine liebe Not das beste Steigen zu finden, da die oberen Flugzeuge besser stiegen als ich. Jürgen versuchte mich zwar so gut es ging von oben zu lotsen, aber es war wie verhext, ich kam nicht ran. Trotzdem flog ich den beiden mutig hinterher, immer auf den richtigen Bart hoffend, um aufzuschließen. Die LS8 18m geht doch ein gutes Stück mehr als mein dicker Discus, vor allem steigt sie besser. Dass ich chancenlos gegen die ASH31 war, ist ja inzwischen schon bekannt. Ich kämpfte mich mutig überwiegend auf Grathöhe bis zum Gailbergsattel. Jürgen und Johanna kreisten am Polinik über der Spitze und berichteten gutes Steigen. Ich suchte alles, aber auch wirklich jede nur vorstellbare Stelle des Berges ab. Die Luft war ruppig, irgendwo musste hier ein Knaller stehen. Mit dem Mut der Verzweiflung (vielleicht war es auch nur Dummheit), versuchte ich es auch südlich des Grates. Zwar sank es da nicht mehr als sonst, aber es stieg auch nicht und ich sah zu, mich wieder auf die Nordseite zu schleichen. In dem Augenblick, als ich mich wieder auf die Luvseite des Berges mogelte, wurde auf einmal alles dunkel im Cockpit. LX, Funkgerät und alles was dazugehört stiegen aus. Kompletter Stromausfall! Na Klasse, das hat mir noch gefehlt! Da ich relativ tief war und mein Augenmerk auf einen möglichen weiteren Motorlauf lag, schaltete ich als erstes von Avionik auf Motorbatterie um, um diesen Stromkreis zu testen. Mit der Motorbatterie ließen sich zum Glück die Geräte wieder anschalten. Die Hauptsicherung war also noch in Ordnung. Also switchte ich von Avionik Batterie 1 auf Avionik Batterie 2 und schaltete wieder den Motor/Avionikbatterieschalter um. Auch das funktionierte, also schien die Haupt-Avionikbatterie ausgestiegen zu sein.
Während ich mit meiner Technik beschäftigt war, merkte ich zuerst gar nicht, wie das Vario ausschlug (zumal das Piepsen des E-Varios gerade nicht verfügbar war). Als ich dies realisierte, checkte ich den Abstand zum Berg und kreiste ein. Und ausnahmsweise blieb das Steigen bei durchschnittlich 2m/s. Endlich! Ich richtete meine Geräte wieder ein und meldete im Funk meinen temporären Stromausfall, während ich den turbulenten Bart auskurbelte. Ja, ich schaffte es sogar zu meinen beiden Mitfliegern aufzuschließen. Als wir die 3000m Marke knackten, wurde der Sauerstoff scharf geschaltet. Jürgen vermutete hier irgendwo den Einstieg in eine Welle, was auch den turbulenten vorhergehenden Bart erklären würde, der uns doch alle ordentlich durchgeschüttelt hatte. So flogen wir Mädels unserem Trainer hinterher, der nun nach Norden abbog und auf einmal wurde es ruhig im Cockpit. Vom den vorherigen Turbulenzen war nichts mehr zu merken und das Vario zeigte nun 3m/s Steigen an. Auch hatte der Wind gedreht und wir kreisten ein. In 3300m justierte unser Trainer wieder ein Stück nach Norden und es ging weiter nach oben. Wir switchten auf Klagenfurt Radar, wo Jürgen für unsere Gruppe Dank Transponder eine Freigabe für bis FL195 bekam. Ich freute mich wie Bolle, meine erste richtige Welle.

Ich war noch nie so hoch im Segelflugzeug geflogen und es ging immer weiter nach oben. Der Wind nahm mit der Höhe beachtlich zu und wir mussten immer wieder ein Stück vorfliegen, um in der Welle zu bleiben. Es war sensationell! Wir stiegen bis 5800m und die Aussicht war unglaublich! Die 2500m Hohen Berge der Alpen, denen ich eben noch ausweichen musste, waren tief unter uns und wirkten von hier oben wie harmlose Hügelchen.

Wir flogen nach Westen und mit fast 100km/h Windgeschwindigkeit in der Höhe, war die Groundspeed Anzeige ziemlich lustig. Gefühlt flogen wir auf der Stelle. Ich genoss die Aussicht und war von den Eindrücken total geflasht. So geflasht, dass ich vergaß durch die Nase und somit der Sauerstoffkanüle zu atmen, was ich kurze Zeit später merkte. Die Luft hier oben war doch um einiges dünner und nach ein paar beherzten Atemzügen durch die Nase, war ich aber wieder voll da. Irre, wie man die ersten Anzeigen von Hypoxie dann doch merkt. Nachdem ich das Atemproblem gelöst hatte, musste ich das nächste Luxusproblem angehen, was ein Wellenflug mit sich bringt. Die Kälte! Da Thermometer zeigte fast -25°C

an und ich froh ganz schön. Vor allem die Finger wurden rasch kalt, aber zum Glück hatte ich Handschuhe eingepackt. Ich griff in die linke Seitentasche…keine Handschuhe. Ich sah in der rechten nach, auch keine Handschuhe. Ich versuchte mich so gut es mein ungelenkiger Körper hergab zu drehen, aber ich kam nicht an die Handschuhe ran, die anscheinend nach hinten gerutscht waren. Na super, also hieß es weiterfliegen mit kalten Fingern. Und die waren wirklich kalt! Ich versuchte die Hände irgendwie in meinen Jackenärmel verschwinden zu lassen, aber das brachte auch nichts. Nunja, das war mal wieder eine Lektion in Sachen Cockpitmanagement aus der ich lernen würde.


Mit eiskalten Pfoten folgte ich meiner Gruppe weiter nach Westen und wir konnten schön die Höhe halten. Nach einer Stunde in der Welle drehte Jürgen um und teilte uns per Funk mit, dass er so langsam den Abstieg beginnen würde, er friere nämlich auch. Also flogen wir ganz gemächlich in absurden Höhen wieder nach Osten. Es ist irgendwie ziemlich surreal, wenn der Endanflugrechner 4000m Ankunftshöhe auf Lesce rechnet. Aber natürlich konnten wir in dieser Höhe nicht in den Luftraum eintauchen und so wurde ordentlich Gas gegeben, um die Höhe zu vernichten (auch wenn das nicht gerade zuträglich für den Lack ist). Ordentlich durchgefroren kamen wir einige Zeit später wieder am Flugplatz an. Was für ein Erlebnis! Danke Jürgen!
https://www.weglide.org/flight/543892
Samstag 12. April – Raus aus der Komfortzone!
Es war der letzte Flugtag. Schade eigentlich, denn gerade war ich im Gebirge ganz gut eingeflogen. Zwar war freies Fliegen angesagt, aber es bildeten sich trotzdem Gruppen um die Trainer. Weil Ralf nur den Arcus MB mit Susanne und Harald als Trainee hatte, mietete ich mich in dieser Gruppe ein. Klar war, dass dieser Flug mir einiges abverlangen sollte, denn mit meinem kleinen Discus einer DG800 und einem Arcus mitzuhalten, wird nicht einfach werden.

Ich stand relativ weit vorne im Grid und nach einem holprigen F-Schlepp kuppelte ich in 1700m MSL am Begu aus. Es war unglaublich schwierig unten raus zu kommen und nach einigem Suchen warf ich in 1300m MSL den Motor an. Ich war nicht die Einzige, denn alle mit Motor nutzen diesen, um sich einen höheren Einstieg zu ermöglichen. So brummte ich mich auf 1900m und suchte am Begu nach Steigen. Da dieser allerdings nicht wirklich ging, wechselte ich auf den Stol um mich dort am Hang nach oben zu kämpfen. Allerdings war ich nicht alleine, denn mit mir kämpften dort noch fast 10 weitere Flugzeuge um jeden Höhenmeter, sodass man mehr am Ausweichen, als am sinnvollen Steigen war. Nach ein paar Runden wurde es mir dort zu bunt und da Ralf funkte, dass der Mittagskogel gut ginge, wagte ich den Sprung nach Westen. Leider kam ich aufgrund fehlender Gleitleistung unter Hangkante an, sodass ich mich erst wieder mühevoll hocharbeiten musste. Mit mir folgte eine ordentliche Plastikwolke und auch hier stand wieder gegenseitige Rücksichtnahme und Ausweichen an oberster Stelle. Aber auch dieser Hang ging nicht richtig und es dauerte seine Zeit, bis ich mich über den Grat geachtert hatte und endlich unter der Wolke sicher einkreisen konnte. Auch die MB hatte ihre liebe Not an Höhe zu gewinnen, aber zum Glück wartete unser Trainer auf uns. In 2200m flogen wir über den Wurzenpass und querten das Tal zum Dobratsch.

Der Weg aus den Karawanken hat viel Zeit gekostet, aber die Mühe sollte sich lohnen. Die rote Wand des Dobratsch ging mit guten 2m/s und wir setzten unsere Reise mit 2300m MSL fort.

Ab hier wird’s interessant, denn es kam was kommen musste: ich kann meinen Discus leider nicht größer zaubern und gegen die Gleitleistung von ca. 1:50 meiner beiden Mitflieger konnte ich nur bedingt mithalten. Also war ich grundsätzlich 100-200m unter Ralf und Susanne. Aber ich kämpfte mich tapfer weiter (Ralf sagte mir am Abend, dass der Welpenschutz vorbei wäre und er bewusst die Klappen nicht gezogen hatte, um mich ordentlich zu fordern). Zwar schaffte ich es am nächsten Berg noch auf halbwegs gleicher Höhe einzusteigen, vergrößerte sich die Höhendifferenz zwischen mir und meinen Mitfliegern bei der nächsten Gleitstrecke. Ralf fand zwar eine gute Linie, jedoch wuchs die Höhendifferenz immer weiter beim schnellen Vorfliegen. Am Reißkofel waren wir schon 150m auseinander, sodass ich nicht direkt über dem Gipfel einkreisen konnte. Allerdings ging auch die Westflanke sehr gut und ich machte ein paar Höhenmeter wieder gut. Danach folgte ein größerer Sprung über den Gailbergsattel, bei dem es ordentlich nach unten ging und wir die eben erarbeitete Höhe wieder verloren. Nun ging es ins ansteigende Gelände und ich flog mutig trotz der Tatsache, dass die Höhendifferenz inzwischen 200m betrug hinterher. Meist holte ich beim Kurbeln den Arcus wieder ein, aber gegen Ralf war ich chancenlos. Nach diesem Bart war ich schon 250m unter Ralf in 2300m, aber er hatte trotzdem ein Auge auf mich, dass ich immer sicher sein würde. Auch bei diesem Flug fühlte ich mich gut aufgehoben und hielt tapfer mit den beiden anderen mit. Wir flogen die Lienzer Dolomiten relativ zentral an. In 300m über Grund (ich hätte immer ins Tal gleiten können), fanden wir zum Glück den nächsten Bart, dieser brachte uns mit 2-3m/s auf 2700m MSL. Wir querten das Tal und sprangen auf die nördlichere Gebirgskette und folgten dem ansteigenden Gelände (was etwas Überwindung kostete, wenn man in 500m über Grund dem Berg entgegen fliegt). Aber es war alles sicher, da uns dort unser Trainer wieder ein ordentliches Bärtchen fand, der uns wieder auf 2900m MSL brachte, was an der Stelle 800m über Grund entsprach. Jetzt ging es weiter nach Westen und aufgrund des Südwestwindes, trug die von uns geflogene Linie recht gut.

Ein Stück weiter im Westen am Eisatz erreichten wir die höchste Höhe des Tages von 3400m hatten. Allerdings war deutlich zu merken, dass das Wetter schwächer und das Steigen immer schwerer zu finden wurde. So flogen wir noch ein Stückchen weiter bis Bruneck, drehten dann aber um, um wieder ins bessere Wetter zu gelangen. Wir hatten immerhin noch gute 180km Heimweg vor uns. Wir fanden den gleichen Bart von eben wieder, der uns mit 2,5m/s Steigen 600 Höhenmeter schenkte. Wir flogen die gleiche Linie zurück und am Spitzkofel sammelten wir Tamino ein, der sich bis dahin tapfer alleine durchgeschlagen hat. Am besagten Spitzkofel und der großen Sandspitze ging es an den Hang. Dieser trug so halbwegs, aber unsere Höhe schwand, wenn auch nur langsam.

Am Torkofel machten wir zwar wieder mühevoll 300m Höhe, die aber bald wieder aufgebraucht waren. Uns fehlten noch einige hundert Höhenmeter, um sicher nach Lesce zu kommen, aber erst einmal ging es wieder an den Hang und wir flogen die Konturen der Berge nach. Zum Glück trug es hier ein bisschen besser und wir machten sogar einige Höhenmeter gut. Zwar war die Höhendifferenz zwischen meinen Mitfliegern und mir wieder etwas größer, aber ich flog mutig hinterher, auch wenn ich hier und da ein wenig weiter ausholen musste, um an der ein oder anderen Kante vorbeizukommen, wo die anderen drüber gleiten konnten. Ich hatte aber Endanflughöhe auf Nötsch und mit dem Turbo im Gepäck war ich doch ziemlich entspannt. Trotzdem wollte ich diesen tollen letzten Flugtag ohne weiteren Motoreinsatz schaffen. Vor mir kreisten die anderen am Spitzegel unter dem letzten Flusen weit und breit, ich konnte zwar auch einkreisen, aber auf meiner Höhe stieg es bei weitem nicht so gut wie im Stockwerk über mir. Egal, es reichte um auf 2400m MSL zu kommen, womit ich einen sicheren Einstieg am Dobratsch hätte, der einige Kilometer vor uns lag. Die anderen flogen schon vor mir ab, während ich noch einige Höhenmeter sammeln wollte, was zur Folge hatte, dass diese ein paar Minuten vor mir am Dobratsch einsteigen konnten. Trotz der 200m Höhendifferenz, bekam ich aber einen guten Einstieg an der Südflanke und nach ein paar Kreisen, wagte ich mich über den Parkplatz, der eigentlich immer ganz gut geht. Ich war mit 1-1,5m/s mehr als zufrieden, brachte mich das Steigen doch langsam aber stetig nach Hause. Meine Gruppe flog schon vor, und als ich mich auf 2500m gekämpft hatte, wagte auch ich den Sprung übers Tal und den Pass. Die Karawanken trugen aber wieder ausgezeichnet und ich kam problemlos wieder ins Lesce an. Was für ein toller und spannender letzter Flugtag in Slowenien!
https://www.weglide.org/flight/544482
Das war also Slowenien!
Was für ein Spaß! Was für tolle Abenteuer! Und welch eine grandiose Woche!
Ich habe wieder unglaublich viel über das Gebirgsfliegen gelernt und bin aus meiner Komfortzone rausgekommen und das hat mir wirklich gut getan und mir viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich freue mich auf den nächsten Lehrgang mit euch!
Danke an Alle, die diese Woche wieder so toll gemacht haben:
– den AMF für die Unterstützung des Frauensegelflug
– den Cheftrainern Veit und Rainer, sowie the one and only Walter
– die Mädels, es war wieder sensationell lustig mit euch!
– den ALC Lesce
– allen Helfer für den reibungslosen Ablauf am Boden
– Familie Engelhardt für die Bereitstellung des Sauerstoffequipments
– Sebi für die Rückenmassagen
– Und natürlich allen anderen die ich leider hier vergessen habe
