Unterwegs auf Strecke

AMF Lehrgang Klippeneck 25.-31.August 2024

Der Sommer könnte ewig dauern!
Aufgrund von einigen Überstunden, die ich nehmen musste, bestand meine Streckenflugsaison aus vielen tollen Events, Fliegerlagern, Wettbewerben und Lehrgängen. Nach der Deutschen Meisterschaft der Frauen in Lachen-Speyerdorf (Bericht folgt) folgte dann bald das Saisonabschlusshighlight auf dem Klippeneck.
Nachdem der letztjährige AMF Streckenfluglehrgang auf Deutschlands höchstgelegenen Flugplatz so grandios großartig war und ich viele neue Freunde kennenlernen durfte (die ich mir gar nicht mehr aus meinem Leben wegdenken könnte), freute ich mich tierisch darauf noch einmal mit den Mädels und Trainern eine tolle Woche zu verbringen.
Der Wetterbericht versprach passables Wetter ohne Regen (nachdem ich im Sommer bereits zwei Wochen im strömenden Regen mit den Fürthern auf dem Klippeneck abgesoffen bin) und so ging es am 24. August in aller Frühe los.
Wir kamen gegen 17 Uhr auf dem wohlbekannten Klippeneck an und geschwind wurde das Zimmer bezogen. Ich freute mich unglaublich endlich wieder meine Mädels und die besten Trainer wieder zu sehen und so klang der Abend gemütlich in der Gaststätte aus.

Sonntag 25. August – Einweisungsflüge

Der Morgen war noch ein wenig trübe, aber so konnten ganz stressfrei das Eröffnungsbriefing und der Plan für den Tag gemacht werden. Als erstes stand erfreulicherweise die Flugzeugtaufe des neuen Förderfliegers des AMF an. Ralph Bürklin stiftete eine wunderschöne LS8 und diese wurde passenderweise auf den wunderschönen Namen „Ralph“ getauft.

Flugzeugtaufe mit Susanne, Ralph und Walter

Im Anschluss fanden mit den drei Doppelsitzern einige kurze Einweisungsflüge statt, da das Wetter leider lokal nicht ganz durchhielt. Zuerst machte uns die tiefe Basis und anschließend die heraufziehende Abschirmung einen Strich durch die Rechnung, aber der Stimmung tat das keinen Abbruch. Mehr spontan als geplant (ich kannte das Klippeneck ja bereits vom Vorjahreslehrgang und den beiden Wochen im Mai/Juni) machte ich einen kurzen aber schönen Flug mit Rainer in der BW1. Steffen kam auch auf seine fliegerischen Kosten und flog mit Ruben in der ASK21 30 Minuten am Platz.

Die Einweisungsflüge wurden auf den beiden Duo-Disketten des BWLV (BW1 + BW4), sowie dem AMF Janus „AM2“ durchgeführt
Blick nach Norden. Zu sehen ist der Aufzugtestturm in Rottweil

Montag 26. August – Besser widerlich, als wieder nich!

Da ich beim Wetterbriefing mit Abi als Zuhörerin dabei war (ich wollte unbedingt meine bescheidenen meteorologischen Fähigkeiten verbessern), hatte ich voll den Plan für das heutige Wetter. Nördlich von uns sollte es richtig gut werden, allerdings lag das Klippeneck den ganzen Tag unter einer hartnäckigen Abschirmung.

Bereit für den Tag!


Unsere Gruppe (bestehend aus Jasmin in der DG100, mir und Rainer als Trainer) stand ganz hinten und so konnten wir das Wettergeschehen ausgiebig beobachten. Lokal gab es eine dichte Abschirmung mit einigen wenigen Fusseln darunter. Nur mit Mühe konnten sich die anderen halten und kämpften lokal um jeden Meter. Nach dem Ausklinken gönnte ich mir mit der Kraft der zwei Kerzen noch einige Höhenmeter (allerdings war in 800m über dem Eck schon Schluss, die Wolkenbasis war erreicht) und flog nach Norden in Richtung besseres Wetter. Am Platz auf meine Gruppe warten machte keinen Sinn und ich hangelte mich von Fussel zu Fussel, allerdings ohne brauchbares Steigen. Nordwestlich der Sprungzone Rottweil stieg ich in 1400m MSL (ca. 750m AGL) in einen positiven Nuller ein, der nach und nach besser wurde, je höher ich mich gekämpft hatte. Während ich also langsam aber stetig Höhenmeter machte und weder Rainer noch Jasmin im Funk erwischte, tippte ich kurzerhand eine Nachricht an den Trainer. Es hatte sich Jasmins Radbremse beim Wiederlanden verabschiedet, was erst einmal gefixt werden musste, bevor sie wieder starten konnte. Rainer machte sich aber kurze Zeit später per Eigenstart auf den Weg zu mir und so parkte ich an der Basis unter einem Fussel und wartete. Leider waren wir noch immer unter der Abschirmung und als mein Trainer unter mir in den Bart einstieg, hörte die Thermik an dieser Stelle bereits auf. Ich bekam die Erlaubnis mich weiter nach Norden ins bessere Wetter vorzukämpfen, wir wollten uns dann später am Schwarzwald wieder zusammenfinden. Der Weg nach Norden war nicht einfach und so musste ich mich am Flugplatz Sulz zuerst mühevoll aus 430m AGL (klingt nach viel, allerdings werfe ich bei 350m am Flugplatz und 400m am Feld den Motor an) und aus 520m AGL über Freudenstadt ausgraben. Ja, das Wetter war wirklich zäh, obwohl die Optik langsam besser wurde.

Im Norden war das Wetter besser

Leider verkalkulierte ich mich kurze Zeit später unter einer Wolkenwurst, sodass ich den Sprung zu Rainer ins hohe Gelände nicht mehr wagte und so musste es dann doch der Brumm richten. Kurze Zeit nach dem Anwerfen des Motors fand ich natürlich den Bart (mit Vicky hätte ich mich wahrscheinlich dort ausgegraben) und konnte schnell zu meinem Trainer (der auch einmal den Motor werfen musste…zu meiner Verteidigung) aufschließen. Endlich hatten wir uns gefunden und so ging es gemeinsam noch ein kleines Stück nach Norden bis nach Baiersbronn, wo wir wieder ordentlich Höhe machten. In 1890m MSL, also dort 1325m AGL traten wir den Weg nach Süden an. Ich flog vor und wählte die Linie direkt nach Süden. So sprangen wir von Wolke zu Wolke und Rainer erklärte mir die Bodenmerkmale auf der Strecke.

In der Abendsonne über dem Schwarzwald

Allerdings hatte sich die Abschirmung bereits ausgebreitet, sodass die wenigen vorhandenen Wolken immer undefinierter wurden und der direkte Heimweg nicht gut aussah. So entschieden wir uns erst einmal über dem Schwarzwald zu bleiben, da es hier und da noch ein paar Wölkchen gab. Das Team Jürgen-Susanne (Jürgen hatte wieder die berühmte ASH31 „PG“ dabei, Susanne war mit dem Arcus „MB“ unterwegs) war von ihrer Frequenz auf unsere geflüchtet und flog ein kleines Stückchen vor uns. Susanne berichtete zwar von gutem Steigen unter der letzten Wolke im Tal, allerdings war der Sprung für meinen kleinen Discus doch ganz ordentlich und wir bogen erst einmal Richtung St. Georgen in den Schwarzwald ab. Dort kämpfte auch Jürgen um die Endanflughöhe. Also hingen wir bald zu dritt unter einem Fussel und mühten uns in 600m über Grund ab, ohne großartig Höhe zu machen. Nach 5 Minuten ohne nennenswerten Höhengewinn flog Rainer zum nächsten Fussel ab, ich folgte ihm kurze Zeit später, da der nicht vorhandene Bart nachließ und ich mich langsam hinunterkreiste. Allerdings drehten wir beide rasch um, da sich der angeflogene Fussel auch als Nullnummer herausstellte. Also flog ich wieder zum Wölkchen, die ich gerade erst verlassen hatte als sich kaum merklich meine rechte Fläche und ich kreiste vorsichtig ein. Nach dem ersten Kreis meldete ich einen soliden Meter. Nichts Dolles, aber immerhin mehr als eben. So erarbeiteten wir uns zu dritt 400m, bis der Bart aufhörte. Die Höhe sollten der DG800 und der ASH31 dicke reichen, ich hatte zarte 200m Ankunftshöhe über dem 25km entfernten Klippeneck. Könnte spannend werden, aber ich hatte Glück im Unglück.

Die Wettergrenze

Durch die Abschirmung und die nicht vorhandene Thermik darunter, gab es auch kein nennenswertes Sinken und so kam ich entspannt wieder am Flugplatz an.
Neben der ersten Gruppe mit Jürgen und Susanne, waren wir die einzigen, die sich vom Platz weggetraut hatten. Ja, so ein Turbo als Backup im Nacken zu haben, hat schon viel Schönes. Aber als man mich fragte, ob ich auch ohne Hilfstriebwerk losgeflogen wäre, konnte ich nach kurzer Überlegung nur bejahen. Ich bin irre genug, um das Ganze auch mit der 19 zu versuchen („Alles andere hätte mich bei dir auch gewundert!“).

https://www.weglide.org/flight/473633

Dienstag 27. August – Blau, Stabil, Bäh

Ich war an diesem Morgen mit ein paar anderen Mädels mit dem Wetterbriefing dran. Abi versuchte uns in die hohe Kunst des Temps-Lesens einzuweihen. Anfangs lief das Ganze noch etwas schleppend, aber da ich fast jeden Morgen als stille Zuhörerin dabei war, ergaben diese lustigen Linien nach und nach immer mehr Sinn.
Aber nochmal zurück zum heutigen Wetter. Wie die Überschrift schon sagt, war die Vorhersage nicht ganz so optimistisch. Es blieb blau, ein paar Fusseln, niedrige Basis und schlechte Steigwerte.

Ein bisschen verloren sieht man ja schon aus, während man aufs Wetter wartet


Unsere Gruppe blieb gleich und wir bauten wieder auf 05 auf, was bedeutete, dass wir wieder über die Kante einlanden müssen. Die Motorfraktion (Jürgen und Susanne wurden heute von Julia ergänzt) stand vorn und wurde auch bald als Schnüffler losgeschickt. Naja…das Wetter war wirklich durchwachsen und sie mühten sich in Platzrundenhöhe ab. Nachdem wir uns das Ganze zwei Stunden angeschaut hatten, erklärte Walter den Tag zum freiwilligen freien Fliegen. Doch wir waren alle hochmotiviert und gar nicht mehr zu bremsen. So versuchten trotzdem alle Mädels ihr Glück. Rainer wollte allerdings den Tag für eine hochverdiente Pause (für unsere Trainer war das bereits die zweite Woche auf dem Klippeneck, zuvor hatten sie die Baden-Württembergischen u25 Piloten trainiert) nutzen, was meiner Motivation allerdings keinen Abbruch tat. So übte ich fast zwei Stunden Blauthermik und probierte in aller Ruhe verschiedene Ideen aus. So konnte der Tag doch sinnvoll genutzt werden.

https://www.weglide.org/flight/474151

Mittwoch 28. August – Sally und ihre Fähigkeit ihre Trainer abzuschütteln

Das Wetter sollte ein wenig besser werden. Vorhergesagt waren einige lokale Wolken, die am Nachmittag zu Schauern und Gewitter werden könnten. Ich war mit Jungtrainer Jan-Lucas eingeteilt, der mich mit seinem Discus 2 durch die Gegend scheuchen sollte. Allerdings war er gesundheitlich ein wenig angeschlagen, sodass wir uns offenließen, dass er mich (falls es bei ihm nicht gehen sollte) an Rainer abgeben würde. Dieser hatte die Leonie dabei und war die einzige Zweiergruppe.
Leider kam es auch genauso wie befürchtet. Nach den ersten Kilometern musste er umdrehen und wieder auf dem Klippeneck landen. Ich switchte die Frequenz und sprach mit meiner neuen Gruppe ab, dass wir uns am Flugplatz Schwenningen treffen wollten. Gesagt getan, bald waren wir zu dritt und begannen unsere Reise über den Schwarzwald nach Norden. Rainer, der ein großer Verfechter der Training-AATs ist, scheuchte uns ganz schön durch die Gegend. Das Wetter war am Schwarzwald abwechslungsreich.

Endlich wird mal die Haube sauber. Aber was wir bald merken sollten:
An Regen sollte es die nächsten Flüge nicht mangeln…

Im Süden machte es langsam dicht und die hohe Labilität sorgte nach und nach für die ersten Schauer, der Norden hingegen trocknete ab. Trotzdem hangelten wir uns von Wolke zu Wolke, um den AAT-Kreis anzukratzen. Leider erwischte Leonie bei Winzeln den Bart nicht so schön wie wir und befand sich auf einmal 200m unter uns, als die Thermik an dieser Stelle allmählich nachließ. So blieb uns nichts Anderes übrig zur nächsten kleinen Wolke vor Freudenstadt zu springen. Rainer und ich kamen in gut 1200m über Grund an und erwischten auch brauchbares Steigen um die anderthalb Meter. Leo (die uns tapfer mit ihrer LS4 gefolgt ist) kam in 750m AGL an. Gleiches Spiel wie eben, sie fiel leider wieder unten aus der Thermikblase raus. Rainer zog die Klappen und stieg zu ihr ab, ich graste die sich langsam bildenden umliegenden Wolken nach besseren Steigen für die Gruppe ab. Direkt westlich über dem Hang (die gleiche Stelle, an dem am ersten Flugtag auch der Bart rausging, als bei mir der Turbo lief) fand sich besseres Steigen unter einem frischen Wölkchen. Leider stieg auch hier Leo zu tief ein und fand keinen richtigen Anschluss. Zwar stieg es bei ihr, aber nicht so gut wie bei uns. Rainer und ich beschließen schonmal nach Süden vorzufliegen um ihr dort wieder die Thermik anzupinseln. Während wir direkt über das Tal im Blauen nach Süden flogen, machte sie noch einige Höhenmeter. Als bei ihr in 2300m MSL (1500m AGL) die Thermik nachließ folgte sie uns. Allerdings waren wir ein gutes Stück aus ihrer Flarm- und Sichtreichweite, sodass sie eine andere Route wählte als wir. Rainer lotste mich auf eine gut tragende Linie (das muss er mir noch erklären, weshalb das Tal an dieser Stelle so gut getragen hatte, mir fehlt da ja noch ein wenig der Blick fürs Gelände), Leo wählte den etwas östlicheren Weg knapp am Flugplatz Winzeln vorbei, der leider nicht so gut trug. So kam es, dass wir ein gutes Stück höher als sie an der nächsten Wolke (eine große Flatschenwolke, aus der es teilweise schon abregnete) ankamen.

Regen

Sie kämpfte tapfer in 570m über Grund im Gleitbereich am Flugplatz Winzeln, als Rainer wieder abstieg, um ihr zu helfen. Die Frage, ob ich auch die Klappen ziehen sollte, wurde verneint, so parkte ich erst einmal direkt unter der Basis in sagenhaften 2700m MSL (1800m AGL). In der Zwischenzeit hatten sich die Beiden genug Höhe erkämpft, um zu meiner Flatschenwolke zu fliegen. Ich blieb noch kurz in meinem Bart, um die ungefähre Position anzuzeigen (da ich ungefähr 600m über meinen Mitfliegern war, liegt die Betonung auf ungefähr) und als die beiden unter mir einkreisten und gutes Steigen vermeldeten, tastete ich mich ein wenig nach Süden, um eine Route zu finden, in der man nicht allzu nass werden sollte. Ich flog nach Süden, Regen, nope! Ich flog nach Westen, Regen, nope! So war ich ein wenig planlos und dümpelte ein wenig hin und her, bis unsere Gruppe wieder zusammen war. In der Zwischenzeit hatte sich der Schauer zweigeteilt und auf Rainers Frage, ob wir Lust auf ein Abenteuer hätten, entgegneten wir selbstverständlich mit einem eindeutigen JA! Also begannen wir mit dem Weiterflug Richtung Südwesten, durch die Schauerlücke.

Und…ähhh…noch mehr Regen

Es sah wirklich eindrucksvoll über dem Schwarzwald aus und wir erfreuten uns an einigen hübschen Regenbögen. So nahmen wir Kurs zum Titisee und peilten eine kleine Wolke an die hinter dem großen Flatschen in der Sonne lag. Aufgrund des ansteigenden Geländes und der dort niedrigen Basis, mussten wir uns den Weiterflug gut planen. Unter der Wolke machten wir einige Höhenmeter im schwachen Steigen, aber der Höhenabstand vergrößerte sich erneut. Leo in 1150m AGL, Ich 1200m AGL und Rainer über uns in 1400m AGL. Das Steigen ließ immer mehr nach, sodass Rainer und ich weiterflogen zu den nächsten Fetzen. Jeder wollte eine andere Wolke ausprobieren, um Leo das nächste Steigen anzupinseln.

Rainers DG800 und der Regenbogen…Kitschlevel: unendlich

Ich hatte mit meiner westlicheren Wolke mehr Glück und fand auf der Sonnenseite 2m/s, Rainer machte unter seinem Fussel ein paar Suchkreise, kam aber dann auch zu mir. Da das Steigen konstant blieb, lotsten wir Leo zu uns in den Kreis und sie flog wieder tapfer über dem hohen Gelände zu uns. Respekt!

Gut gekämpft, Leo!

Rainer wartete auf sie und ich tastete mich schon einmal weiter Richtung Klippeneck. Wieder durch die beiden Schauer durch, fand ich eine halbwegs gute Linie und gab dies per Funk durch. Unter einem unscheinbaren Flusen machte ich wieder einige Höhenmeter und wartete im Bart, bis die beiden unter mir eingestiegen sind (an der Stelle hatte ich mir von Rainer meinen Nachflug-Knuddler verdient) und flog weiter. Auf der Alb stand eine schöne Konvergenz nach Nordosten und ich wollte den Flug noch ein wenig verlängern. An der Kante der Straße machte ich erneut 200m, sodass ich locker den Platzbereich ums Klippeneck absuchen konnte.

Gesagt getan, am Lemberg ging es noch einmal mit anderthalb Metern auf 2600m MSL (1600m AGL) und ich klinkte mich hundert Meter unter der Wolkenstraße auf der Sonnenseite neben einem Schauer ein. Trotz Regens ging es geradeaus mit einem herrlichen Meter und so machte ich kreislos nochmal 100m gut. Ich hatte einen Riesenspaß und war gar nicht mehr zu bremsen. So konnte ich auch meine beiden Mitflieger dafür begeistern den Flug noch ein wenig zu verlängern. Ich folgte der Aufreihung bis zum Ende und sah in einiger Entfernung nach einem blauen Loch noch ein paar Wolken. Zwar war es ein gutes Stück zu gleiten, aber ich wollte es versuchen (auch mit der Sicherheit des Turbos). So glitt ich an Albstadt vorbei und fand zu Beginn der Aufreihung nochmal ruhige 0,7m/s Steigen. Es war schon 18:30 Uhr und lange würde die Thermik nicht mehr aktiv sein, sodass ich diese kleine Aufreihung noch bis zum Ende abflog und mit 0,5m/s gemütlich meine Endanflughöhe erkurbelte und anschließend den Heimweg antrat.

Ein wirklich schöner Endanflug
Einfach nur unglaublich glücklich


Das war einer der schönsten Flüge der Saison für mich! Es hat wieder ganz großen Spaß gemacht!
Vielen Dank an Rainer und Leonie fürs in der Luft adoptieren. Und Hut ab an Leo, die so tapfer mit uns mitgeflogen ist, obwohl sie meist ein gutes Stück unter uns war.

https://www.weglide.org/flight/474740

Donnerstag 29. August – Beam mich rauf Scotty!

Das Wetter sollte ähnlich werden wie am Tag zuvor. Hohe Basis, Aufreihungen, aber auch Schauer und Gewitter. Ich durfte an diesem Tag zusammen mit Veit im Duo fliegen und freute mich tierisch darauf. Das passte ganz gut, da an diesem Tag Helmut vorbei kommen wollte, um nach meinen zickigen Mückenputzern zu sehen. Das dynamische-Duo-Duo hatte ja schon in Slowenien tolle Flüge und im Sommer einen wunderbaren Ausflug zur Wasserkuppe.

Wie ziehen die Gewitter? Abwarten vor dem Start…
Das dynamische Duo-Duo beim Teambriefing

Ich wusste, dass ich mit Veit im Flugzeug gut harmonierte und er wollte mir beibringen, wie man seine Schnittgeschwindigkeit erhöht (das ist leider noch ein großes Defizit von mir. Bisweilen bin ich immer recht gemütlich unterwegs). Gemeinsam mit Sophie, die ihre LS6 ein wenig mit Wasser gefüllt hatte, machten wir direkt nach dem Ausklinken über 1000m Höhengewinn und mussten bald losfliegen, um nicht über Flugfläche 95 zu gelangen.

Unterwegs mit Sophie in der wunderschönen LS6 „JF“

Die abartig hohe Basis erfreute mich sehr und wir sprangen erst einmal von Wolke zu Wolke nach Westen, um auf die schöne Wolkenstraße über dem Schwarzwald zu gelangen. Dort freute ich mich über knapp 3m/s und kurbelte erfolgreich einen Ventus aus (und Veit freute sich, dass ich mich freute „Beam mich rauf Scotty!“). So ging es mit einem Affenzahn nach Norden und ich lernte die Grundlagen des Blockspeeds. Mit 140-150km/h vorfliegen, bei eindeutigem Steigen Fahrt nur bis 120km/h raus, rechtzeitig wieder beschleunigen. Nur wenn es nach konstanten Steigen über längere Zeit aussah, die Fahrt mal auf 100-110km/h zurücknehmen. Das kann man natürlich nur bei entsprechendem Wetter machen, aber an diesem Tag brüllte es! Es war der reinste Genuss und als wir bei Musbach in entspannten 2500m MSL (1900m AGL) wendeten switchten wir auf die Wolkenstraße die ein wenig weiter im Osten stand. So heizten wir wie bekloppt das Tal entlang.

Trotz strömenden Regens geht es mit einem Meter geradeaus

Ich hatte richtig richtig Spaß und war noch nie so schnell in meinem Leben! Die Wolkenstraße zog wie bekloppt, sodass wir nur selten kurbelten. Kurz vor der Schweizer Grenze wendeten wir und heizten noch einmal den gleichen Weg nach Norden. Die Luft wurde immer labiler und leider machte es hier und da bereits dicht und begann zu regnen, sodass wir bei der nächsten Runde schon auf Höhe Sulz wenden mussten. So fetzten wir erneut mit Warp 10 gen Süden und wendeten an gleicher Stelle.

Unterwegs mit Captain Veit – viel Spaß im Duo

Leider waren bald unsere Schenkel schon aufgebraucht, aber wir verlängerten trotzdem den Flug um den Lerneffekt. Direkt am Klippeneck stand ein ordentliches Gewitter und hin und wieder knackte es im Funk wegen der statischen Entladungen der Blitze.

Auch wieder richtig schön kitschige Regenbögen

So warteten wir das Wetter ab und nachdem es einige Zeit später weitergezogen war, landeten wir vergnügt wieder am Klippeneck. 109km/h auf 316km…ich war noch nie so schnell!
Danke Veit für diese tolle Lektion!

https://www.weglide.org/flight/475123

Am Abend wurde geschwenkt (ich war Schwenkchefin – als Saarländerin ist das Ehrensache) und der Tag bei einem gemütlichen Lagerfeuer ausgeklungen.

Es gebbt geschwenkt!
Eine gemütliche Lagerfeuerrunde mit tollen Fliegergeschichten

Freitag 30. August – Schauerslalom…schon wieder

Die Wettervorhersage kündigte so ziemlich alles zwischen Blau und Überentwicklungen mit Schauern an. Aus diesem Grund wurde taktisch die motorisierten Flugzeuge in eine Gruppe gepackt, sodass ich zusammen mit Julia und ihrem schönen Discus2c 18m FES gemeinsam mit Jürgen in der bekannten ASH31 fliegen durfte. Dank des u25 Lehrganges gibt es nun auch einen Trick, wie ein Discus halbwegs mit der 31 mithalten kann…Wölbklappenstellung permanent auf positiv. So sieht man wenigstens nicht mehr ganz so oft die tollen Bremsklappen aus dem Hause Schleicher.

Ich freute mich sehr darüber, wieder mit Jürgen fliegen zu dürfen


Aufgrund unseres Eigenstart-Trainers standen wir ganz vorn und schon bald kam der Abmarschbefehl. So startete ich pünktlich um Punkt 13 Uhr.
Zuerst hangelten wir uns von Wölkchen zu Wölkchen nach Osten, allerdings zogen diese immer nur mit einem Meter, sodass wir uns rasch für den Weiterflug entschieden hatten.

Ich erfreue mich ja immer an den Fusseln, die durch die hohe Feuchtigkeit unten aus den Wolken herausragen

Nördlich Albstadt endeten dann die Wolken und Jürgen schickte uns ein wenig ins Blaue, um anzutesten ob es auch dort gehen würde. Das tat es nicht und nach einigen Kilometern in ruhiger Luft drehten wir wieder um und nahmen Kurs zurück auf die einzelnen Wolken (das Experiment hatten wir ja bereits im letzten Jahr probiert, was damit endete, dass ich mich innerhalb einer Dreiviertelstunde aus 200m über dem Übersberg ausbuddeln musste). Zurück am Klippeneck machten wir dann nochmal auf sagenhafte 2750m MSL und bogen Richtung Westen zum Schwarzwald ab. Dank der hohen Basis konnten wir über Donaueschingen entspannt bis zum Titisee gleiten, wo wir kurz vorher mit fast 3m/s gute 1000m Höhengewinn machten. Auch an diesem Tag mussten wir frühzeitig zum Weiterflug aufbrechen, da wir sonst zu hoch gekommen wären.

Der Weg nach Norden

Julia setzte sich kurz nach der Wende ein wenig ab, da die mit technischen Problemen am LX zu kämpfen hatte und uns aus den Augen verlor. Wir fanden die bessere Linie, aber Julia schloss direkt am nächsten Bart wieder auf unsere Höhe auf (beziehungsweise auf meine, die ASH31 steigt absurd gut). Auf dem Weg nach Norden hatten wir eine interessante Konvergenz. Auf unserer Linie östlich des Kamms waren die Wolken viel definierter und ein gutes Stück höher als auf der westlichen Seite. Jürgen vermutete, dass es auf der anderen Seite mehr geregnet hatte und durch die höhere Feuchtigkeit an den Stellen die Basis niedriger sei. Trotzdem trug es gut, wenn man seitlich nach an die Fusseln ran flog (wieder was gelernt) und so ging es über St. Georgen weiter Richtung Winzeln. Zwar war auf der guten Seite die Basis nicht mehr ganz so hoch wie zuvor, aber auch mit 1700m AGL konnte man entspannt über den Schwarzwald fliegen (Luxushöhen!). Nördlich von Musbach wendeten wir und flogen wieder die gleiche Linie nach Süden wie auf dem Hinweg. In der Zwischenzeit hat sich am südlichen Schwarzwald ein gigantischer Schauer gebildet, dessen Ausbreitung fast das gesamte Tag bedeckte. Im Schatten sah es nach toter Luft aus und für den Heimweg müsste man sich etwas einfallen lassen. Kurz vor Winzeln erkurbelten wir noch einmal Basishöhe und bogen direkt am Flugplatz auf direkten Kurs zum Klippeneck ab. Bei Julia und mir sagten die Endanflugrechner um die 500m Ankunftshöhe, allerdings hatten wir gute 40km Gleitpfad vor uns. Glück im Unglück war die Abschirmung, denn wo kein Steigen ist, ist auch kein übermäßiges Sinken.

Gewohnter Anblick – die ASH31 von unten
Fast das gesamte Tal ist durch den großen Schauer am Schwarzwald abgeschattet

Bereits beim Anflug aufs Klippeneck war zu erkennen, dass kurz dahinter wieder die ersten Flusen standen und dort auch zaghaft die Sonne rauskam. Auf dem gesamten Heimweg konnte ich mir eine schöne Aufreihung hinter der Abschattung über Donaueschingen anschauen und dachte mir „Ach wenn ich doch bloß nochmal etwas Höhe machen könnte, die Wolken will ich nochmal abreiten!“. Ich überlegte und teilte meinem Team im Funk mit, dass ich wenn ich die Möglichkeit hätte den Flug gerne fortsetzen würde. Wir kamen zum Glück ohne nennenswerten Ankunftshöhenverlust am Flugplatz an und an der Albkante parkten wir vorerst in einem positiven Nuller. Zwar ging es nicht sonderlich aufwärts, aber man konnte sich gut die nächsten Schritte überlegen. Julia ging kurze Zeit später zur Landung, Jürgen sprang Richtung Sonne zum nächstbesten Fussel (logischerweise kam er durch das lange Gleitstück dreihundert Meter höher an als wir) und meldete kurze Zeit später leichtes Steigen. Ich kalkulierte meine Chancen und entschloss mich ihm zu folgen. Ich wäre immer noch im Gleitbereich des Klippenecks und zur Not müsste es eben mal wieder der Brumm richten („Mach keinen Blödsinn, Sally!“). Tja, leider stieg ich zu tief und zu spät ein. Jürgen meldete 500m über mir gute 2m/s, ich hatte unten nur zaghafte 0,5m/s. Aber ich hatte ja alle Zeit der Welt und arbeitete mich langsam, aber stetig nach oben. Nach einer halben Stunde in mehr oder weniger sinnvollen Steigen hatte ich wieder 1300m überm Eck und entschied mich für den Sprung zu den verheißungsvollen Wölkchen über dem Tal. Dort erwischte ich die Abi-Gruppe und switchte im Funk auf deren Frequenz.

Zusammen mit der Abi-Gruppe noch ein bisschen die Aufreihung abfliegen
Die „Blumenkohlwolke“

Die Aufreihung in der Sonne erwies sich als zuverlässig (wenn auch nicht mit starkem Steigen) und so konnten wir den Flug noch um eine Stunde verlängern. Eigentlich wollte ich ja nur mehr Kilometer auf dem Tacho haben als Jürgen. Schaffte ich auch…334km zu 333km! Ha!
Übrigens ist Steffen an diesem Tag zusammen mit Veit im Duo geflogen. Sehr schön!

https://www.weglide.org/flight/475792

Samstag 31. August – Die Wolken meiner Sehnsüchte…natürlich im Luftraum

Es war heiß, es war blau und nach einer Woche mit jedem Tag fliegen waren wir zwar müde, aber immer noch hoch motiviert. Zumindest wir Mädels. Jürgen liebäugelte mit Eisessen gehen. Nix da!


Zwar ließ das Wetter ein wenig auf sich warten, aber wir überbrückten die Zeit unter diversen Flugzeugflächen mit netten Gesprächen und wunderbaren Blödeleien. Als Ruben, der auf dem Klippeneck-Duo schulte, halbwegs sinnvolles Steigen meldete, ging es los.

Um der Sommersonne zu entgehen wurde die Janusfläche effektiv ausgenutzt


Unsere Gruppe blieb gleich und wir kurbelten an der Albkante unsere Abflughöhe von 1800m MSL. Wie auch immer Jürgen das macht, er war mal wieder 250m höher als wir (wahrscheinlich schaut er mit dem gleichen Blick das Wetter an, mit dem er mich immer straft, wenn ich mir eine Zigarette drehe). Naja, auf jeden Fall ging es dann Richtung Nordosten. Über dem Tal westlich vom Eck kämpften wir uns auf 2000m und nahmen Kurs Richtung Albstadt. Ich flog tapfer vor und besprach über Funk meine Pläne. Ich wollte eine Kante mit Turm anfliegen, weil auf einen steilen Felshang die Sonne schien. Ich dachte mir, dass das doch eigentlich funktionieren müssten. Tja, es funktionierte leider nicht, und wir fanden nur eine Linie auf der es sagenhaft nach unten ging. Glücklicherweise fand Jürgen auf der anderen Talseite einen halben Meter und aufgrund der Ermangelung von ausreichend Höhenspielraum (wir waren nur noch 550m AGL). Nachdem wir uns mühevoll 200m erkämpft hatten und immerhin im Gleitbereich von Albstadt waren, entschieden wir uns zum Weiterflug. Wie soll es auch anders sein? Wenige Hundert Meter weiter stand der 2m/s Bart, der uns wieder auf 1600m AGL brachte (außer die 31, die mal wieder 100m höher war. Wie kann so ein großes und schweres Flugzeug nur so absurd gut steigen?). Nächster Kurs: Farrenberg. Kurz davor ging es unter dem ersten bisschen, was man als Wolkenfussel hätte bezeichnen können mit guten 1,5m/s auf 2450m MSL (1800m AGL) und wir versuchten nun so gut es ging uns von Fussel zu Fussel zu hangeln.

Durchs Blaue vorkämpfen. Die Wolken meiner Sehnsüchte links voraus (im Luftraum)

Leider waren diese alle soweit nördlich, dass die knapp in den zweiten Luftraum von Stuttgart hineinragten. Um den Übersberg herum mussten wir vorzeitig zwei Bärte verlassen, um den drohenden Einflug in den Luftraum zu verhindern. Südlich von Grabenstetten wendeten wir dann und traten den Heimweg an. Es war zwar erst 15:35 Uhr, aber da es der letzte Lehrgangstag war, wollten wir noch in aller Ruhe die Flugzeuge putzen und einpacken.
Uns fehlte nur ein ordentlicher Bart, um nach Hause zu kommen und nun auf dem Weg in den Westen unterstützte uns der Rückenwind, der uns auf dem Hinweg das Leben schwer gemacht hatte.
Auf der Hälfte des Heimweges entdeckte ich einen Flusen unter dem Grau der Cirren, der uns auf entspannte Endanflughöhe brachte (Lob von Jürgen „Gut gesehen“).
Auch wenn das Wetter nicht ganz einfach war, hatten wir auch in diesem Flug das Beste daraus gemacht. So wurde Abends geschafft aber glücklich gemeinschaftlich abgerüstet nach 7 Tagen Fliegen am Stück.

https://www.weglide.org/flight/476303

Danke Spocky für diese tolle erste Flugsaison

Es war wieder toll! Unglaublich toll! So toll, dass ich mal wieder mit meinem berühmten Reallife-Koller klarkommen muss.
Wie im letzten Jahr hatten wir in dieser Woche echt Glück mit dem Wetter. Auch wenn die Hammertage ausblieben, konnten wir jeden Tag fliegen. Die Zeit verging wie im Flug und ich glaube es ist jede Pilotin auf ihre Kosten gekommen. Man glaubt es kaum, inzwischen ergeben Temps sogar bei mir Sinn (Danke Abi!).
Ich kann es kaum erwarten das Gelernte anzuwenden, dafür muss jetzt im September nur noch ein bisschen das Wetter mitspielen.
Auch wenn der Schwarzwald hin und wieder etwas tricky war, so war man bei den besten Trainern immer in guten Händen, die nicht müde werden die Klappen zu ziehen und zu einem abzusteigen, wenn man sich verbastelt hat.

Danke an ALLE für diese Woche

  • Dem Klippeneck-Team für die Gastfreundschaft
  • Den Schlepppiloten fürs Schleppen
  • Abi fürs Wetter und dass er nie müde wurde uns Mädels in die hohe Kunst der Meteorologie einzuweisen
  • Rainer für Lufträume, Notams und Co. Und natürlich für alle Vorflugknuddler, Nachflugknuddler, dass du immer ein offenes Ohr für mich hast, wenn ich wen zum Quatschen brauche (ob es jetzt verkackte AATs sind, oder der bockige Discus oder oder oder)
  • Jürgen für das fliegerische Coaching, den technischen Support und das Sally-mal-wieder-einnorden. Nächstes Jahr dann Duo-Fliegen in Friedersdorf? Ich erinnere mich dann ja auch noch an eine 500km-Bocian-Wette 😉
  • Veit für den genialen Flug im Duo. Jetzt könnte ich tatsächlich schneller werden! Und ich werde versuchen weniger am Knüppel zu wackeln (wie das wieder klingt)
  • The one and only Walter für Alles! Ich glaube zu schreiben, was wir ihm alles zu verdanken haben, sprengt hier den Rahmen. Er hat viele Generationen von fliegenden Frauen ausgebildet und als „Frauenversteher“ viele fliegerisch weitergebracht. Das war sein 110. Frauensegelflug-Lehrgang und ich freue mich nächstes Jahr beim 111. In Slowenien wieder dabei zu sein. Vielen Dank, dass du an mich glaubst!
  • JL für die gute Nachbesprechung unseres kurzen Fluges. Vielleicht schaffen wir es nächstes Jahr mal gemeinsam loszuheizen
  • Die Mädels für den Zusammenhalt, den Spaß, die Blödeleien und die tolle Zeit
  • Bernhard fürs Kochen
  • Und natürlich meinem Mann Steffen dafür, dass er mit mir zu jedem Fliegerischen Event fährt, mich unterstützt und mich von jedem Acker/ Flugplatz o.Ä. abholt

Titelbild von Christian „Lucky“ Horn

Ein Gedanke zu „AMF Lehrgang Klippeneck 25.-31.August 2024“

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