Nachdem der Berliner D-Kader schon fleißig den Wettbewerbssegelflug beim Lüsse Cup (inklusive des PEV-Abfluges) trainieren konnte, ging es für uns am 28. Juli mit Wohnwagen nach Stendal.
Mirko von ESA-Systems war so freundlich und hatte meine treue ASW19 schon nach Stendal gefahren.
Nach der Ankunft wurde das Camp abgesteckt und nach und nach trudelten auch die restlichen Campmitglieder ein. Vicky wurde nach der Ankunft direkt zusammengesteckt und zur Wägung inklusive ACAM Prüfung gefahren. Wie immer gab es nichts an meinem wunderbaren Fliegerchen auszusetzen (O-Ton von Micha: „So ein schönes Fliegerchen, ich weiß ja wie gut du sie pflegst!“).

Leider wurden die beiden Trainingstage gecancelt (Wo keine Thermik, da kein Segelfliegen).
Zum Glück hielt wenigstens das Wetter beim Eröffnungsabend, sodass man sich in gemütlicher Atmosphäre bis spät Abends austauschen konnte.


30. Juni
Auch dieser Tag versprach Regen und tiefe Bewölkung und so wurde der erste mögliche Wertungstag schon um die Mittagszeit gecancelt. Steffen und ich nutzten eine Regenpause für eine Radtour durch die Altmark. Nachmittags nutzten wir die Gelegenheit und gingen das erste Mal seit vielen Jahren ins Kino und sahen uns den neuen Indiana Jones an.
1. Juli
Auch neutralisiert

2. Juli – Vom Winde verweht…mal wieder
Es sah (halbwegs) fliegbar aus, wenn auch sehr windig (wie windig, würden wir unterwegs noch feststellen). Die Clubklasse stand an diesem ersten Wertungstag vorn und nach und nach riss auch die dichte Wolkendecke auf. Wir hatten eine Racing Task über Genthin, Königslutter und Ehra mit insgesamt 216km inklusive PEV zu bewältigen. Die Wettbewerbsleitung bastelte uns ein flaches Rechteck, um den angesagten starken Wind immerhin in Form von Wolkenstraßen nutzen zu können.

Die Clubklasse unseres Camp bildete ein kleines Team. Olav in seiner ASW19 „DX“ und Hannes in der LS4 „ED“ und ich wollten die Strecke gemeinsam bewältigen. So begannen wir die Strecke mit dem Abflug kurz hinter der Elbe mit der maximalen Abflughöhe in 1400m MSL. Die Standardklasse wurde nach unserem Abflug neutralisiert: zu viel Wind!
Es ging zuerst nach Süden und wir peilten die einzelnen Wolken in Richtung der ersten Wende an. An der südwestlichen Kante des ED-R 73 traten wir den nächsten Bart ein. Leider fiel ich aus der Thermikblase unten raus und konnte meinen beiden Teamkollegen, welche sich schnell 200m über mir befanden, nur noch von unten zuwinken. Während Reisegruppe Komoll noch kreiste, blieb mir nichts weiteres übrig, als die Strecke fortzusetzen. Die Wolken an der Wende sahen gar nicht übel aus und ich war optimistisch dort wieder Anschluss zu finden. Ich flog die nächsten Wolken an, aber fand nichts Brauchbares. Tja, an der Wende fand ich mich in 650m über Grund wieder und aufgrund des starken Windes, war hier unten die Thermik mehr als bescheiden. Ich fand ein wenig Steigen und aufgrund mangelnder Alternativen, musste ich in den anderthalb Metern erst einmal drin bleiben. Während ich mir also Meter um Meter erkämpfte, holte mich die restliche Clubklasse (wir hatten einen relativ frühen Abflug) ein und überholte mich. Irgendwann war ich auch wieder an der Basis und traf meine beiden Kumpels wieder. Hannes flog 100m über mir weiter, Olav flog ein wenig früher ab.
Jetzt trafen wir unterschiedliche Entscheidungen. Hannes und ich entschieden uns für die nahe Wolke im Süden, die ziemlich gut aussah, Olav übersprang diese und flog direkt zur nächsten im Westen.

Wir hatten den besseren Riecher. Zwar verloren wir ein wenig Zeit durch den Umweg und den Gegenwind (mit fast 50km/h Gegenwind sieht man Landmarken mehrmals „Ach, hier war ich doch auch schon zwei Mal!“), aber wir verloren nicht ganz so viel Höhe und unsere Wolke zog hier oben auch mit brauchbaren 2m/s. Mein ASW19-Kumpel hatte leider nicht so viel Glück und traf auf dem Weg zu seiner Wolke nur eine schlechte Linie und fand sich in 600m wieder. Mit 1000m Höhenabstand überflogen wir ihn, der tapfer kämpfte (Spoileralarm: Er sollte an diesem Tag der schnellste von uns werden). Und so ging es weiter über die Elbe Richtung Kilimandscharo (so ist der gigantische Sandberg bei Zielitz jedenfalls auf Google Maps bezeichnet). In 700m AGL trat ich einen ordentlichen 2,5m/s Bart ein und Hannes, der eine andere Route wählte, stieg auf meiner Höhe kurze Zeit später ein. Olav kämpfte noch immer unter 1000m und wir warteten mit dem Weiterflug, um ihm den Bart anzupinseln. Als er unten einstieg, setzten wir unsere Reise in den Westen fort. Jetzt überquerten wir das nächste ED-R 74 und uns begrüßte eine grandiose Abschirmung.

Leider wählte ich eine andere schlechtere Linie und musste wieder kreisen, wo Hannes einfach 250m über mir an der Basis entlangschwabbelte. Ich kreiste in 1,5m/s und kurze Zeit später trat Olav eine Wolke südlicher als ich 2,5m/s ein. Aufgrund des starken Windes und meines bekannten Glücks, entschied ich mich erst einmal in meinem Aufwind zu bleiben und hoffte, dass das Steigen mit der Höhe zunehmen würde. Denkste! Ich wurde in 1300m rausgeworfen und so musste ich weiter. So waren auf einmal wieder die Positionen vertauscht und die „DX“ flog 200m über mir weiter. Wir nahmen Kurs auf die nächste Wolke kurz vor dem kleinen Flüsschen Ohre, unter der Hannes 2m Steigen meldete. Olav erreichte diese Wolke noch, da er einige Meter höher Flog. Für mich würde das Weiterfliegen zur besagten Wolke allerdings bedeuten, dass ich in ungefähr 200-300m Höhe ankäme. Das Risiko, dass sie dann nicht zog und ich außenlanden müsste, wollte ich nicht eingehen und peilte einen vorgelagerten Fetzen an. Mit durchschnittlich 0,7m/s parkte ich erst einmal unter meinem Fetzen und sah auf dem LX, dass die beiden in guten 1700m bereits wieder abflogen, während ich in inzwischen wieder 600m weiter kämpfte. Aber sich ärgern half an der Stelle auch nicht weiter, Priorität hatte erstmal: im Rennen bleiben. Nachdem sich mein Thermikpups ausgepupst hatte, hatte ich keine andere Wahl als nach sagenhaften 100m Höhengewinn weiterzufliegen. Also flog ich einfach gegen den Wind weiter, in der Hoffnung, vielleicht doch noch Steigen zu erwischen. Ratz fatz waren die hart erkämpften Höhenmeter wieder verbraten und ich war fast schon am verzweifeln, als sich wie aus dem Nichts die rechte Fläche hob. Ich kreiste ein und das Vario pendelte sich tatsächlich zwischen 1 und 1,5m/s ein. Nicht der Brüller, aber es würde mich erst einmal im Spiel halten. Nachdem ich wieder die 700m Grenze erreicht hatte, wagte ich ein vorsichtiges Zentrieren in Richtung stärkstes Steigen. Und ich hatte den richtigen Riecher! Ich merkte direkt, dass sich die Thermik nun viel besser anfühlte und nach ein paar Kreisen zeigte das Vario um die 2,5m/s. Das Steigen hielt dieses mal bis zur Basis und in 1600m ging es für mich weiter. Der Wind hatte mich während meines Kampfes wieder ordentlich nach hinten versetzt und meine Schnittgeschwindigkeit für die letzte Stunde betrug sagenhafte 30km/h. Im Funk meldete das Team, dass sie ein gutes Stück vor mir seien und nach einigem suchen, erkannte ich zwei kleine Punkte unter einer Wolke am Horizont kreisen. Also gab ich Gas (so wie ich halt Gas gebe…) und peilte die Wolkengruppe über meinen Kollegen an. In 650m erreichte ich diese und kreiste in der vorgelagerten Wolke ein. Die nächste Wende näherte sich und ich freute mich schon darauf den Wind nur noch von der Seite abzubekommen und nicht mehr auf die Nase, machten die 50 Klamotten meiner kleinen ASW19 doch ganz schön zu schaffen. Ich hatte den Rückstand zu den Beiden schon merklich verringert und entschied mich beim nächsten Sprung für die etwas östlichere Wolke. Dieses Mal hatte ich auch den richtigen Riecher, denn ich traf die 2,5m/s direkt, während die anderen Beiden eine Wolke weiter erst ein zwei Suchkreise machen mussten. So kam es, dass kurze Zeit später Olav und ich wieder auf gleicher Höhe im gleichen Bart kreisten. Und weiter zur Wende, die natürlich im blauen lag. Da wir den Absprung in 1600m schafften, dachten wir eigentlich, dass es reichen würde, die Wende anzuklatschen und zur nächsten Wolke im Norden zu springen. In der Theorie ja, in der Praxis sah es nun wieder ganz anders aus. Die Wende erreichten wir in 1100m AGL und dachten, dass eigentlich die nun wieder schöne Optik uns doch locker weiter bringen würde. Natürlich war dies nicht der Fall. Wir flogen die erste Wolke nach der Wende ab, nichts! Also ab zur Nächsten! Diese brachte auch nicht das erwünschte Steigen, sondern wir trieben nur noch weiter von der nächsten Wende weg. Noch hatten wir die Höhe und flogen weiter. Tja, aufgrund einer sagenhaft schlechten Linie waren von den 1000m bald nur noch 550m für mich (Olav war wieder 200m über mir, da er eine nicht ganz so beschissene Linie gefunden hatte) übrig. Aber die nächste Wolke hielt uns glücklicherweise im Spiel und spuckte uns 600m höher wieder aus. Und weiter zur Wende. Hannes flog in der Zwischenzeit eine andere Route, blieb aber weiterhin mit uns in Funkkontakt, wir würden uns früher oder später an der Wende wieder treffen. Leider fiel ich an der nächsten Wolke komplett unten raus und hatte wieder 500m Höhenabstand zur „DX“. Aber um die Wende war die Optik wirklich schön. Mindestens 5 Wolken standen um den Sektor herum und noch ein paar auf dem letzten Schenkel, auf welchem man dann 50km/h Rückenwind haben würde, man müsste einfach nur an der Wende bis zur Basis kommen und schon wäre man quasi zu Hause. Das sei ja wohl zu schaffen, wie gesagt die Wolken sahen wirklich schön aus. Also ließ ich mich vom Abstand zur anderen ASW19 nicht beirren und freute mich schon auf den Heimweg. Tja, auch die Wolken auf dem Weg zur Wende zogen nicht und in 650m AGL drehte ich sicherheitshalber die Platzfrequenz von Stude-Bernsteinsee ein, da der Flugplatz zwar in entgegengesetzter Kursrichtung lag, aber noch locker im Gleitbereich. Wenn ich sicheren Asphalt unterm Rad hätte, fliegt man doch gleich viel entspannter.
Aber so einfach wollte ich nicht aufgeben. Nördlich vom Flugplatz lag eine längere Waldkante über der wieder ein paar Fetzen standen. Aber anscheinend hatte ich auch hier die kritische Höhe unterschritten. Kreiste Olav über mir mit soliden 1,2m/s, so half mir alles Zentrieren und Suchen nichts. Ich dümpelte unten herum und es machte erst einmal nicht den Anschein, dass es HIER nach oben ginge. Enttäuscht von der Wolke, entschied ich mich auf den sicheren Gleitbereich des Flugplatzes zu pfeifen und flog mutig weiter, auch wenn es im schlechtesten Fall eine Außenlandung bedeuten würde, wenn auch die kommenden Fetzen nicht mehr ziehen sollten. Olav zwar inzwischen schon im langen Endanflug auf Stendal und Hannes hatte sich zu mir gekämpft. Inzwischen leistete uns Eve mit der LS3 „AF“ Gesellschaft und bald kämpften wir zu dritt in 600m über Altendorf um den Endanflugbart. In der Zwischenzeit waren wir an der letzten halbwegs gut zu erreichenden Wolke angekommen und bissen uns in einem positiven Nuller fest. Der Wind blies uns inzwischen ja Richtung nach Hause, man musste nur Geduld haben. Als das bisschen Steigen in 680m wieder nachließ, flog Eve weiter, Hannes und ich wollten erst einmal dort bleiben, solange wir nicht signifikant an Höhe verlieren würden. Ich hoffte, dass die Thermik nochmal kommen würde. Und das Ausharren zahlte sich aus. Nachdem wir ein wenig gegen den Wind zentriert hatten, kam der Bart endlich! Mit durchschnittlich 1,3m/s Steigen, ging es auf 900m, bevor er leider gänzlich aufhörte. Aber immerhin hatten wir uns ein wenig mehr Reichweite erkämpft und uns fehlte tatsächlich nicht mehr viel, um nach Hause zu kommen, auch wenn Olav auf dem Heimweg von starken Sinken berichtete. Ein paar Kilometer weiter ging es dann nochmal im Blauen mit gut 1m/s nach oben (für Hannes mit 1,5m/s… ich gestehe, mein Schwerpunkt ist nicht so ganz optimal gewesen).

Aufgrund von Olavs Bericht, entschied ich mich für einen kleinen Schwenker zum letzten Etwas, was man als Fetzen hätte bezeichnen können. Dort erkurbelte ich mir endlich meine hart erkämpfte Endanflughöhe und es ging mit einem Affenzahn nach Hause.
Leider schaffte es Eve, nicht nach Hause und musste kurz hinter Gardelegen außenlanden. Trotzdem hat sie großen Mut bewiesen.
Auch hatte Olav leider großes Pech und flog zu tief durch den Zielkreis.
Hannes und ich teilten uns den 10. Tagesplatz (von 25).

https://www.weglide.org/flight/297651
3. Juli
Nachdem das Starterfeld bereit war, entschied sich leider das Wetter dagegen. Zum starken Wind, kam noch eine dichte Wolkendecke dazu, trotzdem schickte die Wettbewerbsleitung zuerst die Standardklasse in die Luft und danach sollte es auch für die Clubklasse losgehen. Nachdem sich die ersten tapfer einige Zeit in Platzrundenhöhe festgebissen hatten, war ich an der Reihe. Die Haube war schon geschlossen und ich war bereit zu einklinken, als auf einmal eine Landemeldung nach der anderen reinkam, sodass ich erst einmal nicht starten konnte. Kurze Zeit später saß die halbe Clubklasse wieder auf dem Flugplatz und die Wettbewerbsleitung erbarmte sich und neutralisierte für uns den Tag. Die Standarten kämpften sich mutig so gut es ging durch die Aufgabe, aber da es nicht das obligatorische Viertel über die 100 Punkte Marke geschafft hatten, wurde auch für die größere Klasse der Tag als neutralisiert erklärt. Steffen hatte dann noch das Vergnügen Robin mit dem Tesla vom Acker aufzusammeln.

4. Juli
Das Gleiche wie am Tag zuvor, nur mit dem Unterschied, dass ich noch hochgeschickt wurde. Es reichte für eine Viertelstunde festkrallen am Platz, dann musste ich wieder landen. Kurze Zeit später wurde auch dieser Tag neutralisiert.
5. Juli
Der Wind nahm noch zu und auch an diesem Tag wurde bereits zum Briefing neutralisiert. Steffen und ich nutzten den langen freien Tag und machten einen Ausflug nach Magdeburg. Jetzt kenne ich die Stadt auch am Boden, bisher bin ich nur ein paar Mal drüber geflogen.

6. Juli – Den letzten Bart des Tages erwischt
Der Wind hatte nachgelassen und die Vorhersage versprach einen echt gut fliegbaren Tag.
Da hier und da Überentwicklungen angesagt waren, entschied sich die Leitung für eine AAT Aufgabe 330km / 517km inklusive des PEV-Abfluges mit Schwerpunkt südlich von Berlin.

Auch heute wollten wir wieder im Dreier-Team starten und heizten zu Beginn der Abflugfreigabe los (warum warten, wenn das Wetter passt und man gerade pünktlich zum PEV die Abflughöhe hat?).
Also heizten wir mit einem Affenzahn los nach Süden. Es ging grandios abwärts, aber kurz vor der Elbe stand eine 3-Meter Wolke. Also rauf auf 1500m und weiter geht’s. Der eigentliche Plan war knapp am westlichen HX vorbei nach Süden in den ersten Sektor und je nachdem wie gut es gehen würde, nach Osten abbiegen. Blöderweise war die angepeilte nächste Wolke schon fast im HX-Sektor und aufgrund des Nordwest Windes, mussten wir bald schon das Kreisen beenden und weiterfliegen.
Kurze Zeit später teilten wir uns auf. Olav (der wie immer ein gutes Stück höher war) flog schon einmal vor, während Hannes und ich noch an der nächsten Wolken kreisten. Kurz vor Altes Lager zog es sich ganz schön zu und schien, als wäre der gesamte Bereich südlich von Berlin von einer nervigen Abschirmung betroffen. Na tolle Wurst, da wo wir hin wollten. Den ersten Sektor hatten wir passiert und der Plan war nördlich an Oehna vorbei, über die Wälder nach Osten. Ein paar Kanten lagen dort noch in der Sonne und man käme auch über das Tropical Islands, welches ja bekanntlich ein sehr zuverlässiger Auslösepunkt ist. Aber erst einmal mussten wir uns nördlich von Oehna wieder aus 650m ausbuddeln. Olav hatte ein glücklicheres Händchen gehabt, denn ein wenig weiter nördlich ging es für ihn mit 3m/s nach oben, während wir uns notgedrungen mit 1,5m/s abfinden mussten. Die restlichen Unterschiede der Streckenführung sind übrigens sehr interessant. Olav ist immer ein gutes Stück nördlicher als wir geflogen, was ihm auch (verdienterweise) im Endeffekt den 5. Tagesplatz eingebracht hatte. Auch Interessant: Uwe und Stefan flogen südlich von Reinsdorf entlang über das Waldgebiet.

Aber nochmal zurück zu unserem Elend. Wir hangelten uns von Fetzen zu Fetzen, ohne dass der richtige Knallerbart aufzufinden war. Erst kurz vorm ED-R Kummersdorf ging es dann endlich wieder mit über 2,5m/s nach oben und wir freuten uns über die hart erkämpften 1700m Arbeitshöhe. Hatte die Überentwicklung bei uns noch einiges an Struktur und ein paar Löcher, so wurde sie dicker, je näher man dem Sektor kam. So schwand unsere Höhe rasch und im Sektor musste erst einmal wieder Höhe getankt werden. Freundlicherweise malte uns Olav den Bart an, als sich unsere Wege kreuzten. Die nächste Wende lag ein Stückchen südwestlich von uns und aufgrund des schlechter werdenden Wetters, wollten wir diese nur ankratzen. Südlich von Lübben sahen wir auf unserer Höhe zwei Flugzeuge kreisen. Diese stellten sich als Uwe und Stefan heraus und kurzerhand (und auch aufgrund des Mangels eines Plans) beschlossen wir, den beiden Profis einfach mal zu folgen, um zu sehen wie diese das schwierige Wetter angehen. Zumindest solange wir mithalten konnten (was uns für sagenhafte zweieinhalb Bärte gelang). Die nächste Thermik bei Fürstlich Drehna erwischte Hannes viel besser als ich und während ich mir auf 900m einen Ast absuchte, um seine 2m/s zu finden, war er bereits 200m über mir. Kurze Zeit später trennten wir uns, musste ich ja erst einmal wieder auf eine bessere Ausgangshöhe kommen. Im Endeffekt hatte ich wirklich Glück im Unglück. Durch meine niedrigere Höhe war ich gezwungen einen Umweg um die Kontrollzone von Holzdorf zu machen und wählte die Route über die Wälder südlich Reinsdorf. Hannes wählte den direkten Weg über Holzdorf, zumal dort auch die optisch besseren Wolken standen. Ärgerlicherweise zogen besagte Wolken bei ihm nicht und so spuckte ihn Holzdorf wieder in 1000m aus. Während ich also Fetzen und Fetzen über dem Wald mitnahm und hier mal 200m, da mal 150m mit 1-1,5m/s machte (von meiner Geschwindigkeit hatte ich mich in der Zwischenzeit, sowieso wieder verabschiedet, ich wollte irgendwie im Spiel bleiben, da ich auch an diesem Tag kein glückliches Händchen mit dem Wetter hatte), flog er zielstrebig nach Oehna, da dort über dem Wald die Wolken wieder besser aussahen und kam in 500m an. Ich hangelte mich im mittleren Höhenband langsam aber hartnäckig nach Westen und konnte nur von oben hilflos mit ansehen wie er kämpfte. Aber an der Stelle war auch wirklich der Wurm drin, beziehungsweise die Abschirmung drüber. Erst westlich hinter Altes Lager, als sich die Bewölkung wieder etwas auflockerte, fand ich wieder einen guten 3m/s Bart, der mich endlich wieder auf eine ordentliche Höhe (1800m AGL) brachte. Die Thermik hatte zu dem Zeitpunkt auch Erbarmen mit dem tapferen Hannes und direkt über dem Platz lösten sich 1,5m aus und er konnte sich nach fast halbstündigen Kampf aus 380m AGL ausgraben (Respekt für deine Hartnäckigkeit). Ab da zogen die Wolken wieder zuverlässiger bei mir mit durchschnittlich 2m/s und ich hangelte mich weiter nach Westen zum letzten Wendekreis. An diesem Tag gab es wirklich alle möglichen Wolken. Fluchte ich bis eben noch über 7/8 Cu, so trockneten diese im Westen ab und in der Zwischenzeit zog auch eine dicke Cirrenschicht auf. Die einzelnen übrig gebliebenen Wolken endeten gerade so am Wendekreis (ich war mal wieder viel zu spät). Vor Zerbst sammelte ich in zwei Etappen noch einmal Basishöhe und in knapp 2000m AGL ging es nach dem Ankratzen der letzten AAT-Tonne Richtung Norden zurück nach Stendal. Mir fehlten nur noch wenige hundert Meter, um zu Hause anzukommen und auf dem Heimweg standen noch ein paar einzelne Fusseln. Diese würde ich abklappern und irgendeine wird mich ja schon noch nach Hause bringen. Hoffte ich jedenfalls.
Also auf zu Wolke Nummer 1. Zwei Suchkreise später, gab ich diese auf, da ich meine kostbare Höhe nicht hier mit Suchen verbraten wollte. Es standen ja immerhin noch ein paar auf dem Weg.

Und weiter! Es ging gut nach unten, was mich zur Vermutung brachte, dass hier noch irgendwo irgendwas stehen würde. Ganz tot war die Luft ja nicht.
Die nächste (und vorletzte) Wolke stand westlich vom ED-R 73. Tatsächlich hob sich dort auch die linke Fläche und ich kreiste ein. Aber aus dem anfänglichen Pups, wurde trotzdem nichts. Genervt flog ich weiter und peilte die letzte Wolke an.
Leider löste sich der Fetzen kurz bevor ich ankam, in die Unendlichkeit auf und ich fing gewaltig an zu fluchen. Zwar hatte ich noch gute 1200m über Grund, aber bis zurück zum Flugplatz würde es sehr sehr knapp werden. Den Zielkreis könnte ich dann wohl vergessen. Naja, immerhin würde die Rückholtour nicht allzu lange dauern. Während ich also schon die Außenlandesituation am Horizont beobachtete, erkannte ich 30° ab vom Kurs ein kleines Wölkchen, welches sich gerade erst gebildet hatte. Aufgrund mangelnder Alternativen, nahm ich die Kursabweichung in Kauf und hoffte auf diese letzte Chance. Ich flog unter die Wolke und ich kreiste rechts ein. Mein ganzer Körper spannte sich an und ich traute mich gar nicht aufs Variometer zu schauen. Aber es fühlte sich gut an und als ich einen Blick wagte, erkannte ich solide 1m/s. Und diese waren sogar stabil! Mein Endanflugrechner zeigte nun wieder zartes Plus an und ich gönnte mir ein paar Meter mehr Sicherheit (natürlich wieder viel zu viel). Und so begann ich meinen langen Endanflug und kam eine halbe Stunde später groggy aber glücklich wieder zu Hause an. Ich war mal wieder die letzte der Rumkommer. Hannes hatte leider nicht so viel Glück und die Zeit die er in Oehna verloren hatte fehlte ihm dann für den letzten Bart. Bei mir reichte es für Platz 19.

https://www.weglide.org/flight/299240
7. Juli – Kalles Blauthermik in Stendal
Das Wetter sollte sich endlich einpendeln. Und zwar im Sommer.
Es waren um die 30°C, aber gute Blauthermik angesagt. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, da Blauthermik nach meinen zwei bisherigen Außenlandungen in dieser Saison es ganz gewaltig bei mir verschissen hatte.
Die Wettbewerbsleitung bastelte uns eine lustige 417km RT im Norden von Berlin. Natürlich wieder mit dem altbekannten PEV.
Wir mussten an diesem Tag leider auf Hannes verzichten und so bildeten Olav und ich das ASW19-Duo (Spoileralarm: an diesem Tag schafften wir es sogar zusammen zu bleiben).
Mein Gemecker im Grid hatte geholfen, denn der Wettergott hatte Einsicht und es bildeten sich einzelne Wölkchen. Das sah ja schon um einiges besser aus. Nach einiger Zeit fanden Olav und ich uns unter einer einzelnen Wolke westlich der Elbe und wir überlegten uns einen Plan. Ein südlicher Abflug von unserer Position hätte den Vorteil südlich am ED-R 71 vorbeizukommen. Außerdem standen hier nach und nach einzelne Wölkchen in Gleitbereich genau auf Kursrichtung. Die erste Wende lag auf der polnischen Oderseite ein gutes Stück östlich von Eberswalde-Finow. Also kurbelten wir noch einmal und mit einem eleganten Schlenker ging es dann in perfekter Höhe und Geschwindigkeit über die Abfluglinie. Ein paar Kilometer weiter gönnten wir uns in einem herrlichen 3,5m/s Bart 500m und in gut 2000m ging es dann richtig los. Ich freute mich über die hohe Basis, die es uns ermöglichte weite Strecken zu gleiten und so erkurbelten wir erst wieder südlich des Flugplatzes Stechow ein paar Meter. Wir flogen mit einem größeren Pulk und da wir mit den beiden ASW19 gegenüber einer Horde von LS3, LS4 und Co doch ziemlich langsam waren (Nur ein einzelner Cirrus war älter als unsere Flugzeuge), flogen wir den Anderen meist hinterher, hatten aber dadurch immer gute Orientierungspunkten unter welchen Wolken es wie gut geht. So ging es mit einem Affenzahn nach Osten. Auf dem ersten Schenkel hatten wir eine sagenhafte Schnittgeschwindigkeit von 107km/h (im Vergleich zu allen anderen furchtbar langsam, wie sich herausstellte, aber wir hatten trotzdem unseren Spaß). Erst an der Wende in Polen wurde es ein wenig knifflig, da wir eine falsche Entscheidung getroffen hatten: es war relativ blau um die Wende, nur hinter dem Sektor stand eine einzelne Wolke. Wir entschieden uns gegen diese Wolke und klatschten den Sektor an und bogen wieder Richtung Kurs nach Nordwesten ab. Durch die Wolke in der Nähe ging es wo wir waren sagenhaft abwärts und so kamen wir in 800mAGL an der nächsten Wolke an. Diese zog zwar gut mit 3m/s, aber in meinem LX sah ich, dass die Kameraden, die den Sprung zur Wendewolke gewagt haben mit über 4m/s belohnt wurden. So kam es, dass wir überholt wurden, während wir immer noch kreisten.

Aber Ärgern half nichts, wir mussten weiter. So sprangen wir von Wolke zu Wolke auf dem zweiten Schenkel und blieben dieses Mal auch sehr gut zusammen. Bei Groß Dölln bildete sich sogar eine längere Wolkenstraße, sodass wir bequem ohne zu kreisen gut Strecke machten. Allerdings merkten wir bald, dass wir auch an diesem Tag viel zu langsam unterwegs waren.

So schön die Wolkenstraße ging, sie war irgendwann vorbei und je näher man der Müritz kam, desto lichter wurde der Himmel und die einzelnen Wolken die kamen, zogen nicht mehr ganz so zuverlässig. Auf dem Weg zur Wende sah man einige Clubklasse-Kollegen, die relativ tief aus der Wende kamen. Kurz vorm Flugplatz Müritz kurbelten wir uns von 1100m auf 1700m unter der letzten Wolke (alles was darauf folgte, waren eher Fetzen als Wolken). Wir versuchten uns von Fetzen zu Fetzen zu hangeln und so gut auf Höhe zu bleiben wie es geht. Allerdings war die Thermik unter den Fetzen sehr demotivierend. Kreiste man bei einem 3m/s Varioausschlag ein, waren von den 3m/s nach in zwei Kreisen nur noch ein müder Meter geblieben, was definitiv zu wenig für diesen Tag war. So nahmen wir die Geschwindigkeit im Vorflug heraus und orientierten uns ein wenig an den andern.
Nachdem wir die Wende genommen hatten, ging es zur letzten Wende nach Südosten nach Neuruppin. Wir wählten eine etwas andere Route, als die Kollegen, die mit uns gewendet hatten. Wir flogen östlich von Berlinchen entlang und hatten dieses Mal Glück. Während die Anderen tief zur übernächsten Wolke flogen, konnten wir uns mit 3m/s wieder auf 1800m kämpfen (die Basis war in der Zwischenzeit wohl weit über 2000m gestiegen, jedoch hörte die Thermik immer ein gutes Stück darunter auf). Aber was vor uns lag, bremste doch unseren Enthusiasmus ziemlich. Die paar unregelmäßig gut ziehenden Fetzen lösten sich nach und nach auf. Wir waren einfach zu langsam und zu spät! So passierten wir das ehemalige Bombodrom und flogen Fetzen für Fetzen an und kurbelten hier 50, da mal 100m, nur damit die hart erkämpfte Höhe kurze Zeit später sich wieder in Luft auflöste, denn abwärts ging es nach wie vor noch grandios. Es fehlten noch einige hundert Meter, um nach Hause zu kommen. Klar! Es war ja noch ein gutes Stück! Aber all die angeflogenen Fetzen brachten uns keine Höhe und so drehte sich der Höhenmesser langsam aber mitleidslos rückwärts. Bei Neuruppin wendeten wir in 1700m und hatten noch gute 80km auf Stendal, dazu kam leichter Gegenwind, der es umso nötiger machte noch wirklich ein paar Meter zu sichern. Allerdings war es nun fast komplett blau. Es lagen noch zwei Fussel (die nicht mal mehr Fetzen waren) vor uns. Aber auch diese brachten nicht die gewünschte Erlösung. Bei 1,5m/s eingekreist, schwand das Steigen schnell und wir wurden sage und schreibe mit 50m Höhengewinn wieder ausgespuckt. Den letzten Alibi-Fussel passierten wir, ohne Erfolg und nun begannen wir den sehr langen Endanflug, der ohne weitere Hilfe von Thermik wohl ein gutes Stück vor Stendal auf einem Acker enden würde. Wir teilten uns auf, um eine größere Fläche abfliegen zu können, aber nun fühlte sich die Luft wirklich tot an. Wir versuchten alles! Waldkanten, nichts! Solaranlagen, nichts! Windparks, auch nichts! Schöner Mist. Unser Höhenmesser drehte sich in der Zwischenzeit rückwärts in den dreistelligen Bereich und die Optik voraus machte nicht viel Hoffnung. Weder Fussel noch irgendwelche Staubkappen waren am Himmel zu sehen, zumal die Sicht gegen die Sonne sowieso sehr bescheiden war (ich hatte doch erst meine Haube geputzt! Wie kann die schon wieder so dreckig sein?!). Während ich so in Gedanken war, geschah etwas, was Hoffnung machte. Aus der seit einiger Zeit konstant toten Luft, wurde auf einmal richtig ordentlichen Sinken. Es ging nun mit rasanten 3m/s abwärts, was bedeutete, dass hier doch noch nicht alle vertikalen Luftbewegungen zum Erliegen gekommen sind. Zwar verloren wir in Windeseile weitere 300m Höhe, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Und südlich von Kyritz hob sich tatsächlich die rechte Fläche und bevor das Variometer ausschlug, kreiste ich ein. Es zeigte dann zwar 3m/s Steigen an, aber darauf gab ich nichts, da ich an diesem Tag schon zu oft von anfänglich guten Steigen enttäuscht wurde. Aber auch nach einigen Kreisen zeigte es gute 2,2m/s integriertes Steigen an und wir konnten endlich aufatmen. Wenn es uns noch einmal bis zur Basis brachte, wäre das unser Ticket nach Hause. Zwischenzeitlich waren neben Olav und mir noch einige weitere versprengte Clubklasse-Kameraden zu uns gestoßen. Das Steigen blieb schön konstant und nach ungefähr 10 Minuten waren wir endlich auf Endanflughöhe plus Sicherheitsbonus. Wir hatten noch fast 60km vor uns, aber wenn es uns nicht konstant herunterspülen würde (und wie wir schon feststellten, war das Wetter größtenteils schon vorbei und die Luft tot), müsste es entspannt bis nach Hause reichen. So traten wir den langen Endanflug an und ich genoss das ruhige Dahingleiten und die Aussicht. Es trug sogar so gut, dass wir ab der Elbe noch einen Zahn zulegen konnten und kamen trotzdem wunderbar in Stendal an. Ein schöner Flug, der wirklich großen Spaß gemacht hat mit spannenden Ende. Olav schaffte den 15. Ich den 18. Tagesplatz (durch 0,008 Indexpunkte Unterschied bekam er 18 Punkte mehr) mit 94km/h.

https://www.weglide.org/flight/300206
8. Juli – Von fliegenden Grasbüscheln
Uns erwartete an diesem letzten Wertungstag Copy und Paste Wetter. Blau mit ein paar Wolken, gute Steigwerte und eine noch höhere Basis.
Da es der letzte Wertungstag war, entschied sich die Wettbewerbsleitung für eine kleinere Strecke wieder in den Süden Brandenburgs. 313km RT zuerst südlich Holzdorf und dann Haldesleben. Natürlich auch hier wieder mit dem inzwischen altbekannten PEV. Ich stand relativ weit hinten im Grid und schmorte in der Sonne. So konnte ich Eva noch mit meinem Zweitakku aushelfen, da ihr Akku eine Seilrunde vor ihrem Start entschieden hat zu streiken. Daran, dass sie eigentlich meine Konkurrentin ist dachte ich gar nicht, sind wir doch alle Fliegerkameraden.

Hannes war wieder mit dabei und heute gab es anscheinend wirklich Blauthermik. Direkt aus der Winde ging es auf 1500m. Ich hielt mich nördlich des Platzes, da hier ein zwei Staubkappen zu sehen waren. Meine Teamkameraden hatte ich bislang noch nicht in der Luft angetroffen, hatten diese doch eine frühere Seilrunde als ich. Die beiden waren ein gutes Stück nördlich, aber ich wollte mich nicht zu weit entfernen, da die Startlinie eher östlich Stendal lag. Und während ich so auf die Freigabe der Abflugline wartete, hatte ich eine Begegnung der dritten Art. Ich kreiste auf gut 1700m im Blauen, als mich plötzlich ein Grasbüschel in der Thermik überholte. Nicht nur einzelne Grashalme (sowas kommt ja schonmal vor), sondern ein ganzer Büschel, inklusive Wurzeln. Ich habe ja schon vieles gesehen, aber das wirklich noch nicht und so staunte ich nicht schlecht. Übrigens habe ich mir das in meinem grenzenlosen Wahnsinn oder als Vorbote eines ausgewachsenen Sonnenstichs (es war auch an diesem Tag wieder sehr heiß) nicht eingebildet, denn Uwe (der mit mir kreiste) konnte die Sichtung bestätigen.

Bald darauf war die Abfluglinie frei und wir trafen uns nördlich Stendal, um noch einmal Höhe vor dem Abflug zu sammeln. Der PEV-Marker passte gut und in 2400m MSL (und das um kurz vor 13 Uhr) flogen wir Richtung Abfluglinie. Da die maximale Abflughöhe an diesem Tag 2000m MSL betrug, machten wir vor der Linie einen kleinen Schlenker nach Westen und als die Höhe passte, ging es los (tatsächlich war ich 3m zu hoch, was mir 1 Strafpunkt einbrachte. Ich glaube das war der erste Strafpunkt in meiner Wettbewerbslaufbahn). Die erste Wolke im Süden erreichten wir entspannt, leider aber trafen wir das optimale Steigen nicht direkt, sodass uns das Suchen etwas Zeit kostete. Aber sich ärgern half uns nicht weiter und sich am Anfang der Strecke schon irre zu machen schon weniger. Bei Genthin erwischten wir die Thermik besser und mit 3m/s ging es wieder auf 2400m AGL. Danach ging es eher schleppend weiter. Schleppend ist in diesem Fall zwar relativ, aber nur 2m/s fühlten sich einfach zu wenig an. So hüpften wir von Wolke zu Wolke weiter nach Südosten und sammelten immer nur gerade so viel Höhe, um im mittleren Höhenband zu bleiben. Leider verloren wir kurze Zeit später Olav, der den Bart nicht richtig erwischte. Hannes und ich wählten daraufhin eine Route über die Wälder, Olav den direkteren Weg über die Felder. Aber weder wir noch er waren alleine, denn zusammen mit uns flog auch ein größerer Clubklasse-Pulk. Bei Wittenberg trafen wir uns wieder und konnten wieder zusammen fliegen. In der Zwischenzeit war die Basis schon auf 2700m gestiegen und man konnte bequem zu den einzelnen Wolken gleiten, da diese auch wie am Tag zuvor (noch) zuverlässig zogen. Bei Jessen tankten wir noch einmal Höhe und waren schon kurz vor der ersten Wende. Der Weg zur Wende war wirklich eindrucksvoll. Gemeinsam mit fast 10 anderen Flugzeugen glitten wir lautlos durch die Lüfte. Das war ein toller Anblick (leider hab ich kein Foto gemacht, meine Kamera hatte bei der Hitze schon vor dem Abflug das Handtuch geschmissen). Direkt im Sektor stand eine schöne Wolke und wir gönnten uns mit 3m/s noch einmal Basishöhe. Beim Blick nach Westen erkannten wir, dass wir nun eine Entscheidung zu treffen hatten.
Variante A: mit den Anderen die gleiche Strecke zurück und dann nach Westen abbiegen, Umweg, aber Wolken. Variante B: der direkte Weg durchs Blaue über die Elbe. Am Horizont stand eine Wolke, die man mit dieser grandiosen Arbeitshöhe locker erreichen könnte, aber die Elbe ist bekannterweise sehr tückisch. Wir entschieden uns für die direkte Route und wurden vom Jantar „KY“ begleitet. Vor der Elbe sammelten wir an der letzten Wolke vorm großen blauen Loch noch einmal Höhe und in 2600m AGL ging es dann los.

Allerdings machten wir einen Fehler, der uns erst später klar wurde. Durch die 35km Gleitstrecke über die Elbe, nahmen wir Geschwindigkeit heraus um Reserve zu haben. Dadurch, dass wir in genau dieser Gleitstrecke so langsam waren, fehlten uns bei der restlichen Strecke immer ein paar Minuten. Aber dazu später mehr. Als wir vor Wittenberg die Elbe kreuzten erkannten wir, dass unter der angepeilten Wolke hinter der Stadt ein paar Flugzeuge kreisten, die nicht schlecht stiegen. Durch unseren langen Gleitflug haben wir gute 1200m verbraten und in 1500m kam man sich bei dieser Basishöhe schon echt niedrig vor. Wir kreisten unten ein und freuten uns über 3m/s. Tja, jetzt kommt das große Aber! Dadurch, dass wir eher zurückhaltend geflogen sind, fehlten uns jetzt ein paar Minuten. Das Team vor uns konnte die Wolke noch gut bis oben auslutschen, bei uns fing sie langsam schon an abzubauen, sodass wir ein wenig schlechteres Steigen in Kauf nahmen, um wieder bis an die Basis zu kommen. Und so nahm das Unglück seinen Lauf. Diese leichten Trödeleien summierten sich, so dass sich jede Wolke, die wir daraufhin anflogen schon im Begriff war sich aufzulösen, als wir sie erreichten. Die Wolken zogen immer schlechter und irgendwann sah es wirklich dürftig zur nächsten Wende aus. Wir sammelten zwar hier und da immer ein paar Höhenmeter, aber der Brüller war es nicht mehr. Verdammt! Den letzten halbwegs brauchbaren Bart hatten wir bei Zerbst und bis zur Wende waren es sicher nochmal gute 60km und von dort noch einmal 45km nach Stendal. Wir sammelten hier und da mal wieder ein paar Meter, aber von einer Endanflughöhe waren wir noch weit entfernt. Natürlich löste sich auch die Wolke an der Wende vor unseren Augen auf und mit größter Mühe konnten wir dem Nachhauch noch 200Höhenmeter entlocken, die aber immer noch nicht reichten, um es nach Hause zu schaffen. Der Blick nach Norden verriet, dass es nun eine weiter Entscheidung zu treffen gäbe. Der direkte Weg über ein großes Wald- und Schießgebiet oder außen rum. Beim direkteren Weg hatte man die Chance ein paar Wolken abzufliegen. Wenn diese sich aber auch vor einem auflösen würden, hätte man ein mittleres Problem, denn man müsste erst einmal wieder in landbares Gebiet hineingleiten und das könnte knapp werden (ich bin ein Schisser). Zum Glück hatte es den Anschein, dass das Schießgebiet sich in der Mitte verjüngen würde, sodass man zur Not um 90° zur Seite abbiegen konnte. Also entschieden wir uns für den direkten Weg und hofften, dass die Wolken doch noch einige Minütchen durchhalten würden. Die Wende hatten wir in 1600m AGL genommen und wir flogen tapfer los. Und wir hatten tatsächlich Glück! An der Kante vom Wald- zum Schießgebiet stand eine Wolke, die uns direkt mit soliden 1,5m/s auf Endanflughöhe brachte. Ohne weitere Schweinereien kamen wir in Stendal an. Natürlich wieder viel zu langsam mit um die 93km/h, aber immerhin. Olav auf Platz 20, Ich Platz 22 und Hannes Platz 23.
Es hat trotzdem großen Spaß gemacht!

https://www.weglide.org/flight/301482
Trotz des durchwachsenen Wetters, war der Wettbewerb ein großer Spaß.
Die Organisation war sehr gut und auch das Starten an der Winde mit zwei Klassen, funktionierte erstaunlich gut. Es war toll alte Freunde wiederzusehen und neue kennenzulernen. Unser bunt gemischtes Camp hat wirklich gut funktioniert und harmoniert.
Leider war ich mit dem 17. Gesamtplatz nicht ganz so erfolgreich, aber ich habe trotzdem viel gelernt!
