Nach dem Herbstwettbewerb in Landau gönnte ich mir eine Woche zu Hause, bevor es wieder in den Süden gehen sollte.
Als Streckenflugsaisonabschlusshighlight stand uns nämlich eine Woche Streckenfluglehrgang des Angelika Machinek Fördervereins für Frauensegelflug auf dem Klippeneck bevor. Nach 10 Stunden Fahrt und einem zufälligen Treffen mit einem ehemaligen Vereinskollegen an einer Raststätte in Bayern kamen wir auf Deutschlands höchstem Flugplatz an.
Der Flugplatz Klippeneck liegt (wie man sich anhand des Namens denken kann) direkt an der Kante der Schwäbischen Alb auf 949m. Wobei ich mich diesbezüglich wirklich frage, wo die 949m gemessen wurden, denn der Flugplatz war alles andere als gerade. Die Startstellen waren etwas erhöht und die Mitte der Bahn lag in einer Senke. Der Ausblick von der Hochebene ist grandios und so zieht das Klippeneck nicht nur Flieger, sondern auch Freizeitsportler jeder Art an. Eine Wanderung oder Fahrradfahrt durch die angrenzenden Wälder ist herrlich. Ich könnte noch seitenlang weiter schwärmen, aber kommt doch einfach selbst mal ins Schwabenländle und genießt die Gastfreundschaft.

Am Abend wurde nach einer Begrüßung von Walter Eisele und Sicherheitseinweisung von Michael Zistler der Plan für den nächsten Tag gemacht. Auch sollten jeden Morgen ein bis zwei Pilotinnen das Wetterbriefing zusammen mit Rainer Peghini vorbereiten. Ich meldete mich für die erste Runde, wollte ich nicht nur fliegerisch, sondern auch in der Theorie weiterkommen. Und da Meteorologie bekannterweise mein Endgegner ist, war das doch eine gute Chance meine Kenntnisse zu verbessern.
Am Sonntag 13. August trafen wir uns nach gemeinsamen Frühstück um 9 Uhr zur Wettervorbereitung. Rainer hatte ein gutes Konzept und so arbeiteten Jasmin Iqbal und ich uns mit seiner Hilfe durch diverse Wetterkarten und Modelle mit dem Fazit, dass ein Fliegen möglich wäre, aber alles mit der Gewitterneigung am Nachmittag stehen und fallen könnte.
Das Briefing fand um 10 Uhr statt und die Gruppeneinteilungen wurden durch Walter vorgenommen. Walter teilte mir Jürgen Wisbacher als Trainer zu und ich mit meiner ASW19 und er mit einer ASH31 könnten nicht unterschiedlichere Flugzeuge haben. Trotzdem verstanden wir uns auf Anhieb und Vicky würde sich schon mit ihrem (sehr) großen Bruder arrangieren.

Nach dem gemeinschaftlichen Aufrüsten rollten wir als Schleppkarawane zum Start auf der Bahn 23 und versuchten uns in Gruppenreihenfolge aufzustellen (am ersten Tag war das noch etwas chaotisch, aber von Tag zu Tag klappte das besser). Leider machte uns dann aber kurze Zeit später das Wetter einen Strich durch die Rechnung, da heranziehende tiefe Bewölkung inklusive Schauer, Gewitter und Böenwalze uns das Starten unmöglich machte. Nachdem wir das dritte Mal die Flugzeuge wieder trockengelegt hatten, gaben wir uns geschlagen und zogen wieder zum Abstellplatz.

Neuer Tag, neues Glück!
Ich war zwar schon mit meiner Pflichtwetterrunde durch, aber leistete den heutigen Mädels und Rainer trotzdem Gesellschaft bei der Wettervorbereitung. Auch an diesem Montag den 14. Hatten wir eine sehr labile Wetterlage und es wäre auch heute wieder am Nachmittag mit Schauern und Gewittern zu rechnen. Es käme also darauf an, wie und wo diese uns treffen würden.
Die Gruppen wurden beibehalten und so zogen wir erneut die Flugzeuge zum Start auf der Bahn 23. Heute klappte das Gridden schon bei weitem besser und schnell waren wir startbereit. Nunja, wir waren startbereit, aber das Wetter eher nicht. Als sich dann endlich ein kleines Wetterfenster zeigte wurden die ersten beiden Gruppen geschleppt. Gruppe 1 mit Walter und Tanja im AMF Janus, Jasmin in ihrer DG100 und Stephanie mit der LS4. Leider brachte das vorbeiziehende Gewitter auch eine beachtliche Böenwalze mit, sodass die arme Stephanie ganz schön durchgeschüttelt wurde (aber sie machte das trotz widriger Wetterumstände toll). Danach warteten wir erst einmal den Durchzug ab, aber es blieb bockig. Einige Zeit später wagte Veit mit Susanne im Duo Discus den Start und bekamen auch wohl den letzten Thermikpups am Platz ab.
Aufgrund der sich verschlechternden Wetterlage, neutralisierten wir anschließend für die restlichen Gruppen und verfolgten die Flüge der anderen. Die erste Gruppe landete leider kurze Zeit später in Donaueschingen und so machte sich unser Schlepppilot Georg Lorenz mit der Dynamic auf zum Rückschlepp-Marathon.
Der Duo hielt sich währenddessen wacker auf ungefähr 500m Höhe beim Flugplatz Neuhausen Ob Eck. Gebannt starrten wir auf den Glidertracker und fieberten mit. Das Duo-Duo kämpfte um jeden Meter und nach einiger Zeit wagten sie den Rückweg. Sie sammelten per Hangflug die wichtigen Höhenmeter und jetzt könnte es sogar mit dem Heimflug klappen. Als sie hinter der Baumreihe auftauchten und sicher auf der Bahn landeten, gab es kein Halten mehr. Wir jubelten was das Zeug hielt und empfingen unsere tapferen Piloten. War das spannend! Respekt, dass ihr die Nerven behaltet habt.
Der Abend wurde beim gemeinsamen Grillen in gemütlicher Runde beendet und wir tauschten allerlei Fliegergeschichten aus. Was für eine tolle Truppe!

Der nächste Tag brach an und ich wollte fliegen! Ja, ich war richtig heiß aufs Fliegen!
Von der Profi-Maurerin wurde ich zur Optimismus-Fee und das tat ich auch beim Wetterbriefing kund. Zwar hatten wir wieder Copy-und-Paste-Wetter der letzten Tage, aber ich war der festen Überzeugung, dass wir heute die Chance bekämen die Gegend zu erkunden.
Unsere Gruppe wurde so beibehalten, aber wir rutschten in der Startreihenfolge eins nach vorn. Nach dem Gridden schien tatsächlich das Wetter ein wenig brauchbarer und so wollten wir keine Zeit verlieren. Und so durfte ich meinen ersten Flugzeugschlepp vom Klippeneck genießen. Ja, genießen ist tatsächlich der richtige Ausdruck, denn der Ausblick, wenn man über die Kante startet und ins Tal sehen kann ist mehr als herrlich. Georg schleppte mich zur nächsten Wolke im Süden und über Tuttlingen klinkte ich aus. Während ich mich zur Basis kurbelte, fanden Jürgen und ich uns im Funk und kurze Zeit später auch in der Thermik. Wir entschieden uns erst einmal der Wolkenstraße nach Osten auf die Alb zu folgen. Und das funktionierte ganz großartig. Jürgen lotste mich mit auf die tragenden Linien (Linien fliegen ist leider keine meiner großen Stärken) und wartete selbstverständlich auf mich (mit 20 Gleitpunkten Unterschied, war das sehr oft), wenn ich wieder nicht hinterherkam. Vielen Dank Jürgen für deine Geduld.

Kurz vorm Reifersberg war die Wolkenstraße leider schon zu Ende und wir wendeten für unseren Kurs nach Westen. Auch hier lotste er mich mit geübten Blick auf die perfekte Linie unter der Wolkenstraße. Was soll ich sagen? Wenn ich an die vier Meter Steigen geradeaus denke, bekomme ich noch immer Gänsehaut.

Wir flogen von unserer Wende bis kurz vor Neuhausen ohne einen Kreis und kamen sogar 200m Höher raus, als beim Einstieg. Weiter ging es bis Donaueschingen, wo wir noch einmal Höhe sammelten (2300m MSL, was an der Stelle ungefähr 1600m AGL waren) und nach Südwesten Richtung Reiselfingen abbogen. Die Wolken führten uns bis kurz in den Schwarzwald zum Schluchsee.

Auch auf den Rückweg ging es unter eine Wolkenstraße und auch diese trug fantastisch, sodass es erst wieder südlich von Donaueschingen notwendig war zu kreisen. Leider hatte ich irgendwie immer die Tendenz die Wolkenstraße zu weit mittig anzufliegen, aber ich wurde jedes Mal freundlich zur optimalen Linie gelotst. Was soll ich sagen? Ich hab noch nie so wenig gekreist in meinem Leben. So ging es weiter bis zu Flugplatz Saulgau, wo leider wieder die Wolkenstraße endete. Wir wendeten ein zweites Mal im Osten und flogen wieder nach Westen. Leider hat sich die große Wolke unter der wir auf dem Hinweg noch tolles Steigen hatten, zwischenzeitlich zur CB Wolke verwandelt, aus der es allem Anschein nach hier und da bereits regnete. Aber auch das war kein Problem und so suchten wir uns die Wolkenkante aus, die noch in der Sonne lag und flogen weiter. Mit 1500m AGL kam ich ja schon weit und eine 31 noch viel weiter. Bei dem großen Gleitpfad merkte man aber endgültig die Unterschiede und am Ende der Wolke war er gute 200m über mir.
Im nächsten Bart fand er gutes Steigen, ich hatte allerdings das Gefühl aus der Thermikblase unten herauszufallen. Ich zentrierte und suchte was das Zeug hielt und fand in Summa Summarium einen halben Meter integriert. Zwar hatte ich noch entspannte 1000m AGL, aber weit und breit sah es erst einmal wieder nach toter Luft aus. So erkurbelte ich Meter für Meter Endanflughöhe und als ich endlich hoch genug fürs Klippeneck war, ging es auf den Heimweg.
Dieser Flug war einfach nur toll! Und als Krönung schaffte ich es bei Weglide an diesem Tag auf Platz 1 der deutschlandweiten Flüge. Ich war mehr als stolz.
313km mit 80km/h waren super!
https://www.weglide.org/flight/323611

Am folgenden Mittwoch den 16. August hatten wir eine ähnliche Wetterlage. Nachdem beim Wetterbriefing ausführlich die Definition von UTC ausdiskutiert wurde und wir uns halbwegs einig waren (ich als Messtechnikerin würde es einfach als uhrzeittechnischen Nullpunkt bezeichnen) ging es in gewohnter Manier weiter. Heute sollten wir in Startrichtung 05 zu unseren Abenteuern starten. Jürgen schickten wir als Thermikschnüffler vor (das Los der Eigenstarter) und kurze Zeit später kreisten wir uns gemeinsam am Platz auf Abflughöhe. Die Basishöhe war noch nicht der Brüller und so hüpften wir von Wolke zu Wolke Richtung Schwarzwald. Von Schwenningen aus peilten wir die nächsten Wolken an der Schwarzwaldkante an.

Leider ging es dazwischen grandios abwärts und meine Höhe schwand sichtlich. In 550m AGL suchte ich mir schon ein Feld für den Plan B aus und wir schwärmten auf Thermiksuche aus. Ich machte einen Suchkreis nahe meines Feldes, Jürgen flog die Wolke etwas südlicher an und meldete gleich darauf ordentliches Steigen. Ich kalkulierte die Entfernung und stellte fest, dass ich von dort auch noch ins landbare Tal abgleiten könne. Also los!
Bei mir stieg es glücklicherweise dort auch, wenn auch nicht so gut wie 100m über mir. Während ich meine Höhe wieder erarbeitete analysierten wir die Umgebung. Die Sonne stand im Süden und mit dem leichten Wind aus gleicher Richtung, war die Hangkante eine gute Ablösekante. Langsam fangen Mittelgebirge an auch in meinem Flachland-Pilotinnen-Universum Sinn zu ergeben. Nach einiger Zeit und erneutem Einsatz von Jürgens Bremsklappen hatten wir wieder die beachtliche Höhe von 1300m über dem Schwarzwald (ungefähr 2300m MSL) und folgten der Wolkenstraße weiter nach Südwesten am Feldberg entlang. Der Feldberg ist mit 1493m der höchste Berg im Schwarzwald (Zum Vergleich: Der Brocken im Harz ist „nur“ 1141m hoch). Der Schwarzwald ist auch das höchste deutsche Mittelgebirge.

Nach kurzem Höhetanken beim Tennenberg ging es wieder unter eine Wolkenstraße.Ich genoss den Ausblick sehr und freute mich über die Bekanntschaft mit dem Schwarzwald (der viel netter ist als der Pfälzer Wald, was wahrscheinlich an der Verbindung zum Odenwald liegt, den ich auch sehr gerne mag. Zwischen Schwarzwald und Odenwald liegt der Kraichgau. Leider war die Wolkenstraße bald zu Ende und wir flogen wieder zurück nach Norden. Da auch heute wieder vor Gewittern gewarnt wurde und die erste Monsterwolke bereits im Tal stand, entschieden wir uns gegen den ursprünglichen Plan den Schwarzwald weiter nach Norden auszufliegen, sondern flogen eine ähnliche Linie wie beim Hinweg zurück. Wir wählten die Wolken, die direkt südlich der Monsterwolke in der Sonne standen. Das funktionierte auch wieder ausgezeichnet und wir kamen entspannt an der Wolke vorbei. Leider lichtete sich dahinter wieder das Wolkenbild und über Leibertingen (wo wir gemeinsam mit einer Blau-Gelb lackierten K6 kreisten…leider habe ich kein Foto gemacht) sprangen wir zu den letzten erreichbaren Wolken. Nachdem wir gewendet hatten, entdeckten wir, dass die erste Monsterwolke sich nördlich der Alb verzogen hatte, aber schon die nächste Monsterwolke im Tal stand. Und diese zweite Monsterwolke, war noch viel monströser als die erste Monsterwolke. Mein Vorschlag, wieder die südlichen einzelnen Wolken in der Sonne zu nehmen wurde erst einmal abgelehnt, denn Jürgen wollte mir zeigen, wie man am besten an der Monsterwolkenkante entlangflog. Da sie sich im Zentrum gewaltig ausregnete, musste sie ja irgendwo die Energie herbekommen. Alles klar! Es ging sensationell am Anfang der Wolke und wir kurbelten mit fast 3m/s und obwohl es schon leicht anfing zu regnen, ging es im Geradeausflug danach mit einem soliden Meter.

So ging es wunderbar bis wieder zum Schwarzwald. Von Schwenningen bis zum Schluchsee flogen wir ohne einen Kreis und Höhenverlust. Auch in der zweiten Runde ging der südliche Schwarzwald super und wir setzten den Flug weiterhin ohne einen Kreis fort, immer nur der besten tragenden Linie folgend. So wendeten wir auch hier bei der letzten Wolke (Beim Berg Hirnikopf…ich habe mich sehr amüsiert). Auch auf dem zweiten Weg nach Osten sprangen wir von Cumuli zu Cumuli und trafen unterwegs noch andere Mädels samt Trainer. Leider saugte inzwischen die Monströse-Monsterwolke alles an Energie ab, sodass wir unsere Idee im Osten noch einmal nach Norden zu springen, auf halben Weg verwarfen und zurück zum Klippeneck flogen. Nach einem schönen langen Endanflug, bei dem die rasende Reporterin ausgiebig fotografiert hatte, kamen wir auch auf Klippeneck an. Leider 10 Minuten zu spät, denn die Monsterwolke touchierte den Flugplatz doch im Vorbeiziehen. So musste das Schleicher-Duo in Raten abrüsten, damit die Flugzeuge halbwegs trocken in die Anhänger kamen. Das Bauteil, welches gerade eingeräumt wird, wird mit mehreren Personen im Eilverfahren so gut es geht abgeledert. Man musste nur schneller als der fallende Regen sein (waren wir leider nur bedingt).

Das war wohl der schönste Flug in diesem Jahr für mich. Ich habe jeden Augenblick genossen und kann mich gar nicht genug an der tollen Landschaft sattsehen. Und ganz nebenbei sind wir 368km mit 77km/h geflogen.
https://www.weglide.org/flight/323900

Den nächsten Tag verbrachten wir aufgrund der sich verschlechternden Wetterlage überwiegend mit Theorie. In einer sonnigen und trockenen Phase, legten wir unsere Flugzeuge trocken und machten ein wenig Klarschiff. Der Abend klang mit einer Pizza auf der Veranda und einigen Runden Wikingerschach (die Rainersche Kegeltechnik war auf dem Asphalt am effektivsten) bei bester Stimmung aus.


Am Freitag dem 18. wurden die Teams etwas umgewürfelt und wir bekamen Unterstützung von Stephanie. Die Wettervorhersage sprach von guter Blauthermik… allerdings haben wir alles andere bekommen als gute Blauthermik. Aber von Anfang an.
Heute starteten wir erneut von der Bahn 05 und bekamen direkt Anschluss an den ersten Wolken (soviel zum Thema). Wir wollten heute ausgiebig die Alb erkunden und sprangen von Wolke zu Wolke. Diese standen zwar immer ein gutes Stück auseinander, jedoch zogen sie zuverlässig. Irgendwann waren aber die Wolken zu Ende und wir wollten ja heute Blauthermik üben. Spätestens als mir mehrere vor uns gestarteten Flugzeuge sehr tief aus dem Blauen entgegen kamen, hätte es mir dämmern müssen, dass das vielleicht doch nicht die beste Entscheidung war.
In 1400m AGL ging es hinter dem Farrenberg weiter. Und es passierte… gar nichts. Das Vario stand konstant im negativen Bereich und die Höhe schwand langsam aber stetig. Wir flogen an der Albkante entlang, in der Hoffnung, dort über die angekündigte gute Blauthermik zu stolpern. Aber nichts geschah. Immerhin lag der Flugplatz Übersberg auf Kurs, sodass wir unmotorisierten Mädels wenigstens auf einem Flugplatz landen könnten. Wir schwärmten wie die Bienen um den Flugplatz aus. Stephanie fand an der nördlichen Kante einen Thermikpups und biss sich tapfer daran fest. Ich peilte eine Schlucht im Süden an und als sich die Fläche kaum merglich hob, kreiste ich ein. Es war mehr oder weniger ein Nuller. Noch nicht einmal ein positiver, aber aufgrund der Ermangelung von Alternativen blieb ich drin. Jürgen fand ein paar hundert Meter südlich von meiner Position tatsächlich Steigen und ich flog zu ihm. Allerdings fiel ich unter ihm klassischerweise aus der Blauthermik-Blase heraus. Also wieder ein Stück nach Norden zu meinem Thermikpups. Ich hatte noch ungefähr 300m über dem Flugplatz (zwar zeigte der Rechner eine höhere Höhe über Grund an, allerdings wollte ich ja auf dem Flugplatz auf dem Berg landen und nicht in der Schlucht unter mir) und biss mich erneut an dem bisschen Thermik fest. Tatsächlich war es eher ein negativer Nuller und ich verlor in Zeitlupe meine Höhe, aber ich blieb weiterhin drin. In der Zwischenzeit musste die arme Stephanie landen und Jürgen probierte den Weg zurück nach Westen. Die nächsten Wolken standen nicht weit entfernt, aber für eine ASW19 in der Höhe, nicht zu erreichen. Also kreiste ich weiter und hoffte mit meinem unzerstörbaren Optimismus, dass sich aus dem bisschen warmer Luft doch noch Thermik entwickeln würde. Inzwischen waren 20 Minuten vergangen und ich hate immer noch keinen nennenswerten Höhengewinn. Aber immerhin war ich noch in der Luft und blieb hartnäckig weiter im Kreis. Ich konnte im Zeitraffer sehen, wie Stephanie Flugzeug dort zurück zum Start gezogen wurde, als endlich etwas geschah. Aus meinem negativen Nuller wurde endlich ein Nuller und nach einigen weiteren Kreisen ein positiver Nuller. Ich erkämpfte Meter um Meter und nach fast 40 Minuten Kampf war ich endlich auf 1000m AGL.

„Da hast du Omis Telefonkabel vom alten Wählscheibenapparat in den Himmel gemalt, komplett mit den Knoddeln, wo es schon ausgeleiert ist!“
Jürgen vermeldete an den Wolken Steigen und nach einem kurzen Blick auf meinen Endanflugrechner, entschied ich mich zu besagten Wolken zu fliegen. Den Flugplatz Farrenberg würde ich knapp erreichen und davor standen zwei Fetzen. Außerdem hatte ich erst einmal vom Übersberg genug und mich sightseeingtechnisch sattgesehen. Also los! Am ersten Fetzen kam ich in 500m AGL an und mit einem halben Meter ging es langsam aber sicher nach oben. Leider löste sich der Fussel über mir bald schon auf und ich wagte den Sprung zur nächsten Wolke, die aber schon wieder etwas definierter aussah. Und das war die richtige Entscheidung. Endlich wieder gutes Steigen mit anderthalb Meter. Ich meldete das Steigen an meinen Trainer, der nördlich von mir an der Albkante kämpfte. Er kam ein gutes Stück unter mir an und so arbeiteten wir uns wieder nach oben.
Der Sprung zur nächsten Wolke war zwar wieder etwas weiter, aber diese ging wieder wunderbar mit 2,5m/s auf 1700m AGL. Das haben wir wirklich für die Moral gebraucht, hatte die Ausbuddelaktion doch extrem viele Ressourcen und Nerven gekostet. Inzwischen hatte sich auch eine schöne Aufreihung Richtung Schwarzwald gebildet und keiner sprach mehr die Idee an, wo anders langzufliegen als unter den Wolken.

Über Rottweil und Schwenningen ging es wieder zum Schwarzwald. Der erste Bart dort brachte mich auf 1500m über Gelände, Jürgen mal wieder 100m höher (…wie kann so ein großes Flugzeug nur so dermaßen gut steigen?) und ich machte mal wieder Bekanntschaft mit seinen Bremsklappen. Eigentlich war ich groggy und wollte nach Hause, aber da standen doch noch ein paar nette Wolken, die es abzufliegen und den Schwarzwald zu erkunden galt. Heute konnte man weit nach Westen schauen. Westlich des Schwarzwaldes kam erst einmal wieder ein Tal und am Horizont konnte man die Vogesen erkennen (welche dann im Norden zum Pfälzer Wald werden… auch dieses Wissen gab es bei Rainers Erdkundestunde). Unter der Wolkenstraße ging es wieder einmal herrlich und kreislos flogen wir bis zum Titisee (Das rückwärts-pubertierende Ich lacht sich immernoch darüber kaputt. Fast so wie über den FIKI-Test auf Arbeit) und wieder zurück. Balsam für die Seele 30 Minuten ohne einen Kreis über den Schwarzwald zu fliegen. Leider trocknete es inzwischen schon gut ab und so ging es zurück nach Hause.
Nach der Landung berichtete Stephanie, dass sie sich vom Übersberg aus nochmal in die Thermik schleppen ließ und dann auch noch einen zweistündigen schönen Flug hatte.
https://www.weglide.org/flight/324594

Da wir alle so einen großen Spaß hatten, verlängerten wir unseren Lehrgang auf Samstag. Anscheinend stellten wir uns alle gar nicht so blöd an, denn unsere Trainer stimmten direkt zu uns auch an diesem Tag zu Coachen.
Ich war wieder beim morgendlichen Ausarbeiten des Wetters dabei und die Vorhersage sprach heute von schlechter Blauthermik und einer heranziehenden Abschirmung. Da aber für den Tag zuvor von guter Blauthermik gesprochen wurde, die wir ja nicht bekommen hatten, gaben wir nichts darauf und probierten es trotzdem (oder gerade deswegen). Heute wurden noch einmal die Gruppen gewechselt und ich durfte mit Steffen Weniger zusammen fliegen. Da er mit einer Libelle unterwegs war, sollten wir eigentlich ganz gut zusammenpassen. Aufgrund der hohen Temperaturen ging es erst spät los und ich gönnte mir zuvor eine Runde Kunstflug mit Michael in der DG1000. Danach verteilten wir uns wieder unter diversen Flächen und wechselten langsam den Aggregatzustand. Als die ersten Wolken im Osten meldeten gab es kein Halten mehr und die ersten Schnupperer wurden geschleppt. Steffen und ich waren die letzte Gruppe und hatten Zeit das Treiben auf dem Glidertracker zu verfolgen. Tatsächlich berichteten sie von sehr gutem Steigen. Auch im Blauen!

Na dann nichts wie los! Mit 3m/s ging es direkt am Platz im Blauen auf 2500m MSL (und das am frühen Mittag) und wir entschlossen uns zuerst nach Osten zu fliegen. Auch heute klappte das Springen von Wolke zu Wolke ausgezeichnet und jede zog zuverlässig.
An der letzten Wolke erkurbelten wir 1800m AGL (und das auf der Alb). Etwas weiter südlich stand eine Cumulus-Lenti-Hybrid-irgendwas-Wolke und Steffen wollte mal ausprobieren, ob man da eine kleine Welle trifft.

Also bogen wir nach Süden ab, leider ohne nennenswerte Ergebnisse. Ich schlug vor, die nächste Cumuli im Süden auszuprobieren, allerdings war das ein kleiner Fehler. Diese zogen nicht wirklich und kostete uns nur Zeit. Wir hatten trotzdem unseren Spaß und nachdem wir es wieder auf die nördliche Aufreihung geschafft hatten, ging es auch wieder ganz wunderbar. An diesem Samstag war trotz der Vorhersage einiges los am schwäbischen Himmel, sodass wir nicht selten in einem größeren Pulk unterwegs waren. Kurz vor Klippeneck entschieden wir uns die Wolkenstraße noch einmal nach Osten zu nehmen. Auf dem Weg erkannten wir eine interessante Wettersituation. Die Wolken, die eben noch eine lockere Aufreihung war, haben sich in der Mitte zu einer großen dunklen Wolke fusioniert, die auch just in dem Moment, in dem wir drunter waren, leicht anfing abzuregnen. Aber sie trug trotzdem einigermaßen und am Ende der Wolkenstraße wendeten wir in entspannten 1600m AGL. Als wir den Blick wieder nach Westen richteten, erkannten wir, dass aus dem spärlichen Regen ein großer Schauer geworden ist. So schnell kann es gehen. Also versuchten wir diesen im Norden zu umfliegen und unterwegs auf Endanflughöhe zum Klippeneck zu kommen.

Falls wir kein Steigen finden sollten, kämen wir auch ganz entspannt in Albstadt an. An einem kleinen Fetzen kreisten wir zusammen mit einer rot-gelben ASK13 (ulkige Lackierungen von Holzflugzeugen können sie hier im Süden!) langsam auf Endanflughöhe. Eigentlich total unnötig, denn nach dem Kreisen mit 0,5m/s ging es mit 1m/s geradeaus. Naja, am Schluss ist man ja immer schlauer. Bald hatten wir den Schauer umflogen und die ersten Wolken in der Sonne lockten uns an. Inzwischen hatten wir alleine im Geradeausflug so viel Höhe gut gemacht, dass an Landen auf dem Klippeneck gar nicht mehr zu denken war. Wir wollten weiter fliegen und bogen nach Süden ab an die der Schauerwolke vorgelagerten Cumuli. Die erste ging mit 2m/s auf 2600m MSL. Aus Spaß flogen wir die nächste Wolke an und BÄM! Ein Raketenstart ist ein Dreck dagegen! 5,3m/s integriertes Steigen. Man konnte dem Zeiger auf dem Höhenmesser quasi zuschauen, wie er weiter drehte und ehe wir uns versahen mussten wir auch schon leider weiter, denn sonst wären wir gnadenlos in Flugfläche 95 reingeknallt. In Momenten wie diese wünsche ich mir einen Transponder zu haben. Selbst nach dem Weiterfliegen zog diese Wolke im Geradeausflug sensationell, sodass wir jenseits der 200km/h fliegen mussten, um nicht doch oben anzustoßen. Leider war die Abschirmung schon kurz vor uns aber wir hatten ja die Höhe und entschieden uns zu einem gemütlichen Sightseeingtrip nach Osten. Der Schauer war noch gewachsen und verhinderte leider weitere Abstecher nach Osten. Nördlich von Blumberg wendeten wir und flogen gemütlich nach Hause. Auch das hatte heute großen Spaß mit Steffen gemacht!
https://www.weglide.org/flight/325151

Es war eine wunderbare Woche. Eigentlich wollte ich gar nicht mehr in mein reales Leben im langweiligen Norden zurück. Die Gegend ist wunderschön und das gemeinsame Fliegen mit den Mädels hat auch großen Spaß gemacht. Unsere Trainer haben ihren Job mehr als großartig gemacht und uns mit unendlicher Geduld betreut (Zitat Veit: Damen strengen sich an die Trainer nicht zu nerven… sie weinen leise). Die Stimmung war im Allgemeinen großartig, wir haben viel gelacht und gelernt. Vielen Dank an den Angelika Machinek Förderverein für das Möglichmachen dieses wunderbaren Streckenflugtrainings. Ich glaube es hat uns alle fliegerisch weiter gebracht.
Ich kann den Förderverein jeder segelfliegenden Frau ans Herz legen. Egal ob Streckenflugneuling oder routinierte Fliegerin, hier wird auf jeden Leistungsstand eingegangen und individuell gefördert.
Ein weiteres großes Dankeschön geht an Walter (für alles), Georg (fürs Schleppen), Michael (für das Flugleiten) und unsere Trainer. Besonderen Dank an Jürgen und Steffen, die mich beide sehr gut betreut hatten. Es hat mega viel Spaß gemacht mit euch!
Und am meisten Danke ich meinem Gatten, der auch dieses Mal wieder seinen Urlaub geopfert hat, damit ich am anderen Ende von Deutschlands fliegen kann.
Leute, es war mir ein Fest! Bis nächstes Jahr!
